Reality-Check

Was nicht in die anderen Foren passt, kann hier thematisiert werden.
Ebenso können hier allgemeine Umfragen gestartet werden.
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Re: Reality-Check

Beitragvon hinterdemmond » 6. September 2018, 10:57

Indigocat hat geschrieben:Soll das etwa heißen, Selbstständige zahlen keine Steuern?

wenn du weniger einnimmst, zahlst du auch weniger steuern. dem bestatter wurde vorgeworfen, dass er die preise zu niedrig ansetzt, weil er mal erwähnt hat, dass er gar nicht so sehr für geld arbeitet. ihm ist es wichtig, dass die leute sich wohlfühlen und eine schöne beerdigung erleben. deswegen macht er manchmal mehr als nötig, wendet mehr zeit auf und hat höhere ausgaben. usw.
einem grafik-designer, der 15000€ im jahr verdient, wurde unterstellt, dass er extra zu wenig aufträge annimmt, um kleinunternehmer zu bleiben, weil er geschrieben hat, dass er lieber spannende und interessante jobs macht, auch wenn sie nicht so gut bezahlt werden, statt langweilige 08/15 jobs, die kohle einbringen. die leute haben es gar nicht verstanden, dass arbeit sich gar nicht wie arbeit anfühlt, wenn sie spaß macht, und dass geld dann zweitrangig wird. ich sage immer: "manche leute arbeiten, weil sie geld brauchen, ich brauche geld um arbeiten zu können." das ist also bei mir komplett andersrum. und die leute checken das einfach nicht. ich dürfte bei dieser serie gar nicht mitmachen, die würden mich in der luft zerreißen, wenn sie schon über so bodenständige leute ablästern.
tiffi hat geschrieben:Meinst du hier das schlechte Gewissen der anderen?

nein, ich meine schon mein eigenes schlechtes gewissen. meine mutter, war immer sehr gut darin, bei mir welches zu erzeugen. meine frau tut das gleiche. wie das bei den anderen ist, weiß ich gar nicht. ich glaube, da ist das gewissen mehr an die geltenden normen und regeln gekoppelt, sind die erfüllt, fühlen sich die leute wohl und haben sich nicht vorzuwerfen. und wenn man dann ihnen mit kritik kommt, dass ihr lebenswandel krank und umweltzerstörerisch ist, verweisen sie gerne auf irgendwelche andalusischen bauern, die ja nicht die neuesten aaa-kühlschränke haben. oder dass in wirklichkeit die dicken, degenerierten unterschichtler den armen, hungernden auf dieser welt die haare vom kopf fressen und nicht etwa sie selbst, die jedes wochenende im sommer ihren elektronischen hochleistungsgrill im garten anschmeissen müssen. sie können so wunderbar leicht ihre eigene schuld auf andere, vor allem auf kleinere und schwächere, abwälzen, da wird einem angst und bange. ich kann das nicht so gut. klar, letztendlich gehe ich auch jeden tag in mein atelier, mache die tür zu und vergesse alles für ein paar stunden, und wirklich unglücklich bin ich deswegen auch nicht. trotzdem ist es immer irgendwie da, das schlechte gewissen.
Indigocat hat geschrieben:Du solltest sie mal hier durchs Forum jagen. :lachen:

oh ja, das ist eine gute idee. dann laufen sie gleich davon, und ich habe wieder meine ruhe.
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Re: Reality-Check

Beitragvon tiffi » 6. September 2018, 11:08

hinterdemmond hat geschrieben:
tiffi hat geschrieben:Meinst du hier das schlechte Gewissen der anderen?

nein, ich meine schon mein eigenes schlechtes gewissen. meine mutter, war immer sehr gut darin, bei mir welches zu erzeugen. meine frau tut das gleiche. wie das bei den anderen ist, weiß ich gar nicht. ich glaube, da ist das gewissen mehr an die geltenden normen und regeln gekoppelt, sind die erfüllt, fühlen sich die leute wohl und haben sich nicht vorzuwerfen.
So ganz verstehe ich das noch nicht mit dem schlechten Gewissen.

Ist es mehr ein schlechtes Gewissen manchen Maßstäben gegenüber, und welchen?

(Also schlechtes Gewissen, dass du die Maßstäbe eigentlich für richtig hältst und selbst eher auf
deinem eigenen Trip bist, aber den Maßstäben was schuldig wärst?)

Oder schlechtes Gewissen gegenüber den Menschen, die die Maßstäbe einfordern?
Weil du die Menschen enttäuschst? (Die ja auch wieder die Maßstäbe verkörpern?)
:rätseln:

Gut, bei der Ehe könnte ich einen gewissen Frust nachvollziehen bei der Frau.
"Schatz, ich liebe dich nur 40 % und hänge mich nur ausreichend in die Sache rein" könnte bei
manchen Frauen nicht so gut ankommen. Andererseits, was macht so die Essenz einer Ehe
aus? Muss doch etwas mehr sein, als eine Rolle gut auszufüllen. :kein Plan:

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Re: Reality-Check

Beitragvon hinterdemmond » 6. September 2018, 15:28

tiffi hat geschrieben: So ganz verstehe ich das noch nicht mit dem schlechten Gewissen.

Ist es mehr ein schlechtes Gewissen manchen Maßstäben gegenüber, und welchen?

(Also schlechtes Gewissen, dass du die Maßstäbe eigentlich für richtig hältst und selbst eher auf
deinem eigenen Trip bist, aber den Maßstäben was schuldig wärst?)

Oder schlechtes Gewissen gegenüber den Menschen, die die Maßstäbe einfordern?
Weil du die Menschen enttäuschst? (Die ja auch wieder die Maßstäbe verkörpern?)
:rätseln:

es ist ein schlechtes gewissen menschen gegenüber, denen ich dieses leben zumute, und die das mittragen müssen. ich habe zum beispiel selbst gar kein gefühl für armut. ich weiß nicht, was das ist. ok. würde ich unter der brücke leben und flaschen sammeln, würde ich vielleicht eine ahnung davon bekommen. aber soweit ist es noch nicht. aber rein objektiv sind wir arm. auch wenn ich voriges jahr kunst im wert von fast 30000€ verkauft habe, und damit vielleicht sogar zu den 5% der erfolgreichtsten künstler im land gehöre, ging die hälfte davon an die galeristen. von dem rest musste ich 7% an mehrwertsteuer abführen. dann ging noch was für farben und atelierkosten weg. was übrig blieb, reichte gerade so, um nicht ins hartz4-bereich abzurutschen. ich sage zwar stolz: ich kann von meiner kunst leben. meine frau sagt: das, was ich "leben" nenne, würden andere keinen tag lang erleben wollen. der zustand ist leicht zu ändern. ich müsste mich nur nach einer stelle als kunstlehrer umschauen. irgendwo in doberlug-kirchhain findet sich bestimmt eine. sogar auf einem gymnasium. die sind so verzweifelt, die nehmen jeden.
von meinem lehrergehalt könnte ich mir dort bestimmt ein riesenhaus mieten, wo vielleicht sogar meine mutter platz findet. die hat schon angekündigt, dass sie auf ihre alten tage gern bei mir einziehen würde. mit meiner schwester ist nicht zu rechnen, die kommt nur, wenn sie geld braucht. mir graust es schon allein bei dem gedanken. aber wenn ich so ein restbauernhof irgendwo in der süd-brandenburgischen pampa kriege, wo ich mutti in einen ausgebauten seitenflügel enquartieren kann, sieht die sache schon anders aus.
aber dafür muss ich verantwortung übernehmen. mich vor den karren spannen lassen. alles vergessen, was ich mir mal erträumt und gewünscht habe. und das schaffe ich nicht. selbst wenn ich es versuchen würde, ich lass dann alles stehen und liegen und renne davon aus meinem frisch ausgebauten bauernhof und dem bürgerlichen leben, in dem alle es gut haben und glücklich sind.
ich hoffe, meine kinder werden es mir irgendwann mal vezeihen.
tiffi hat geschrieben:Gut, bei der Ehe könnte ich einen gewissen Frust nachvollziehen bei der Frau.
"Schatz, ich liebe dich nur 40 % und hänge mich nur ausreichend in die Sache rein" könnte bei
manchen Frauen nicht so gut ankommen. Andererseits, was macht so die Essenz einer Ehe
aus? Muss doch etwas mehr sein, als eine Rolle gut auszufüllen. :kein Plan:

ich liebe meine frau zu 100%, oder vielleicht habe ich das früher mal getan. das nützt aber auch nichts. ich mochte auch mathe früher total gern. trotzdem hielt es mich nicht davon ab, immer wieder sechsen in diesem fach einzufangen, wegen geschwänzter klausuren und vergessener hausaufgaben. liebe an sich macht noch keine glückliche und gelungene beziehung aus. da muss man schon seine "hausaufgaben" machen.
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Re: Reality-Check

Beitragvon Indigocat » 6. September 2018, 16:12

hinterdemmond hat geschrieben:wenn du weniger einnimmst, zahlst du auch weniger steuern. dem bestatter wurde vorgeworfen, dass er die preise zu niedrig ansetzt, weil er mal erwähnt hat, dass er gar nicht so sehr für geld arbeitet. ihm ist es wichtig, dass die leute sich wohlfühlen und eine schöne beerdigung erleben. deswegen macht er manchmal mehr als nötig, wendet mehr zeit auf und hat höhere ausgaben. usw.
einem grafik-designer, der 15000€ im jahr verdient, wurde unterstellt, dass er extra zu wenig aufträge annimmt, um kleinunternehmer zu bleiben, weil er geschrieben hat, dass er lieber spannende und interessante jobs macht, auch wenn sie nicht so gut bezahlt werden, statt langweilige 08/15 jobs, die kohle einbringen.
Mein ehemaliger Steuerberater hat mal von einem Klienten, einem Betriebsprüfer, erzählt, der nur drei Monate im Jahr arbeitet, um nicht mehr als notwendig das Finanzamt zu füttern. Die restliche Zeit hat er Urlaub gemacht. Mit einem Betriebsprüfereinkommen geht das auch.
ich dürfte bei dieser serie gar nicht mitmachen, die würden mich in der luft zerreißen, wenn sie schon über so bodenständige leute ablästern.
Welche Serie?
es ist ein schlechtes gewissen menschen gegenüber, denen ich dieses leben zumute, und die das mittragen müssen...….

der zustand ist leicht zu ändern. ich müsste mich nur nach einer stelle als kunstlehrer umschauen. irgendwo in doberlug-kirchhain findet sich bestimmt eine. sogar auf einem gymnasium. die sind so verzweifelt, die nehmen jeden.
Keiner ist gezwungen, dieses Leben mitzuleben, ok, deine Kinder schon, für die solltest du dich am Riemen reißen, denn sie haben schließlich nicht darum gebeten, in diese Welt gesetzt zu werden. Deine Frau kann jederzeit gehen. Der Zustand wäre auch leicht zu ändern, wenn deine Frau zum Familieneinkommen beitragen würde.

Ich habe jahrelang in minderbezahlten Jobs und Praktikas rumgedümpelt, weil ich auch ohne Berufsausbildung ins Leben gestartet bin. Dabei habe ich mich wahrscheinlich selbst "gebrochen", immerhin kann ich mich jetzt stoisch abschalten und auch langweilige Jobs erledigen. Die Kreativität, die ich als Kind hatte (wollte auch mal auf die Kunstschule) ist zwar im Moment verschüttet, aber ich bin nicht traurig drum, vielleicht ergibt sich irgendwann mal Gelegenheit, da was auszubuddeln. Ansonsten haben meine Kinder niemanden auf der Welt außer mich und ich bin froh, dass ich ihnen finanziell zu dem Leben verhelfen kann, das sie sich vorstellen. Da kam die Frage nach Selbstverwirklichung gar nicht auf. Mach ich jetzt, so nebenbei.
ich kann das nicht so gut. klar, letztendlich gehe ich auch jeden tag in mein atelier, mache die tür zu und vergesse alles für ein paar stunden, und wirklich unglücklich bin ich deswegen auch nicht. trotzdem ist es immer irgendwie da, das schlechte gewissen.
Woher kommen die vielen Leute, denen du rechenschaftspflichtig bist? :rätseln: Ich weiß nicht, an mir zerrt keiner rum. Meine Kinder leben mein Leben mit oder sie leben ihr eigenes, wie sie wollen, aber keiner mischt sich in das Leben des anderen ein. Wenn ich einen Partner hätte, der dauernd an mir rumzerrt, würde ich den einfach vor die Tür setzen und meine Mutter, die lass ich wie gesagt gar nicht erst rein. Klar bin ich die undankbare Tochter, na und? Ich bin niemandem so nahe, der mir das vorwerfen könnte.
:katze: Katzen machen glücklich.:katze:

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Re: Reality-Check

Beitragvon tiffi » 7. September 2018, 09:48

hinterdemmond hat geschrieben:es ist ein schlechtes gewissen menschen gegenüber, denen ich dieses leben zumute, und die das mittragen müssen. ich habe zum beispiel selbst gar kein gefühl für armut. ich weiß nicht, was das ist.
Ist die Frage, wieviel Verantwortung du hast und wie sich das äußert.
Was muss WIRKLICH unbedingt sein? Und was muss auf GENAU die Art sein, wie sich andere Menschen
das vorstellen?
Anders als in der Schule gibt es nämlich meiner Meinung nach nicht nur eine Schablone "Wie fülle ich eine
Veranwortung aus".

Deine Mutter hat dich großgezogen und ihr bestes gegeben.
Ich denke, da hast du ein dankbares Gefühl und fühlst dich gerne verpflichtet, ihr was zurückzugeben.
Aber hast du damals versucht, an deiner Mutter rumzudrehen, WAS GENAU sie dir alles bieten soll,
wenn sie dich schon groß zieht?
Welche Klamotten sie kauft, in welchem Haus leben, wie sie sich zu deinem Vater verhält, was es zu Essen geben
soll und wieviel Zusatztaschengeld?
Ich denke, viele Sachen müssen doch auch überhaupt nicht sein und sie hat trotzdem als deine Mutter
ihre Aufgabe gemacht.

Die Grundgeste zählt vielleicht, die Ausgestaltung ist verhandelbar.

Bzgl. Frau und Kinder....ich denke, denen hast du auch gegeben, was geht. Emotional und finanziell.
Auf deine Weise eben.

Vielleicht gibt es hier und da was an der Ausgestaltung zu kritisieren.
Wünschen kann man ja, und am besten tatkräftig mitwirken und gleichzeitig akzeptieren und
wertschätzen, aber jammern und fordern?

Im Falle deiner Frau, wenn ihr das zu wenig Geld ist, denke ich wie Indigocat, die ist ja nicht behindert,
wieso geht sie nicht selbst arbeiten? Die Kinder sind doch keine 3 mehr, oder?
Ist vielleicht für sie auch nicht einfach, wenn sie so aus bürgerlichem Milieu kommt (das kann man ja
an sich schon fast als Lebensbehinderung werten), aber sie hat sich das Leben auch ausgesucht.
Und vielleicht ist sie auch mit sich selbst unzufrieden,dass sie sich nicht so ganz verwirklicht hat, wie geplant,
und der Mann als verlängerter Teil sie auch nicht ganz verwirklicht. Vielleicht müsste sie da mal etwas
erwachsener werden?

Wegen der Lehrerstelle....sollte es auch mit der grundsätzlichen Idee, wie die Mutter rüberholen,
finanziell knapp sein, vielleicht kannst du es als vorübergehenden Notnagel sehen?
Schuldienst ist auch nicht so übel, zumal in Teilzeit (wäre ja in Vollzeit schon nur 20 h oder sowas)
Vielleicht macht es mit den Jugendlichen sogar Spaß, wenn der ein oder andere ansprechbar ist und
sich da was entwickelt und die Kinder / Jugendlichen auch nochmal ein ganz anderes Rollenmodell erleben,
wie man auch leben kann.
hinterdemmond hat geschrieben:aber dafür muss ich verantwortung übernehmen. mich vor den karren spannen lassen. alles vergessen, was ich mir mal erträumt und gewünscht habe. und das schaffe ich nicht. selbst wenn ich es versuchen würde, ich lass dann alles stehen und liegen und renne davon aus meinem frisch ausgebauten bauernhof und dem bürgerlichen leben, in dem alle es gut haben und glücklich sind.
Ich denke, du siehst das hier zu schwarz weiß.
Verantwortung ja, aber nicht ganz so wie die anderen das wollen, sondern vielleicht so ein Zwischending,
was dir auch entspricht.
hinterdemmond hat geschrieben:ich liebe meine frau zu 100%, oder vielleicht habe ich das früher mal getan. das nützt aber auch nichts. ich mochte auch mathe früher total gern. trotzdem hielt es mich nicht davon ab, immer wieder sechsen in diesem fach einzufangen, wegen geschwänzter klausuren und vergessener hausaufgaben. liebe an sich macht noch keine glückliche und gelungene beziehung aus. da muss man schon seine "hausaufgaben" machen.
Aber auch die sind verhandelbar und nicht starr, diese Hausaufgaben.
Das bestimmt ja nicht nur eine Seite, was jetzt moralisch gewichtiger wäre und unbedingt da sein muss.
Im besten Fall ist es halt ein Entgegenkommen, und am besten auch in Kontakt mit der Realität.

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Re: Reality-Check

Beitragvon Ghostvoice » 13. September 2018, 23:41

Nachdem ich mich mit L. über meine schrecklich anstrengende Zeit mit meinem Kollgen austauschte, meinte sie nur: „Well, he‘s unsecure. And stupid. And an asshole!“
Und das lies mich aufhorchen...
Faktisch arbeitete er ein Jahr lang alleine, weil es niemand mit ihm aushielt. Er spielte sich anscheinend gerne zu sehr auf und machte seine Kollegen runter.

Seit Monaten arbeite ich mit ihm und auch wenn wir so gar keine Gemeinsamkeiten haben, ist der Umgang ständig respektvoll.
Meine Antennen für Arschlöcher sind sehr gut! Meist „rutscht“ jemand recht bald aus und du siehst welche weniger guten Anteile unter der Oberfläche darauf warten aufzutauchen.

Aber in den letzten Monaten hatte ich nicht einmal ein Warnsignal wahrgenommen! Abgesehen von dem dummen Faschismus und Sexismus, der dort ohnehin üblich ist, hat er sich mir gegenüber niemals auch nur im Ansatz beleidigend oder aggressiv geäussert. Somit war diese Information eine echte Überraschung!

Ich frage mich, was genau in diesem Jahr so einschneidendes passiert war, daß sein Verhalten so drastisch änderte... denn wäre er immer noch jemand, der sich gerne durch Abwertung zu profilieren sucht, so wäre gerade meine Art eine grosse Verlockung für ihn.
Aschlöcher sehen einen höflichen Umgang gerne als Schwäche an und versuchen dann schonmal die Grenzen auszutesten.

Ein alter Hund lernt keine neuen Tricks, also was ist da los?
Wanda: ... du bist nichts anderes als ein eingebildeter Affe!!
Otto: Affen lesen aber keine Philosophiebücher!
Wanda: Doch, Otto. Das tun sie - aber sie verstehen sie nicht!
- aus „Ein Fisch namens Wanda“

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Re: Reality-Check

Beitragvon Maikäfer » 16. September 2018, 18:07

Am Berg im Dorf hing ein Plakat mit der Werbung einer Partei die für Islamfreie Schulklassen warb.
Dachte ich sehe nicht richtig und hab´s eine weile angestarrt.
Die Schulkinder sahen nicht typisch Deutsch aus. :rätseln:

Für eine Sprayfarbe war es zu weit oben. Dachte dran eine Anzeige zu machen!

Jetzt ist das selten blöde Plakat weg. :Sonne:
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Mit einer Gruppe die sich selbst beschäftigen kann - komme ich zurecht!

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Re: Reality-Check

Beitragvon Themis » 16. September 2018, 20:21

Der frustrierte Mann als Stein der Weisen?

Fuhr heute per Fahrrad in der Innenstadt von der Arbeit nach Hause. Sehr angespannt und in Gedanken; seit Langem sehr gestresst und Haut daher sehr rebellisch.

Ein Radfahrer Anfang 50 kam mir entgegen und murmelte mir halblaut zu: "Gehörst mal gef****". :kein Plan:

Schön, wenn Mann für alles DIE Patentlösung hat. Frage mich immer, für wen sich solche Leute halten. Er sah eigentlich ganz normal aus und es war mitten am Nachmittag.

Obwohl es so absurd ist, trotzdem schwer, es von sich abzuweisen und sich stattdessen über ihn zu ärgern. Wie blöd ist man eigentlich?
Everything is nothing, and nothing is everything. (Quelle strittig) :alien:

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Re: Reality-Check

Beitragvon Indigocat » 16. September 2018, 20:41

Themis hat geschrieben: Frage mich immer, für wen sich solche Leute halten. Er sah eigentlich ganz normal aus und es war mitten am Nachmittag.
Lag vielleicht nicht an der Haut? :rätseln: Für Betamännchen auf der Verliererseite des Lebens sind selbstbewusste Frauen oft ein Dorn im Auge.

Hatte mal ein gelbes Auto, nicht weil ich so auf die Farbe stehe sondern weil ich es günstig bekommen habe. Da hat mich mal einer bekoffert wie sch… die Farbe ist und wie man überhaupt mit so was fahren kann.... Hab geantwortet, die Welt ist so schon trist genug und mit einem grauen Auto fahren nur alte Männer. Der Typ hat geschluckt und ist in sein Auto eingestiegen.
:katze: Katzen machen glücklich.:katze:

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Re: Reality-Check

Beitragvon tiffi » 17. September 2018, 00:50

Themis hat geschrieben: "Gehörst mal gef****". :kein Plan:
....
Obwohl es so absurd ist, trotzdem schwer, es von sich abzuweisen und sich stattdessen über ihn zu ärgern. Wie blöd ist man eigentlich?
krude.
Da lässt sich für mich gar nichts vernünftiges ausdenken, was zu solchen Schlüssen führen könnte.
(selbst wenn man den schon länger kennen würde, guter oder schlechter Freund, oder man
hätte ihn irgendwie verärgert oder man hätte die roten Lackstiefel an)

Achso, oder du meinst, der war so sensibel und hätte deine Anspannung wahrgenommen
und eine Lösung dafür gehabt?

Auf den ersten Blick wirkt es unverschämt, grenzüberschreitend, willkürlich (kann der wirklich
was "echtes" erkannt haben oder hat er nur Dampf abgelassen?)


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