Reality-Check

Was nicht in die anderen Foren passt, kann hier thematisiert werden.
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Re: Reality-Check

Beitragvon yxcvbnm » 5. September 2018, 13:26

@tiffi: Zu den Gesprächen fielen mir Passagen aus Laings Knoten ein..
Ein Beispiel:
"Sie spielen ein Spiel. Sie spielen damit, kein Spiel
zu spielen. Zeige ich ihnen, daß ich sie spielen sehe, dann breche ich die Regeln, und sie werden mich bestrafen. Ich muß ihr Spiel, nicht zu sehen, daß ich das Spiel sehe, spielen."

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Re: Reality-Check

Beitragvon hinterdemmond » 5. September 2018, 15:25

Themis hat geschrieben:Kann es eigentlich sein, dass die Zahl der Neuanmeldungen (die dann auch aktiv auftreten) seit einigen Monaten gewaltig steigt?

jo, endlich mal was los im forum. :)
yxcvbnm hat geschrieben:@Themis: Meine Theorie, und die spiegelt sich auch in oft gestellte Fragen wieder, ist, dass die Diagnosekriterien auf Hobbyanalysten treffen.

genau, auf mich zum beispiel. mir würde aber auch kein psychologe, der noch alle tassen im schrank hat, eine störung verpassen. dafür scheint mir einfach zu sehr die sonne aus dem arsch.
Themis hat geschrieben:das hatte ich mir auch schon mehrfach überlegt. Aber wie stößt man darauf? Kein Mensch sucht doch vmtl. nach "Persönlichkeitsstörungen, ach, und welche passt denn wohl zu mir". Wer sollte sich ohne Not so ein Etikett geben wollen?
Aber natürlich ist es vielleicht, wenn man sich irgendwie komisch und unpassend fühlt (aus den unterschiedlichsten Gründen), erleichternd, sich dann wenigstens irgendein Etikett aufzukleben. Ich weiß nicht.

meine frau hat mich schon vor jahren auf den gedanken gebracht: "mit dir stimmt was nicht!"
oder neulich im auto: "du bist doch gar kein mensch. gib's zu! wer bist du eigentlich? ich fühlte mich ertappt.
und dann kommt man auf so ideen mal nachzuforschen. vor allem, wenn es einem selbst total blendend geht, alles super läuft, und man überhaupt keine beschwerden, wünsche oder unbefriedigte bedürfnisse hat, aber die leute immer wieder kommen und sagen: "mit dir stimmt etwas nicht." von meiner mutter hatte ich das früher oft gehört: "junge werd endlich normal!"
das wichtigste argument meiner drei onkels, mit dem sie meine mutter zur ausreise überzeugt haben:
"guck dir deinen sohn an, spätestens in der armee schlagen sie ihn tot!"
muttis bester spruch: "junge, mit deinem charakter findest du nie eine frau, die bei dir bleibt."
oder die mädels: "wir kennen uns schon seit drei wochen, und ich weiß noch so gut wie nichts über dich."
da kommt man schon auf gedanken, dass mit einem was nicht stimmen könnte. :rätseln:
auch im abseits sterben helden. (clickclickdecker)

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Re: Reality-Check

Beitragvon tiffi » 5. September 2018, 15:57

yxcvbnm hat geschrieben:@tiffi: Zu den Gesprächen fielen mir Passagen aus Laings Knoten ein..
Ein Beispiel:
"Sie spielen ein Spiel. Sie spielen damit, kein Spiel
zu spielen. Zeige ich ihnen, daß ich sie spielen sehe, dann breche ich die Regeln, und sie werden mich bestrafen. Ich muß ihr Spiel, nicht zu sehen, daß ich das Spiel sehe, spielen."
Ja, das hat was. Da werde ich mal reinlesen.

Jetzt muss ich auch an Berne "Spiele der Erwachsenen" denken.

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Re: Reality-Check

Beitragvon tiffi » 5. September 2018, 16:00

hinterdemmond hat geschrieben:und dann kommt man auf so ideen mal nachzuforschen. vor allem, wenn es einem selbst total blendend geht, alles super läuft, und man überhaupt keine beschwerden, wünsche oder unbefriedigte bedürfnisse hat, aber die leute immer wieder kommen und sagen: "mit dir stimmt etwas nicht."
warst du auch schonmal im Brigitte-Forum? :breites grinsen: ;)

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Re: Reality-Check

Beitragvon yxcvbnm » 5. September 2018, 16:11

Tiffi, Du erheiterst meinen Tag heute. :D

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Re: Reality-Check

Beitragvon hinterdemmond » 5. September 2018, 17:20

tiffi hat geschrieben:warst du auch schonmal im Brigitte-Forum? :breites grinsen: ;)

meinst du, da lauern die antworten auf meine fragen?
auch im abseits sterben helden. (clickclickdecker)

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Re: Reality-Check

Beitragvon tiffi » 5. September 2018, 18:52

hinterdemmond hat geschrieben:
tiffi hat geschrieben:warst du auch schonmal im Brigitte-Forum? :breites grinsen: ;)

meinst du, da lauern die antworten auf meine fragen?
Ich weiß nicht, mit was du zufrieden zu stellen bist :katze:

Aber was hältst du von der These, dass Künstler einen sadistischen Reiz auf einen Normalbürger
ausüben? (nicht in der Intention, aber als Nebeneffekt).

Mir kam gestern dieses Bild, und ich finde, es erklärt einiges. :cool:
(Naja erklären vielleicht auch nicht, aber beschreiben).

Vielleicht hast du auch einfach eine Art Immunität gegenüber gesellschaftlichen Botschaften.

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Re: Reality-Check

Beitragvon hinterdemmond » 5. September 2018, 23:37

tiffi hat geschrieben:Aber was hältst du von der These, dass Künstler einen sadistischen Reiz auf einen Normalbürger
ausüben? (nicht in der Intention, aber als Nebeneffekt).

der normalbürger akzeptiert den künstler überhaupt nur, wenn der bettelarm ist und erst nach seinem tod berühmt wird. sonst gerät sein ganzes konstrukt ins wanken: "was, da ist einer, der macht das, was ihm spaß macht, und ist auch noch erfolgreich damit?!" da kann er nicht mit umgehen. aber das trifft nicht nur künstler. es gibt bei zeit online so eine serie, wo leute erzählen, was sie verdienen und wofür sie das geld ausgeben. wenn du ein malocher bist, der für 3500€ netto im monat bei vw in der gießerei schuftet und das verdiente geld in eigentumswohnungen investiert, bist du ein held. du darfst nur nicht die falsche frau heiraten, die dich ausnimmt. aber wehe, du hast deinen langweiligen verkäuferjob bei peek&cloppenburg hingeworfen und bist jetzt selbständiger fitnesstrainer mit 1500€ netto-einkommen im monat. oder du bist ein kleiner gruftie, hast dich schon immer für den tod interessiert und bist nach dem studium selbständiger bestatter geworden, und verdienst 1700€ im monat. dann kommen die ganzen spießer aus ihren löchern gekrochen und fangen an zu stänkern: "und was machst du wenn du alt bist? ohne rente. liegst du dann dem staat auf der tasche?" und wie kommt man überhaupt mit so wenig geld über die runden?" "wie will so jemand eine familie gründen?" "und überhaupt, was passiert, wenn sich alle selbständig machen und nur das tun, was ihnen spaß macht für nen appel und ein ei, wer zahlt dann die ganzen steuern und abgaben?" du merkst, wie die leute innerlich erschüttert werden, weil sie merken, es geht auch anders.
aber man ist ja nicht nicht nur künstler, sondern hat auch diverse andere rollen zu erfüllen. und die erfülle ich alle nur unzureichend. ich würde mir höchstens eine 4+ dafür geben. aber das macht mir so gar nichts aus. es ist wie eine 4+ in mathe. man hat die nacht durchgemacht, geht ohne was zu lernen in die klausur schreibt 4+ und freut sich riesig, dass man so billig davon gekommen ist. so ist es auch mit meiner ehe und allem anderem. null ehrgeiz im zwischenmenschlichen bereich. das ist das problem, aber, wie gesagt, eher für die anderen. weil sie mehr erwarten und enttäuschungen natürlich vorprogrammiert sind. dann ist es auch egal, was der "normalbürger" dazu sagt. das eigene schlechte gewissen kann er auch nicht entlasten.
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Re: Reality-Check

Beitragvon Indigocat » 6. September 2018, 00:50

hinterdemmond hat geschrieben: "und überhaupt, was passiert, wenn sich alle selbständig machen und nur das tun, was ihnen spaß macht für nen appel und ein ei, wer zahlt dann die ganzen steuern und abgaben?" du merkst, wie die leute innerlich erschüttert werden, weil sie merken, es geht auch anders.
Soll das etwa heißen, Selbstständige zahlen keine Steuern? :rätseln: Ich hab angestellt bei gleichem Verdienst mehr raus und kann in den Urlaub fahren und auch mal krank werden, ohne dass gleich die Welt untergeht. Selbstständig lohnt sich nur als Unternehmer mit Angestellten, wenn die Firma so strukturiert ist, dass sie auch mal ohne einen läuft. Für alles andere dreht man sich immer im Hamsterrad.
oder die mädels: "wir kennen uns schon seit drei wochen, und ich weiß noch so gut wie nichts über dich."
Du solltest sie mal hier durchs Forum jagen. :lachen:
:katze: Katzen machen glücklich.:katze:

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Re: Reality-Check

Beitragvon tiffi » 6. September 2018, 07:03

hinterdemmond hat geschrieben:der normalbürger akzeptiert den künstler überhaupt nur, wenn der bettelarm ist und erst nach seinem tod berühmt wird. sonst gerät sein ganzes konstrukt ins wanken: "was, da ist einer, der macht das, was ihm spaß macht, und ist auch noch erfolgreich damit?!" da kann er nicht mit umgehen. aber das trifft nicht nur künstler. es gibt bei zeit online so eine serie, wo leute erzählen, was sie verdienen und wofür sie das geld ausgeben. wenn du ein malocher bist, der für 3500€ netto im monat bei vw in der gießerei schuftet und das verdiente geld in eigentumswohnungen investiert, bist du ein held. du darfst nur nicht die falsche frau heiraten, die dich ausnimmt. aber wehe, du hast deinen langweiligen verkäuferjob bei peek&cloppenburg hingeworfen und bist jetzt selbständiger fitnesstrainer mit 1500€ netto-einkommen im monat. oder du bist ein kleiner gruftie, hast dich schon immer für den tod interessiert und bist nach dem studium selbständiger bestatter geworden, und verdienst 1700€ im monat. dann kommen die ganzen spießer aus ihren löchern gekrochen und fangen an zu stänkern: "und was machst du wenn du alt bist? ohne rente. liegst du dann dem staat auf der tasche?" und wie kommt man überhaupt mit so wenig geld über die runden?" "wie will so jemand eine familie gründen?" "und überhaupt, was passiert, wenn sich alle selbständig machen und nur das tun, was ihnen spaß macht für nen appel und ein ei, wer zahlt dann die ganzen steuern und abgaben?" du merkst, wie die leute innerlich erschüttert werden, weil sie merken, es geht auch anders.
Hmm ja, das sind so Lebensentscheidungen und Prioritäten, die man anders als die anderen trifft und die wohl
die anderen, die sich mit ihren Entscheidungen in trockenen Tüchern wähnen, verunsichern.

Ging mir ja in kleinem Ausmaß schon so, als ich auf Teilzeit reduziert hab. Nicht nur dass mein Arbeitgeber mir
massig Steine in den Weg gelegt hat, auch meine Kollegen reagierten mit Unverständnis und Befremden
"dann hat man ja kein Geld mehr für einen Kaffee trinken gehen und Urlaub";
und trotz der Jammerei über die Mühle käme der Verzicht auf Geld und in den üblichen Schienen zu bleiben
(Eigenheim, Frau, Hund mit Hundeschule, zweimal Urlaub, paar Hundert Euro für Style ausgeben im Monat,
weitere paar Hundert Euro für Spaß und Nachtleben)nicht in Frage.
Bei mir wirds bei der Rente auch knapp (aber das nötige wird schon da sein), aber vielleicht mache ich dann noch
einen Mini Job bis ich 70 bin und falle dann einfach direkt ins Grab (beim Gruftiebestatter :breites grinsen: )
hinterdemmond hat geschrieben:aber man ist ja nicht nicht nur künstler, sondern hat auch diverse andere rollen zu erfüllen. und die erfülle ich alle nur unzureichend. ich würde mir höchstens eine 4+ dafür geben. aber das macht mir so gar nichts aus. es ist wie eine 4+ in mathe. man hat die nacht durchgemacht, geht ohne was zu lernen in die klausur schreibt 4+ und freut sich riesig, dass man so billig davon gekommen ist. so ist es auch mit meiner ehe und allem anderem. null ehrgeiz im zwischenmenschlichen bereich. das ist das problem, aber, wie gesagt, eher für die anderen.
Genau das könnte aber sein, warum die anderen da so verärgert reagieren; dass du an diesen "Strippen" nicht
zu kriegen bist.
Wenn man davon ausgeht, dass jemand Mühe reinsteckt in die anderen Rollen und was erfüllen will, dann hat man
den ja in der Hand und weiß wie der tickt und weiß, woran man ziehen kann, um den zu motivieren.

Gleichzeitig denke ich, "normale Menschen" meinen es auf ihre Art gut, sie denken, dass das Leben auf
sicheren Schienen einfach besser und weniger beunruhigend läuft. Kraft der Gruppe und des Bewährten
usw.Darum wird dir vielleicht auch panisch das Scheitern und "Tod" vorausgesagt, wenn du nicht auf diesen
Schienen bist, weil diese Schienen das bessere Leben verheißen können.

"Kein Mensch", das ist aber auch ne Aussage :rätseln:
Naja, als ich meine Familienschiene verlassen hab und mehr auf mein eigenes beharrt, da war ich auch
"ganz seltsam, schon immer anders, krank und wohl in einer Sekte" (nur die Sektenschiene kann eine
Erklärung sein, dass man willenlos ist und die einzig gute richtige Schiene verlässt, ist klar :feiern: )
Es fühlt sich an, als würde man von den anderen ausgestoßen oder sowas wie "für tot erklärt", das ist
ne komische Dynamik. Verletzt auch irgendwie oder erschüttert, wenn man sich doch noch teilweise
durch die anderen spiegelt und sieht da nur das reine Grauen.

Es ist so als würden sie die ganze Zeit schreien "fasse nicht auf die heiße Herdplatte, bist du des Wahnsinns"
und geben irgendwann auf; wobei letztendlich immer noch die Hoffnung da ist, dass sie einen auf
den in ihren Augen richtigen Weg ziehen können.
Naja, und ich finde, ich bin noch gar nicht so ein krasser radikaler Fall, ich bin so halb und halb.
Aber reicht schon für gewisse Konflikte und argwöhnisch beäugt werden.
hinterdemmond hat geschrieben: weil sie mehr erwarten und enttäuschungen natürlich vorprogrammiert sind. dann ist es auch egal, was der "normalbürger" dazu sagt. das eigene schlechte gewissen kann er auch nicht entlasten.
Meinst du hier das schlechte Gewissen der anderen? Obwohl sie die Norm und den Normbürger auf ihrer Seite haben?
Mir wirken sie ja schon oft sehr sicher und selbstgefällig, vor allem in der Überzahl.
Aber auch so verunsichert und aufgeschreckt, dass sie sich doch zusammenrotten und noch größere Kommittes
bilden müssen, dass sie ja doch richtig sind und der anders denkende / handelnde / fühlende krank, abartig und besorgniserregend.

Was mir aber auch noch in den Sinn kam, von wegen der "sadistischen Wirkung" auf den Normalbürger:
ist es vielleicht die Neigung zur Wahrnehmung und Innenwelt beim abweichenden oder Künstler,
die vorhanden ist, und die ja vermutlich auch erst zu ganz eigenen Entscheidungen und Wegen führt?
(Mehr Innenwelt, weniger notwendige Schienen und Sicherheit außen; mehr unvorhersehbares und
unkontrollierbares; als würde man sich ohne Netz dem Leben ausliefern ein Stück weit auch).

Ich glaube, dass die Leute auf den Schienen auch immer ganz vieles ihrer Innenwelt bekämpfen müssen
(vielleicht hier das schlechte Gewissen?), damit der Lebensstil richtig und gerechtfertigt bleibt.
Und wenn man diese Innenwelt anrührt, was durch die Art des Seins aber auch durch die Kunst
passieren kann, könnte das sogar eher unangenehm berühren und zu diesen panisch verärgerten
Abstoßungsreaktionen führen, immer mit der Hoffnung "Der/die wird schon noch vernünftig"
(zur Not mit krasseren Aussagen)


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