Moin

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Re: Moin

Beitragvon Kalliope » 25. April 2020, 13:22

@Anjuli:
ich sehe in dem Text von @oderint diesen Satz als Knackpunkt:
oderint hat geschrieben:Das Leben verliert seinen Sinn.


► Text zeigen


Aber, huch, es ist ja MonkeyInTheFogs Thread. Daher nur als "Einwurf" betrachten, Gedanke.
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Re: Moin

Beitragvon Anjuli » 25. April 2020, 14:53

Kalliope hat geschrieben:@Anjuli:
ich sehe in dem Text von @oderint diesen Satz als Knackpunkt:
oderint hat geschrieben:Das Leben verliert seinen Sinn.


Das ist sicher ein zentraler Satz. Konkret aber, worin sehe ich den Sinn des Lebens und warum?
Was für eine Vorstellung habe ich davon, glücklich zu sein? Was muss sein, damit ich glücklich bin und das Leben einen Sinn macht?

Diese Vorstellung kann man hinterfragen. Und ändern. Und, Glück, Freude, der Sinn des Lebens kommt nie von außen. Das funktioniert nicht. Man kann denkenm achh hätte ich einen Partner, viel Geld..dann wäre ich glücklich. Das klappt nicht. Hat man es dann, ist man weiterhin unglücklich.

Seine Vorstellung vom Sinn, vom Glück hinterfragen und loslassen.


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Aber, huch, es ist ja MonkeyInTheFogs Thread. Daher nur als "Einwurf" betrachten, Gedanke.
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Re: Moin

Beitragvon MonkeyInTheFog » 26. April 2020, 12:48

Kalliope hat geschrieben:Aber, huch, es ist ja MonkeyInTheFogs Thread. Daher nur als "Einwurf" betrachten, Gedanke.



Macht nix, von mir aus kann der Thread ruhig „gekapert“ werden, ich habe mich hier ja auch nur vorgestellt, weil es laut Forenregeln erwünscht ist und viel mehr ausbreiten würde ich mein Inneres im öffentlich einsehbaren Bereich ohnehin nicht. ;)

Außerdem wird der Thread ja auch bald geschlossen oder? :rätseln:

Ansonsten würde ich ähnliches sagen:

Kalliope hat geschrieben:
Muss das, was nun "nur" nach Kompensation aussieht wirklich auch eine sein? Könnte man das auch (wieder) unter einem anderen Licht betrachten mit neuen oder alten Aspekten?


Genau. Und vielleicht auch: Warum macht Kompensation denn alles sinnlos und welche Kriterien müssten denn erfüllt sein, damit es keine Kompensation ist bzw. so wenig, dass es sinnvoll ist? Und wieso überhaupt?



Anjuli hat geschrieben:Seine Vorstellung vom Sinn, vom Glück hinterfragen und loslassen.


Ebenfalls genau. Wobei ich es immer schwierig finde, das jemandem zu raten, wenn das auch bedeutet, Grundpfeiler des eigenen Weltbildes umstürzen zu müssen, weil ich nicht weiß, ob das nicht noch mehr Schaden anrichtet bzw. weil ich nur weiß, dass dieser Weg zwar funktionieren mag, allerdings alles andere als kurz ist. Aber das hängt wohl tatsächlich alles auch stark von Alter und Lebensumständen ab.
Nothing’s real until you feel“ – aus „Ghost of the Navigator“ von Iron Maiden

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Re: Moin

Beitragvon oderint » 27. April 2020, 22:01

Hallo MonkeyInTheFog,

das Problem ist, ich habe vor der Diagnose immer gedacht, dass ich nur ein wenig anders bin als der Rest der Welt. Ich muss aber anerkennen, das meine Abweichung vom "Normalen" doch größer ist, als ich das gedacht hatte. Damit die anderen das nicht merken, habe ich mich halt jeden Tag verstellt. Genau genommen habe ich mir etwas vorgemacht, denn im Grunde hab ich immer gewusst, dass irgendetwas mit mir nicht stimmen kann. Das ging solange gut, bis die Psychologen und Psychiater mir den Spiegel vorgehalten haben. Das schmerzt, weil das bisherige Leben als Lebenslüge entlarvt wurde. Da eine Persönlichkeitsstörung vorliegt, ist keine Heilung möglich, und so wie ich bin, kann ich mein Anderssein einfach nicht akzeptieren. Es wäre besser gewesen, ich könnte weiter meine Lebenslüge leben. Das meinte ich mit "die Diagnose ist ein Fluch". Das Dasein als Schizoider ist nicht besser als die Diagnose selbst. Oder sehe ich das falsch, weil ich das Gute aus welchen Gründen auch immer nicht sehen kann?

Die, die sich mit der Situation als schizoider Mensch arrangieren können, sind zu beneiden. Mir fällt es unendlich schwer. Ich bin mit meiner Einstellung bestimmt nicht repräsentativ für die Mehrzahl der Forenmitglieder, aber es gibt vielleicht die ein oder andere Person, die versteht, was in einem vorgeht, wenn das Leben einen ganz anderen Verlauf nimmt, als ursprünglich geplant. Das soll genügen, denn ich will die Mehrheit mit meiner speziellen Sicht auf die Dinge nicht langweilen.

Ich bin leider nicht gläubig. Schade, denn ich kenne in meinem Umfeld sehr gläubige Menschen, die jeden Tag ihren Glauben leben und daraus viel Kraft schöpfen. Ich bin mehr der analytisch, kritische Mensch, der alles in Frage stellt. Woran das wohl liegen mag?

Gruß

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Re: Moin

Beitragvon oderint » 27. April 2020, 22:26

Anjuli hat geschrieben:Leidest Du nur, weil Du nicht so bist wie andere?
[...] Fehlt Dir der Kontakt wirklich? Warum? Was suchst Du? Was hindert Dich?
Du brauchst nicht andere zum Glücklichsein. [...] Alleinsein ist schön. Nur Einsam sein ist grau.


Die Antwort würde Bände füllen. Ja, mir fehlen Kontakte. Wenn mich aber jemand einlädt, suche ich händeringend nach Ausreden, warum ich nicht kommen kann. Wenn mich jemand besuchen möchte, beunruhigt mich das mehr, als alles andere, was ich mir vorstellen kann. Meine Wohnung hat noch nie jemand betreten, außer ein paar Handwerkern, und das bereitet mir schon Tage vor ihrem Erscheinen Kopfzerbrechen. Was hindert mich daran, Kontakte zu knüpfen? Das weiß ich nicht. Das ist der nicht auflösbare Widerspruch zwischen ersehnter Nähe und erwünschter Distanz.

Glück kenne ich nicht. Eine Tatsache, die mir erst während der Therapie bewusst geworden ist. Was für andere Glück ist, ist für mich Zufriedenheit, denn das ist die Differenz zwischen Erreichtem und Erwünschtem - etwas das ich vergleichen kann. Glück kann ich nicht messen, ich kenne es nur aus Beschreibungen und ich habe in meinem Innern eine Vorstellung davon, was es ist. Aber erlebt habe ich es noch nie. Aus den Therapiegesprächen weiß ich, dass ich emotional nur einen geringen Erregungszustand erreiche. Ich bin halt der berühmte Eisblock. Sanguiniker - Fehlanzeige.

Viele Grüße

oderint

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Re: Moin

Beitragvon oderint » 27. April 2020, 22:55

Kalliope hat geschrieben:@Anjuli:
ich sehe in dem Text von @oderint diesen Satz als Knackpunkt:
oderint hat geschrieben:Das Leben verliert seinen Sinn.


Zur Kompensation:
Sie ist Teil der Diskussion mit dem Psychiater. Vereinfacht geht die Argumentation wie folgt.
1. Sie sind allein. Ja, das ist ein objektiver Tatbestand.
2. Fühlen Sie sich einsam? Manchmal.
3. Psychiater: Wenn Sie sich einsam fühlen, haben Sie dann die Möglichkeit, dies zu kompensieren? Was machen in Ihrer Freizeit?
Antwort oderint: Ich habe seltsame Steckenpferde (u. a. Vorliebe für Naturwissenschaften, obwohl ich beruflich nichts damit zu tun habe). Psychiater: Das ist gut, denn die Kompensation bewahrt Sie vor Medikamenten und der geschlossenen Anstalt.
Antwort oderint: Einschließen kommt nicht in Frage.
Psychiater: Das habe ich mir gedacht. Solange Sie die Flucht in den Intellekt finden, brauchen Sie nichts zu befürchten.
Antwort oderint: Jetzt wo Sie sagen, dass meine Vorlieben mir das Überleben sichern, fühle ich mich unsicher, denn die Vorlieben sind nicht länger reiner Genuss, sondern eine bislang unbekannte Überlebensstrategie. Was, wenn ich das Interesse an ihnen verliere oder ich meine Geisteskraft verliere?
Psychiater: Machen Sie sich keine Gedanken. Sie haben so viele Jahre das Alleinsein kompensiert, warum sollte sich daran etwas ändern?
oderint: Das frage ich mich in Gedanken auch.

Was ist der Sinn des Lebens? Fragen Sie einen Mann, der seine Frau verloren hat, oder eine Frau, die ihren Mann verloren hat. Fragen Sie einen Menschen, der allein in den Sonnenuntergang starrt. Fragen Sie jemanden, der im Winter in Eiseskälte einsam durch den Wald stapft.

Gruß

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Re: Moin

Beitragvon MonkeyInTheFog » 28. April 2020, 12:17

oderint hat geschrieben:Es wäre besser gewesen, ich könnte weiter meine Lebenslüge leben. Das meinte ich mit "die Diagnose ist ein Fluch". Das Dasein als Schizoider ist nicht besser als die Diagnose selbst. Oder sehe ich das falsch, weil ich das Gute aus welchen Gründen auch immer nicht sehen kann?



Wenn die eigene(n) Lebenslüge(n) auf einmal wegbrechen, kann das natürlich sehr bitter sein, keine Frage. Aber ich denke schon, dass man sich damit arrangieren kann. Ich würde zunächst einmal nicht sagen, dass du da was falsch siehst, weil das weniger eine Frage von richtig/falsch ist, sondern eigentlich eher nur deine Eigenbewertung. Das Gute daran ist, dass du die in der Hand hast, auch wenn das natürlich nicht auf Knopfdruck funktioniert.

Allerdings:


oderint hat geschrieben:Ich bin leider nicht gläubig. Schade, denn ich kenne in meinem Umfeld sehr gläubige Menschen, die jeden Tag ihren Glauben leben und daraus viel Kraft schöpfen. Ich bin mehr der analytisch, kritische Mensch, der alles in Frage stellt. Woran das wohl liegen mag?


+

oderint hat geschrieben:Aus den Therapiegesprächen weiß ich, dass ich emotional nur einen geringen Erregungszustand erreiche



Dann kannst du vielleicht das beides nutzen, um deine Eigenbewertung zum Positiven zu ändern? Oder anders gesagt: Ich glaube, solch eine bewusste, rationale Neubewertung lässt sich wesentlich besser und rascher verinnerlichen, wenn man eh schon eher der analytische/rationale Typ ist und wenn da keine kochenden Emotionen mit hineinspielen, kann das auch recht hilfreich sein. ;)


oderint hat geschrieben:Jetzt wo Sie sagen, dass meine Vorlieben mir das Überleben sichern, fühle ich mich unsicher, denn die Vorlieben sind nicht länger reiner Genuss, sondern eine bislang unbekannte Überlebensstrategie.


Vielleicht hilft es dir ja, zu fragen, warum eine Vorliebe dadurch entwertet wird, dass sie dir das Überleben sichert? Eigentlich könnte man ja auch meinen, das würde die Vorliebe sogar aufwerten oder? Immerhin sichert sie auch noch das Überleben!

Und sämtliche Vorlieben, Regungen, Gedanken, Gefühle kommen von irgendetwas; oft genug ist es Reaktion auf Etwas, Kompensation, wenn man so will. Da ist so gesehen überhaupt keine „Lüge“ dran, es ist einfach Entwicklung. Essen schmeckt letztlich auch deswegen, weil es lebensnotwendig ist, all unsere Empfindungen rühren aus einer Entwicklung der Anpassung heraus – wieso sollen dann die eigenen Vorlieben „unecht“ sein, nur, weil sie eine Überlebensstrategie sind?
Vielleicht hilft es dir ja, in diese Richtung zu denken?
Nothing’s real until you feel“ – aus „Ghost of the Navigator“ von Iron Maiden


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