Neue schreckliche Krankheit entdeckt

Ein Leben in (völliger) Isolation? Du bist sehr introvertiert, ängstlich-vermeidend oder gar schizoid? Wie gehst du damit um?
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Neue schreckliche Krankheit entdeckt

Beitragvon bahnhof » 11. Januar 2020, 23:51

Heute habe ich gelesen, dass die japanische Psychiatrie eine neue Krankheit entdeckt hat:

Hikikomori

Folgende Kriterien gibt es für die "Diagnose":

1. Man ist zuhause und sozial isoliert
2. Das dauert nun schon 6 Monate oder länger
3. Die soziale Isolierung führt zu funktionalen Einschränkungen und Belastungen.

Falls man 2 - 3 Mal die Woche das Haus verlässt, ist es die milde Form, bei nur 1 Tag oder weniger die ernste. Geht man 4 Tage oder öfter aus dem Haus, erfüllt man nicht die Kriterien für Hikikomori.

Dauert es schon 3 Monate, aber noch keine 6 Monate, hat man Prä-Hikikomori.

Der Unterschied zu ähnlichen "Krankheiten" sei, dass man nicht aktiv soziale Kontakt vermeidet, hingegen ist es ein sicheres Zeichen, wenn man sich einsam fühlt.

Digitale Kommunikationstechnologien scheinen Hikikomori zu begünstigen, stellten die Psychiater fest.

Man will jetzt erforschen, ob sich die Krankheit auch in anderen Ländern ausbreitet.

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Re: Neue schreckliche Krankheit entdeckt

Beitragvon novembernebel » 12. Januar 2020, 00:55

Das ist keine Neuentdeckung, wer schreibt denn jetzt schon wieder so einen Mist? Den Begriff gibt es schon sehr lange (mindestens 20 Jahre). Und das wird auch schon genau so lange psychiatrisch behandelt in Japan.
Ursachen waren bisher meist massives Mobbing in der Schule zB und durch Cybermobbing in sozialen Medien wirds natürlich verstärkt.

Hikikomori leben nicht nur zu Hause, sondern ziehen sich meist sogar komplett in einen einzigen Raum zurück. Das bedeutet das Wort übrigens auch: Zurückgezogen.

Im Grunde ist es eine sehr extreme Form der Sozialphobie, durch die japanische Kultur natürlich mitgeprägt und anders ausgeprägt als in der westlichen Kultur.

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Re: Neue schreckliche Krankheit entdeckt

Beitragvon sdsdsdsv » 12. Januar 2020, 09:52

Man nennt die Betroffenen afaik so.

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Re: Neue schreckliche Krankheit entdeckt

Beitragvon novembernebel » 12. Januar 2020, 11:00

Ja, die Betroffenen werden so genannt, aber neu ist das bei weitem nicht.

Ich hätte gern mal die Quelle, die das behauptet.

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Re: Neue schreckliche Krankheit entdeckt

Beitragvon 2ost » 12. Januar 2020, 11:12

Die/eine Quelle hat bahnhof doch verlinkt:
bahnhof hat geschrieben:Hikikomori
Das Bunte ist ein Link zu einem Artikel vom 10. Januar dieses Jahres, der aber auch darauf verweist, dass das Phänomen schon in den 1990ern aufkam. Eventuell einfach ein Missverständnis, weil das persönlich noch nicht bekannt gewesen und der Artikel selbst halt recht frisch doch noch ist (resp. die Diagnosekriterien dann doch neu definiert worden zu sein scheinen)?
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Re: Neue schreckliche Krankheit entdeckt

Beitragvon novembernebel » 12. Januar 2020, 11:20

Ach, hab nicht erkannt, dass es ein Link ist, sorry.

Gut möglich, dass es jetzt näher definiert wurde, damit die Pharmaindustie besser ihre Mittelchen verbreiten kann... Aber die Forschung, ob sich diese Krankheit weltweit ausbreitet ist... naja.......
Wie gesagt, Hikikomori ist auch stark kulturell geprägt, da insbesondere die Eltern von Hikikomori den Krankheitsverlauf meist begünstigen, in dem sie nicht mit ihrem Kind zum Arzt gehen, sondern das Zurückziehen unterstützen, in dem sie zB das Essen regelmäßig vor die Zimmertür stellen etc. Man darf ja nicht auffallen in der Gesellschaft, es darf ja die gemeinschaftliche Harmonie nicht gestört werden und niemand darf mitbekommen, dass man einen Hikikomori zu Hause hat. Man muss es nur aushalten, bis es vorbei geht.
Dieses "blos nicht auffallen, stört die Harmonie, einfach stoisch aushalten" ist tief in der Japanischen Kultur verankert im Gegensatz zur westlichen Kultur, in der mehr Fokus auf dem Individuum liegt statt auf der Gemeinschaft. Psychotherapien in Japan zielen auch daher oft mehr darauf, was man mit seiner eigenen Krankheit dem eigenen Umfeld antut, als darauf, was man sich selbst antut und wie man sich selbst wieder besser fühlt.

Ich muss aber auch sagen, dass mir dieses Phänomen schon lange bekannt war, da ich früher Japanologie studiert habe und im Rahmen dessen auch ein Auslandssemester in Tokyo absolviert habe.

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Re: Neue schreckliche Krankheit entdeckt

Beitragvon sdsdsdsv » 12. Januar 2020, 11:45

Interessant. Ich hörte in Japan hinkt man in Sachen Akzeptanz von Therapie und psychischer Erkrankung Jahrzehnte hinterher. Das allg.gültige Rezept ist da noch i. d. R. sich zusammenzureißen. Stimmt das?

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Re: Neue schreckliche Krankheit entdeckt

Beitragvon novembernebel » 12. Januar 2020, 11:54

Ja, das stimmt. Wer krank ist, sticht heraus und herausstehende Nägel müssen eben wieder schnell eingeschlagen werden, weil sie die gemeinschaftliche Harmonie stören. Und das natürlich auch am besten still und heimlich. Darum suchen auch weit weniger Betroffene von sich aus Hilfe und werden auch von Angehörigen weit weniger oft dazu gedrängt, sich Hilfe zu suchen. Im Gegensatz zu hier im Westen.

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Re: Neue schreckliche Krankheit entdeckt

Beitragvon 2ost » 12. Januar 2020, 12:06

Hat sich in den letzten 60 Jahren vielleicht geändert, aber in Ronald Laings "Das geteilte Selbst" findet sich das Fallbeispiel eines Metzgerkindes, das nach Beendigung der Schule auch kaum mehr aus dem Zimmer kam, die Kommunikation, selbst durch die geschlossene Zimmertür, komplett einstellte und dessen Eltern aber erst Hilfe holten, als gar das für den Jungen im Kühlschrank platzierte Essen nicht mehr angerührt wurde. Der Schein ist möglicherweise auch "im Westen" noch, je nach Milieu, ein bewahrenswertes Gut doch.
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Re: Neue schreckliche Krankheit entdeckt

Beitragvon novembernebel » 12. Januar 2020, 12:21

Klar, das schon. Auch im Westen sind "Bekloppte", die zur Therapie gehen nicht eben gut akzeptiert, insbesondere in ländlichen Gegenden (eigene Erfahrung). Aber in Japan ist das oft noch eine Spur krasser als hier.


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