Alpenland

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Alpenland

Beitragvon Ghostvoice » 7. September 2019, 11:47

Im Sinne der Völkerverständigung mache ich hier mal diesen Thread auf um interessante oder einfach nur lustige Themen anzusprechen, welche sich in Österreich ereignen.
Diese Tür war immer nur für dich bestimmt.Und nun werde ich sie schliessen.

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Re: Alpenland

Beitragvon Ghostvoice » 7. September 2019, 11:51

Überschreitung von Wahlkampfkosten und deren Erklärung

In Österreich gibt es ein Gesetz, daß die Wahlkampfkosten von Parteien 7 Millionen nicht übersteigen dürfen. Dahinter steht der Gedanke, daß nicht manche Parteien übermäßig viel Geld für Wahlwerbung ausgeben können und andere Parteien damit komplett unterlegen sind. Alle Parteien bestehen darauf, daß sie diese Obergrenze nicht überschreiten...

Diese Woche geschah dann folgendes...

Es begann damit, daß der Falter, eine investigative Wochenzeitung, einen Bericht veröffentlichte, der zeigte, daß die ÖVP (Partei von Sebastian Kurz) ihre Wahlkampfkosten 2017 um fast das Doppelte überschritt und plante dies nun wieder zu tun.
Insider hatte dem Falter die Kostenaufstellung zukommen lassen. Dabei wurden Ausgaben, die zum Wahlkampf gehören, einfach nicht mit einbezogen.

Wie beispielsweise die Nicht-Wahlkampf-Tour, welche der ehemalige (und zukünftige) Kanzler Kurz seit seiner Abwahl vor einigen Monaten absolvierte. Er reiste durch Österreich, lächelte überall in die Kamera und wenn ihm die Leute zujubelten, wackelte er freundlich mit den Ohren! (<- nicht faktenbasierte Aussage, nur meine eigene Darstellung; hab ihn selbst noch nie wackeln sehen, stelle mir es aber vor...)

Nun hatte der Falter also die offizelle Wahlkampfkostenaufstellung durchgesehen, gesehen, was alles nicht stimmte und rief vor der Veröffentlichung bei der ÖVP an, um eine Stellungnahme der Partei dazu noch rechtzeitig mit einarbeiten zu können. Doch wollte die ÖVP nichts dazu sagen...

Am Mittwoch erschien dann die aktuelle Augabe des Falters mit ihrer Top-Story.

Der Generalsekretär der ÖVP kündigte an, die Zeitung auf Unterlassung zu klagen. Er bestreitet nicht die aufgeführen Daten... aber er will nicht, daß man die Schlussfolgerung ausspricht. Nämlich, daß diese Überschreitung nicht unabsichtlich, sondern bewußt geschah!
Man muss sich das ungefähr so vorstellen:
„Auch wenn aus unseren Dokumenten hervorgeht, daß wir bei der Aufstellung unserer Wahlkampfkosten sehr kreativ vorgehen, so verwahren wir uns dagegen, daß uns irgend jemand Betrüger und Gesetzesbrecher nennt! Natürlich sind wir das - aber wir wollen wirklich nicht, daß das jemand ausspricht! Sonst klagen wir.. auf Unterlassung!“

Nun... soweit, so lustig.

Aber die Frage ist doch: geht es NOCH lustiger?

Aber natürlich!

Zur Zeitline:
Der Bericht des Falters erschien am Mittwoch Morgen. An eben jenem Tag, kam auch die Ankündigung der Unterlassungsklage seitens der ÖVP.

Am Donnerstag rief die ÖVP die Vertreter der heimischen Presse zusammen (mit Ausnahme einer Falter-Journalistin, welcher der Zutritt verweigert wurde).

Mit betroffener Miene erklärte der Ex- und künftige Kanzler, daß die ÖVP gehackt wurde. Über den Account eines hochrangigen Mitarbeiters wurde sich Zugriff auf die Server verschafft und mehrere TB an Daten entwendet und auch gefälscht...

Moment...? Woher weiss die ÖVP, daß Daten gefälsch wurden...?

Nun, ganz offensichtlich wurden dem Falter veränderte Wahlkostenabrechnungen zugesteckt! Denn die ÖVP hält sich immer genau an die Gesetze! Der Hackerangriff erklärt somit alles...

Und nun ist es die oberste Priorität erstmal herauszufinden, wer denn das Verbrechen des Datendiebstahles begangen hat! (... und über die Überziehung der Wahlkampfkosten reden wir jetzt bitte nicht mehr!)

... als ich am Donnerstag Vormittag die Meldung der ÖVP hörte, war ich wieder mal sehr belustigt und schockiert! Der „Kurze“ ging nicht auf die Vorwürfe der Manipulation ein, sondern versuchte wieder mal das Auge der Öffentlichkeit anderswohin zu lenken...

Das ist auch der Anlass für diesen Thread... in der letzen Regierung ÖVP/FPÖ und auch noch danach wurden so dermaßen viele Unmöglichkeiten bekannt... und wie darauf reagiert wird spricht von einem Moralverständnis, daß einfach nur Angst macht.

Wenn es nicht allzusehr stört, werde ich noch ein paar Dinge, welche zuvor passierten meinen deutschen Nachbarn näherbringen, da ich nicht weiss, wieviele Details in die deutsche Berichterstattung einfliessen.

Wir leben hier in Österreich in sehr interessanten Zeiten...
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Re: Alpenland

Beitragvon Ghostvoice » 10. September 2019, 19:23

Die Shredder-Affäre

Was passiert mit den Dokumenten und Datenträgern einer Regierung nach einem Regierungswechsel?
In der Kurzform: die relevanten Daten werden ins Staatsarchiv gebracht und dort aufbewahrt, der Rest wird vernichtet.
Im Falle von digitalen Datenträgern übernimmt dergleichen eine Firma wie „Reisswolf“, welche sich auf diese Aufgabe spezialisiert hat. Solche Dokumente werden von der Firma abgeholt, dokumentiert, in Hochsicherheitscontainer eingeschlossen, zu den Vernichtungsanlagen der Firma gebracht und dort zu feinem Datenstaub zermahlen.
So ist zumindest der reguläre Ablauf...

Eben jene Firma „Reisswolf“ erhielt kurz nach Bekanntwerden der Ibiza-Affäre einen Anruf von Herrn Walter Meisinger. Dieser erkundigte sich nach den Dienstleistungen, denn er habe 5 Festplatten zu vernichten.
Herr Meisinger war schon bei der persönlichen Anmeldung sehr nervös. Er wollte die Festplatten auf keinen Fall aus der Hand geben, bestand darauf, sie persönlich in den Shredder zu legen. Normalerweise reicht ein Durchgang, um Festplatten komplett zu zerstören.
Herr Meisinger bestand auf drei (!) Durchgängen - soll heissen, erst nachdem die Schnippsel der Schnippsel der Festplatten zermanscht waren, war er zufrieden.

... und wollte wissen, ob er den Datenstaub mitnehmen könne! :lachen:

Dieses Verhalten hatte der betreuende Mitarbeiter - seit 16 Jahren in der Firma Reisswolf - noch nie erlebt. Ja, an jemanden wie Herrn Meisinger würde man sich noch lange erinnern.

Besonders deshalb, da er die ihm gestellte Rechnung nicht bezahlte!

Bei Kontaktversuchen stellte sich heraus, daß die Telefonnummer, sowie die eMail-Adresse beide falsch waren. Herr Meisinger war spurlos verschwunden...

... und tauchte bei der Abschiedsrede von Sebastian Kurz wieder auf. Der durch das Misstrauensvotum seines Amtes enthobene Altkanzler sprach im Fernsehen bedauernd zu seinen Schäfchen und wer stand im Hintergrund?
Der „Head of Social Media“, Beamter der Bundesregierung... oder, wie ihn die Mitarbeiter von Reisswolf kannten: „Herr Meisinger“!

Der Falter bekam Wind von der Geschichte und begann zu recherchieren... unter anderem kam es auch zu einem Gespräch - „Off the record“ - mit Herrn Meisinger, der den Verlauf der Geschichte bestätigte.

Als die Geschichte nun an die Öffentlichkeit kam, nahm der Altkanzler dazu Stellung:
„Es wurde eine Festplatte zerstört.“ - „Ja, das Verhalten des Mitarbeites war nicht korrekt - die Rechnung wurde inzwischen bezahlt!“

...

Öhm....? Fehlt da noch was? :x

Nun, zum einen waren es nicht eine, sondern fünf Festplatten! Zum anderen: das war die ganze Stellungnahme?

Der Zeitpunkt des ganzen Geschehens war auch deshalb sehr verdächtig, zumal er kurz nach Bekanntwerden der Ibiza-Affäre stattfand. Jemand bekommt Panik und Datenträger - wohlgemerkt Staatseigentum! - werden aus Druckern ausgebaut und zerstört. Was sich auf diesen möglicherweise befand, ist nun nicht mehr herauszufinden.
Nun haben wir gleich mal die Straftatbestände Sachbeschädigung und Beweismittelunterdrückung (möglicher Zusammenhang zu Ibiza-Affäre). Das mit der falschen Identität des Mitarbeiters lassen wir mal eben aussen vor, ebenso die Lüge des Ex-Kanzlers, es habe sich nur ein ein kleine, winzige, komplett unwichtige Festplatte gehandelt... ;)

Und Herr Kurz, erklärt, daß ihm Wahlkampf 2017 bereits Daten seiner Partei geleakt wurden und das erkläre dann auch das ungewöhnliche Vorgehen des Mitarbeiters! Natürlich war es nicht richtig... aber verständlich!

Ja, genau. DER wird Ende des Monats wieder in Österreich das höchste Amt bekleiden und das Volk jubelt ihm zu...

Wie ich schon zuvor schrieb: interessante Zeiten in Österreich!
:x
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Re: Alpenland

Beitragvon sdsdsdsv » 14. September 2019, 21:53

Ghostvoice hat geschrieben:Wenn es nicht allzusehr stört, werde ich noch ein paar Dinge, welche zuvor passierten meinen deutschen Nachbarn näherbringen, da ich nicht weiss, wieviele Details in die deutsche Berichterstattung einfliessen.
Beitragen kann ich nicht, lese deine informativen und unterhaltsamen Texte aber gern. Danke! :glück:

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Re: Alpenland

Beitragvon Ghostvoice » 15. September 2019, 17:19

sdsdsdsv hat geschrieben:Beitragen kann ich nicht, lese deine informativen und unterhaltsamen Texte aber gern. Danke! :glück:

Danke! :blumengabe:

... und: Oje! Jetzt dauert es sicher noch 3 weitere Einträge, bis dieser Thread einschläft! :bangen: ( ;) )
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Re: Alpenland

Beitragvon Ghostvoice » 15. September 2019, 19:37

Den beiden schon beschriebenen Vorfällen ging dieses Frühjahr ja etwas anderes voraus, nämlich

Die Ibiza-Affäre

Kurz zusammengefasst: am 17.Mai 2019 wurde ein Video veröffentlicht, welches das geheiligte Oberhaupt der FPÖ und Vizekanzler Heinz-Christian Strache zusammen mit Parteikollegen Johannes Gudenus in einer Villa auf Ibiza zeigt. In gemütlich-trunkener Runde stellt der Parteichef einer vermeintlichen russichen Oligarchennichte einige Dinge in Aussicht, welche man - ganz gelinde gesagt - als bedenklich bezeichnen könnte... das fragliche Video war 2017 entstanden.

Die Übernahme der Kronenzeitung - über Jahrzehnte die einflussreichste Tageszeitung Österreichs. Diese war in ihrer Berichterstattung der FPÖ eher gewogen - etwas, dass sich nach dem Video erstaunlicherweise änderte...
... Da hätten wir also mal die Übernahme eines Tagesmedium, welches die politische Meinung stark beeinflussen kann. Wie nützlich solche Instrumente sein können sieht man ja an Beispielen wie der Türkei, Italien oder auch Russland.


Bauaufträge für russische Firmen, konkret solche, welche bisher an die Strabag gingen. Dieses österreichische Unternehmen gehört zu den größten Baufirmen in Europa und ist ein wichtiger Arbeitgeber hierzulande...
... Die FPÖ wetterte gerne als Oppositionspartei gegen die Mächtigen, welche sich nicht um den kleinen Mann von der Strasse kümmern. Sie wären da ganz anders.
Nun sah man eindeutig wie das Oberhaupt eben jener Partei nur zu bereitwillig den Arbeitsplatz eben jenes kleinen Mannes lieber einem russischen Montagearbeiter zugestand.
(Schon lustig... wann immer er sagte, er würde sich für das Volk stark machen, dann meinte er in Wirklichkeit nicht das österreichische, sondern das russische Volk! Er hat niemals gelogen, er wurde eben nur missverstanden!)

Was mich wohl mehr als andere schockierte war die Aussicht auf eine zumindest teilweise Privatisierung des Wassers!
Es gibt Dinge, die NIEMALS in private Hände fallen dürfen und das Wasser gehört nunmal dazu. Warum das mehr als nur problematisch sein kann, soll hier vieleicht ein bisschen verdeutlicht werden: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Private ... versorgung

Wie sollte nun die russische Investorin der FPÖ finanziell entgegenkommen, ohne daß die Verbindung sofort offenbar würde? Nun, die beiden klugen Herren kannten dafür bereits ein etabliertes System, welches nicht nur von der FPÖ genutzt wird, sondern auch andere Parteien Österreichs gerne nutzen: Spenden an Vereine, welche bestimmten Parteien nahestehen. Denn so kann man Zuwendungen am Rechnungshof vorbeischleusen.


Nichts von dem was in diesem Video gesagt wurde war strafrechtlich relevant!
Weder Strache noch Gudenus waren zu jenem Zeitpunkt in der Regierung, konnten also nichts bewirken. Sie stellten nur in Aussicht was alles möglich wäre, sobald sie an der Regierung beteiligt wären.

Nun, am Tag nach der Veröffentlichung gab Herr Strache eine Pressekonferenz.
Er gestand ein, daß es falsch war, sich so zu verhalten (ca. 1% seines Auftrittes).
Er räumte ein, daß er sich unter Alkoholeinfluss zu diesen Äusserungen hinreissen lies (nochmal ca. 1% seines Auftrittes).
Und dann stellte er klar, wie wichtig es sei, die Hintermänner dieser Schmutzkübelkampagne ausfindig zu machen (und damit hätten wir die restlichen 98% seines Auftrittes).

Und dann trat er von allen seinen Parteiämtern zurück!
(Sein Kumpel Herr Gudenus - der sich im Video eher als „böse Nuss“ outete - natürlich ebenso)
Das Land hatte keinen Vizekanzler mehr und Herr Kurz stand vor der Frage, ob er weiterhin mit der FPÖ koalieren solle.
Nach so einem Skandal sollte die Antwort natürlich auf der Hand liegen!

Aber Herr Kurz wäre ja nicht er selbst, wenn er unüberlegt handeln würde. Deshalb kam auch in diesen brisanten Zeiten kein Kommentar des „Schweigekanzlers“.
Denn egal welche groben Schnitzer sich seine Koalitionspartei FPÖ in den eineinhalb Jahren Zusammenarbeit auch leistete - er schwieg immer dazu. Bis der mediale Druck so stark wurde, daß er etwas sagen musste.
Nun, er war durchaus bereit, weiterhin mit der FPÖ zu regieren - doch als Bedingung stellte er den Kopf von Herbert Kickl. Der FPÖ-Mann bekleidete das Amt des Innenministers und war oft im Mittelpunkt jener erwähnten „Schnitzer“.

Ich werde ihm wohl einen eigenen Eintrag widmen müssen, nur soviel: Herrn Göbbels Gehirn wurde geklont und Herrn Kickl eingesetzt, NACHDEM dieser sein Philosopiestudium abbrach und BEVOR er anfing Reden für Herrn Haider und schliesslich Herrn Strache zu schreiben.
Er mag kein Nazi sein, er hat eben nur genau diese Gesinnung und versucht ihre Methoden wiederzubeleben. Medienkontrolle und Schlägertruppen auf den Strassen inklusive. Aber wie gesagt, zu diesem Herren vielleicht später mehr... :)

Die FPÖ wollte jedoch an Herrn Kickl festhalten, Herr Kurz wartete an und die restlichen Parteien beschlossen ein Misstrauensvotum gegen den amtierenden Kanzler einzubringen. Dieses war das erste erfolgreiche Votum in unserer gegenwärtigen Republik. Der junge Kanzler wurde abgewählt.

Er hätte trotz Verlust seines Kanzlerpostens ein Nationalratsmandat übernehmen können, verzichtete aber darauf! Ebenso verzichtete er auf alle Gehaltsforderungen... so edel war Herr Kurz!

Nur dass er durch den Verzicht auf seine Nationalratsmandat auch keine Anspruch auf irgendein Staatsgehalt gehabt hätte - die Medien giffen dies sofort auf und machten sich entsprechend über ihn lustig: „Kurz verzichtet auf Gehalt - auf das er keinen Anspruch hat!“

Nun denn... Ende September gibt es nun Neuwahlen.
Schon nach dem Zerfall war klar, daß Herr Kurz diese wieder für sich entscheiden wird, weshalb er unverzüglich nach seiner Abwahl seine Wahlkampftour durch Österreich startete. Natürlich nicht offiziell. Und die Kosten dafür darf man auch nicht in das schon oben beschriebene Wahlkampfbuget mit einrechnen. Dies ist ja mit 7 Millionen gedeckelt und Herrn Kurz Partei hatte ja bereits 2017 6 Millionen mehr ausgegeben.

Was wurde aus Herr Strache?

Dieser besass die Admin-Rechte für den Facebookaccount seiner Partei und postete lustig weiterhin Kommentare und Videos, um ja nicht in Vergessenheit zu geraten. Tatsächlich ist dieser Account für FPÖ-Wähler eine der allerwichtigsten Informationsquellen, wenn es darum geht die eigene Weltsicht zu bilden und stärken!
Schliesslich erfährt man nur dort, was einem die Lügenpresse alles vorenthält.
Zum Beispiel, daß man in Wien nur mehr dann eine Gemeindewohnnung kriegt, wenn man Ausländer oder gar Flüchtling ist! Österreicher bekommen einen Brief, in welchem erklärt wird, daß man auf diese Personengruppen besonders Rücksicht nehmen muss!
Den kann man sich dann ausdrucken und Leuten im Lokal zeigen... (oder erwähnen, daß man genau so einen Schrieb selbst bekommen hat - wie es mein Kollege lautstark erzählte :) )

Für die FPÖ war es ein langes, hartes Ringen, ihm diese Oberhoheit abzunehmen - nun werden seine Postings erst von der Partei geprüft und dann vielleicht freigegeben. :)

Damit die Familie Strache auch weiterhin ein Einkommen hat, wandte sich die FPÖ an die Ehegattin des abgetretenen Vize-Kanzlers, Philippa Strache. Diese soll für den Nationalrat kandidieren und würde sich besonders für die Tierrechte einsetzen!
(Böse Stimmen würden sagen, daß ist durchaus glaubhaft - schliesslich habe sie ja sogar einen Esel geheiratet! ;) )

Herr Strache selbst wollte Immobilienmakler werden. Hat sich aber von dem Gedanken wohl schon wieder verabschiedet... ich denke mir, wenn man schon mal in der Position war, ein ganzes Land zu verkaufen, sind Häuser einfach keine Herausforderungen mehr...

Die FPÖ verlor ihren Parteiobmann und seitdem teilt sich eine zweiköpfige Hydra den Parteivorsitz. Der eine Kopf ist jener des ehemaligen Innenminister Herbert Kickel (oben zitiert). Er ist der Kampfhund, der gerne extreme Aussagen tätigt und vor keiner noch so harten oder erbärmlichen Aktion zurückschreckt.

Wem dieser zu extrem ist, der kann sich nun auch dem anderen zuwenden: Herrn Norber Hofer.
Der ehemalige Verkehrsminister ist gemäßig, eloquent und überraschend sympathisch (hatte mal ein Interview mit ihm gehört und war erstaunt, daß er tatsächlich auch für mich gut rüber kam - also, eine angenehme Präsenz; natürlich tritt er für alles ein was falsch ist, aber er verkauft es unaufdringlich).

Die Wahl ist also bereits entschieden, es wird die alte Regierung zurückkommen und Österreich hat so einiges aus Ibiza gelernt:

Egal was du machst, solange du ein Schnösel mit grossen Ohren bist, der Fragen nicht beantwortet sondern das Thema irgendwo anders hin lenkst, wirst und bleibst du Kanzler.

Egal, ob du im Privaten anbietest dein Land und seine Bürger zu verkaufen, solange du mit hirnlosen Parolen dem Pöbel erklärst, daß jeder sonst an seinem Elend schuld ist, wirst du deine Unterstützer behalten.

Österreich ist kein zivilisiertes Land - es ist eine Demokratie. Jede Stimme zählt! Und wenn Uninformierte ihre Entscheidungen aufgrund ihres Aberglaubens treffen, dann kann jeder, der die Mittel der Manipulation einzusetzen versteht die Geschicke eines Landes lenken.

Die Echsenmenschen leben derzeit noch in unterirdischen Labyrinthen, aber sie arbeiten an der Übernahme der Erde. Trump, Boris Johnson, Putin, Ergodan, Rohani, Kurz, Strache und Konsorten sind nur der Stosstrupp unserer neuen Herrscher!

Gepriesen seien die Echsenmenschen!!!
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Re: Alpenland

Beitragvon Ghostvoice » 28. September 2019, 16:03

Letzte Wahlkampfauftritte...

Da es gleich bei mir um die Ecke ist, hab ich beschlossen, mir heute mal anzuhören und vor allem anzusehen, wie sich ein spezieller Bewerber präsentiert.

Ich war noch nie bei so einer Veranstaltung, noch nichtmal in einem so abgespeckten Rahmen (Einkaufszentrum). Aber selbst ich erkannte die typischen Mechanismen. Das Auftreten mit vollem Gefolge, die abgesprochenen Zwischenrufe aus dem Publikum, das Dauergrinsen der Versammelten auf der Bühne hinter dem Redner und die strategisch in der Menge verteilten Parteimitglieder in ihren Jacken.

Peinlich war die Einführung des Kandidaten durch eine Bauchrednerpuppe - das war trauriger Proletenhumor, selbst wenn er sich in Grenzen hielt.

Warum wollte ich nun speziell diesen Kandidaten sehen?

Nun, weil seine Partei unter den 5 „grossen“ die einzige ist, welche darum kämpft überhaupt 4% der Wähler zu überzeugen, um damit überhaupt noch ins Parlament zu kommen. Ja, so beliebt ist die Partei, welche eigentlich nur aus ihrem Zugpferd besteht - demjenigen, den ich heute mal sehen wollte.
Auch der Zuschauerandrang hielt sich stark in Grenzen. Interessiert an seinem Auftritt waren die wenigsten...

Es war irgendwann beklemmend zu sehen, daß hier eine Partei steht, die versucht noch ein paar Stimmen zu bekommen... obwohl klar ist, daß ihre Chancen schlecht stehen. Ich würde mich nicht trauen darauf zu wetten, doch ich vermute doch, daß diese Partei in der kommenden Legislaturperiode nicht mehr im Parlament vertreten sein wird.

Zum Kandidaten selbst: er ist Mitte 60, seit Mitte der Achziger politisch aktiv (Gründungsmitglied der Grünen) und ein ungeliebter Störenfried. Ungeliebt bei anderen Politikern und auch im Volk.

Warum?

Nun, andere Politiker mögen ihn nicht sonderlich, weil er sich sie ein Kampfhund in Themen verbeissen kann und nicht locker lässt. Sein Lieblingsfressen sind ungeklärte Fälle in der Republik, die auch schonmal hochrangige Parteimitglieder betreffen. Schmiergelder, Veruntreuungen, fragwürdige, staatliche Aufträge...

Normalerweise wird von Seiten der Regierungen beschwichtigt, das Thema verschwindet nach ein paar Wochen aus den Medien und irgendwann wird verkündet, dass nun alles aufgeklärt und erledigt ist und man nicht mehr darüber sprechen muss(/soll).

Jener bestimmte Politiker hielt nie viel davon jemanden zu schützen oder sich gar kaufen zu lassen. Er blieb am Ball und erzielte Ergebnisse! Der „Aufdecker der Nation“ nannten ihn die Medien und diesen Ruf hat er bis heute.

Ich hörte ein paar Interviews mit ihm und war beeindruckt. Von seiner Art zu kommunizieren! Er ist ein streng rationaler Mensch, der ausgesprochen kritisch und informiert ist. Er verzichtet - in Interviews - auf jegliche Slogans, gibt konkrete, überdachte Antworten auf ihm gestellte Fragen, setzt niemals einen Fuss in rethorische Fallen, bleibt immer beim Thema.

Man kann sich vorstellen, daß kein einziger seiner Mitbewerber sich gerne mit ihm in einer Gesprächssituation befindet: er kann jederzeit - rational - die „Standpunkte“ anderer hinterfragen und als undurchdachte Parolen entlarven. Mich hätte es sehr gefreut ihn einmal mit dem Ex- und zukünftigen Kanzler Kurz in einer Diskussionssituation zu sehen.

Mein Verdacht: innerhalb von 30 Minuten würde Kurz zwar nicht heult, aber ständig versucht seine Tränen wegzublinzeln!
Nach einer Stunde würde Kurz auf dem Boden liegen, heulend, mit den Beinchen strampelnd und brüllen: „Seien Sie nicht so gemein zu mir! Böser Onkel! Pfui!“

Aber dieses Risiko würde der Ex- und zukünftige Kanzler niemals eingegen. :(

Jemanden, wie den heute gehörten Kandidaten bräuchte das Land. Jemanden, der jeden Vorschlag prüft, abwägt und dann erst entscheidet, was er vertritt. Jemanden, der sich in über 30 Jahren niemals Bestechung oder Beeinflussung vorwerfen lassen musste. Jemand der sich bei allem seiner Verantwortung bewußt ist und diese ernst nimmt.

Kurzum: einen untypischen Politiker!

Allerdings - das muss unbedingt erwähnt werden - wurde er bei der letzten Wahl vor zwei Jahren kaltgestellt: eine Mitarbeiterin warf ihm sexuelle Belästigung vor. Er trat daraufhin komplett aus der Politik zurück, bis diese Sache geklärt sei.
Es war kein Zufall, daß diese Vorwürfe gerade im Wahlkampf gegen ihn erhoben wurden. Daß er selbst zurücktrat und meinte, bis diese Angelegenheit geklärt sei, habe er in der Politik nichts verloren, entspricht genau seinen eigenen ethischen Vorstellungen.

Nach einem halben Jahr kehrte er in die von ihm gegründete Partei zurück und bestand natürlich auf einen Sitz im Nationalrat (in den seine Partei in seiner Abwesenheit einziehen konnte). Die Frage, wer nun auf seinen gut bezahlten Posten verzichten sollte, schuf einiges Unbehagen innerhalb der Partei.

Tatsächlich scheint er sich gegenüber Frauen nicht so zu verhalten, wie man es heutzutage von einem Mann erwartet. Das räumte er selbst ein. Es wurden dann mehrere Stimmen laut, die bestätigten, dass er gerade im angetrunkenen Zustand recht zutraulich wird. Und ich persönlich kann mir vorstellen, daß diese Vorwürfe durchaus berechtigt sind!
Er hat soweit man weiss niemals eine Frau sexuell genötigt oder vergewaltigt - aber seine Hände wandern gerne dorthin, wo sie nichts zu suchen haben. Ein Verhalten, das er wohl nur schwer unterdrücken kann. Als Frau sollte man wohl nicht zu nahe bei ihm stehen. Aber ich denke eine armlänge Abstand wäre doch recht sicher.
Diesen Aspekt seiner Persönlichkeit muss man ansprechen um ein ganzes Bild dieser Person zu bekommen!
Vom „Aufklärer der Nation“ zum „alten Grabbscher“...zumindest ist das seitdem das Bild, das in der Öffentlichkeit existiert.

Obwohl er sein Verhalten nicht herunterspielte und sich dazu bekannte, haftet ihm nun dieser Ruf an. Und diesen wird er nicht mehr los. Einen anderen Kandidaten hätte man damit konfrontiert, daß er zu enge Beziehungen zu einem Unternehmen hat oder mehr als nur „Interessensvertretung“ für einen guten Freund aus der Privatwirtschaft betreibt. In seiner Vita gab es aber nichts derartiges. Also musste man etwas finden, dass seinen Charakter in Frage stellte.

Schon zuvor war er kein Mann des Volkes. Aus dem einfachen Grund, daß er niemals einer von Ihnen war.

Er ist so ein Gescheiter; so einer der Bücher liest und immer alles besser weiss.

Die Stammtischler wollen sich ihre simple Weltsicht nicht von ihm schlecht reden lassen;
den Bobos ist er zu alt und uncool;
für die Rechten kommt er als kopflastiger Mensch ohnehin nicht in Frage und die gemäßigten - die keine Ahnung von Politik haben, aber meinen, es sei ihre Pflicht dennoch zu wählen, „weil man das ja so macht“ - wollen jemanden, den sie sympathisch finden.
Und ehrlich gesagt nerven mich die Letztgenannten am meisten!


Österreich bekommt somit wieder nur die Politiker, die es verdient - nicht die, welche es brauchen würde! :( :( :(


Zu gerne würde ich morgen meine Stimme jenem Vertreter geben, nur gibt es ein kleines Problem dabei:

Ich war in meinem Leben noch niemals wählen und habe mich auch diesmal enthalten. Ich glaube nicht an Wahlen, an Politik oder Demokratie. Das mag jemanden, der das hier liest verwundern, besonders in Anbetracht des Threadthemas.

Der Grund für das Thema war einfach nur eine kurze Dokumentation der Zeitgeschichte.

Menschen sind nicht rational oder wenigstens konsequent.

Sie vergessen oder verzeihen alles, sobald genug Zeit vergangen ist. Oder verleugnen frühere Geschehnisse.

Das ist mein Hauptproblem mit anderen Menschen, denn für mich war das schon in meiner Jugend und seit meinem Erwachsenenenleben niemals eine Option. Mein ethischer Kompass zeigte mir zu jedem Zeitpunkt meine Richtung und sie zu ignorieren hätte einen Verrat an mir selbst bedeutet.

Umso faszinierender ist für mich zu beobachten, wie in großem Rahmen hirn- und herzlos Menschen entscheiden, was nun angebracht ist.
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Re: Alpenland

Beitragvon Ghostvoice » 28. September 2019, 16:15

Ach ja, um 17 Uhr tritt noch eine Kandidatin der rechten FPÖ auf und das werde ich mir ebenfalls ansehen. Von ihr kommt beispielsweise der schöne Ausspruch:

Niemals haben wir uns damit abzufinden, dass Gesetze uns in unserem Handeln behindern.
Ein schönes Rechtsverständnis, nicht wahr? Nun ja, dieser Sager war eine Reaktion auf die stark kritisiere Aussage ihres Parteikollegen H.Kickl, welcher meinte: „Ich glaube immer noch, dass der Grundsatz gilt, dass das Recht der Politik zu folgen hat und nicht die Politik dem Recht!

Die gute Dame ist innerhalb der Partei für Gesundheits- und Frauenfragen zuständig. Sehr lustig!
Da für die FPÖ Frauen gerade mal eine Stufe über Zuwanderern stehen!

Wie war das nochmal...? „Wir sind gegen Frauenhäuser, weil diese den familiären Zusammenhalt zerstören!

Und da heisst es immer, Rechte seien todernst und haben keinen Humor... :lachen:

Nochmal zur Erinnerung: bei der morgigen Wahl wird eben DIESE Partei die zweit-stimmenstärkste in Österreich sein!
(Ich denke, ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, daß die letzten 1 1/2 Jahre in Österreich sehr schräg waren...)
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Re: Alpenland

Beitragvon Ghostvoice » 28. September 2019, 18:12

Nach dem Auftritt der Frau B.:

Zugegeben: ich bin etwas enttäuscht vom Auftritt der Frau B. ...
Weiß auch nicht was ich mir genau erwartet habe... Tentakel-Arme? Vielleicht Saugnäpfe? Oder dass sie zumindest mit einer Reptilienzunge Fliegen aus der Luft schnappt und genüsslich schmatzend vertilgt?

... fühle mich gerade um meine Unterhaltung betrogen!
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