Kinder müssen ihren Eltern nichts zurückgeben

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Kinder müssen ihren Eltern nichts zurückgeben

Beitragvon Indigocat » 12. Februar 2019, 09:21

Mal ein interessanter Link zum Thema ^^

Kinder müssen ihren Eltern nichts zurückgeben...
:katze: Katzen machen glücklich.:katze:

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sdsdsdsv
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Re: Kinder müssen ihren Eltern nichts zurückgeben

Beitragvon sdsdsdsv » 12. Februar 2019, 09:37

Die ganze Gesellschaft tendiert doch zur immer weiteren Isolation und der Leugnung von sozialer Verantwortung. Wenn dann auch der Generationenvertrag endlich aufgekündigt wird und die ZEIT durch eine Philosophin den Euphemismus "Eigenverantwortung" hervorzerrt, passt das doch ins Bild, denn nichts anderes hörten wir bereits vom Bundespräsidenten, unzähligen Lebenshilfe-Ratgebern und Industriegrößen. In den letzten Jahren kamen doch dazu passend auch noch ähnliche Artikel hinzu von Frauen, die bedauern Kinder bekommen zu haben. Diese Themen sind auf einer psychologischen Ebene durchaus interessant und diskussionswürdig, der Rahmen aber, in dem sie hervorgebracht werden, kann nicht geleugnet werden. Meine Eltern hatten gewisse Defizite, die sich aber durchaus erklären lassen durch deren Sozialisation, Erlebnisse oder den Zeitgeist. Soll ich ihnen nun Unterstützung verweigern? Verpflichtet bin ich zu nichts, aber das ist eine Binsenweisheit. Ich hatte mal eine Großtante, deren Kinder in der gleichen Stadt wohnten, aber nie vorbeikamen. Die ist nach dem Tod ihres Mannes vereinsamt gestorben. Klar hat man das Recht sich von seinen Eltern zu lösen.

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Re: Kinder müssen ihren Eltern nichts zurückgeben

Beitragvon Themis » 12. Februar 2019, 10:16

Allein schon innerhalb Deutschlands gibt es regional sehr große Unterschiede, was in dieser Hinsicht als "normal" betrachtet wird. Es hat durchaus nicht mit der Größe einer Stadt zu tun, wie ich festgestellt habe.

Wie man sich selbst dann verhält, wenn man davon abweichen möchte, muss man entscheiden. Für sich und den, den es noch betrifft. Beziehungssache.

Als ich meiner Tante diese (für mich) Problematik bzgl. Vater gestern am Telefon andeutete, sagte sie ganz nüchtern: "Es ist halt jetzt so, wie es auch im Leben war. Wie könnte es jetzt anders werden? Er war ja immer schwierig."
Für sie: keine Problematik, nur logische Folge.

Dennoch finde ich, rationale Argumente helfen einem bei dem Thema wenig. Man ist damit immer allein.
Jeder Tag ist eine neue Chance, das zu tun, was man möchte. :blumengabe:

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Re: Kinder müssen ihren Eltern nichts zurückgeben

Beitragvon Zinzin » 12. Februar 2019, 15:53

Verpflichtung ist für mich in dem Zusammenhang nicht ganz das richtige Wort. Verantwortlich trifft es vielleicht eher.

Ich bin dazu unerwartet durch den plötzlichen meines Vaters gekommen. Sie ist kein Pflegefall, aber brauchte und braucht mentale Unterstützung und rein praktische Hilfe. Daß sie vor allem nicht allein steht und nicht alleine ist.
Für mich war das sehr schwer auf einmal mit wem zusammenzuleben und ich mache dabei immer noch Probleme. Zumal das Verhältnis zu meinen Eltern jahrelang alles andere als stimmig war.

Pflege werde ich nicht machen können, weil ich es zuviel für mich wäre. Sorge ist da u.a. daß ich Mutter dann irgendwann nur noch anfauche, weil zuviel Druck und Verantwortung durch die Pflege. Wir haben das alles besprochen.

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Re: Kinder müssen ihren Eltern nichts zurückgeben

Beitragvon mondbär05 » 12. Februar 2019, 16:41

Interessanter Artikel...

Ich bin aktuell gerade in der Situation, dass ich meinen Vater mehrfach darum gebeten habe, für den Notfall (meine Mama ist schwer dement), alles zu regeln (Vollmachten,...). Er aber weigert sich und ich kann ihn ja nun schlecht "mit Gewalt" dazu zwingen. Dazu kommt, dass er mir diese "Einmischung" übel nimmt und schon seit Wochen den Kontakt verweigert...
Was passiert, wenn nun der Ernstfall eintritt und ein Anruf kommt, ich als Tochter müsse mich kümmern...
Zumal meine Schwester auch noch da ist, aber da ist das Verhältnis auch seit Jahren "schwierig"...
Vom Gefühl her lehne ich jede weitere Verantwortung ab, so oft hat er mich vor den Kopf gestoßen... :rätseln:

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Re: Kinder müssen ihren Eltern nichts zurückgeben

Beitragvon Themis » 12. Februar 2019, 17:26

mondbär05 hat geschrieben:Was passiert, wenn nun der Ernstfall eintritt und ein Anruf kommt, ich als Tochter müsse mich kümmern...
Die Frage kann ich beantworten: Das musst Du nicht, und auch keine Gründe angeben. Nur deutlich ablehnen.

Dann wird in erstaunlich kurzer Zeit ein/e gesetzliche/r Betreuer/in im erforderlichen Umfang bestellt, der z. B. eine Pflege oder Hauswirtschaft organisiert. Bei meiner Mutter ging das damals fast über Nacht.

Die Bestattung (Orga und Kosten) ist das einzige, wozu die Angehörigen verpflichtet sind. Zu allem anderen kann niemand gezwungen werden.

Meine Mutter war damals sogar recht glücklich mit ihrer Betreuerin; jemand, der einmal wöchentlich nach ihr sehen und eine Stunde mit ihr reden "musste". Nach ihrem Tod telefonierte ich ausführlich mit der Betreuerin, da noch einiges Organisatorische zu regeln war. Sie beschrieb meine Mutter als schwierige, vereinnahmende Person, zu der es ihr oft schwergefallen sei, ausreichende Distanz zu halten.
Nun, das kannte ich ja selbst sehr gut aus rund 35 Jahren Erfahrung.

So war es für alle Beteiligten sogar gut, dass es diese Betreuerin gab. Man darf sich m. E. nicht gegen den eigenen Willen in etwas hineinnötigen lassen. Da kommt nichts Gutes heraus. Es gibt Leute, die das berufsmäßig oder ehrenamtlich machen und damit in Vielem durch die Distanz besser umgehen können. Dem Betreuten schadet das nicht unbedingt.
Jeder Tag ist eine neue Chance, das zu tun, was man möchte. :blumengabe:

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Re: Kinder müssen ihren Eltern nichts zurückgeben

Beitragvon Zinzin » 12. Februar 2019, 17:50

@ Mondbär

Mutter wollte das von sich aus. Wir haben es so eingerichtet, daß ich jetzt (falls sie mal länger ins Krankenhaus muß), im Pflegefall und nach dem Tod handeln kann.

Ob Vater das so in dem Umfang hätte gemacht, stelle ich etwas in Zweifel. Er hielt gern selbst die Zügel in der Hand. Auch wenn das hinfällig wird, wenn man nicht mehr kann; es wäre ihm wohl eher um das Gefühl gegangen, sich da von keinem abhängig zu machen.

Mit mir bin ich schlampiger, Mutter bräuchte über mich genau den gleichen Kram. Sollte ich mal irgendwann machen.

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Re: Kinder müssen ihren Eltern nichts zurückgeben

Beitragvon mondbär05 » 12. Februar 2019, 18:19

@Themis:
Wie das rechtlich geregelt ist, weiß ich.
Bei mir spielen aber die Gefühle eine nicht unerhebliche Rolle und deswegen sitze ich zwischen zwei Stühlen...

Und leider gibt es auch genug Fälle, in denen die Betreuer sich "großzügig bedient" haben...

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Re: Kinder müssen ihren Eltern nichts zurückgeben

Beitragvon Indigocat » 12. Februar 2019, 18:34

Einen "Generationenvertrag" würde ich auch sehr individuell betrachten. Jeder muss für sich selber entscheiden, wie er sich wem gegenüber verhalten möchte. Für mich selber habe ich entschieden, mich nicht um meine Mutter zu kümmern. Die Begräbniskosten können aus ihrem Vermögen, dass sie aber meiner Cousine vermacht, bezahlt werden. Ich überlege, das Erbe komplett auszuschlagen... na ja aber dann bleibt alles an meinen Kindern hängen, denen hat sie sowieso nur Müll wie ihre Bücher und ihre Schallplattensammlung überschrieben, die viel Arbeit machen und kaum noch etwas wert sind. Alles ändern würde sich natürlich, wenn sie sich von jetzt auf gleich ändern würde und sich entschuldigen würde. Außerdem ist sie ebenfalls sehr vereinnahmend und gleichzeitig bösartig, so dass eine Pflege auch immer ein gesundheitliches Risiko ist.
Andererseits, wer Kinder bekommt, sollte sich auch um die Enkel kümmern, so sehe ich das. Die meisten Großeltern machen das auch gerne. Meine Mutter hatte damals gesagt: "Sieh zu, wie du zurechtkommst!" Jetzt sage ich das zu ihr. Gibt natürlich auch Frauen, die bekommen ein Kind nach dem anderen und drücken die ihren Eltern auf's Auge, wie bei unseren Nachbarn zum Beispiel. Hier könnten die Großeltern auch deutliche Grenzen setzen.
Für Frauen, die schreiben, dass sie es bereuen, Kinder bekommen zu haben, habe ich kein Verständnis, da kann ich mich zu wenig hineinversetzen. Heutzutage gibt es doch alle Möglichkeiten, kein Kind zu bekommen, wenn man es nicht will? Man kann auch nach den Geburten noch mal durchstarten und studieren. Natürlich muss man sich im Klaren sein, dass man erst mal einige Jahre ans Haus gebunden ist, aber das weiß man doch vorher? Genauso egoistisch finde ich, wenn Frauen nicht stillen wollen à la mein Körper gehört mir. Wer A sagt, muss auch B sagen, wer sich letztendlich für ein Kind entscheidet, muss für das Kind die bestmögliche Versorgung gewährleisten.
:katze: Katzen machen glücklich.:katze:

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Re: Kinder müssen ihren Eltern nichts zurückgeben

Beitragvon Themis » 12. Februar 2019, 18:38

mondbär05 hat geschrieben:Bei mir spielen aber die Gefühle eine nicht unerhebliche Rolle und deswegen sitze ich zwischen zwei Stühlen
Ach was. Das dürfte wohl jedem so gehen. Ohne spürbare oder auch unterdrückte Gefühle bestünde der Konflikt gar nicht.
Deshalb kann ja die Notwendigkeit bestehen, ein Verwickeltwerden aktiv zu vermeiden, um die eigene Stabilität und Funktionalität nicht erneut zu gefährden.

Ich wollte lediglich darauf hinweisen, dass es klug ist, sich darüber klar zu werden, was man will oder nicht will, BEVOR "der Anruf kommt". Der Druck in der Situation ist groß, und sonst tut man evtl. etwas, das man nicht möchte. So braucht man weder den Anruf zu fürchten noch besteht Unklarheit, was dann stattdessen geschieht. Man ist vorbereitet.
Jeder Tag ist eine neue Chance, das zu tun, was man möchte. :blumengabe:


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