Tod im Leben: Friedhöfe

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Tod im Leben: Friedhöfe

Beitragvon Themis » 6. Januar 2019, 14:19

Da ich mich konkret um eine Bestattungsvorsorge für jemanden auf einem bestimmten Friedhof zu kümmern habe, stieß ich durch eine entsprechende Google-Suche auf folgenden Artikel aus dem Berliner "Tagesspiegel". Er hat mich sehr angesprochen, gibt er doch meine Lebenshaltung wieder: Der Tod ist mitten im Leben, freundlich und man kann sich darauf verlassen, dass er früher oder später zu einem kommt.
Das gibt ausreichend Mut und Grund, im Leben zu bleiben (wenn auch oft genug auf Sparflamme durch die PS) und es weiterzugehen. Tod und Leben sind im Grunde eins, getrennt nur durch den Faktor Zeit. :)

Dachte mir, vielleicht spricht der Artikel (oberflächlich über eine Friedhofsverwalterin und Totengebräuche) auch den einen oder die andere hier an:
Ein Leben für den Tod
Everything is nothing, and nothing is everything. (Quelle strittig) :alien:

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Re: Tod im Leben: Friedhöfe

Beitragvon knolle » 6. Januar 2019, 15:30

Themis hat geschrieben: ...gibt er doch meine Lebenshaltung wieder: Der Tod ist mitten im Leben, freundlich und man kann sich darauf verlassen, dass er früher oder später zu einem kommt.
Das klingt fast so, als würde dich das beruhigen :bangen:

Wenn Leben und Tod dasselbe sind, nur zeitlich getrennt, wäre alles dazwischen ja nur Zeitverschwendung. Das nimmt ja der Gegenwart jegliche Existenzberechtigung.

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Re: Tod im Leben: Friedhöfe

Beitragvon Kalliope » 6. Januar 2019, 15:47

knolle hat geschrieben:Das klingt fast so, als würde dich das beruhigen

Bin zwar nicht Themis, aber ich finde es beruhigend, dass irgendwann Schluss ist.
Denke, jede/r geht anders mit dem Tod um. (Link schau ich später.)
"In Wirklichkeit ist der andere Mensch Dein empfindlichstes Selbst in einem anderen Körper" Khalil Gibran
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Re: Tod im Leben: Friedhöfe

Beitragvon tiffi » 6. Januar 2019, 19:44

Themis hat geschrieben:Der Tod ist mitten im Leben, freundlich und man kann sich darauf verlassen, dass er früher oder später zu einem kommt.
Ja, mich hat der Gedanke von Jugend an immer bewegt, also dieser Tatbestand, dass der Tod
Teil des Lebens ist, und die Perspektive auch erweitert.
Ich finde, es erhöht das Staunen, am Leben zu sein.
Ist für mich auch ein Gegenpol gegenüber vielen kleinkarierten Sachen.

Jetzt in meinen 40ern schleicht sich manchmal auch eine Art Angst ein, dem Tod ins Auge zu sehen.
Das war in meiner Jugend unerschrockener. Obwohl man da meinen könnte, noch mehr vor sich zu
haben. Oder man hatte noch nicht soviel hinter sich und hatte nicht so das Gefühl, jetzt ein
"Recht auf Fortsetzung" zu haben.

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Re: Tod im Leben: Friedhöfe

Beitragvon Themis » 6. Januar 2019, 20:49

knolle hat geschrieben:Das klingt fast so, als würde dich das beruhigen :bangen:
So ist es. Das gilt schon seit meiner Jugend und ist seither noch ausgewogener und tiefer geworden. Durch ein bestimmtes Ereignis in letzter Zeit gab es nochmal einen starken Schub in diese Richtung.
knolle hat geschrieben:Wenn Leben und Tod dasselbe sind, nur zeitlich getrennt, wäre alles dazwischen ja nur Zeitverschwendung. Das nimmt ja der Gegenwart jegliche Existenzberechtigung.
Das könnte man natürlich so sehen. Allerdings könnte dies dann auch für jede Feier, jedes Essengehen, jedes Konzert gelten: Zeitverschwendung, weil es sowieso irgendwann endet. Sehe zumindest ich aber nicht so. Man freut sich ja in der Zeit daran, wo es stattfindet. Evtl. ergeben sich noch einige schöne (oder anderweitig eindrückliche) Erinnerungen daraus, die weitere Lebensenergie geben.

"Dasselbe" würde ich persönlich aus meiner Erfahrung nicht sagen. "Eins" meinte ich eher im Sinne von "zwei Seiten derselben Medaille".

Existenzberechtigung ... ein großes Wort. Warum kann nicht die Gegenwart für sich stehen und man in ihr leben? Der Weg ist das Ziel.
Man ist im Leben, ohne gefragt worden zu sein. Das Wissen, irgendwann ebenso fraglos wieder gehen zu können, hilft mir in der Tat sehr, den Weg durchzuhalten, vieles nicht so schwer zu nehmen und oft sogar ein Lächeln parat haben zu können.

Das von tiffi Geschriebene gibt m. E. "Existenzberechtigung" genug:
tiffi hat geschrieben:Ich finde, es erhöht das Staunen, am Leben zu sein.
Ist für mich auch ein Gegenpol gegenüber vielen kleinkarierten Sachen.
Das fängt bei mir schon an bei dem Bewusstsein und der Dankbarkeit, doch bisher recht gut durchs Leben gekommen zu sein;
recht gesicherte Lebensbedingungen zu haben und trotz häufiger Gefährdung doch letztlich immer halten zu können; über das Staunen über die so vollkommene Ausarbeitung der Natur, von der Schönheit eines Schmetterlings über die Gewalt eines Sturms bis hin zu den spürbaren Funktionen des eigenen Körpers. Staunen über das im Leben sein Können und das Leben an sich eigentlich. Ohne aber sich daran festzuklammern. Das Schöne wie das Schwere sind nur Leihgaben.
tiffi hat geschrieben:Oder man hatte noch nicht soviel hinter sich und hatte nicht so das Gefühl, jetzt ein
"Recht auf Fortsetzung" zu haben.
Interessanter Gedanke. Ein bißchen bei mir ähnlich ... Fast aber eher "Pflicht zur Fortsetzung": Schon so lange durchgehalten, das darf man nicht gering schätzen und wegwerfen. Lieber staunen (siehe oben :) ), oft sogar dankbar sein und weitergehen.
Kalliope hat geschrieben:Denke, jede/r geht anders mit dem Tod um.
Ja, das denke ich auch. Glaube auch, je mehr man schon mit ihm in Berührung kam (direkt oder indirekt), desto weniger Angst macht er.
Na ja, obwohl: Das stimmt so nicht. Einigen Menschen, die z. B. schon viele nahe Bezugspersonen verloren haben, scheint er dadurch eher mehr Angst zu machen; vielleicht wegen eines gewachsenen Gefühls der Ohnmacht?

Da hier Rubrik "Gesellschaft und Kultur", werfe ich noch ein, dass auch zwischen Tod und Sterben noch unterschieden werden muss: Da man heute stets so gut über Krankheiten und erschreckende Todesfälle informiert wird, besteht vielleicht noch mehr als früher eine Angst vor einem langwierigen Sterben z. B. in Krankenhausumgebung. Da geht es aber m. E. eben nicht um den Tod (das Totsein), sondern das Sterben. :rätseln:
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Re: Tod im Leben: Friedhöfe

Beitragvon Kalliope » 7. Januar 2019, 18:19

Themis hat geschrieben:recht gesicherte Lebensbedingungen zu haben und trotz häufiger Gefährdung doch letztlich immer halten zu können

Ja, echt. Darüber wundere ich mich auch bis heute. Und danke dafür immer dem lieben Gott, an den ich nicht glaube, dass doch irgendwie immer für mich gesorgt war.

Ich denke, es liegt an der unterschiedlichen Verarbeitung vom Erleben von Krankheit und Tod und der völlig unterschiedlichen inneren Umgehensweise damit und mit dem Wissen um den Tod überhaupt.
Ein Großteil der Menschen verdrängt bis zur völligen Negligierung. Die reagieren dann geradezu phobisch auf alle Themen, die ihnen ins Bewusstsein dringen lassen, dass das Leben endlich ist. Mit grandiosem Vermeidungsverhalten.

Anderen hilft es, wenn sie direkt mit dem Thema konfrontiert werden dabei, eine innere Stellung dazu zu finden und nehmen.
Und Vielen sind ihre Vorstellungen vom Tod und von einem "Danach" eine Hilfe (andere beruhigt eher das Wissen, dass dann unwiderbringlich Schluss ist.).

Jedenfalls glaube ich, dass die Konfrontation damit dem Einen helfen, den Anderen noch mehr in die Panik treiben kann - sicher auch abhängig davon, welcher Art das (Mit-)Erleben war. Ich selber habe den Tod als grausam wie auch als Erlösung miterleben dürfen, wobei beides eine Interpretation war, eben von mir, einer (Er-)Lebenden.
Ich selber hatte bislang nur einmal das Gefühl, dass, ginge es (Krankheitszustand) noch so weiter, dass dann so langsam Richtung Ende ging. Es war ein völlig friedliches Gefühl.

Wie es sich dann anfühlt. wenn es wirklich soweit ist, weiß niemand.

Friedhöfe sind schöne Orte voller Ruhe (sieht man von den Beerdigungstagen ab) und Natur und- Leben! (Tiere)

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Re: Tod im Leben: Friedhöfe

Beitragvon knolle » 8. Januar 2019, 09:54

Kalliope hat geschrieben: ... aber ich finde es beruhigend, dass irgendwann Schluss ist.
Nach knapp 10 Jahren in Krankenhäusern / Pflege- und Alteneinrichtungen kann ich deinen Satz zwar verstehen, habe aber zeitgleich ziemliche Angst vor dem Tod.
Themis hat geschrieben: Das gilt schon seit meiner Jugend und ist seither noch ausgewogener und tiefer geworden. Durch ein bestimmtes Ereignis in letzter Zeit gab es nochmal einen starken Schub in diese Richtung.
Das klingt aber düster, was ist denn nur passiert? :angst:

edit: Ziehe die Frage zurück, ist ja öffentlich hier

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Re: Tod im Leben: Friedhöfe

Beitragvon Kalliope » 8. Januar 2019, 11:25

knolle hat geschrieben:in Krankenhäusern / Pflege- und Alteneinrichtungen

Ja, kein Wunder. Das ist ja auch eher zu Tode foltern. Was sich da an menschlichem Sadismus austobt und austoben kann...
Hätte da ein paar "lustige" Schwanks. Z.B. von kaumdeutschsprachigen polnischen "Pflegerinnen", die einem Sterbenden noch gewaltsam Essen in den Rachen pressen, Windel-Zweitbenutzung zur Kostenersparnis (oder einfach stundenlang schreiend auf dem Klo sitzen lassen, bis derjenige runterkippt und keiner "merkts" usw. usf.

Schöner sterben geht auf jeden Fall anders. Lieber aufm Hochsitz im Wald erfrieren (meine Vorstellung) weitab von jeglichem menschlichem Einfluss. Letzteres die Grundbedingung. Wenigstens am Ende niemand mehr, der physisch oder psychisch seine Grobmotorik an mir auslässt.
Zuletzt geändert von Kalliope am 9. Januar 2019, 18:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Tod im Leben: Friedhöfe

Beitragvon knolle » 9. Januar 2019, 15:34

Kalliope hat geschrieben: Z.B. von kaumdeutschsprachigen polnischen "Pflegerinnen", die einem Sterbenden noch gewaltsam Essen in den Rachen pressen, Windel-Zweitbenutzung zur Kostenersparnis (oder einfach stundenlang schreiend auf dem Klo sitzen lassen, bis derjenige runterkippt und keiner "merkts" usw. usf.
Also wirkliche Sadisten habe ich nicht kennen gelernt, aber ich kann deine Beispiele schon bestätigen. Ich habe mich diesen Dingen immer verweigert, ich würde niemals jemanden zum Essen zwingen können.

Kalliope hat geschrieben: Schöner sterben geht auf jeden Fall anders.
Da geb ich dir absolut Recht. Ich denke aber, dass sich die Zustände in naher Zukunft ändern werden.


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