Der Einfluss Anderer

Die Gegenüberstellung der schützenden Distanz und dem Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen.
schnuff
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Re: Der Einfluss Anderer

Beitragvon schnuff » 10. September 2018, 13:22

Andere können bei mir gewisse Seiten "heraus kitzeln", die ich vielleicht an sich gern öfter zeigen würde, was aber ohne das richtige Gegenüber schwer fällt. Ich meine sowas, in Richtung Lebendigkeit, Offenheit.

Dann habe ich einen guten Bekannten, mit dem ich gern mal etwas philosophisch "diskutiere". Das ist für mich wie ein Spiel, weil ich dann immer den "potentiellen Fehler" in dem suche, was der andere gesagt hat und dadurch das Ganze am Laufen bleibt. Das ist dabei schnell ganz unabhängig von meiner wirklichen eigenen Meinung, denn die kann ich mir so schnell ja garnicht bilden.
Kann man aber nur mit Menschen machen, die das nicht als Kritik auffassen (von wegen "immer widersprichst Du").

Die Frage, ob ich einen anderen Menschen mag, hängt möglicherweise sehr davon ab, ob der andere sich selber mag. Unzufriedene Menschen, die überall potentielle Probleme wittern und sich selbst nichts zu geben haben, sind glaube ich die, welche einen am meisten belasten können. Vielleicht weil sie ihre "Zufriedenheit" in dem anderen suchen.

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Re: Der Einfluss Anderer

Beitragvon Themis » 10. September 2018, 17:01

Ich bin in Gegenwart Anderer leider meist so gehemmt und gebremst, dass sich gar kein eigenes Profil herausbildet. Wie ich mich gern - mal abweichend von meinem antizipierten Auftreten - verhalten hätte und es auch spontan zur Situation bzw. zu den anderen Anwesenden gepasst hätte, "fühle" ich fast immer erst hinterher. Das Fühlen und Anpassen ist halt in Gegenwart von Leuten immer noch irgendwie blockiert.

Finde ich oft sehr schade. :x
Everything is nothing, and nothing is everything. (Quelle strittig) :alien:

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Re: Der Einfluss Anderer

Beitragvon schnuff » 11. September 2018, 08:02

Es hat mir sehr geholfen, meine Hemmungen als "gegeben" hinzunehmen und denen möglichst keine Beachtung mehr zu schenken. Ich bin eben so, fertig.
Dadurch sind die mit der Zeit von selber weniger geworden.

Wenn man sich Gedanken macht, was die anderen vielleicht gerade über einen denken (ist ja nahe liegend, wenn man merkt, dass man unsicher/gehemmt ist...), dann steigert sich das hingegen erst recht.

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Re: Der Einfluss Anderer

Beitragvon tiffi » 11. September 2018, 09:37

Themis hat geschrieben:Ich bin in Gegenwart Anderer leider meist so gehemmt und gebremst, dass sich gar kein eigenes Profil herausbildet. Wie ich mich gern - mal abweichend von meinem antizipierten Auftreten - verhalten hätte und es auch spontan zur Situation bzw. zu den anderen Anwesenden gepasst hätte, "fühle" ich fast immer erst hinterher. Das Fühlen und Anpassen ist halt in Gegenwart von Leuten immer noch irgendwie blockiert.

Finde ich oft sehr schade. :x
Das kommt mir ziemlich bekannt vor. Dass mir erst hinterher eine "authentische" Reaktion einfällt,
oder in einer Art Beschaulichkeit dann mehr ein Gefühl für die Situation auftaucht.
Im Vordergrund in der direkten Situation agiert dann was "schnelleres", eher berechnetes
(vermutlich das, was du antizipiert nennst). So rund und gefällig ist das bei mir dann nicht,
mein Rollenverhalten, aber ich erlebe es trotzdem nicht ganz verbunden zum Inneren.

Wo ich es mal etwas anders erlebt habe mit dem starren reagieren und wo dann doch mehr
unmittelbares ist, ist, wenn eher un-einverstandenes in mir drin ist bzgl. der Situation / Gruppendynamik.
Da krieg ich dann eine unmittelbare Übelkeit oder Wut, oder ich ziehe mich zurück.
Und wenn ich bleiben muss, äußere ich mein Missfallen durch meine Präsenz, werde dann eine ganz
schlechte Schauspielerin, ich bekomme eine missmutige Präsenz.
(Und auf der Wortebene hab ich auch schon versucht, das auszudrücken, bringt aber irgendwie nicht viel.
Da kommt mehr so Leugnung, erstauntes Was Wieso??,Ignoranz oder "du bist aber komisch" bei raus.)

Ich kann mir aber vorstellen, dass ich mein Uneinverständnis (oder sonstiges Authentisches)
bei reflektierteren innerlich offenen Menschen, zu denen auch eine Bindung besteht,
viel besser und "fruchtbarer" an den Mann bringen kann;
die oben beschriebenen Situationen der Leugnung sind mehr so Zwangskontexte wie Arbeit, wo man mit
irgendeinem Haufen zusammengewürfelt ist.
Galt aber auch für Familie in meinem Fall.

Etwas anders auch in beschaulichen geleiteten Selbsterfahrungsgruppen, wo es ja gerade einen Auftrag
gibt nach innen zu schauen und zu spüren, und die Leute sprechen nur, wenn sie gefragt werden und
nicht wild durcheinander.
Ich hab das Gefühl ich brauche eine große Langsamkeit oder ein Stop and Go, um mein Inneres mit
einzubringen. Darum vielleicht auch das Rückzugsbedürfnis nach sozialen Ereignissen, um das
ganze irgendwie zu sortieren und innerlich zusammenzubringen.

In Bezug auf Einfluss anderer - den Großteil meiner Zeit vor allem Kindheit, Jugend, junge Erwachsenen-
jahre war ich eher mit Abwehr beschäftigt und irgendwie mich positionieren, ohne dass mein
Inneres beteiligt war (weil es da für mich gefühlt und an den Reaktionen gemessen keinen Platz hatte).
Erst später, so in den Anfang 20ern tauchten für mich auch Menschen auf, die ich als reflektiert
und feinfühlig wahrnahm, und meist auch etwas schräg zur Gesellschaft positioniert waren.

Hier habe ich schon einen Einfluss erlebt, nämlich dass mein Inneres hier gestärkt sein kann, und dass es
andere Lebenssichtweisen und Perspektiven gibt. Manche Begegnungen haben mich da sehr berührt.
(Auch wenn es nur so "Brieffreundschaften" mit ab und an mal treffen waren, oder auch mal paar Tage
bleiben. Das fand ich immer ganz schön, ein paar Tage in die Lebenswelt eines anderen Menschen
einzutauchen, wenn es etwas alternativ und im Grunde sympathisch war.)


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