Der Einfluss Anderer

Die Gegenüberstellung der schützenden Distanz und dem Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen.
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Der Einfluss Anderer

Beitragvon Ghostvoice » 5. September 2018, 23:22

Der Umstand, daß man als Mensch mit SPS zwangsläufig nicht so gesellig wie normale Menschen ist bringt ja bekanntlich einige Probleme mit sich.

Aktuelle Erlebnisse riefen wieder einige Gedanken bezüglich dem generellen Thema der Systemtheorie in mir hoch.

So fiel mir vor langem auf, daß sich sowohl mein Auftreten als auch meine Stimmung von Person zu Person mitunter stark unterscheiden können.
Das ist aber nicht die Maske, die ich zum Selbstschutz vor dem emotionalen „Lärm“ anderer aufsetze.
Einzelne Personen bringen unterschiedliche Aspekte meiner eigenen Persönlichkeit zutage.

Bei einem Freund bin ich eher gesetzt und weniger affektiv. Das entspricht eher seinem Temperament, somit kommunizieren wir auf dieser Ebene. Unsere Gespräche drehen sich meist um informative Themen oder unsere gemeinsame Interessen, wobei aber auch jeder von seinen persönlichen Interessen erzählen kann (auch wenn diese der andere nicht so teilt) ohne Langeweile zu erzeugen.

Bei einem andern Freund spreche ich ebenfalls eher affektiv, allerdings kommt im Kontakt mit ihm auch immer ein Spielbedürfnis in mir hoch. So kann ich theatralische Monologe halten, die ins Absurde abgleiten - was ich mich sehr amüsiert und eben nur bei ihm möglich ist, weil ich weiss, daß er Rezeptoren für diesen absurden Humor hat. Und entsprechend kontert er auch!

Bei einer Bekannten wiederrum kommt es zu viel Spontanität meinerseits. Sie weiss für gewöhnlich immer etwas zu sagen und stellt gerne mal Fragen, die für sie tiefsinnig sind. Daraufhin kommen mir automatisch Erwiderungen über die Lippen, die so nicht geplant waren und uns dann meist erheitern. Es wird also oft gelacht! Zudem ist sie auch nicht sparsam mit spitzzüngiger Replik, was ein sehr willkommener Gegenpart in solchen Gesprächen ist.

Besonders erinnere ich mich auch an den einzigen Arbeitskollegen, mit dem ich nach Arbeitsende manchmal noch etwas trinken ging. Sein Humor war gerne trocken und wenig affektiv, aber zeichnete sich durch kreativen Einsatz von Worten aus! Als sprachaffiner Mensch fand ich das natürlich toll, da wir beide in einem Umfeld arbeiteten, in welchem sowas nunmal so gar nicht vorkam.
Wir hatten gerade bei einem Nach-der-Arbeit-Bier sogar ein überraschendes Erlebnis, nur dadurch, daß wir in der Öffentlichkeit so kommunizierten, wie wir es sonst eben nur unter uns taten. Wir projezierten ein Bild nach aussen, das andere Arbeitskollegen, hätte man ihnen davon berichtet, für wenig glaubwürdig gehalten hätten. Eben weil sie jeden von uns ganz anders kannten...

Diese Beispiele beziehen sich überwiegend auf Humor, aber es gibt genug andere Verhaltensweisen und emotionale Zustände, die andere Menschen in uns wachrufen können.

Wie geht es euch damit? Kennt ihr Beispiele von Menschen, bei denen es euch genauso geht?
Wanda: ... du bist nichts anderes als ein eingebildeter Affe!!
Otto: Affen lesen aber keine Philosophiebücher!
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Re: Der Einfluss Anderer

Beitragvon tiffi » 6. September 2018, 06:34

Ghostvoice hat geschrieben:So fiel mir vor langem auf, daß sich sowohl mein Auftreten als auch meine Stimmung von Person zu Person mitunter stark unterscheiden können.
Das ist aber nicht die Maske, die ich zum Selbstschutz vor dem emotionalen „Lärm“ anderer aufsetze.
Einzelne Personen bringen unterschiedliche Aspekte meiner eigenen Persönlichkeit zutage.
....
Wie geht es euch damit? Kennt ihr Beispiele von Menschen, bei denen es euch genauso geht?
Mir ist das an mir schon früh als Jugendliche aufgefallen, dass ich bei unterschiedlichen Menschen
unterschiedliche Anteile lebe.

Es hat mich damals aber sehr verunsichert, weil da komplett andere Positionen und Anteile
hochkamen, und ich fühlte mich in der Schuld "jedem das selbe zu sein"
oder "jedem kontinuierlich die Person, die er kennt".

Solange ich mit Menschen zu zweit war, war das kein Problem. Da war ich, wie ich auf die Person
reagierte.

Aber gerade in der Jugend kamen auch soviele Maßstäbe dazu. Die eine Freundin war z B
sehr dominant und sagte oft "ihhh, die Person geht gar nicht" oder "iiih, diese Eigenschaft
geht gar nicht"....und ich war teilweise so unsicher, dass ich mir ein Anpassungsprogramm
gestrickt hab, bei dieser dominanten Person zeige ich dann dies und das nicht, und ich
zeige nicht, dass ich für die andere Person offen bin.

Irgendwann fing man ja mal an, als Kind / Jugendlicher "Parties" zu schmeißen bzw
gesittete Geburtstagsfeiern mit Kaffee und Kuchen; und ich hab gemerkt, das ist
in meinem Fall der Horror :erschrocken: ; ich bringe verschiedene Leute an einen Tisch
und bin bei allen verschieden; WIE bin ich denn dann? Systemkollaps, Error.

Darum hab ich gemerkt, ich bin am besten zu zweit...wo ich nicht auf 1000 andere Anforderungen
auch noch Rücksicht nehmen muss.
In ner Gesellschaft mit mehreren wird es dann wirklich maskenhaft, clownhaft, absurd für mich
oder ich bleibe nur noch still, weil keine Richtung des Seins sich richtig anfühlt.

Wegen den dominanten Erwartungen von Freundin A:
Irgendwann hab ich dann gedacht, Scheiß drauf, und trotzdem was mit der anderen
Person gemacht, und es gab äußere und auch innere Konflikte.
Als würde man immer irgendein Bild enttäuschen.
Ich weiß auch gar nicht, wie ich auf die Idee gekommen bin bzw das als inneren Auftrag
gespürt hab, jedem auf seine Art gerecht zu werden und niemandem was
zu zeigen, was ihn verstören könnte oder befremden könnte.
Als müsste alles genau berechnet werden und abgewogen werden.
Ist ja auch sau anstrengend.

Ist aber im bewussten Prozess des Erwachsenenwerdens dann auch leichter geworden.
Es MUSS manchmal Kolissionen geben.

Bei Kollegen ist das ja auch so ein Beispiel. Die erleben einen auf bestimmter Ebene,
beruflich, im Team, ggf. mal hier und da Blödsinn geschnackt,
aber andere Anteile kennen die überhaupt nicht. (Und eigentlich denke ich, das ist auch
gut so; andererseits ist es auch wie eine künstliche Rollen-Spaltung)

@Ghostvoice
Bei dir klingt es ja eher so positiv und leicht und erstaunt, dass du mit verschiedenen
Menschen verschiedene Seiten erlebst.
Ich denke, es ist ja auch normal....dass sich dynamisch immer wieder was anderes
ergibt, ein Zusammenspiel.

Hattest du das auch schonmal, dass du dachtest, da müsste viel mehr Festigkeit und
Starrheit rein, damit du einem bestimmten Bild entsprichst und irgendwie "identisch"
bist? (so als kindliches Missverständnis)

Und wie ist das bei dir, wenn du verschiedene Menschen an einem Ort hast und die
verschiedene Seiten in dir zum Anklang bringen.
Was spuckst du dann davon aus? Mal dies und mal das?
Oder eine Ebene, mit der alle können, eher etwas oberflächlich genereller?

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Re: Der Einfluss Anderer

Beitragvon Ghostvoice » 6. September 2018, 08:05

Gerade wenn man als Jugendlicher in dieser scheinbar endlosen Selbstfindungsblase rumläuft, ist es wohl schwer zu unterscheiden, wer man wirklich sein will und wie man nach aussen hin auftritt. Unsere Reflektion ist noch nicht ausgeprägt genug, um uns selbst von aussen zu sehen und unsere Erfahrungen bilden die Welt noch nicht besonders konkret ab (auch wenn wir glauben bereits alles zu wissen).

Ich denke, daß man in dieser Zeit leichter... ich wollte schreiben „Masken entwickelt“... aber gerade kommt mir ein anderer Gedanke: was wenn man in dieser Zeit weniger Masken, sondern unterschiedliche Persönlichkeitsmerkmale ausbildet. Eben jene, welche immer abhängig von der Person, mit der man gerade zu tun hat, gefördert oder unterdrückt werden.
Und wenn es bestimmte Menschen gibt, welche wir in unserer Jungend treffen, die einen so starken Einfluss auf uns haben, daß sie dafür verantwortlich sind, daß wir eben konkrete Persönlichkeiten entwickeln.
Person A gefällt dieses und jenes an mir - also wiederhole ich dieses Muster immer wieder, bis es zu einem Teil von mir wird.
Person B spricht meist leise, ruhig und sehr bedacht. In ihrer Gegenwart senke ich automatisch die Stimme und komme viel mehr zur Ruhe als mit allen anderen (durch das Spiegeln?).

Das sind soweit keine weltbewegenden Erkenntnisse, das wissen wir ja alles schon.

Aber jetzt kommt die Theorie: könnte es sein, daß man mit manchen Menschentypen einfach nicht klar kommt, weil man in den prägenden Phasen der eigenen Entwicklung niemals gelernt hat, einen Persönlichkeitsanteil zu entwickeln, der für ein sympathisches Verhältnis zu dieser Person sorgt?

Mir fällt als Beispiel dafür ein Arbeitskollege ein, der ein ganz normaler Typ ist. Häuschen, alle paar Jahre neuer Leasing-Wagen, Fussball-Fan, mag vermutlich Gasthäuser und Heurige lieber als Irish Bars.
Wir kommen friedlich miteinander aus und haben auch nichts gegen einander. Aber wenn es nicht gerade konkret um die Arbeit geht, können wir keinen SmallTalk führen. Keiner von uns hat Rezeptoren für die Persönlichkeit des Anderen.
Daß unsere Lebenswelten komplett unterschiedlich sind ist nicht der Grund für diese Schranke zwischen uns. Das sind äussere Umstände. Selbst wenn wir uns mit Anfang Zwanzig kennengelernt hätten, hätten wir nichts zu reden gewußt.
Er spricht eher laut; ich sicher leiser als der Durcnschnittsmensch.
Er kommt schnell zu einem Urteil über irgendetwas; ich stimme nicht automatisch allem zu, sondern überlege erstmal.
Er tritt extrovertiert und selbstsicher auf; ich bin wenig gesprächig und selbstsicher.

Wenn ich mich zurückerinnere, gerade an meine Schulzeit, so gab es sicher mehrere Schulkameraden, die (in jüngerer Form) das abbildeten, was er darstellt. Aber im persönlichen Freundeskreis gab es solche Menschen niemals. In keiner Phase, weder in der Kindheit noch Jugend. Gerade mal im schulischen Konkakt und dort kann man immer noch stark steuern, mit wem man mehr und mit wem man weniger zu tun haben möchte.

Ich mache hier Schluss (auch wenn der Gedanke noch nicht fertig ist), aber vielleicht kann ihn jemand anderes fortführen..

@tiffi
Nein, erstauen tut es mich nicht. Das Prinzip kenne ich schon länger.

tiffi hat geschrieben:Hattest du das auch schonmal, dass du dachtest, da müsste viel mehr Festigkeit und Starrheit rein, damit du einem bestimmten Bild entsprichst und irgendwie "identisch" bist? (so als kindliches Missverständnis)
Nein, das zum Glück auch nicht! Ich finde es immer komisch (im Sinne von: ) wenn Menschen versuchen sich selbst mit Worten zu beschreiben. Ich könnte dazu nur sehr, sehr wenige Konstanten bestimmen, die wirklich über die Jahre erhalten blieben, das meiste andere aber war im ständigen Wandel und das ich auch gut so!


tiffi hat geschrieben:Und wie ist das bei dir, wenn du verschiedene Menschen an einem Ort hast und die verschiedene Seiten in dir zum Anklang bringen.
Wenn ich mit nur 2 vertrauten Menschen zusammentreffe gäbe es wohl zwei Möglichkeiten zu reagieren: die extrovertierten Teile von mir zurückschrauben oder ausleben.

Im Beispiel: ein Freund bringt eher meine ruhige Seite hervor, der andere fördert die theatralische. Treffe ich auf beide gleichzeitig (kam bisher nur dreimal vor) so überwiegt bei mir schnell die Theatralik.
Eben weil da gerade diese eine Person ist, welche es mir ermöglicht so zu sein! Und ich es mag!
Die Gefahr, daß der andere Freund mich jetzt mit ganz anderen Augen sieht oder sogar von mir enttäuscht ist, besteht da nicht. Schliesslich kennt er diesen Teil von mir, auch wenn er ihn nicht bewußt fördert - im persönlichen Kontakt blitzt es doch immer wieder mal auf.
Er lässt sich dann eher dazu verführen, durch die ungezwungene Stimmung selbst Teile seines Selbst hervorzuholen, die er mit Fremden nicht ausleben kann.
Die sind dann eben nie theatralisch, das ist nicht seine Art, äussern sich dann aber in kurzen genialen Einwürfen, die genau zur Situation passen.


Im privaten ist es sicher schon gut 5 Jahre her, daß ich mich zuletzt einer mir vertrauten Gruppe von mehr als 3 Personen (mich inklusive) aufgehalten habe.
Hmm... dabei fällt mir auf, daß ich dort wohl sowas sie eine Gruppenidentität übernommen hatte. Also, es war nicht so, daß ich ein Mischmasch aus den Persönlichkeiten war, welche die einzelnen Menschen jeweils von mir kannten.
Vielmehr trat ein Persönlichkeitsmuster zutage, welches andere Prioritäten hatte, als meine einzelnen Persönlichkeiten. Damit ergab sich nach Aussen hin ein sehr viel rücksichtsvolleres und vor allem wachsameres Verhalten, da ich in Gruppen schnell eine bestimmte Rolle spiele und diese eben genau jene Eigenschaften von mir verlangt.

Puh! Jetzt muss mal wieder jemand anderes schreiben...
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Re: Der Einfluss Anderer

Beitragvon schnuff » 6. September 2018, 09:33

Kommt man schnell an die Frage "wer bin ich"?
Bin "ich" so wunderbar vielgestaltig, dass nicht alles auf einmal raus kann und man eben (automatisch) das raus lässt, was zum jeweiligen Gegenüber am besten kompatibel ist?
Oder bin "ich" am Ende so undefiniert und quasi nur das Produkt meines Gegenübers/Reaktion auf dieses?

Für mich ist auch schwierig, wenn plötzlich zwei Leute auf einmal da sind, die ich sonst nur einzeln kenne. Ich glaube , ich "bin" dann eher so wie zu dem, der mir mehr bedeutet. Oder, wenn die beiden gut miteinander können - dann ziehe ich mich eher in mich zurück und lasse die ihr Ding machen.

Komisch ist auch, wenn man sich stärker verändert/entwickelt hat. Dann "kriegen" die Leute, die man schon länger kennt, weiter die "alte Version" (weil die das ja auch erwarten und dadurch automatisch provozieren) und bei Menschen, die ich neu kennen lerne, entdecke ich ganz neue Seiten an mir (an meinem "aussen").
Komisch und interessant. :cool:

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Re: Der Einfluss Anderer

Beitragvon Ghostvoice » 6. September 2018, 10:21

schnuff hat geschrieben:Kommt man schnell an die Frage "wer bin ich"?

Diese Büchse der Pandora lasse ich mal schön zu! Am Ende liegt darin ein Zettel auf dem steht: „Eigentlich mag ich andere Menschen ja total gerne! Die haben immer soo interessante Dinge zu sagen!“ :übel:

schnuff hat geschrieben:Bin "ich" so wunderbar vielgestaltig, dass nicht alles auf einmal raus kann und man eben (automatisch) das raus lässt, was zum jeweiligen Gegenüber am besten kompatibel ist?
Ich glaube tatsächlich, dass es sich so verhält, weshalb es auch unmöglich ist, Menschen eindeutig zu definieren.
Je mehr unterschiedliche Menschen uns gestatten, verschiedene Seiten unseres Selbst auszuleben (seien es positivere oder negativere), umso mehr lernen wir über uns selbst.

► Text zeigen


Im Fall von Menschen mit SPS/SPS-Anteilen kann sowas problematisch werden, da er bei seiner Selbstbeteachtung sich weniger auf sein Verhalten in der Realität beziehen kann (aufgrund weniger Kontakte) als auf seine deduktive Erkenntnisfähigkeit... ich denke aber, für eine weitgehend realistische Einschätzung braucht man beides.

► Text zeigen


schnuff hat geschrieben:Ich glaube , ich "bin" dann eher so wie zu dem, der mir mehr bedeutet. Oder, wenn die beiden gut miteinander können - dann ziehe ich mich eher in mich zurück und lasse die ihr Ding machen.
Ich stell mir das gerade bildlich vor:
„Seht mich nicht an! Sprecht mich nicht an! Von mir kommt jetzt nichts! Mir ist das jetzt gerade echt zu viel! Wenn mich jemand sucht, ich stehe da hinten in der Ecke!“ :lachen:

schnuff hat geschrieben: Komisch ist auch, wenn man sich stärker verändert/entwickelt hat. Dann "kriegen" die Leute, die man schon länger kennt, weiter die "alte Version" (weil die das ja auch erwarten und dadurch automatisch provozieren)
Das hängt glaube ich sehr von der Beziehung ab, die man zu dieser Person hat. War sie positiv, wird man sicher in „alte“ Muster zurückfallen, weil es angenehm und vertraut ist.
War die Beziehung aber nur neutral oder sogar negativ, so wird sich die veränderte Persönlichkeit durchsetzten. Das führt dann oft zu Konfilkten: „So kenn ich dich ja gar nicht!“ wird dann immer als Vorwurf und nicht als Kompliment formuliert.
Ganz nach dem Motto: „Ich soll mein Bild von dir verändern? Weisst du eigentlich wie mühsam es ist, dich aus deiner bisherigen Schublade zu holen und irgendwo anders einsortieren zu müssen??? Du hast ja nen Knall! Kannst du vergessen! Ich behandle dich so wie immer schon und du pass dich gefälligst daran an... du mit deiner ach-so-tollen ‚Weiterentwicklung‘!“

schnuff hat geschrieben: und bei Menschen, die ich neu kennen lerne, entdecke ich ganz neue Seiten an mir (an meinem "aussen").
Komisch und interessant. :cool:
[/quote]Und wie! Es gibt noch so viel unerschlossene Möglichkeiten, Menschen abzulehen oder sogar zu hassen! Und sie sind alle da draussen und warten nur auf uns! Yay! :angst:

Okay... manchmal gibt es ja sogar positive Überraschungen! ;)
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Re: Der Einfluss Anderer

Beitragvon tiffi » 6. September 2018, 11:19

Ghostvoice hat geschrieben:tiffi hat geschrieben:
Hattest du das auch schonmal, dass du dachtest, da müsste viel mehr Festigkeit und Starrheit rein, damit du einem bestimmten Bild entsprichst und irgendwie "identisch" bist? (so als kindliches Missverständnis)


Nein, das zum Glück auch nicht! Ich finde es immer komisch (im Sinne von: ) wenn Menschen versuchen sich selbst mit Worten zu beschreiben. Ich könnte dazu nur sehr, sehr wenige Konstanten bestimmen, die wirklich über die Jahre erhalten blieben, das meiste andere aber war im ständigen Wandel und das ich auch gut so!
Das mit den "mit Worten beschreiben" könnte ja sogar ein Ansatz sein, woher der Konflikt kommt, aber auch wo die
Lösung liegt.
Nämlich nicht in den Worten und im definieren und vergleichen, sondern im Dasein und Fließen / Wandel.
Dass diese feste Konstante gar nicht nötig ist.
Und doch scheint sie ja auch schonmal erwartet zu werden:

Ghostvoice hat geschrieben:
schnuff hat geschrieben:Komisch ist auch, wenn man sich stärker verändert/entwickelt hat. Dann "kriegen" die Leute, die man schon länger kennt, weiter die "alte Version" (weil die das ja auch erwarten und dadurch automatisch provozieren)
Das hängt glaube ich sehr von der Beziehung ab, die man zu dieser Person hat. War sie positiv, wird man sicher in „alte“ Muster zurückfallen, weil es angenehm und vertraut ist.
War die Beziehung aber nur neutral oder sogar negativ, so wird sich die veränderte Persönlichkeit durchsetzten. Das führt dann oft zu Konfilkten: „So kenn ich dich ja gar nicht!“ wird dann immer als Vorwurf und nicht als Kompliment formuliert.
Ganz nach dem Motto: „Ich soll mein Bild von dir verändern? Weisst du eigentlich wie mühsam es ist, dich aus deiner bisherigen Schublade zu holen und irgendwo anders einsortieren zu müssen??? Du hast ja nen Knall! Kannst du vergessen! Ich behandle dich so wie immer schon und du pass dich gefälligst daran an... du mit deiner ach-so-tollen ‚Weiterentwicklung‘!“
Da wird irgendwie ja doch eine Konstante, eine alte Form erwartet.
(die gar nicht real ist, aber doch manches Sozialleben irgendwie beruhigt?)
Ich glaub aber auch, wenn es kaum eine Beziehung gab oder eine eher negative, dann zeigt man sich
irgendwann in ganzer Pracht und mit allem möglichen Konfliktstoff....(ungewollt, das mit den Konflikten;
aus meiner Sicht wäre mir ein gemeinsames Entwickeln oder Raum haben, wie es ist und am Werden ist
und geworden ist, lieber)
Ghostvoice hat geschrieben:
schnuff hat geschrieben: und bei Menschen, die ich neu kennen lerne, entdecke ich ganz neue Seiten an mir (an meinem "aussen").
Komisch und interessant. :cool:
Und wie!

Es gibt noch so viel unerschlossene Möglichkeiten, Menschen abzulehen oder sogar zu hassen!
Und sie sind alle da draussen und warten nur auf uns! Yay! :angst:

Okay... manchmal gibt es ja sogar positive Überraschungen! ;)
So kann man es auch sehen :lachen:
Das wird schon wieder so ein lustiger Tag heute bei diesen Anregungen im Forum :breites grinsen:

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Re: Der Einfluss Anderer

Beitragvon tiffi » 6. September 2018, 11:39

Ghostvoice hat geschrieben:Aber jetzt kommt die Theorie: könnte es sein, daß man mit manchen Menschentypen einfach nicht klar kommt, weil man in den prägenden Phasen der eigenen Entwicklung niemals gelernt hat, einen Persönlichkeitsanteil zu entwickeln, der für ein sympathisches Verhältnis zu dieser Person sorgt?
....
Wenn ich mich zurückerinnere, gerade an meine Schulzeit, so gab es sicher mehrere Schulkameraden, die (in jüngerer Form) das abbildeten, was er darstellt. Aber im persönlichen Freundeskreis gab es solche Menschen niemals. In keiner Phase, weder in der Kindheit noch Jugend. Gerade mal im schulischen Konkakt und dort kann man immer noch stark steuern, mit wem man mehr und mit wem man weniger zu tun haben möchte.
Das würde nahelegen, dass man auf manche Menschentypen geprägt ist und in Resonanz ging oder ein "Gegenüber"
wurde, und bei manchen eher nicht, weil da Gleichgültigkeit oder eher eine Art Abstoßung war.

War es nur mangelnde Gelegenheit oder hat einen da schon wenig angezogen oder abgestoßen?
Und was in einem selbst bringt einen dazu, sich manche Gegenüber zu suchen oder sie zumindest "auszuhalten"
/ nicht zu meiden, und andere Gegenüber aber doch zu meiden oder nicht mit ihnen in Resonanz zu gehen?

Könnte man bei Bewusstheit als Erwachsener ohne diese jugendlichen Missverständnisse die Bandbreite
erhöhen? :rätseln: (Hab ich noch nicht so drüber nachgedacht, aber interessant)

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Re: Der Einfluss Anderer

Beitragvon Ghostvoice » 6. September 2018, 13:22

tiffi hat geschrieben:Das würde nahelegen, dass man auf manche Menschentypen geprägt ist und in Resonanz ging oder ein "Gegenüber"
wurde, und bei manchen eher nicht, weil da Gleichgültigkeit oder eher eine Art Abstoßung war.
Gefällt mir sehr gut der Gedanke! :begeistert:

tiffi hat geschrieben:War es nur mangelnde Gelegenheit oder hat einen da schon wenig angezogen oder abgestoßen?
...
Und was in einem selbst bringt einen dazu, sich manche Gegenüber zu suchen oder sie zumindest "auszuhalten"
/ nicht zu meiden, und andere Gegenüber aber doch zu meiden oder nicht mit ihnen in Resonanz zu gehen?
Ich habe jetzt schon zum zweiten Mal halbe Essays als Antwort verfasst und wieder gelöscht. Das ist eine ziemlich tiefgehende Materie, durch die ganzen möglichen Kombinationen zwischen Persönlichkeitstyp und konfrontierender Umwelt. Nur kurz: der Aspekt Anpassungsfähigkeit spielt dabei ebenfalls eine weitere grosse Rolle!

tiffi hat geschrieben:Könnte man bei Bewusstheit als Erwachsener ohne diese jugendlichen Missverständnisse die Bandbreite
erhöhen? :rätseln: (Hab ich noch nicht so drüber nachgedacht, aber interessant)
Ich denke die Antwort darauf ist wieder der Oberbegriff "Anpassungsfähigkeit".
Je jünger man ist, umso leichter fällt es, diese Fähigkeit zu trainieren, aber ich glaube, ab einem gewissen Alter ist es wie mit dem erlernen einer neuen Sprache.
Durch die Festigung unseres Weltbildes mitsamt seinen Vorurteilen (die wir als Filter brauchen), müssten wir eben jene bewußt zeitweilig ausblenden können, um tatsächlich offen für bisher komplett unzugänglche Menschentypen zu sein. Aber warum haben wir uns denn gerade DIESE Vorurteile aufgebaut...? :rätseln:
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Re: Der Einfluss Anderer

Beitragvon Themis » 6. September 2018, 20:19

Interessanter Thread, aber da öffentlich, nur kurz zwei Gedanken:

- Es kann auch um Anpassungswillen gehen, nicht nur Anpassungsfähigkeit. (Mir z. B. sträubt sich beim Wort "Anpassung" bereits das Fell; niemand, der mich kennt, würde die ernsthaft von mir erwarten.
(Was nicht heißt, dass das gut sein muss. Aber es ist so. I. d. R. prüfe ich Gegebenes bzw. Situationen und passe mich dann eher NICHT an.))

- Den mühsam erarbeiteten Filter, mit wem man möchte und mit wem nicht, würde ich nicht als "Vorurteile" bezeichnen. Es sind vielmehr über lange Zeit anhand vieler Beispiele gebildete Urteile. Subjektiv begründet und damit berechtigt.
Aber eben nur subjektiv. Daher ist gelegentliche Überprüfung ganz gut ... Leider bringt diese selten abweichende Ergebnisse.
Leider oder nicht eher: zum Glück? :katze:
Everything is nothing, and nothing is everything. (Quelle strittig) :alien:

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Re: Der Einfluss Anderer

Beitragvon Ghostvoice » 7. September 2018, 00:00

Themis hat geschrieben:Interessanter Thread, aber da öffentlich, nur kurz zwei Gedanken:

Es kann auch um Anpassungswillen gehen, nicht nur Anpassungsfähigkeit. (Mir z. B. sträubt sich beim Wort "Anpassung" bereits das Fell;
Diese Konkretisierung wäre ein interessantes Thema für einen eigenen Thread!

Damit geht es dir nicht alleine so! Es gibt immer wieder mal Situationen, in denen man sich nicht-kompartiblen Menschen anpassen „sollte“. Auch wenn ich inzwischen weiss, daß ich es besser machen könnte, lasse ich es auch sein. Da der Gedanke, mich diesem Menschen auf seiner Ebene anzunähern, schon beinahe körperlichen Ekel hervorruft.
Dabei ist der-/diejenige nichtmal notwendigerweise abstossend oder dumm... nur eben so extrem anders, daß es eben nicht geht... :(

Themis hat geschrieben:Den mühsam erarbeiteten Filter, mit wem man möchte und mit wem nicht, würde ich nicht als "Vorurteile" bezeichnen. Es sind vielmehr über lange Zeit anhand vieler Beispiele gebildete Urteile. Subjektiv begründet und damit berechtigt.
Ich denke, im Prinzip ist es schon ein Vor-Urteil, da man ja auf einer emotionalen und nicht rationalen Ebene aussortiert.

Allerdings ist für mich der Begriff des „Vorurteils“ nicht negativ konnotiert. Ich denke, diese emotionalen Einschätzungen sind die Resultate von Erfahrungen und persönlichen Wertvorstellungen. Im konkreten Moment würde es zu lange dauern, rational alle Elemente der Erfahrung/Begegnen zu erfassen. Ich bekomme das dann eben nur als emotionales Befinden vermittelt.
Somit nehme ich sie wahr, entscheide aber bewußt, ob ich ihnen traue oder nicht. Und entscheide auch bewußt, wie ich mich konkreten Menschen - im Bewußtsein meiner Vorurteile - gegenüber verhalte.

Ich mag meine Vorurteile! Sie machen mich wacher!
Im Endeffekt führt es dazu, daß Menschen, die ich „emotional“ vorverurteile, von mir keine Antipathie zu spüren bekommen und sich fragen müssen, womit sie das denn verdient haben...

Themis hat geschrieben:Aber eben nur subjektiv. Daher ist gelegentliche Überprüfung ganz gut ... Leider bringt diese selten abweichende Ergebnisse.
Leider oder nicht eher: zum Glück? :katze:
Das ist ja das Problem mit Vorurteilen. Da sie ja eben auf unserem persönlichen Wertesystem basieren, erkennen wir leider zu schnell, mit wem wir vielleicht besser umgehen können und mit wem so gar nicht.

Ich würde mir auch gerne öfters abwechende Ergenisse wünschen! Aber wie soll man „verlernen“ ein Klugscheisser zu sein, wenn einem die Realität kein Futter dafür bietet? :rätseln:
Wanda: ... du bist nichts anderes als ein eingebildeter Affe!!
Otto: Affen lesen aber keine Philosophiebücher!
Wanda: Doch, Otto. Das tun sie - aber sie verstehen sie nicht!
- aus „Ein Fisch namens Wanda“


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