Eine These die für mich alles verändert.

Ein Leben in (völliger) Isolation? Du bist sehr introvertiert, ängstlich-vermeidend oder gar schizoid? Wie gehst du damit um?
tiffi

Re: Eine These die für mich alles verändert.

Beitragvon tiffi » 15. Juni 2019, 19:47

Grundsätzlich kann ich den Ansatz "eher fühlen als abstrakt zerdenken und vordenken und Konzepte entwickeln"
auch nachvollziehen.
Aber ein gewisser geistiger Feinschliff, um die Angemessenheit zu durchdenken und die Wirkung auf ein
Gegenüber ect. und den Rahmen, das finde ich auch nicht übel. So ein Mittelding.

Sich nicht unterdrücken aber doch die Sachen vor der Handlung an den eigenen Prinzipien messen, an
der Situation, an der Wirkung.

Hängt auch mit dem Thema Antiautoritär zusammen, dass man vollstes Vertrauen in die natürliche
Lenkung des Menschen haben kann.
Ich denke aber nicht, dass der Mensch einfach aus sich heraus immer nur gute Impulse und Triebe hat.*)

Rigide Autorität, blinde Autorität hingegen finde ich nie gut und keine Gegenspieler zu den Impulsen und
Trieben.
Aber lebensleitende und förderliche Prinzipien, die ich ja ggf. selbst aushandeln, integrieren, hinterfragen
und verstehen kann.

*)Der Mensch hat nach meinem Verstehen / Beobachten / Erfahren auch eher "negative Triebe",
"blinde Triebe".
Ich denke da auch an das Projekt von Marina Abramovic, wo sie sich im Raum als Objekt zur Verfügung stellt (https://www.yourtango.com/2017308542/vi ... rt-project)
und die Menschen mit ihr machen können, was sie wollen. Und das geht SEHR weit, obwohl den Akteuren klar ist,
dass sie ihr Leid zufügen. Irgendein Trieb und Impuls scheint da ja auch zu sein.
Ebenso ein Impuls zu gaffen und das Handy zu zücken, wenn ein Unfall ist.

Oder muss man da zuordnen:
Es gibt Impulse, die gehören zu einer gestörten Seite, und andere die gehören zu einem gesunden Menschen?
Ein nicht gestörter Mensch ist erst mal gut?
Aber er hat Abspaltungen und Störungen, die Leid produzieren?
Gibts denn einen überwiegend nicht gestörten Menschen, und wenn das normal wäre, auch eher in der
Überzahl?
Geht halt sehr tief die Frage und ist schwer zu beantworten und wird eine Diversität an Meinungen hervor-
bringen.

Ich denke, so ganz komme ich mit der Polarisierung auch nicht klar, "das hier in mir drin und an mir ist
schlecht und alt und krank" und "das andere ist gut und aktuell und gesund".
Muss man das eine ausmerzen und kann man noch der ideale gesunde Mensch werden?

Wird nicht immer beide da sein und es ist mal ein mehr oder weniger großer Spielraum da?
Wie ein Haus, mit ein paar Grundlagen die zu mir gehören, aber auch mit Dingen, die umgebaut werden können,
die dynamisch sind. Oder Stützbalken, die eher PS sind, können auch Farbe gewinnen oder eine neue Funktion,
einen neuen Platz im Raum?

EDIT: Ein paar Sachen, die ich geschrieben hab, waren etwas weitführend und vom Thema weg, die mach ich
eher mal ins Tagebuch oder in meinen privaten Bereich (ist ja auch öffentlich der Bereich hier, wie ich
später bemerkt habe)
Zuletzt geändert von tiffi am 15. Juni 2019, 20:24, insgesamt 1-mal geändert.

Themis
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Re: Eine These die für mich alles verändert.

Beitragvon Themis » 15. Juni 2019, 20:24

tiffi hat geschrieben:Und schwierig finde ich immer noch die Differenzierung, was ist eher so alter Schutzmantel / Persönlichkeitsstörung / eher rigide und was ist eher so "Zugang zum lebendigen Gefühl, aktuell".
Und ist das überhaupt so polarisiert und entweder oder? 
Oder beides da und es ist mal ein mehr oder weniger großer Spielraum da?
Wie ein Haus, mit ein paar Grundlagen die zu mir gehören, aber auch mit Dingen, die umgebaut werden können, die dynamisch sind. Oder Stützbalken, die eher PS sind, können auch Farbe gewinnen oder eine neue Funktion, einen neuen Platz im Raum?
Schöne Bilder, die mich gerade sehr ansprechen.
So spontan der Gedanke, man kann auch einfach mal selbst - geplant oder aus intuitivem Antrieb - so einen Balken rausreißen oder neu streichen oder einen ganz anderen einbauen. Manchmal wirbeln die PS-Balken auch ganz schön rum und können einen am Kopf treffen. :verwirrt:

Nicht stark polarisiert und nicht nur entweder - oder, so sehe ich das für mich. So hatte ich das auch mit "gerne mehrere Etiketten" oben gemeint. Entweder viele, die alle zeitgleich ein bißchen passen oder auch wechselnd aufklebbare; bloß nichts Festgelegtes. Das finde ich schön und möchte gerne so sein: wandelbar mit verschiebbarem festem Kern. Glaube, die Wahl/Flexibilität habe ich jetzt auch.

Den "Zugang zum lebendigen Gefühl" muss man wohl erst dosieren lernen, sonst ist es auch für einen selbst schwer genießbar. Die Erfahrung mache ich immer wieder. Es ist noch ungewohnt, aber ich weiß, dass es meins ist. Dennoch finde ich, muss man es hier und da sowohl fürs Außen als auch fürs Innen erst handhaben lernen. Sonst wirkt man irgendwie überdreht, glaube ich; und auch nach innen schütteln einen diese Gefühlsbäder sehr durch. Oft fast zu heiß.

@ tiffi:
Deine Reaktion nach dem distanzlosen Spruch zur Größe finde ich gut. Der war sicher nicht mal kritisch gemeint, nur feststellend, so wie Du es beschreibst. Aber muss das geäußert werden? :x

Ich hab solch heftige Reaktionen auch seit einiger Zeit im Repertoire, weil der Ärger auf sowas hin spontan so stark steigt. Ich könnte es kontrollieren, will aber nicht mehr.
Reaktion bei den anderen, grenzüberschreitenden Menschen darauf war meist Erschrecken und zerknirschter Rückzug; durch meine Gegenwehr sahen sie deutlich, dass da jemand verletzt/getreten wurde. Vielleicht passen sie beim nächsten Mal dann etwas besser auf - pädagogische Wirkung. :schweigen:

Glaube auch, durch ein paarmaliges Üben, d. h. Aussprechen, auch wenn das in einer Situation etwas überzogen wirken mag, wird es mit der Zeit überflüssig. Man ärgert sich gar nicht mehr so, weil man ja aus Erfahrung weiß, dass man sich wehren könnte und dass das wirkt. Dadurch braucht man es dann nicht mehr.
Heimat gibt es nicht. Nirgends.

tiffi

Re: Eine These die für mich alles verändert.

Beitragvon tiffi » 15. Juni 2019, 20:45

Themis hat geschrieben:So hatte ich das auch mit "gerne mehrere Etiketten" oben gemeint. Entweder viele, die alle zeitgleich ein bißchen passen oder auch wechselnd aufklebbare; bloß nichts Festgelegtes. Das finde ich schön und möchte gerne so sein: wandelbar mit verschiebbarem festem Kern. Glaube, die Wahl habe ich jetzt auch.
Das klingt gut.
Nicht mehr gefangen sein nur in einem Muster an Reaktion und Veränderungen erleben können; das selber
steuern bewirken und experimentieren.
Themis hat geschrieben:Den "Zugang zum lebendigen Gefühl" muss man wohl erst dosieren lernen, sonst ist es auch für einen selbst schwer genießbar. Die Erfahrung mache ich immer wieder. Es ist noch ungewohnt, aber ich weiß, dass es meins ist. Dennoch finde ich, muss man es hier und da sowohl fürs Außen als auch fürs Innen erst handhaben lernen. Sonst wirkt man irgendwie überdreht, glaube ich; und auch nach innen schütteln einen diese Gefühlsbäder sehr durch. Oft fast zu heiß.
Ja, das kenne ich, dass es zu ungewohnt ist und dann Unsicherheit kommt oder das Gefühl,
das schwer ertragen zu können.
Das sind ja auch Kräfte, die einen für die Umgebung sehr schwer händelbar machen und es fällt schwerer,
sich einfach unsichtbar einzupassen. Manchmal weiß man gar nicht, welche Wirkung man damit erzielt.
Ob man das selber zu übertrieben fühlt und für andere normal ankommt, oder ob man zu sehr auf den Tisch
haut und andere erschreckt oder aufrüttelt.

Und drinnen in einem Selbst rüttelt es ja auch an einigem. (Wie das Beispiel mit den Balken der PS, die einem
selbst um den Kopf fliegen können). Oder das stark ungewohnte Gefühl, das früher auch nie sein
durfte, nie beantwortet wurde oder aktiv unterdrückt wurde und man mit einigem negativen rechnen
konnte.
Themis hat geschrieben:Ich hab solch heftige Reaktionen auch seit einiger Zeit im Repertoire, weil der Ärger auf sowas hin spontan so stark steigt. Ich könnte es kontrollieren, will aber nicht mehr.
Reaktion bei den anderen, grenzüberschreitenden Menschen darauf war meist Erschrecken und zerknirschter Rückzug; durch meine Gegenwehr sahen sie deutlich, dass da jemand verletzt/getreten wurde. Vielleicht passen sie beim nächsten Mal dann etwas besser auf - pädagogische Wirkung. :schweigen:
Auch wenn ichs jetzt verschoben hab, danke für die Einschätzung und Feedback.
Meine Reaktion geht auch kurz an meinem Hirn vorbei "will ich das wirklich jetzt tun" und mein Hirn ist leichtsinnig
und sagt "ja mach". also es ist nicht GANZ impulsiv.
Themis hat geschrieben:Glaube auch, durch ein paarmaliges Üben, d. h. Aussprechen, auch wenn das in einer Situation etwas überzogen wirken mag, wird es mit der Zeit überflüssig. Man ärgert sich gar nicht mehr so, weil man ja aus Erfahrung weiß, dass man sich wehren könnte und dass das wirkt. Dadurch braucht man es dann nicht mehr.
Das wäre meine Hoffnung. Denn das dauerhaft so machen, wirkt auf mich selber etwas affig,
überzogen und zu zeit- und kraftraubend.

Vielleicht wollte ich mal testen, ob ich mich äußern und wehren kann. Wobei solche Versuche dann auch irgendwie
unbeholfen wirken, holprig und ich dann noch mehr denke, das ist ja total unangemessen.
Manche Dinge soll man eben laut Gesellschaft auch unausgesprochen hinnehmen, weil man die nicht anspricht.
Darin war ich noch nie so gut. Wenn mich was fuchst, spreche ich das an, auch wenn der gesellschaftliche Code
das elegant umschiffen würde.

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Re: Eine These die für mich alles verändert.

Beitragvon Indigocat » 15. Juni 2019, 22:54

tiffy hat geschrieben:Hängt auch mit dem Thema Antiautoritär zusammen, dass man vollstes Vertrauen in die natürliche
Lenkung des Menschen haben kann.
Ich denke aber nicht, dass der Mensch einfach aus sich heraus immer nur gute Impulse und Triebe hat.*)

Rigide Autorität, blinde Autorität hingegen finde ich nie gut und keine Gegenspieler zu den Impulsen und
Trieben.
Aber lebensleitende und förderliche Prinzipien, die ich ja ggf. selbst aushandeln, integrieren, hinterfragen
und verstehen kann.


Nein, kann man wahrscheinlich nicht, Vertrauen in die Vernunft der Menschen haben. Es gab ja mal den Film "Herr der Fliegen", wo Kinder auf einer einsamen Insel sich selber überlassen waren :bangen:. Sofort, sobald die künstliche Ordnung wegfällt, bricht Chaos, aus, Gewalt, Plünderungen, Vergewaltigungen, wie z.B. in bei der Flutkatastrophe 2005 in New Orleans. Andererseits kann man auch kein Vertrauen in eine "Führung" haben, gute Menschen, die das Allgemeinwohl im Auge haben, drängen sich nicht an die Macht. Kommen sie durch Zufall doch in eine Führungsposition, werden sie sehr schnell eliminiert von Leuten, deren Interessen sie im Wege stehen. Wahrscheinlich brauchte es so etwas wie eine Sintflut, um nur "charakterlich wertvolle" Individuen überleben zu lassen. Und wahrscheinlich wäre selbst diese nur kurzzeitig von Erfolg gekrönt. Andererseits wäre der Mensch evolutionär nicht so erfolgreich gewesen, wäre er nicht so gierig und brutal. Die friedlicheren Völker sind untergegangen oder haben sich assimiliert.
Geniale Menschen sind selten ordentlich, Ordentliche selten genial. A. Einstein

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Re: Eine These die für mich alles verändert.

Beitragvon Themis » 16. Juni 2019, 07:48

tiffi hat geschrieben:Meine Reaktion geht auch kurz an meinem Hirn vorbei "will ich das wirklich jetzt tun" und mein Hirn ist leichtsinnig
und sagt "ja mach". also es ist nicht GANZ impulsiv.
Haha! :winken: Bei mir gerade umgekehrt: Mein Hirn fragt "Dürfen wir das tun?" und das Gefühl sagt "Ja, jetzt hauen wir mal drauf!" ;)
tiffi hat geschrieben:Vielleicht wollte ich mal testen, ob ich mich äußern und wehren kann. Wobei solche Versuche dann auch irgendwie
unbeholfen wirken, holprig und ich dann noch mehr denke, das ist ja total unangemessen.
Manche Dinge soll man eben laut Gesellschaft auch unausgesprochen hinnehmen, weil man die nicht anspricht.
Darin war ich noch nie so gut. Wenn mich was fuchst, spreche ich das an, auch wenn der gesellschaftliche Code
das elegant umschiffen würde.
Ja, holprig und tapsig, als ob eine Bärin mit der Pranke reinhaut. So war das bei mir vor einiger Zeit auch noch. Wird aber jetzt schon dosierter und gezielter durch die Übung und ich fühle mich schon sicherer damit.
Und der Bedarf wird schon etwas geringer, merke ich.

Wieder denke ich, andere durchlaufen diese Ausprobierensphase offensichtlich schon als Kleinkinder und dann nochmal als Teenager. Das muss man als Mensch mit PS erst schrittweise nachholen. Aber nicht jammern, sondern nutzen - immerhin schön, dass es auch später noch geht. :Ballon:

Das Ansprechen, wenn was längerfristig fuchst, hab ich früher auch schon gemacht. Allerdings immer mehr in so einer Wogenglättungs-Vermittler-Rolle, nicht aus - gespürtem! - eigenem Antrieb. (Denn der Antrieb war sicher vorher auch schon da als Wut/Ärger, nur eben für mich nicht spürbar.)
Das war im Rückblick sehr energieaufwändig und wenig befriedigend für mich.
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Re: Eine These die für mich alles verändert.

Beitragvon ToWCypress81 » 16. Juni 2019, 18:46

tiffi hat geschrieben:Sich nicht unterdrücken aber doch die Sachen vor der Handlung an den eigenen Prinzipien messen, an der Situation, an der Wirkung.

Meiner Erfahrung nach gelingt das "Messen der Prinzipien" und dem "Wie" der eigenen Reaktion -Situationsnäher und vor allem Nicht Selbst-zweiflerisch (unsicher) - wenn man sich auf den Gegenüber/Umfeld konzentriert.
- Daher man die Emotion zu dem Gesagten der Person besser versteht/SIEHT und somit für sich verständlicher macht, und dadurch wiederum realitätsnäher und bessere für sich einschreiten/dem Gegenüber hin reagieren kann.
Anstatt gegenteilig etwas zu hören, ohne die Emotion und die Absicht dahinter genau zu sehen und zu verstehen, dabei in sich zu grübeln wie man jetzt bei der Person rüberkommt/wie sie einen sehen könnte/was sie über einen denken könnte, was man falsch gemacht hat, wie die Person das gemeint hat und wie man jetzt reagieren soll, ohne das das jetzt komisch, gestört, falsch, zu übertrieben usw rüberkommt.

Z. B. Fande ich die Reaktion (die "Stadt"-Situation, welchen Text du in den Privat-Thread verschoben hast) so wie du sie beschrieben hast, sehr gut, realitätsnah und vollkommen verständlich. Es war richtig wie du reagiert hast!
Die Innenschau die du danach betrieben hast, war nicht nötig. Die Person hat ihre negative Emotion und Scham (durch ihr Schuldempfinden) die sie danach empfand (durch die versuchte Ablenkung und Lüge "der Suche nach der Kneipe") verraten.

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Re: Eine These die für mich alles verändert.

Beitragvon tiffi » 16. Juni 2019, 22:17

Themis hat geschrieben:Wieder denke ich, andere durchlaufen diese Ausprobierensphase offensichtlich schon als Kleinkinder und dann nochmal als Teenager. Das muss man als Mensch mit PS erst schrittweise nachholen. Aber nicht jammern, sondern nutzen - immerhin schön, dass es auch später noch geht. :Ballon:
Ja, kann gut sein, dass das ganz normale und sonst eher "frühere" Entwicklungsphasen sind.
Schon spannend irgendwie, das so zu erfahren, statt wie sonst, in der Rolle zu bleiben, oder nur für sich
im Kopf was auszubrüten.

Ich möchte auch gar nicht aufhören, Erfahrungen zu machen und den Spielraum nutzen, denke nicht, dass das
mit dem Alter aufhören muss.
Wobei etwas mehr Ruhe und Sicherheit nach mehr Erfahrungen sicher auch ganz angenehm ist.
Themis hat geschrieben:Das Ansprechen, wenn was längerfristig fuchst, hab ich früher auch schon gemacht. Allerdings immer mehr in so einer Wogenglättungs-Vermittler-Rolle, nicht aus - gespürtem! - eigenem Antrieb. (Denn der Antrieb war sicher vorher auch schon da als Wut/Ärger, nur eben für mich nicht spürbar.)
Das war im Rückblick sehr energieaufwändig und wenig befriedigend für mich.
Ich glaube, da kenne ich beide Antriebe.
Früher auch eher so "Manko in der Situation finden, Ungerechtigkeit sehen für verschiedene Seiten",
und mich dann anlegen und reingeben für was und wen auch immer.
Man war der Buh-Mann und die, für die man gekämpft hat, haben sich zurückgelehnt. Es war aufreibend
und selten effektiv.

Antrieb aus eigener Wut / Unverständnis / "jetzt reicht's Gefühl" kam dann erst viel später dazu, und oft auch
eher eruptiv. Lange angesammelt und dann so hingeknallt.
Da arbeite ich auch noch so am "Feinschliff". Am besten gar nicht so ansammeln, früher achtsam sein, früher
in Kontakt gehen.
ToWCypress81 hat geschrieben:Meiner Erfahrung nach gelingt das "Messen der Prinzipien" und dem "Wie" der eigenen Reaktion -Situationsnäher
und vor allem Nicht Selbst-zweiflerisch (unsicher) - wenn man sich auf den Gegenüber/Umfeld konzentriert.
- Daher man die Emotion zu dem Gesagten der Person besser versteht/SIEHT und somit für sich verständlicher macht, und dadurch wiederum realitätsnäher und bessere für sich einschreiten/dem Gegenüber hin reagieren kann.

Anstatt gegenteilig etwas zu hören, ohne die Emotion und die Absicht dahinter genau zu sehen und zu verstehen, dabei in sich zu grübeln wie man jetzt bei der Person rüberkommt/wie sie einen sehen könnte/was sie über einen denken könnte, was man falsch gemacht hat, wie die Person das gemeint hat und wie man jetzt reagieren soll, ohne das das jetzt komisch, gestört, falsch, zu übertrieben usw rüberkommt.
Ja, ich denke, ich verstehe den Unterschied.
Das eine ist stark im Kopf, ohne Realitätsprüfung, man ist wie in sich gefangen.
Mit sich selbst im Dilemma und beunruhigt.

Ich glaube, bei mir ist gerade eine Phase, wo beide Mechanismen so parallel laufen.
Wo ich das direktere teste,aber das andere mich dann "bestraft" oder der Zweifel wieder kommt,
so aus Gewohnheit.

Denn das sich prüfen und anpassen und reindenken hatte ja auch eine Funktion.
Dass man damit versucht hat sich anzupassen, gut zu kommunizieren, nicht zu verletzen,
nicht zu konfrontieren. Schonen, "sozialer Frieden".
Keiner muss fühlen und in sich reinschauen und man kann beim altbewährten bleiben.
Das war der beste Mechanismus der mir seinerzeit möglich war.
Heute kann man auch anderes probieren.
ToWCypress81 hat geschrieben:Z. B. Fande ich die Reaktion (die "Stadt"-Situation, welchen Text du in den Privat-Thread verschoben hast) so wie du sie beschrieben hast, sehr gut, realitätsnah und vollkommen verständlich. Es war richtig wie du reagiert hast!
Die Innenschau die du danach betrieben hast, war nicht nötig. Die Person hat ihre negative Emotion und Scham (durch ihr Schuldempfinden) die sie danach empfand (durch die versuchte Ablenkung und Lüge "der Suche nach der Kneipe") verraten.
Ich denke, richtig meinst du im Sinne von "an der Situation nah und an den Gefühlen nah".
Ja, denke schon.

Mit der Introspektion war eine Extrarunde, aber es ging gleichzeitig in mir gestern auch weiter,
und zwar hat mir der Teil gefehlt, den anderen verstehen zu können.
Wurden da z B Maßstäbe in Frage gestellt und war es einfach so etwas wie ein Erstaunen? ein "geht ja
gar nicht"?
Und im nachhinein tut es mir andererseits auch leid, dass die andere jetzt Scham und Schuld fühlen
muss.

Es war halt in dem Moment ein Konflikt, weil aus meiner Position das begafft / betitelt werden mich
gestört hat.

Im aktuellen Moment ist das oft so ein Tohuwabohu, aber im großen und ganzen kann man seinem
Instinkt da wohl trauen, und der Wahrnehmung, und durch Aktion und Reaktion testen.
Und dann stehen lassen, war jetzt so. Ist oft nicht leicht, weil man keine offizielle Sicherheit
und völlige Transparenz hinbekommt. Vielleicht mal in einer Therapiegruppe im Slow Motion
mit bewussten und offenen Menschen, aber im Echtbetrieb muss man auch mit Lücken
leben. Oder eben Vertrauen aus dem gegenwärtig sein dann schöpfen.

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Vertrauen = Gewissheit

Beitragvon ToWCypress81 » 21. Juni 2019, 11:31

tiffi hat geschrieben:(...)Oder eben Vertrauen aus dem gegenwärtig sein dann schöpfen.

Ein schöner Abschluss.., denn Das (wie schon in diesem Thread erwähnt: "das Vertrauen zu sich selbst") ist nach wie vor tatsächlich das Wichtigste ("der Kern/Knack-Punkt").

Als Persönlichkeitsgestörte/r ist es ja mehr oder weniger die "Regel", das man sich und sein "tun" und "lassen" hinterfragt, und/bzw sich nicht sicher ist, das das was man sagt, denkt und tut richtig ist. Denn die Persönlichkeit ist "verstört" (durch ein Traumata/falsche Erziehung) und fühlt sich so mehr oder weniger permanent (die Persönlichkeit) "ge-stört" an, von: "sich an etwas/allem stoßen" - durch die ERWORBENE traumatische und/oder erzieherische VERUNSICHERUNG.

Durch diese Verunsicherung der eigenen Persönlichkeit (=Persönlichkeitsstörung), und der dadurch entstehenden ständigen Suche nach der Richtigkeit und in-Frage-stellen von eigener sowie fremder Reaktionen, Denken und Fühlen - entsteht aber auch ein Höchstmaß an Moral- und Ethik-Bewusstsein + Anspruch.
Dieses Bewusstsein und Anspruch ein Mensch, der keine traumatische "Verstörung der Persönlichkeit" erlebte (und damit eine permanente Störung und Verunsicherung der eigenen Persönlichkeit empfindet) - oft gar nicht entwickelt. - Warum auch, es gibt ja keinen Anlass dazu (für diese Menschen).

Viele (ich eingeschlossen) sind sich dessen aber gar nicht bewusst, das man selbst, im Gegenteil zu "Nicht-Persönlichkeitsgestörten", so ein "überdurchschnittliches" Ethik- und Moral-Verständnis hat!

Und nun kommt's:
Die Gewissheit, das man sich in der Hinsicht (was das eigene Werte- und Moral-Verständnis betrifft) vertrauen kann, würde wiederum zu einem Vertrauen des eigenen Fühlen, Denken und Reagieren's führen.
Dieses Selbstvertrauen/in sich sein/mit sich sein - und damit sich "sicher-fühlen" (Selbstsicherheit) wiederum auch zu einer Entspanntheit im Umgang mit Menschen führen würde. Was einem "Vertrauen zu Menschen/zu anderen" entspricht - da man weiß, dass man sich Zuallererst - "auf SICH" - verlassen kann.

tiffi

Re: Vertrauen = Gewissheit

Beitragvon tiffi » 21. Juni 2019, 15:36

@ToWCypress81
Das ist eine schöne Verbindung zwischen Verunsicherung, hohem Ethikverständnis und sich vertrauen können.
die Verbindung hatte ich gar nicht so unmittelbar gesehen, empfinde aber die einzelnen Elemente und
die Verbindung daraus für stimmig.

ToWCypress81 hat geschrieben:Als Persönlichkeitsgestörte/r ist es ja mehr oder weniger die "Regel", das man sich und sein "tun" und "lassen" hinterfragt, und/bzw sich nicht sicher ist, das das was man sagt, denkt und tut richtig ist. Denn die Persönlichkeit ist "verstört" (durch ein Traumata/falsche Erziehung) und fühlt sich so mehr oder weniger permanent (die Persönlichkeit) "ge-stört" an, von: "sich an etwas/allem stoßen" - durch die ERWORBENE traumatische und/oder erzieherische VERUNSICHERUNG.
Ja, das stimmt.
Da waren Umwege nötig, um an irgendetwas messen zu können (Know How und Werte), wenn denn in
prägender Beziehung und in der eigenen Person keine Sicherheit kam.
ToWCypress81 hat geschrieben:Durch diese Verunsicherung der eigenen Persönlichkeit (=Persönlichkeitsstörung), und der dadurch entstehenden ständigen Suche nach der Richtigkeit und in-Frage-stellen von eigener sowie fremder Reaktionen, Denken und Fühlen - entsteht aber auch ein Höchstmaß an Moral- und Ethik-Bewusstsein + Anspruch.
Dieses Bewusstsein und Anspruch ein Mensch, der keine traumatische "Verstörung der Persönlichkeit" erlebte (und damit eine permanente Störung und Verunsicherung der eigenen Persönlichkeit empfindet) - oft gar nicht entwickelt. - Warum auch, es gibt ja keinen Anlass dazu (für diese Menschen).
Auch richtig. Es scheint, dass andere eher einen unmittelbaren Kompass haben, und das weniger
ausformulieren müssen.
Ich selber brauche das eher als Reflektion. Umweg.
Dafür kann man dann abstrakte Dinge möglichst detailliert beschreiben. Oder Werte abwägen / beurteilen.
ToWCypress81 hat geschrieben:Und nun kommt's:
Die Gewissheit, das man sich in der Hinsicht (was das eigene Werte- und Moral-Verständnis betrifft) vertrauen kann, würde wiederum zu einem Vertrauen des eigenen Fühlen, Denken und Reagieren's führen.
Hm, das klingt auf jeden Fall gut.
Ich bin mir da nur unsicher (haha, Thema), ob das fühlen, denken und reagieren
aus dem erarbeiteten Selbst- und Moralverständnis herrührt oder aus der Verstörung und Verunsicherung.
Also produziert das erarbeitete Werteverständnis auch Denken, Fühlen und Reaktionen?
Hm, wenn ich so überlege / reflektiere: Ja.
ToWCypress81 hat geschrieben:Dieses Selbstvertrauen/in sich sein/mit sich sein - und damit sich "sicher-fühlen" (Selbstsicherheit) wiederum auch zu einer Entspanntheit im Umgang mit Menschen führen würde. Was einem "Vertrauen zu Menschen/zu anderen" entspricht - da man weiß, dass man sich Zuallererst - "auf SICH" - verlassen kann.
Was mich schon verunsichert ist, dass andere "selbstverständlicher gesteuert und sicher" sind.
Ohne Umwege.

Ich fühle mich da schon anders / eher mal aus mir rausgeworfen um über den Umweg dann zu
mir zu finden. Das wirkt dann ggf. eckig und nicht ganz so verbunden.

Deutlicher Impuls /Emotion aus so einer Art Urvertrauen trifft auf irgendwie abstrakte Richtlinie (Wert, Moral,
Erwägungen,ect).Es könnte aber mit der Zeit auch geschmeidiger werden und schneller ablaufen.
Und wenn man lernt, dass man so durch die Welt kommt und Vertrauen lernt, kommt ja ggf. doch auch ein
Stück weit ein Gefühl "richtig" zu sein.

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Re: Vertrauen = Gewissheit

Beitragvon ToWCypress81 » 23. Juni 2019, 13:03

tiffi hat geschrieben:Da waren Umwege nötig, um an irgendetwas messen zu können (Know How und Werte), wenn denn in
prägender Beziehung und in der eigenen Person keine Sicherheit kam.

(...) Es scheint, dass andere eher einen unmittelbaren Kompass haben, und das weniger
ausformulieren müssen.
Ich selber brauche das eher als Reflektion. Umweg.
Dafür kann man dann abstrakte Dinge möglichst detailliert beschreiben. Oder Werte abwägen / beurteilen.

(...)Ich bin mir da nur unsicher (haha, Thema), ob das fühlen, denken und reagieren
aus dem erarbeiteten Selbst- und Moralverständnis herrührt oder aus der Verstörung und Verunsicherung.
Also produziert das erarbeitete Werteverständnis auch Denken, Fühlen und Reaktionen?
Hm, wenn ich so überlege / reflektiere: Ja.

(...)Was mich schon verunsichert ist, dass andere "selbstverständlicher gesteuert und sicher" sind.
Ohne Umwege.

Ich fühle mich da schon anders / eher mal aus mir rausgeworfen um über den Umweg dann zu mir zu finden. Das wirkt dann ggf. eckig und nicht ganz so verbunden.

Deutlicher Impuls /Emotion aus so einer Art Urvertrauen trifft auf irgendwie abstrakte Richtlinie (Wert, Moral, Erwägungen,ect).Es könnte aber mit der Zeit auch geschmeidiger werden und schneller ablaufen.
Und wenn man lernt, dass man so durch die Welt kommt und Vertrauen lernt, kommt ja ggf. doch auch ein
Stück weit ein Gefühl "richtig" zu sein.

Das ist sehr sehr gut beschrieben, und zeigt sehr gut das Dilemma von Denken, Fühlen und Reagieren von jemanden mit Persönlichkeitsstörung auf.

Bei mir ist es leider bisher noch genauso, das ich solch ein "abstraktes" (eckig, kantiges, mir Zurechtdenkendes) Denken, Fühlen und Reagieren den Menschen gegenüber habe (durchwegs eher unbekannteren Menschen gegenüber, aber auch teils bekannteren Menschen).
Wenn ich ehrlich bin, hat sich das bisher auch nicht wirklich verändert. Es hat sich nur dahingehend verändert, das dadurch das ich nun viel mehr unter Menschen bin, meine Reaktionen, Denken und Fühlen oft schneller, durch die tägliche Routine den Menschen gegenüber sind/ist (das was du mit "geschmeidiger" und "schneller" meintest).
Wenn ich dann allerdings ein paar Tage alleine bin, merke ich sehr schnell, das wenn diese Routine unterbrochen wird, ich wieder sehr schnell in das vorhandene sehr eckige, zurechtdenkende, kantige eher Menschen-Abgeschottete Verhalten, Denken und Fühlen absacke. Auch wenn meine erlernten Skills dabei nicht verloren gehen.

Aber genau das ist es eben. Erlernte Skills können einen helfen, aber können sie auch falsch-Prägungen revidieren?

Dennoch denke ich das das Zauberwort "Vertrauen" heißt (so wie du es auch zum Ende hin beschrieben hast). Das egal wie andersartig man in der Welt (mit Menschen) zurechtkommt - man dieses Zurechtkommen dennoch für "gut" und "richtig" empfindet (inbegriffen des Wissens wie es besser und schlechter mit Menschen funktioniert - was einen gewissen Erfahrungsschatz erfordert), egal wie man das auch bewerkstelligt.
Denn nur mit "Selbst-Vertrauen" entsteht "Sicherheit" (Selbstsicherheit) - was das unumgängliche Gegenmittel für die "Unsicherheit" bzw der "Verunsicherung" durch die Persönlichkeits-(Ver)störung darstellt bzw IST.


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