Inneres Auge

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Kalliope
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Re: Inneres Auge

Beitragvon Kalliope » 10. Oktober 2018, 09:33

knolle hat geschrieben:Wie sieht das bei euch aus, könnt ihr euch Bilder vorstellen? Könnt ihr euch auch Geräusche, Gerüche, etc vorstellen?


Ich finde die Frage schwer zu beantworten, denn ich müsste mit "ja" und "nein" antworten.
Ja, klar, ich kenne "Kopfkino". Da spielen oft Fetzen von realen Bildern rein, also irgendetwas, was ich schon einmal irgendwie und - wo gesehen habe. (Das ist aber mehr von "Standbild zu Standbild hangeln".
Ich kenne es auch, eine Art "Vorstellung" von etwas zu haben, das ist aber nur so eine vage Bildhaftigkeit, die ich erst in ein greifbares reales Bild umsetze, wenn ich es zu Papier bringe. Also da formt sich dann erst, was eher diffus im Kopf ist.

Beide Arten sind absolut nicht vergleichbar mit einem gemalten, fotografierten Bild oder Film. Nicht in der plastischen Realität.
Da sind auch bei mir die Träume eindeutig das, was dem am nähesten kommt.

Wenn ich zeichne oder male, dann ist das direkt Kopf zu Hand-Arbeit. Entweder bringe ich direkt ein Gefühl aufs Blatt (Expression) oder aber eine Idee, die ich dann immer weiter verfeinere (Skizzen). Ehe sie ein "fertiges" Bild/Grafik ergeben (oder Konstrukt, ich bin ja mehr Konstrukteurin), gibt es in der Regel viele Skizzen, in denen ich das für mein Gefühl und aus meiner Sicht "optimale" Ergebnis suche. Es ist ein Prozess, der vielleicht (bei anderen) auch vollständig im Innern stattfinden kann.
Das bliebe bei mir aber zu diffus und ich würde "Makel" nicht erkennen. Das erkenne ich erst, wenn es auf dem Papier oder irgendwie anders realisiert ist.
Man könnte es bei mir also mit "laut denken" vergleichen.

Gerüche und Geräusche stelle ich mir gemeinhin nicht vor, auch nicht beim Kopfkino. Ich habe eine Vorstellung - eher Erinnerung -, wenn man über solche spricht, klar (?). Aber auch das ist "nebelig", nicht so, als würde ich dann das Geräusch oder den Geruch real wahrnehmen. Ausnahme: wenn echtes Geräusch oder Geruch erst ganz kurz zuvor real wahrgenommen wurden.
Leider bin ich auch keine Synästhetikerin, finde ich sehr faszinierend! (Ob das bei solchen Menschen genauso in der Vorstellung geschieht?)
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Re: Inneres Auge

Beitragvon Yurei » 10. Oktober 2018, 11:58

knolle hat geschrieben:Wie sieht das bei euch aus, könnt ihr euch Bilder vorstellen? Könnt ihr euch auch Geräusche, Gerüche, etc vorstellen?

Ja, ziemlich genau vergleichbar mit
hinterdemmond hat geschrieben:ich kann in meiner vorstellung ganze welten erschaffen, (...)

Manchmal sogar realer als die Realität. Ohne diese Welten würde ich mich tot und leer fühlen.
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Re: Inneres Auge

Beitragvon Zinzin » 13. Februar 2019, 13:18

Manchmal tauchen vereinzelte Bilder vorm inneren Auge auf, ist aber selten. Verursachen selbst kann ich es nicht, aber teils lenken, wenn auch nicht viel. Dauert immer nur kurz an dergleichen.

Frug mich immer, woher das kommt. Anfangs fand ich es gruselig, als verselbstständig sich da was in mir. So in Richtung "Dämon" jetzt gedacht. Ich empfinde es derweil als Phänomen, was manchmal auftaucht. Ist nicht schlimm, aber auch kein Highlight. Eher so als gucke ich in dunklen Keller hinein und weiß mit den Fragmenten nichts anzufangen.

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Re: Inneres Auge

Beitragvon knolle » 13. Februar 2019, 18:16

Mitlerweile habe ich einige Menschen zu dem Thema befragt. Ich habe einige in meinem Bekanntenkreis, die garkein oder fast garkein "Inneres Auge" zu haben scheinen. Interessant ist zwar, dass die lebhaften Fantasien bei ihnen fehlen, sie dafür aber kaum schmerzhafte Erinnerungen an die Vergangenheit haben. Einfach deshalb, weil sie die Situationen nicht wieder und wieder durchleben können/müssen.

Manchmal bin ich mir nicht sicher, welcher Zustand nun der erstrebenswertere ist.

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Re: Inneres Auge

Beitragvon hinterdemmond » 14. Februar 2019, 00:05

knolle hat geschrieben:Mitlerweile habe ich einige Menschen zu dem Thema befragt. Ich habe einige in meinem Bekanntenkreis, die garkein oder fast garkein "Inneres Auge" zu haben scheinen. Interessant ist zwar, dass die lebhaften Fantasien bei ihnen fehlen, sie dafür aber kaum schmerzhafte Erinnerungen an die Vergangenheit haben. Einfach deshalb, weil sie die Situationen nicht wieder und wieder durchleben können/müssen.

Manchmal bin ich mir nicht sicher, welcher Zustand nun der erstrebenswertere ist.

na ja, schmerzhafte erinnerungen habe ich auch keine, zumindest fallen mir auf anhieb kaum welche ein. oder ich empfinde sie nach einer weile nicht mehr als schmerzhaft. was aber viel schlimmer ist, ich konnte nie horrorfilme gucken oder sowas. weil ich die ganzen zombies und untoten dann alle nachts auf meinem klo hatte. live und in 3d. auch abends im dunkeln in den keller zu gehen war dann nicht mehr möglich. nachdem ich die filmreihe mit dem weißen hai gesehen habe, war baden im baggersee für lange zeit passe. selbst im schwimmbad, als ich auf dem 5 meter-turm stand, schwamm das vieh plötzlich unter mir im wasser. natürlich sah ich den hai nur vor meinem inneren auge, aber so realistisch, dass mir das blut in den adern gefror. nun standen schon ein paar jungs hinter mir und warteten, und um nicht zu enden wie mr. bean (es gibt eine herrliche episode mit mr. bean im schwimmbad auf dem 10m-turm) machte ich die augen zu, wiederholte ein paar mal: "da ist kein hai, da ist kein hai." und sprang kerzengerade runter. mann, war ich schnell wieder aus dem wasser, der hai hat mich nicht gekriegt. :lachen:
oder als ich einmal mit meiner frau ihre eltern besuchte, das war noch ganz am anfang, vielleicht so das zweite mal. sie waren nicht zu hause, auch sonst war niemand da, der uns die tür aufmachen konnte. es lag auch kein schlüssel in dem üblichen versteck. meine frau meinte: "vielleicht haben wir glück, und es ist ein kellerfenster geöffnet." wir gingen ums haus herum, überprüften alle fenster, und tatsächlich ging das vom waschraum auf. nun bat mich meine frau da reinzuklettern und von innen die eingangstür aufzumachen. ich dachte, ich höre nicht richtig. ich soll in den dunklen keller klettern? ich meinte noch, dass sie das vielleicht tun sollte, weil sie sich viel besser in dem haus auskennt. aber sie sagte nur: "nein, du bist der mann, du kletterst jetzt rein." "hm"- dachte ich: "eine frau, die auf klare rollenverteilungen steht, das ist jetzt genau das richtige für mich." ich schloß die augen, wiederholte immer wieder mantraartig: "da sind keine zombies, da sind keine zombis." und kroch auf allen vieren mit dem rücken nach vorn in das dunkle fensterloch hinein. als ich da schon halb drin hing und mit den füßen nach halt tastete, sagte meine frau laut: "ach so, pass auf, da steht manchmal so ein wäscheständer rum." wo sie das sagte, war ich sofort aus meinem mantra raus. ich sah plötzlich die ganzen orks und zombis aus den tielfen des dunklen kellers herbeieilen, und wie sie sich von hinten auf mich stürzen und mich hinunterreissen und sich mit ihren faulen, schwarzen zähnen in mein zartes warmes fleisch verbeissen. vor schierem entsetzen erfasst, versuchte ich panisch wieder aus dem fenster rauszuklettern, verlor aber den halt, stürzte hinunter, riss irgend ein ding mit sich, das scheppernd zu boden fiel (das war der wäscheständer), sprang auf, tastete hastig an der wand lang, bis ich endlich den schalter fand. machte das licht an, rannte wie von sinnen die kellertreppe hoch in das treppenhaus hinein und riss die eingangstür auf. meine frau stand schon davor. sie sah mich verwundert an und lachte: "na bist du da unten unserem hausgeist begegnet, oder warum machst du so ein entsetztes gesicht?" "hausgeist, was?"- stammelte ich. das hat gerade noch gefehlt.
"ja, wir haben einen hausgeist, früher wenn ich betrunken und bekifft bei mir auf dem dachboden lag, stand er manchmal plötzlich von meinem bett. mama hat den auch schon gesehen." -erzählte meine frau. "und was hat er gemacht?" fragte ich neugierig. "nichts, er stand einfach nur da eine weile." ich dachte mir: "ja, mir war kurzzeitig so, als wäre da noch jemand im raum. gut das ich das nicht schon vorher gewusst habe, sonst hätten mich keine 10 pferde mehr in diesen keller gekriegt."
mit dem hausgeist habe ich dann tatsächlich viel später meine bekanntschaft gemacht. aber das ist ne andere geschichte.
das sind so meine "schmerzhaften" erinnerungen von früher.
dann kommt es immer wieder vor, dass ich bedingt durch meine fantasie komplett aus der realität rausfalle. neulich erst, da waren wir im baumarkt. auf dem parkplatz nach dem einladen brachte ich noch kurz den einkaufswagen zurück. als ich dann wieder beim auto war, fragte mich meine frau ganz verwundert: "hast du den radfahrer nicht gesehen?" "nein was für ein radfahrer?" da war wohl ein radfahrer, der direkt, scharf und laut quitschend neben mir bremste, um mich nicht zu überfahren, leise in meine richtung irgend sowas wie: "alter, hast du keine augen im kopf!" fluchte und dann weiterfuhr. "da war kein radfahrer!"- rief ich ganz verdutzt. "doch, da war einer."- sagte meine frau ganz bestimmt.
sowas passiert mir immer wieder, leute erzählen mir was umd gucken mich im nächsten moment ganz verdutzt an und warten auf irgendwas. meine frau sagt mir hinterher: "sag mal, hast du die frage nicht gehört?" "nein, welche frage?" "na, der mensch hat dich was gefragt, nachdem er dir was erzählt hat. von dir kam aber keine antwort. das war komisch." "ach so, deswegen guckte der so blöd aus der wäsche. nein, ich habe keine frage gehört, war wohl mal wieder kurz mit dem kopf woanders."
meine kinder stehen auch manchmal vor mir und fragen mich drei mal hintereinander was, und kriegen keine antwort. aber die sind das schon gewohnt. sie treten mir dann gegen das schienbein und schreien ganz laut: "papa, hör uns zu!"
dafür habe ich erstaunlich wenige, also eigentlich kaum echte, reale ängste, die die normalen leute sonst so plagen. das ist der vorteil.
auch im abseits sterben helden. (clickclickdecker)

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Re: Inneres Auge

Beitragvon knolle » 15. Februar 2019, 18:25

Danke für deinen Beitrag hinterdemmond, aus deinen Worten entstehen in meinem Kopf sehr lebhafte Bilder :cool: Ich habe aber den Eindruck, dass es bei dir scheinbar alles noch ne Stufe intensiver ist. Ich bin niemals so weit weg, dass ich z.B. bei Ansprache nicht sofort wieder in die Realität zurückkommen würde und gesagt Dinge nicht mitbekomme.

hinterdemmond hat geschrieben: na ja, schmerzhafte erinnerungen habe ich auch keine, zumindest fallen mir auf anhieb kaum welche ein. oder ich empfinde sie nach einer weile nicht mehr als schmerzhaft.
Das geht mir leider fundamental anders. Abgesehen von so heftigen Flashbacks wie vor kurzem von Indigocat bei mir losgetreten, die dann wirklich mehrere Tage bis Wochen den ganzen Geist einnehmen können, erlebe ich häufiger am Tage gerade auch negative Episoden aus der Vergangenheit. Z.B. habe ich heute im Zug daran gedacht, dass ich mich einmal sehr heftig und blutig geschnitten habe. Das führte dazu, dass ich mich am ganze Körper verkrampft habe, ich Schweiß auf der Stirn hatte, mir Schwindelig und mein Gesicht Leichenblass wurde.

Aber zum Glück gibt es genauso viele positive Eingebungen :lachen:

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Re: Inneres Auge

Beitragvon Geextah » 16. Februar 2019, 07:14

hinterdemmond hat geschrieben:man ist quasi im bild drin, oder das bild ist drumherum. manchmal so stark, dass die realität komplett ausgeblendet wird. blöd ist, wenn es unfreiwillig passiert. man kann dann schon mal beim fahrrad fahren gegen einen pfosten radeln.

Das hatte ich eine Zeit lang stärker als normal, was sich gerade auch beim Autofahren sehr schlecht macht; ich aber in diese Bilder hineingezogen wurde, wie in einen Trichter oder deine besagte Folie.

Zu dem Zeitpunkt habe ich mir auch ganz offen die Frage gestellt, ob ich weiterhin Autofahren kann, wenn diese Bilder anhalten oder sogar schlimmer werden.

Derzeit hat es sich aber beruhigt und ich kann wieder ganz normal am Straßenverkehr teilnehmen.
"Erfindungen bedürfen der ungestörten Ruhe, des stillen, beständigen Nachdenkens und eifrigen Erprobens, und all dies gibt nur die Einsamkeit, nicht die Gesellschaft der Menschen."
- Gerolamo Cardano -


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