Trennung von Gefühl und Verstand

Ein Leben in (völliger) Isolation? Du bist sehr introvertiert, ängstlich-vermeidend oder gar schizoid? Wie gehst du damit um?
Iwan
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Re: Trennung von Gefühl und Verstand

Beitragvon Iwan » 23. September 2017, 06:51

Vielen Dank für die bisherigen Antworten, und auch von mir ein Hallo.

Ich wolle ja immer wieder antworten und fand dann aber immer wieder, dass ich lieber euch erzählen lasse und mich zurückhalte; auch deswegen, weil ich sicherstellen wollte, dass nicht etwa ich andere darin beeinflusse, wie "Trennung von Gefühl/Gemüt und Verstand/Denken/Geist" gemeint ist.

Ich bin jedenfalls nicht etwa verschwunden, sondern lese mit Interesse jede Antwort. Vielleicht trudelt ja noch die eine oder andere ein.

Rapante007
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Re: Trennung von Gefühl und Verstand

Beitragvon Rapante007 » 25. September 2017, 20:55

Hallo Tiffi :winken:

Ich beziehe meine Antwort auf das Folgende, welches du geschrieben hattest :
tiffi hat geschrieben:@Rapante007
diese zwei Phasen kenne ich auch ganz gut.
erst funktionieren, dabei weniger Kontakt zu körperlichen Bedürfnissen;
dann Hyperanspannung, Depression, Ängste, Überforderung, ja und auch bei
mir ist da in Phase 2 weniger Verstandeszugang, ich finde das immer sehr unangenehm.

Mir war gar nicht so bewusst, dass das erste ein "Zielzustand" ist, also dass man da ein
Ziel verfolgt, weil ich mich als recht ziellos empfinde.
Aber ja, es geht darum den Alltag / Arbeit / sonstige Aufgaben zu erfüllen.

Und eine Erinnerung "Achtsamkeitsübungen einbauen", "Trinkpausen" usw
sind in dieser Phase mehr als mechanisch und unterbrechen den Zustand
im Grunde nicht.


Jepp.....es sind auch für mich beide Zustände sehr unangenehm.....wobei ich die 2te Phase......die "depressive" Phase als wesentlich schlimmer erlebe, da ich ja in der vorhergehenden Phase so gut wie nix merke......

Für MICH ist dieser erste Zustand soetwas wie ein "ZIELZUSTAND" ich habe dannn ein Ziel vor Augen, dass ich unbedingt und um jeden Preis erreichen möchte...ohne dabei daran zu denken, mich um mich und meine Bedürfnisse zu kümmern bzw. sie in irgendeiner Form zu merken....d.h. nicht, dass das bei anderen auch so zu interpretieren ist....ich kann mir gut vorstellen, dass jede Phase individuell unterschiedlich erlebt und konstruiert wird.......bei mir sind es auf alle Fälle massive Traumata die "dahinter" stecken.......

Und jepp.......ich erlebe solche Dinge wie zb. Trinkpausen ect. dann sogar eher als störend und nicht wirklich hilfreich........daher glaube ich, brauche ich eine Möglichkeit, wie ich dieses "Muster" schon vor dem massiven Anstieg in die erste Phase wirksam unterbrechen kann.....aber das glaube ich wird irre schwer....falls jemand anderes oder du Tiffi damit bereits Erfahrungen gesammet hat...ich freue mich über gute Ratschläge zum selber ausprobieren....... :Sonne:
Zuletzt geändert von Schattentanz am 25. September 2017, 23:16, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Zitate bitte mit der Zitatfunktion oder [quote="usernick"] Text [/quote] dafür kenntlich machen. Danke

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Re: Trennung von Gefühl und Verstand

Beitragvon tiffi » 26. September 2017, 06:32

Hi Rapante
Rapante007 hat geschrieben:Jepp.....es sind auch für mich beide Zustände sehr unangenehm.....wobei ich die 2te Phase......die "depressive" Phase als wesentlich schlimmer erlebe, da ich ja in der vorhergehenden Phase so gut wie nix merke......

Für MICH ist dieser erste Zustand soetwas wie ein "ZIELZUSTAND" ich habe dannn ein Ziel vor Augen, dass ich unbedingt und um jeden Preis erreichen möchte...ohne dabei daran zu denken, mich um mich und meine Bedürfnisse zu kümmern bzw. sie in irgendeiner Form zu merken....d.h. nicht, dass das bei anderen auch so zu interpretieren ist....ich kann mir gut vorstellen, dass jede Phase individuell unterschiedlich erlebt und konstruiert wird.......bei mir sind es auf alle Fälle massive Traumata die "dahinter" stecken.......

Ja, zum ersten Teil, da habe ich mich sehr "vermischt" ausgedrückt.
Ich meinte mehr, dass ich den Aspekt - beim ersten Zustand treibt einen ein Ziel an-
an mir geprüft habe, und das durchaus bei mir entdecken kann,
denke aber wie du, dass viele Bausteine bei Menschen eher individuell sind und es evtl
mal Ähnlichkeiten gibt, aber nicht die genau selbe Zusammensetzung.
(Mann, mann, abweichen fällt mir aber auch echt schwer, scheint auch ne Art
Prägung zu sein)

Ich würde den ersten Zustand bei mir sonst eher als "Funktionsmodus" beschreiben.
Es sind die tief verwurzelten Anpassungsstrategien bei mir ( Perfektionismus,
Leistungsstreben, unemotional), die eine Art Sicherheit vermitteln, und in denen
ich mich besser fühle.
Der andere Zustand ist mehr "oh ich falle zusammen" -> die Sicherheit geht flöten
und tief beunruhigend und verletzlich.

Darum hab ich bei mir so festgestellt, dass oberflächliche Aktionen, wie z B
aus der Verhaltenstherapie- "einfach mal Pause machen" - nicht so einfach
fruchten, weil das Sicherheitsbedürfnis, dass innere getriebene,
damit nicht bedient sind und sich dann quasi eine innere (teils unbewusste)
Panik aufbaut.

Ich denke bei Trauma sind die Reaktionen noch komplexer / verzahnter.
Ich vermute, dass man (evtl auch im therapeutischen Kontext?) da eher
die innere Panik und das direkt gekoppelte "Überlebensmodus Strategien"
beleuchten kann.


Rapante007 hat geschrieben:......daher glaube ich, brauche ich eine Möglichkeit, wie ich dieses "Muster" schon vor dem massiven Anstieg in die erste Phase wirksam unterbrechen kann.....aber das glaube ich wird irre schwer....falls jemand anderes oder du Tiffi damit bereits Erfahrungen gesammet hat...ich freue mich über gute Ratschläge zum selber ausprobieren....... :Sonne:

Mir wurde, als ich deinen Text las, diese Wippe bewusst- aus dem einen was dann zum anderen
kippt.
Als würde sich der Körper beim extremem "Nicht Fühlen" dann wieder in die andere Richtung ausschlagen.

Ich vermute auch, würde man beide Zustände viel unmittelbarer integrieren, wäre weniger Wippe.

Aber wie genau? wäre da auch interessiert an anderen Meinungen.

Da sehr sensibles Thema und Thema auch leicht abweichend von "Gefühl und Verstand", wäre das
ggf. was für ein neues Thema im privaten Bereich des Forums?

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Re: Trennung von Gefühl und Verstand

Beitragvon nevermore » 27. September 2017, 18:47

@ hinterdemmond

Ich finde deine Beschreibung, vor allem im zweiten Absatz deines Textes genial :) Vielen Dank, so gut hätte ich das nie in Worte fassen können. Du sprichst mir aus der Seele...
Glauben Sie nicht alles, was Sie denken.

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Re: Trennung von Gefühl und Verstand

Beitragvon hinterdemmond » 27. September 2017, 23:08

nevermore hat geschrieben:@ hinterdemmond

Ich finde deine Beschreibung, vor allem im zweiten Absatz deines Textes genial :) Vielen Dank, so gut hätte ich das nie in Worte fassen können. Du sprichst mir aus der Seele...

danke, das freut mich sehr! :)
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Re: Trennung von Gefühl und Verstand

Beitragvon eremos » 5. März 2018, 20:11

Das mit den Gefühlen und der Abspaltung ist bei mir ein Dauerkampf. Ich trenne bewusst(!) Gefühle von Verstand. Ich hasse es wenn meine Gefühle versuchen meinen Verstand zu kontrollieren und dem erzählen wollen, dass was anderes besser ist, obwohl die reine Logik ein anderes Ergebnis sagt. Gleichzeitig weiss ich aber, dass diese Gefühle als Teil meines Ichs da sind und ich sie nicht ausschalten kann, denn die kommen immer wieder aus der Ecke in die ich sie verbannt habe hervor. An manchen Tagen kommt eine Flutwelle an Gefühlen die durch mich hin durchrollt, so dass ich dann beschäftigt bin, das wieder zu kontrollieren. Zudem muss ich meine Gefühle von Angriffen von Aussen schützen, da sie ja ein Teil von mir sind und ich dadurch angreifbar bin. Mein Motto dazu lautet schon immer: Gefühle sind ein Zeichen von Schwäche und machen angreifbar. Ein Gefühlsleben habe ich aber dennoch, das mitunter auch, wie geschrieben sehr heftig reagiert, da ich auch hochsensibel bin. Diese Hochsensibilität kommt aber von dre Angst dass eben hinter der Handlung eines Gegenüber ein Angriff lauern könnte und ich diesen eben übersehe und dann zack eins auf die Rübe bekomme.

Gefühle bei anderen interessieren mich nur zum Dekodieren. Menschen beobachte analytisch aus der Distanz. Deren Gefühlsregungen pflege ich in die Analyse mit ein. Auf Gefühle anderer gehe ich nicht wirklich ein, das ist aber situationsbedingt, da ich zum Eingehen auf deren Gefühle ebenfalls Gefühle zeigen müsste, damit man es wahrnimmt. So reagiere ich kalt, sachlich und analytisch in meinen Antworten, was dann von demjenigen immer mit Kopfschütteln aufgenommen wird. Das kann ich wiederum nicht verstehen. Wenn er doch nicht in der Lage ist sein Problem zu lösen weil er sich von seinen Gefühlen durchs Dorf treiben lässt soll er doch froh sein wenn ich das kann?

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Re: Trennung von Gefühl und Verstand

Beitragvon Tesa34 » 6. März 2018, 19:01

Eventuell will er gar nicht dass du seine Probleme für ihn löst, sondern erwartet einfach nur Empathie für seine Situation, Anteilnahme. Und schüttelt dann den Kopf weil er dein Programm nicht versteht. Oder findet es verletzend wie du dich eben verhältst. Es ist ein Zeichen von Stärke, wenn man sich verletzlich machen kann. Nicht wenn man vermeidet verletzt zu werden. Das ist schwach.

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Re: Trennung von Gefühl und Verstand

Beitragvon eremos » 8. März 2018, 01:05

hinterdemmond hat geschrieben:
XanderGross hat geschrieben:Wenn mich zun Beispiel jemand fragt wie es mir geht, kann ich keine ehrliche antwort darauf geben.

ich glaube nicht, dass irgendjemand ernsthaft eine ehrliche antwort auf diese frage erwartet. "wie geht es dir?" "gut natürlich, wie denn sonst?" würde ich sagen:"hundsmiserabel", würde das bloß nur weitere fragen nach sich ziehen: "wieso, weshalb, warum?" "das willste doch nicht wirklich wissen, alter?!" also geht es mir immer gut, ausnahmslos.


Das sehe ich ganz genau so. Menschen verwenden diese "Einleitung" lediglich um ein Gespräch einzuleiten oder weil sie nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen wollen, weil sie eigentlich etwas anderes wollen. Daher wird dieser Moment des Interesses gespielt, um dann zum eigentlichen Thema zu kommen und nicht als Egoist da stehen zu müssen. Mich nervt das. In der Regel kommt die Einleitung, die ich dann direkt mit "und was möchtest Du heute von mir?" kontere. Und am Ende des Tages hat man doch nur wieder irgendwas gewollt oder gebraucht. Wenn ich einen guten Tag habe, dann antworte ich auch gerne "Den Umständen entsprechend." Das ist wunderbar inhaltslos und wird interessanter weise von der Gegenseite dann auch immer so hingenommen, was nur wieder beweist, dass man daran doch null Interesse hat.

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Re: Trennung von Gefühl und Verstand

Beitragvon eremos » 8. März 2018, 01:07

Tesa34 hat geschrieben:Es ist ein Zeichen von Stärke, wenn man sich verletzlich machen kann. Nicht wenn man vermeidet verletzt zu werden. Das ist schwach.


Mit dieser Aussage komme ich so nicht klar. Wenn ich wirklich meine Gefühle äußere (und in der Vergangenheit habe ich das immer wieder in minimalen Schritten versucht), dann habe ich immer irgendwann dafür in die Fresse bekommen. Stark war ich danach überhaupt nicht und habe mich auch so nicht gefühlt. Nur seitdem ich diesen Panzer habe, passiert mir das nicht mehr.

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Re: Trennung von Gefühl und Verstand

Beitragvon Tesa34 » 8. März 2018, 01:59

Wenn ich genauso denken würde, wäre es vermutlich nie zu einer Beziehung gekommen. Wenn das das ultimative Erfolgsrezept wäre, dann müssten ja alle schizoid sein. Was glaubst du um wie viel Prozent dann die Singlehaushalte steigen würden und die Geburtenrate sinken?


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