Rollenspiel / Maskerade

Die Gegenüberstellung der schützenden Distanz und dem Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen.
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Bernstein
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Re: Rollenspiel / Maskerade

Beitragvon Bernstein » 25. Juli 2014, 11:45

Hallo,
Ghostvoice hat geschrieben:Mich würde die Äußerung dieser Abgrenzungsproblematik interessieren, am besten anhand eines Beispieles vielleicht?
Man trifft auf jemanden und... was genau empfängt man, das sich so schwer abgrenzen lässt? Sind es Emotionen? Oder tatsächliche Sinneswahrnehmungen?

Das ist von allem etwas, würde ich sagen.
Ein Beispiel, letzte Woche hatte ich einen Termin bei meiner Therapeutin. Zu Beginn sagte sie, sie müsse sich kurz was zu trinken holen. Daraus wurden dann fast 10 Minuten. Das fand ich eigentlich ärgerlich, da ich viel besprechen wollte. Als sie nun wieder kam, erklärte sie mir gleich, dass sie heute einen sehr anstrengenden Tag gehabt hätte ohne Pause bisher und dass sie kurz einmal durchatmen musste, wir müssten aber trotzdem pünktlich Schluss machen, weil sie danach zu einem externen Termin fahren müsse. (Ich muss dazu sagen, dass ihr Verhalten sonst anders ist!) Was ich nun plötzlich wahrnahm und was quasi alle anderen Gefühle überdeckte / ersetzte, war einerseits das Gefühl erschöpft zu sein - im Sinne einer körperlichen Wahrnehmung, Verständnis haben zu wollen für mein Ruhebedürfnis und das Gefühl, ich müsse mehr an mich denken und mir Erholungsphasen gönnen. Diese plötzliche "Invasion der Empfindungen" und der gleichzeitige völlige Verlust meiner eigenen Empfindungen dabei stürzte mich in eine ziemliche Verwirrung, die ich nur irgendwie überspielen konnte, indem ich darauf quasi überhaupt nicht einging, sondern mich in den "sicheren" - weil strukturierten und bekannten - Teil der Therapiestunde rettete. Die Verwirrung blieb allerdings auch nach Ende der Stunde bestehen, die nächsten Tage hatte ich wieder mehr mit Mißtrauen und Rückzugsgedanken gegenüber der Therapeutin zu kämpfen im Sinne von "sie ist unberechenbar wie sowieso alle anderen Menschen auch" "sie ist mir zu nah, ich muss sie wieder weiter zurückdrängen in dem ich sie abwerte" usw. In diesem Fall hat es 3 (!) Tage gedauert, bis ich meine eigenen Empfindungen, die ich in der konkreten Situation hatte, wieder sozusagen aufdecken konnte, nämlich: Es ist nicht mein Problem, wenn sie einen anstrengenden Tag hatte, es ist nicht in Ordnung, dass sie mein Verständnis vorraussetzt und mir ungefragt meine Zeit beschneidet nur weil sie in ihren Terminplan keine Pausen für sich einbaut. Und dass ich nebenbei durch diese Umstände das diffuse Gefühl hatte, nicht willkommen zu sein.
Immerhin habe ich es geschafft, diese Dinge dann in der nächsten Stunde anzusprechen. [:)]

Dies ist ein konkretes Beispiel, aber dieser Mechanismus setzt eigentlich in jedem persönlichen Kontakt ein und ist oft auch schwer zu durchschauen.
jeAR hat geschrieben:Menschen sind schlicht zu einnehmend, wirken sich zu verwerfend auf mein Inneres aus als dass ich im Kern bei mir Selbst sein könnte.
Besonders erniedrigend sind andere Menschen in einer großen Anzahl, die Präsenz dieser Menschen selbst scheint auf mich einen krassen Verlust an Vitalität und Freude auszuüben.

Ja, wenn mehrere Menschen gleichzeitig in meinem Umfeld sind und wenn da womöglich auch noch Spannungen untereinander herrschen, dann ist das "Empfindungschaos" perfekt. Nicht weil sie irgendetwas von mir erwarten, sondern einfach schon die Anwesenheit reicht aus, "zwingt" mich sozusagen in mich selbst zurück.
Auch Streit ist sehr schwierig, da sind die Empfindungen des Anderen regelrecht übermächtig. Und da sie dann meine eigenen überdecken und sich quasi wie meine anfühlen, ist es dann doppelt schwierig, dagegen "anzugehen". Hat sowas von einer "lose/lose" Situation: Entweder ich fühle mich schlecht, weil ich nachgebe und meine Interessen nicht vertrete, oder es geht mir schlecht, weil es dem anderen schlecht geht. Aber das ist noch ein anderes Thema.

Gruß
Bernstein
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Re: Rollenspiel / Maskerade

Beitragvon Ghostvoice » 28. Juli 2014, 12:25

@tiffi!
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tiffi hat geschrieben:
Zitat Ghostvoice: Obwohl ich mir meist wünschen würde, daß ich mich besser ¨maskieren¨ könnte. Dabei geht es aber nicht darum mein ¨Selbst¨ aus Gründen der Bewahrung zu verbergen, sondern vielmehr um nicht mehr so einschüchternd zu sein.

Da bin ich drüber gestolpert. Darf ich fragen, inwiefern du andere erschreckst?

Es ist bei mir kein Erschrecken vorhanden... glaube ich zumindest.

Ich bin einschüchternd. Anscheinend nicht nur ¨offline¨. :(

Für gewöhnlich werde ich als unnahbar, auch mitunter arrogant wahrgenommen. Zumindest wenn man mich auf der Strasse sieht und nicht kennt. Dabei bin ich unterdurchschnittlich groß und habe auch keine böse Mine aufgesetzt! Also nichts, was einen irgendwie beunruhigen sollte.

Lernen mich Leute (beruflich bedingt) kennen, so sind sie erst vorsichtig, dann lockern sie schnell auf, wenn sie merken, daß ich nicht beisse. Nach einiger Zeit höre ich dann immer, wie ich anfangs auf sie wirkte: wie jemand, der hier nicht hergehört!
Aber selbst, wenn wir schon einige Zeit zusammenarbeiten, kommt irgendwann dieselbe Einschätzung: Das ich hier falsch bin!

Mein Aussehen, mein Auftreten (selbstsicher), meine Stimme, meine Art mich zu artikulieren... all das fällt aus dem Rahmen. Zumindest in den (beruflichen) Kreisen, in welchen ich mich bewege.
Selbst nach monatelanger Bekanntschaft werden nicht sämtliche Resantements abgebaut. Menschen behandeln mich mit übermäßigem Respekt, fürchten, ich könnte den Mund aufmachen und sie auf unerdenkliche Weise bloßstellen. Auch wenn sie aus Erfahrung keinerlei Grund haben, das zu fürchten.

Einschüchternd eben... ich wünschte, es wäre anders. :(

Bye,
Ghostvoice![/spoil]
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Re: Rollenspiel / Maskerade

Beitragvon Ghostvoice » 28. Juli 2014, 12:28

Hallo, Bernstein!

Zuerst einmal möchte ich mich für dein ausführliches Beispiel bedanken! Ohne dieses hätten wir vermutlich noch viele Seite von komplett unterschiedlichen Dingen geredet! ;)

In einem anderen Thread wurden von Nachtgängerin (glaube ich) die beiden Begriffe ¨kognitive Empathie¨ und ¨emotionale Empathie¨ postuliert. Während ich nur konkrete Erfahrungen mit der ersten Form habe, scheint bei dir die zweite Form - das gefühlte Erleben von fremden Gefühlen - vorzuherrschen.

Dein Problem kann ich nun besser verstehen, doch leider fällt mir nicht viel dazu ein, wie du es auf ein weniger ¨bedrohliches¨ Level bringen könntest...

Wenn man es ganz abstrakt betrachtet, gäbe es 2 Ansätze... zum einen den Verarbeitungsprozess der gefühlten Empfindung selbst, zum anderen die inneren Sensoren, welche die äußeren Reiz überhaupt erstmal registrieren. Ich kann mir nur schwer vorstellen, Sinneswahrnehmungen so dermaßen zu kontrollieren, daß man die Welt nur durch einen Schleier wahrnimmt. Außerdem würde ich das auch nicht als hilfreich erachten. :)
Folglich wäre der beste Ansatz der, die empfangenen Gefühle entweder (so weit möglich) abzuschwächen oder seine eigene Gefühlswelt so stark zu empfinden, daß eingehende Signale eine untergeordnete Stellung einnehmen...

Mich würde interessieren, was deine Therapeutin dazu meint? Hat sie eine Idee, wie du zu einem besseren Umgang mit diesen starken Empfindungen gelangen kannst?

Bye,
Ghostvoice!
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Re: Rollenspiel / Maskerade

Beitragvon Bernstein » 29. Juli 2014, 19:01

Hallo Ghostvoice!
Danke für deinen Hinweis, habe mir die Empathie-Diskussionen durchgelesen. Mir ist in dem Zusammenhang der Unterschied zwischen emotionaler Empathie und dem Mitgefühl wichtig, was icebaby dort auf den Punkt gebracht hat:
es gibt einen entscheidenden unterschied zwischen empathie und mitgefühl. wenn wir für eine person, die traurig ist, empathie empfinden, fühlen wir uns selbst traurig. bringen wir ihr mitgefühl entgegen, empfinden wir stattdessen teilnehmende sorge für diese person und zugleich die motivation, ihr leid zu lindern. was wiederum (lt. studien) zugleich das eigene wohlbefinden und den eigenen heilungsprozess fördert.

Dieses Mitgefühl erfordert nun eben auch "eigenes" Gefühl und das habe ich in der konkreten Situation dann nicht, bzw. das Fehlen wird durch die entspechende Rolle überspielt.
Ghostvoice hat geschrieben:Mich würde interessieren, was deine Therapeutin dazu meint? Hat sie eine Idee, wie du zu einem besseren Umgang mit diesen starken Empfindungen gelangen kann?

Nun, es scheint, dass dies eben nunmal meine Art der Wahrnehmung ist, die man konkret nicht verändern kann. Ein Schritt ist es jetzt zu erkennen, dass weder die auf mich "eindrängenden" anderen Personen an meinem Bedrohlichkeitsgefühl Schuld sind, noch ich selbst etwas für meine "Empfindlichkeit" kann. Ob es dann andere Strategien des Umgangs mit diesen Dingen gibt, außer dem fortwährenden Rückzug, weiss ich (noch) nicht.

Gruß
Bernstein
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Re: Rollenspiel / Maskerade

Beitragvon Nachtgängerin » 29. Juli 2014, 21:49

Hallo Bernstein,

29. Jul 2014, 19:01 » Bernstein hat geschrieben:
Ghostvoice hat geschrieben:Mich würde interessieren, was deine Therapeutin dazu meint? Hat sie eine Idee, wie du zu einem besseren Umgang mit diesen starken Empfindungen gelangen kann?

Nun, es scheint, dass dies eben nunmal meine Art der Wahrnehmung ist, die man konkret nicht verändern kann. Ein Schritt ist es jetzt zu erkennen, dass weder die auf mich "eindrängenden" anderen Personen an meinem Bedrohlichkeitsgefühl Schuld sind, noch ich selbst etwas für meine "Empfindlichkeit" kann. Ob es dann andere Strategien des Umgangs mit diesen Dingen gibt, außer dem fortwährenden Rückzug, weiss ich (noch) nicht.




Mich würde in dem Zusammenhang auch interessieren, wie sich die Therapeutin mit ihrem eigenen grenzüberschreitenden Verhalten positioniert hat: Warst du nun im Nachgang der kranke Patient, der keine inneren Bewältigungsstrategien besitzt, oder hat sie für sich gleichfalls eingeräumt, sich dir gegenüber verletzend, demütigend und schlichtweg inkorrekt verhalten zu haben?


Viele Grüße.
Und dann wird die Dunkelheit zur Pforte.

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Re: Rollenspiel / Maskerade

Beitragvon tiffi » 30. Juli 2014, 06:13

@Ghostvoice
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Zitat Ghostvoice:
Menschen behandeln mich mit übermäßigem Respekt, fürchten, ich könnte den Mund aufmachen und sie auf unerdenkliche Weise bloßstellen. Auch wenn sie aus Erfahrung keinerlei Grund haben, das zu fürchten.

Einschüchternd eben... ich wünschte, es wäre anders. :(


Hey,
bei mir kam bisher von deiner Seite noch kein Schrecken an.
Die Sichtweise im anderen Thread (hysterisch) mit dem: eher aktiv und irritierend
mit Situationen umgehen, wenn man nicht tiefer einsteigen will, fand ich eher erfrischend.

Zu dem was du oben schilderst kam mir der Gedanke, hab da ein Zitat gelesen (weiß nicht mehr
genau wo),
dass die größte Furcht ist, dass man die eigene Selbstverleugnung verliert/enttarnt bekommt.

Also vielleicht hat der Schrecken weniger mit dir zu tun, sondern eher mit der Angst vor
dem unberechenbaren, unerwarteten, wo man nicht in der eigenen Sicherheit
agieren kann.
(jemand der nicht ganz dazugehört, bringt etwas unerwartetes, von außen kommendes rein,
und das vorhandene Reaktionsrepertoire in bestimmten Rollen ist dann damit überfordert)
Im Prinzip seh ich in diesem Schrecken aber eher eine Chance!

Anders - weniger schreckauslösend- wäre es vielleicht, wenn du dich mehr im Takt verhältst, angepasster.
Hast du denn ein Gefühl dafür, was in der Rolle ist und was draußen?
dann kann man sich vielleicht eher entscheiden, was jetzt dran ist und womit man die anderen
konfrontiert. Weiß aber gar nicht ob das so sinnvoll ist, das so rum zu drehen.
Man (das wären dann die anderen) kann ja auch lernen mit dem unerwarteten zu leben.
braucht vielleicht Zeit.
VG
tiffi[/spoil]

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Re: Rollenspiel / Maskerade

Beitragvon Ghostvoice » 30. Juli 2014, 10:24

Hallo tiffi!
[spoil]
tiffi hat geschrieben:Zu dem was du oben schilderst kam mir der Gedanke, hab da ein Zitat gelesen (weiß nicht mehr genau wo), dass die größte Furcht ist, dass man die eigene Selbstverleugnung verliert/enttarnt bekommt.

Also vielleicht hat der Schrecken weniger mit dir zu tun, sondern eher mit der Angst vor dem unberechenbaren, unerwarteten, wo man nicht in der eigenen Sicherheit agieren kann.

Das ist genau der Punkt. Die reine Möglichkeit, mit jemandem konfrontiert zu werden, der möglicherweise die eigenen Schwächen, die man verbergen möchte, sieht... und sie vielleicht blosstellt. Diese Fähigkeit wird mir zugesprochen - auch wenn ich sie in den meisten Fällen gar nicht habe! Es ist nur eine der Eigenschaften, die mir zugeschrieben werden... das Zugestehen von Dingen, die gar nicht da sind.

Was meine Rolle im Umgang mit oberfächlichen Kontakten und Arbeitskollegen angeht, so bin ich sogar sehr gut angepasst. Besser als die meisten ¨normalen¨ Menschen sogar. Und ich weiss auch immer, wenn eine zwischenmenschliche Situation kritsch werden kann - ziehe die Bremse, überlege kurz, was diese Person jetzt wirklich braucht - und treffe damit auch meist ins Schwarze. Auf eine positive, nicht-bedrohliche Weise.
Also das ist kein Problem.

Vielmehr mein Alpha-Männchen-Potential (und diese Rolle, in welche ich von anderen gezwungen werde) und das übermäßige Vertrauen in meine Person sind grenzwertig.
Aber das sind alles Themen, die nichts mit der Intention des ursprünglichen Threads zu tun haben.
Vielleicht, in einem Jahr oder so, habe ich dringlichere Probleme für mich gelöst, sodaß ich diese spezielle Problematik angehen kann und dann werde ich sicher einen Thread dazu eröffnen, aber noch ist die Zeit dafür noch laaange nicht reif! ;)

Bye,
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Re: Rollenspiel / Maskerade

Beitragvon Bernstein » 30. Juli 2014, 19:18

Hallo Nachtgängerin,
29. Jul 2014, 21:49 » Nachtgängerin hat geschrieben:Mich würde in dem Zusammenhang auch interessieren, wie sich die Therapeutin mit ihrem eigenen grenzüberschreitenden Verhalten positioniert hat: Warst du nun im Nachgang der kranke Patient, der keine inneren Bewältigungsstrategien besitzt, oder hat sie für sich gleichfalls eingeräumt, sich dir gegenüber verletzend, demütigend und schlichtweg inkorrekt verhalten zu haben?

nein, dass hat sie nicht. Was sie für sich als Kritik angenommen hat, ist die Tatsache, dass sie für die Gestaltung des äußeren Rahmens der Therapiestunden verantwortlich ist und es dabei natürlich nicht förderlich ist, wenn sich ihre Patienten als nicht willkommen behandelt fühlen. Aber was das andere betrifft:
JA, ich fühle mich von ihr als jemand behandelt, dessen Bewältigungsstrategien "für einen Erwachsenen nicht mehr vorteilhaft" (ich übersetzte es mal mit kindisch) sind, wobei mir dann eben die Info fehlt, was wäre angemessen und ist das für mich dann überhaupt umsetzbar?
Vielen Dank für deine Nachfrage, ich würde eigentlich gern noch ausführlicher antworten, allerdings ist mir das hier dann doch zu privat.

Gruß,
Bernstein
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Re: Rollenspiel / Maskerade

Beitragvon Bernstein » 31. Juli 2014, 00:09

Noch eine Frage zu dem Thema beschäftigt mich:

Es ist mir aufgefallen, dass ich sehr persönlich schreiben kann, also wirklich von mir aus, von meinem Inneren. ( Ohne das irgendwie loben zu wollen, mir wurde schon öfter zurückgemeldet, dass z.B. mein Brief, ein Dankes- oder Abschiedsbrief, sehr berührend gewesen sei )
Nun ist es aber so, dass ich dann große Probleme habe, diesen Text von mir jemandem anderen laut vorzulesen. In der Therapie habe ich das ein paar Mal versucht, weil ich mir Dinge, die ich ansprechen wollte und die mir wirklich wichtig waren, aufgeschrieben hatte um meine Sicht der Dinge klar machen zu können.
Allerdings bin ich nach dem Vorlesen in mir regelrecht verzweifelt, weil ich es nicht so "rüberbringen" konnte, wie ich es gemeint habe. Es ist als ob ich quasi mein Inneres mit dem Äußeren nicht so recht zusammen bringen könnte. Als ob da eben doch die "authentische Hülle" fehlt.
Vielleicht kennt das ja noch jemand.
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Re: Rollenspiel / Maskerade

Beitragvon Nachtgängerin » 2. August 2014, 03:55

Hallo Bernstein,

(es gibt auch für zu private Themen immer die PN-Funktion)


das mit dem Texte Vortragen kenne ich. Das Problem, was ich oft habe, ist, dass mir Texte von mir, die sich mit mir befassen, oftmals sehr schnell "veraltet" vorkommen. Ungenau. Unvollständig. Ich habe oft den Eindruck, ich würde mich einer ständigen Wandlung unterziehen, oder aber, ich bestünde aus Einzelteilen, die vorbeischwimmen, kurz sichtbar werden, und dann wieder abtauchen.
Puzzleteile oder Fraktale oder Scherben, irgendwie so etwas, die kurz zu sehen sind.
Wenn der Text geschrieben wird, beschreibt er eines dieser Teile.
Wenn er vorgelesen wird, ist ein anderes Teil vom Ganzen aktuell, und dieses ist eben nicht mehr passgenau zum Text.

So ist mein Eindruck häufig.



Grüße.
Und dann wird die Dunkelheit zur Pforte.


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