Der wahre Grund warum Schizoide Partys doof finden

Die Gegenüberstellung der schützenden Distanz und dem Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen.
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Re: Der wahre Grund warum Schizoide Partys doof finden

Beitragvon andersoderwie » 13. August 2013, 23:33

Ich mochte Tanzen immer sehr, bis ich mich dabei immer stärker beobachtet fühlte. Seitdem tanze ich nur für mich oder wenn es mal hochkommt, mit anderen in einer Disko, was vielleicht einmal in 7 Jahren durch günstige Umstände vorkommt. Ansonsten waren mir Partys zu verhasst. Das Gerede ist unangenehm, langweilig und ich verstehe bei der lauten Musik eh nichts. Am schlimmsten sind aber die Leute, die man bei solchen Anlässen trifft. Alle tun so als wäre man eng miteinander oder anders herum, kennen einen plötzlich nicht und machen einen auf cool. Man wird manchmal ohne Vorwarnung angefasst (v.a. an Schulter oder Hüfte) und weiß nicht, was mit den Händen getrieben wurde. Die Leute fangen manchmal an, sehr freizügig zu werden, knutschen auf der Tanzfläche. Oder schlimmer finde ich es, wenn der Alkohol aus dem Mund zu riechen ist. Ich ekele mich häufig viel zu sehr vor dem Alkohol- und Zigarettenkonsum als dass ich auf Partys lange überlebe. Und über die Outfits will ich erst gar nicht reden...

Die Freunde, die ich später kennen lertne, haben erfolgreich den Spieleabend als Alternative etabliert. Ist mir persönlich zu langweilig, aber ich weiß dann zumindest, womit ich rechnen kann und ob sich die Leute die Hände gewaschen haben! :x

Ambivalenz hat geschrieben:
HarryHaller hat geschrieben:Wie sähe eigentlich eine Schizo-Party aus?

Sie würde wohl in einem Chatroom stattfinden: 30% der Teilnehmer sind afk, 60% tun so als wären sie es, die restlichen 10% schreiben Monologe. :feiern:

Von den 90%, die keine Monologe schreiben, denken wahrscheinlich auch viele darüber nach, wie sie schreiben würden, wenn jemand bereits auf das geantwortet hätte, was sie geschrieben hätten, nachdem sie überlegt hätten, was sie wie überhaupt schreiben würden, nachdem jemand etwas an sie geschrieben hätte, worüber sie hätten schreiben können, ...

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Re: Der wahre Grund warum Schizoide Partys doof finden

Beitragvon HarryHaller » 14. August 2013, 02:27

Allgmeines zu Parties:

Je älter die Leute werden, desto mehr meiden sie Diskos, laute und von Alkohol/Drogen getränkte Orte im Allgemeinen... Man wird halt vernünftiger und kommunikativer auf eine ehrlichere und seriösere Art. Weil man an Lebenserfahrung gewinnen KONNTE.

Deshalb kann ich der Jugend ihre Freizügigkeit und ihren Drang zum Ausprobieren aber nicht absprechen. Das ist sicher eine wichtige "trial and error"-Phase im Leben, die nicht viel mit Verständigkeit und Plan zu tun hat. Wobei diese Phase natürlich heute immer groteskere Ausmaße annimmt. (Davon soll hier aber nicht die Rede sein. Das müsste halt reguliert werden.)

Wer allerdings schon früh mit dem Ernst des Lebens konfrontiert wurde (und evtl eine Störung davongetragen hat), ist in seiner Entwicklung uU Gleichaltrigen um Jahre voraus (wichtigster Faktor aber auch hier nicht die Störung, sondern die Veranlagung). Weil er an Lebenserfahrung gewinnen MUSSTE.
Leider bleiben ihm dann die üblichen Kontakte zu gleichaltrigen verwehrt, und er gewinnt ein im Allgemeinen schlechtes Bild von seinen gleichaltrigen Mitmenschen, die sich ja sicher auch noch weiterentwickeln, und außer dem Partygesicht vielleicht noch ein anderes haben?

Und leider ist es wie in allen Bereichen des Lebens: Die Auffälligen einer Gruppe produzieren ein Image, das schnell als allgemeingültig für diese Gruppe aufgefasst wird.

Bonsoir!
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Re: Der wahre Grund warum Schizoide Partys doof finden

Beitragvon HarryHaller » 14. August 2013, 10:18

Haha!

Wat ne Party! :lachen:

Lustige Ideen! Oder eher tragisch?


Naja, ich frage mich gerade tatsächlich, was passiert, wenn man nen Haufen (10, 15 Leute) schizoid Gestörter in ein Areal steckt, wo sie sich nicht auf Dauer aus dem Weg gehen können. Und in dem sie aufeinander angewiesen sind.

Werden sie irgendwann, nach uU sehr langer Zeit (Jahre), ihren Vorbehalt gegen andere ablegen? Wird sich da eine Dynamik entwickeln, die zu reger Kommunikation führt? Würde dasselbe mit einem einzelnen mit SPS passieren, wenn man ihn mit "Normalen" in dieselbe Situation bringt?

Normalisiert sich ihr Begriff von Gesellschaft, werden sie untereinander Spaß haben?

Werden sie Rücksicht nehmen und Empathie für einander haben, weil sie ja wissen, dass sie alle im gleichen Boot sitzen, und die gleichen Hemmungen/Probleme haben? Wird das zu mehr Aufgeschlossenheit führen, zu mehr "Loslassen-Können", zu weniger Selbstkontrolle, mehr Hingabe, weniger Spannung?

Vielleicht gibt das Dschungelcamp aber schon einen Teil der Antwort. Vielleicht dauert es aber auch einfach nicht lang genug, um die Leute zueinanderführen zu können...

Ich glaube einfach, dass es auf Dauer zu anstrengend für einen Menschen ist, dagegen zu sein. Mann muss nur lange genug genötigt sein, in Gesellschaft klarzukommen. Vielleicht erkennt man dann die allen gleiche, tiefe Menschlichkeit, dass alle im Grunde die gleichen Bedürfnisse und die gleiche Verletzbarkeit haben.

Kann mich aber auch täuschen. Kommt auch auf die Charaktere an, da gibts ja auch solche und solche (mit SPS)...



Hmmm.... Vielleicht findet die Idee ja sonst noch wer interessant...
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Re: Der wahre Grund warum Schizoide Partys doof finden

Beitragvon Schattentanz » 14. August 2013, 11:55

Ambivalenz hat geschrieben:
HarryHaller hat geschrieben:Wie sähe eigentlich eine Schizo-Party aus?

Sie würde wohl in einem Chatroom stattfinden: 30% der Teilnehmer sind afk, 60% tun so als wären sie es, die restlichen 10% schreiben Monologe. :feiern:

Geniale Vorstellung :lachen:.

andersoderwie hat geschrieben:Von den 90%, die keine Monologe schreiben, denken wahrscheinlich auch viele darüber nach, wie sie schreiben würden, wenn jemand bereits auf das geantwortet hätte, was sie geschrieben hätten, nachdem sie überlegt hätten, was sie wie überhaupt schreiben würden, nachdem jemand etwas an sie geschrieben hätte, worüber sie hätten schreiben können, ...

So abwegig ist das gar nicht :schweigen:... :breites grinsen: ... als Schizoider hat man's echt nicht leicht.

HarryHaller hat geschrieben:Wat ne Party! :lachen:

Lustige Ideen! Oder eher tragisch?

Beides! Aber solange der Galgenhumor noch funktioniert, ist es nicht so schlimm. ;)

HarryHaller, deine Experiment-Idee ist interessant. Zumindestens wenn es um das Überleben gehen dürfte, würde der ein oder andere bestimmt über seinen Schatten springen und notgedrungen kooperieren. Ob es darüber hinaus einen starken Gewöhnungseffekt geben würde? Hmm gute Frage :rätseln:.

@all: Danke für die witzigen Überlegungen; fand ich sehr amüsant ... das Kopfkino dazu werde ich so schnell nicht wieder los ... :freude: [:)]
Zynismus: Der geglückte Versuch, die Welt zu sehen, wie sie wirklich ist.

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Re: Der wahre Grund warum Schizoide Partys doof finden

Beitragvon Iris1207 » 12. September 2013, 10:43

Hallo, Ihr Alle!

auch ich erkenne mich in diesem Text sehr gut wieder. Es ist für mich jedes Mal wieder neu schockierend, daß anscheinend so viele Menschen solche Veranstaltungen toll finden!

Ich kann es einfach nicht nachvollziehen! Ich stehe den ganzen Abend da und wundere mich. Dabei fällt mir natürlich jedes Mal erst recht auf, daß ich ganz anders bin als diese Leute um mich `rum und ich fühle mich entsetzlich fremd und einsam. Viel einsamer als zu irgend einem Zeitpunkt, an dem ich wirklich allein bin und ich frage mich `mal wieder, warum ich mir das überhaupt angetan habe.

Irgendwie liegt der Grund wohl in dieser fürchterlichen Ambivalenz meinen Mitmenschen gegenüber, mit der ich ständig zu kämpfen habe.

Einerseits fühle ich mich in Gesellschaft total unwohl, fehl am Platze und ich habe ständig große Angst, daß jemand mein Anderssein bemerken könnte (können sie nicht, wenn ich es nicht will, bin mittlerweile perfekt im Schauspielern, ist halt nur anstrengend...) und andererseits, unpraktischerweise gleichzeitig (!?), möchte ich total gerne so sein wie sie (!?), Spaß haben und vor allem: dazu gehören (!?). Oft werde ich grässlich wütend auf mich selbst und traurig, daß ich es einfach nicht schaffe so zu sein, wie ich zu sein hätte...Spätestens dann ist es höchste Zeit, mich zu verabschieden.

Oder könnte es vielleicht sein, daß die anderen auch nur so tun, als ob und sich auch nicht trauen, es zu zugeben,und das ganze "gesellige Beisammensein" ist nur eine einzige große Lüge der Gesellschaft, die irgendwann einmal zur Wahrheit erklärt worden ist?????
Oft weiß ich wirklich nicht, was ich davon halten soll! Hat vielleicht jemand von Euch eine Antwort auf diese Frage?

Ich bin noch ziemlich neu hier im Forum und hoffe, daß ich jetzt nicht ein Thema, daß schon lange durch ist, wieder aufkoche und Euch damit langweile!

Herzliche Grüße
Iris1207

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Re: Der wahre Grund warum Schizoide Partys doof finden

Beitragvon Nordstern » 12. September 2013, 16:31

Liebe Iris1207,

was Partys angeht, bin ich sicher nicht der richtige Ansprechpartner, aber es gibt ja vergleichbare Veranstaltungen mit vielen Menschen, die alle sehr viel Spaß und Freude zu haben scheinen und ich stehe verloren dabei und frage mich: "Wie kann man so etwas nur toll finden?"

Ich habe die Dosis von Teilnahmen an Volks-, Straßen- und anderen Festen auf ein Minimum reduziert. Ich bin ein eher konsequent handelnder Typ und lasse mich ungern in etwas hineinziehen, was ich nicht will.

Ich kann deine Schilderungen gut nachvollziehen. Allerdings frage ich mich gerade selber: "Will ich so sein wie die? Will ich an dem Spaß wirklich teilhaben?" Dem Grunde nach tut es schon weh, immer außerhalb zu stehen und sich rechtfertigen zu müssen, wenn man an bestimmten Veranstaltungen nicht teilnimmt. Dieser Rechtfertigungsdruck kann auch energieraubend sein.

Die Frage, ob die anderen nur so tun, als ob sie Spaß hätten, kann ich dir nicht beantworten :( .
Ich glaube, dass sich in unserer Gesellschaft tatsächlich Normen herausbilden, allerdings ganz strikt nach der Mehrheitsmeinung, flankiert von Werbung und Medien. So ist es einfach üblich geworden, sich auf Partys zu amüsieren - und wenn es nur mit Alkohol funktioniert, dann muss der eben auch getrunken werden (machen die anderen ja auch). Die Menschen stellen sich gar nicht erst die Frage nach ihrer eigenen Meinung, sie laufen der Mehrheit einfach hinterher. Irgendwie erinnert es mich an den Rattenfänger von Hameln.

Wenn man beginnt, das Verhalten der anderen zu hinterfragen, wird man verwundert angesehen, so, als ob das eine ganz abwegige Ansicht sei. Dabei sollten wir doch froh sein, dass wir eigenständig denken und bewerten können.

In meiner Schulzeit habe ich mich auf den Klassentreffen nie wohlgefühlt: Sinnloses Rumhopsen zu Musik, die mir eh nicht gefallen hat. Meine Meinung konnte man mir wohl am Gesichtsausdruck ablesen: Der Lehrer hat vor der gesamten Klasse die Sache thematisiert mit der Folge, dass ich (und vielleicht 2 andere Schüler) eine komplette Klasse als Diskussionsgegner hatten - keine wahrlich schöne Situation.

Mehr fällt mir dazu im Moment nicht ein. Die Fragestellung fand ich übrigens gar nicht langweilig :) .

Liebe Grüße
Nordstern.
[align=left]Die Tatsache ist ein kleiner kompakter Glaube.[/align] (Les Murray)

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Re: Der wahre Grund warum Schizoide Partys doof finden

Beitragvon HarryHaller » 13. September 2013, 01:04

Hallo, ihr!

Was mir immer wieder aufgefallen ist, ist, dass Partys bei mir immer DAS Thema war, das am schwierigsten und am wenigsten erträglich war. Euren Ausführungen ist nichts hinzuzufügen.
Mit Alkohol allerdings ging es manchmal, und ich hatte sowas wie Spaß. Kurzfristig, aufgesetzt, aber besser als ein langes Gesicht. Meistens.

Vielen Dank für die Beschreibungen, dafür mag ich diese Seite!


Ich glaube, man kann diese Ambivalenz zu einem Teil hin überwinden, der kaum mehr Leidensdruck erzeugt. Es gibt einen Mittelweg zwischen dem Unfassbar-super-hemmungslos-bekloppt-Spaß, und dem Trübsalblasen mit aufgestzter Maske. Ich habe es ausprobiert, und manchmal gelingt es, diesen Mittelweg zu finden.

Neulich ging ich mit meiner besten Freundin am Strand von Den Haag entlang. Sie war total Glücklich über die Weite des Meeres, die Tiefe des Strandes, die Erholsame Ruhe, das Gefühl von Freiheit, die Abstinenz von Pflichten und Arbeit... Und dann fragte sie, was mit mir sei. Ich sagte: "Nichts, alles gut." Ich war auch irgendwie glücklich (zumindest entspannt und ohne Angst, oder das Gefühl von Einsamkeit - das ist ja schon sehr viel wert...). Aber ich habe es nicht geäußert. Lakonisch, mit Fotografieren beschäftigt, ohne großen Ausdruck von Freude. Beide Zustände des Glücklichseins äußerten sich anders, und hatten ihre Berechtigung (Ich hätte mein Glücklichsein aber lieber mit ihr geteilt).
Auf Parties gilt das nicht. Grölen, laut lachen, lästern, tanzen, Springen... Wer nicht mitmacht, hat keinen Spaß, ist nicht glücklich. Das macht es zwanghaft. Und deshalb glaube ich schon, dass es viele gibt, die mitmachen, um dazu zu gehören (viele mit der ein oder anderen Störung im Gepäck). Aber mit Sicherheit nicht alle. Spaß ist kein augedachtes Mysterium, sondern ein wichtiger Faktor, um Glück auszudrücken. Und um es zu teilen. Und nur wer Glück teilt, empfindet auch selbst tatsächlich welches. Darum möchte ich Spaß. Und darum ist mir mein Wohlbfinden auf Parties ein interessanter Indikator für meinen Seelenzustand.


Oder könnte es vielleicht sein, daß die anderen auch nur so tun, als ob und sich auch nicht trauen, es zu zugeben,und das ganze "gesellige Beisammensein" ist nur eine einzige große Lüge der Gesellschaft, die irgendwann einmal zur Wahrheit erklärt worden ist?????



Nein, die meisten haben tatsächlich Freude daran. Mindestens 51% ;)
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Re: Der wahre Grund warum Schizoide Partys doof finden

Beitragvon andersoderwie » 13. September 2013, 09:59

Iris1207 hat geschrieben: Es ist für mich jedes Mal wieder neu schockierend, daß anscheinend so viele Menschen solche Veranstaltungen toll finden!

Ich kann es einfach nicht nachvollziehen! Ich stehe den ganzen Abend da und wundere mich. Dabei fällt mir natürlich jedes Mal erst recht auf, daß ich ganz anders bin als diese Leute um mich `rum und ich fühle mich entsetzlich fremd und einsam. Viel einsamer als zu irgend einem Zeitpunkt, an dem ich wirklich allein bin und ich frage mich `mal wieder, warum ich mir das überhaupt angetan habe.
Vielleicht siehst du es zu sehr aus dem sozialen Aspekt? Ich gehe auf Partys, wenn Familie oder Freunde Geburtstag haben o.ä. Dann halte ich die paar stunden durch und renne dann wie ein nasser Hund hinaus, um mich schnell trocken schütteln zu können. Anders ist es, wenn ich freiwillig zu so etwas gehe, z.B. in die Disko, auf eine Convention oder eine Abendveranstaltung mit vielen Menschen.

Dann sehe ich die Funktion als Ziel. Ich gehe dort hin, um mich am Angebot zu orientieren. In eine Disko gehe ich nicht, um mit Menschen zusammen zu sein. Diesen Gedanken halte ich für Wahnsinn. Stattdessen gehe ich dorthin, weil ich die Musik in mir aufnehme. Manchmal ist sie schlecht, aber man tanzt trotzdem und hat plötzlich ein ganz neues Bewusstsein... entweder anerkennend für den anderen Musikgeschmack oder tranceartig. Was die anderen treiben interessiert mich eigentlich nicht und ich bin es eh gewöhnt, gelegentlich fast alleine oder tatsächlich alleine zu tanzen, weil meine Begleitung lieber in der Ecke sitzt und zuguckt. Ähnlich ist es mit Cons und anderen Veranstaltungen. Ich gehe zu Workshops, gehe Sachen kaufen oder mache Pause. Um Menschen kennen zu lernen, gehe ich dort nicht hin. So etwas passiert wenn, dann nebenbei.

Iris1207 hat geschrieben:Einerseits fühle ich mich in Gesellschaft total unwohl, fehl am Platze und ich habe ständig große Angst, daß jemand mein Anderssein bemerken könnte (...) und andererseits, unpraktischerweise gleichzeitig (!?), möchte ich total gerne so sein wie sie (!?), Spaß haben und vor allem: dazu gehören (!?). Oft werde ich grässlich wütend auf mich selbst und traurig, daß ich es einfach nicht schaffe so zu sein, wie ich zu sein hätte...Spätestens dann ist es höchste Zeit, mich zu verabschieden.
Ich möchte Nordsterns Frage gerne aufgreifen: "Will ich überhaupt so sein wie die?". Ich habe gesehen, wie Menschen um mich herum pubertierten und dann ins Berufsleben gingen und so einige haben sich stark verändert. Da war eine Menge Schauspiel dabei. "Ich bin so cool, ich trinke und rauche, weil ich so cool bin. Ich bin so verdammt lässig, haha." Viele werden sich sicherlich anpassen, weil eine Party ein sehr selbstsicheres Auftreten verlangt. Die meisten Menschen nehmen sich deshalb Begleitung mit oder überspielen ihre Unsicherheit... bzw. überspülen sie mit Alkohol und Drogen. Ich glaube das, weil ich zumindest die weiblichen Teilnehmer solcher Veranstaltungen kenne und Mädels konzentrieren sich nicht umsonst so sehr auf ihre Kleidung und Schminke bei solchen Anlässen. Da Betrunkenheit bei solchen Anlässen belohnt wird, hat man auch schnell die Möglichkeit, in den Alkohol zu flüchten. Du wirst dort kaum jemanden sehen, der nicht-alkoholische Getränke zu sich nimmt.

Ich sage, das ist alles z.T., um die eigene Nervosität zu überspielen. Man lernt auch irgendwann, die besonders coolen und lässigen Leute zu finden und macht einfach das, was sie tun. Als wir in der zweiten Klasse in der Kinderdisco waren, haben alle getanzt und sind gemeinsam gekommen und gegangen. In der siebten Klasse war es plötzlich ein Unding, vor 23:30h zu erscheinen und ständig zu tanzen (man könnte ja schwitzen). Ab der zehnten Klasse wurde es plötzlich cool, draußen auf der Straße zu sitzen, weiterzuziehen und sich ständig mit dem Handy anzurufen, weil Verabredungen nichts mehr wert waren. Heute haben die Leute ihre Smartphones auf der Tanzfläche, sitzen wie zu Hause auf dem Sofa und überdramatisieren ihr Lachen.

Der nervige Teil mit dem "Was ist los mit dir?" hat mich anfangs auch irritiert. Ich hatte aber tatsächlich, wie mein Bruder auch, schon immer recht abstinent gelebt und immer im Hinterkopf gehabt, dass ich einfach nicht so sein will wie die anderen. Ich war immer die einzige ohne Alkohol, habe nicht gesessen sondern getanzt, kam früh und ging früh, habe mich nicht unterhalten. Wenn ich von anderen angesprochen werde, dann bin ich durcheinander, aber ansonsten ging es bisher.

Lass dir den Abend nicht von denen ruinieren! Und wenn du darin keinen Sinn siehst, dann muss das dein Umfeld akzeptieren. Nicht jeder mag Partys und das ist auch in Ordnung. Auch Andersartigkeit / Individualität findet heute mehr Toleranz. So an sich muss ich aber auch sagen, Leute, die offensichtlich keinen Spaß haben, fallen auf. Bei Partys bin ich so jemand und bleibe deswegen lieber fern. Selbst mich ziehen aber Leute ein bisschen runter, die mürbig drein gucken, weiß nicht warum. Mit ein bisschen Glück hat man dann aber Leute, die sich von der Masse "abspalten" und zum Beispiel mit dir in ein separates Zimmer gehen, um etwas anderes zu tun... z.B. ein Spiel spielen. :breites grinsen: Also immer schön nach Gleichgesinnten suchen!

HarryHaller hat geschrieben:Je älter die Leute werden, desto mehr meiden sie Diskos, laute und von Alkohol/Drogen getränkte Orte im Allgemeinen... Man wird halt vernünftiger und kommunikativer auf eine ehrlichere und seriösere Art. Weil man an Lebenserfahrung gewinnen KONNTE.
Kann aber auch der körperliche Zustand sein, der sich verschlechtert hat und die Kinder zu Hause. Betriebsfeiern o.ä. sollen ja für ihre Hemmungslosigkeit und Geschehnisse berüchtigt sein. Geschäftsreisen bringen auch so einiges mit sich. Ich schätze eher, dass gewisse Veranstaltungen per se für bestimmte Altersgruppen reserviert sind. Es gibt ja manchmal Ü30/ Ü40-Partys. Vielleicht mit diesem Hintergrund. Vernunft sehe ich jedenfalls bei den älteren Erwachsenen nicht als Grund. Wenn, dann behauptet man das vielleicht eher, weil es besser klingt.

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Re: Der wahre Grund warum Schizoide Partys doof finden

Beitragvon tournesol » 13. September 2013, 15:50

Ich glaube die Problematik "ist die des GEMEINSAMEN Schwingens"
......und diese ist eben meist nicht vorhersehbar ;)
In "Jugend und Pubertärzeiten" benutzt es Parties ect. als Überschrift (dafür überhaupt mit anderen zusammen-kommen zu können.
Und daraus ziehen die Meisten dann "den Schluß, dass es unbeding eines "Mottos" bedürfte -UM... "
Dass es in jeden Fall bedürfte, etwas zu tun---zu machen (Dieses meinen Viele für sich allein übrigens auch...,glaub ich) Dabei gerät völlig in den Hintergrund "ob man das, was nun "das Motto" , oder "das Machen" überhaupt machen , oder haben möchte.
( Alleine bedarf es da "nicht so " der Rechenschaft über das "Getan-Habens"---wie mit anderen... ;) )

Vielen Menschen fällt dies jedoch gar nicht auf (SP schön :) ) Sie nehmen "die Mottos, die Anlässe" als "Berechtigung ,DASS MAN DAS EBEN SO MACHT" an und machen die SO mit (egal ,ob nun gerne ,oder nicht MAN MACHT reicht ihnen dazu )

Ich habe dies früher "auch so gemacht" ;) Irgendwann ist mir jedoch aufgefallen "dass ich den "Mottos" nur gefolgt bin , um etwas anderes zu bekommen !"----Und mir ist dabei aufgfallen, dass ich "dieses Andere" manchmal "damit....dadurch" erhalten habe....... Z.B. sich ergeben habende innige tiefe Gespräche mit Einzelnen ! Oder die Gelegenheit mich "tanztechnisch " auszupovern (wozu ich da grad scheinbar Lust hatte !)
An der Erkenntnis band sich für mich "Mensch "tanztechnisch Auspovern" kann ich mich doch viel besser alleine....und ab da machte ich dies alleine :lachen:
Mit innigen tiefen Gesprächen ....hm....war dies schwieriger. Dies waren eben wirklich oft welche, die sich ergeben mußten. Die sich schwerlich "alleine planen" ließen ! Besonders "neue Kontakte" nicht, oder so gut ,wie nicht..... Auf der anderen Seite natürlich auch nicht sicher, dass sich solche ergeben, wenn ich mich mich "Mottos" unterziehe....Und so blieb dies immer weiter abzuwägendes Vabankspiel.....bis heute (Geht nicht anders)
Klar gibt es einige Kontakte ....mit denen es "einfach funktioniert" :) .....und mit denen es "keinen Anlass und kein Machen" braucht, um innige ,tiefe Gespräche zu führen.....da diese sich fast immer "mit den wenigen" ergeben.-----Und dies ist es, um was es mir geht ! Und wozu ich durchaus auch in der Lage bin :)
Da brauche ich keine Flucht......Da gehe ich , wenn es an der Zeit ist.....einfach.
Und bei anderem möchte ich auch nicht "bleiben wollen" !!!

Lieber Gruß Tournesol

Mikado

Re: Der wahre Grund warum Schizoide Partys doof finden

Beitragvon Mikado » 23. September 2013, 20:48

Gesellschaftliche Anlässe vermeide ich meistens. Eigentlich möchte ich schon dabei sein, nur mehr als 3 gute Bekannte gleichzeitig sind mir schon too much. Wenn dann noch Unbekannte oder ungute Bekannte dabei sind, überfordert mich das total.

Am Samstag hatte ich mich auf den Weg zur Geburtstagsfeier (50) eines guten Bekannten gemacht. Erst gegen 18:00 Uhr schwang ich mich auf meinen Drahtesel. Früher wollte ich nicht los, da ich hoffte: Je später, je weniger Leute. Nach den ersten 15km und somit der Hälfte der Strecke fuhr ich durch eine Kleinstadt und vor mir radelte ein blondes Mädel ohne Beleuchtung, was mir schon mal recht sympatisch war :freude: . Bei mir selbst ging nur das Vorderlicht nicht und ich hatte die Hoffnung, das bei meinem Bekannten wieder in Ordnung zu bringen. Als ich nach weiteren 15km in der nächsten Kleinstadt und somit am Ziel angelangt war, erbeutete ich erstmal 'nen Döner. Dann fuhr ich aufs Gehöfft meines Bekannten.

Holy Cow :high: , da waren haufenweise Bänke, Tische und Leute. War total erschlagen von den ganzen Unbekannten und dem raunenden Gebrabbel, dass von überall herzukommen schien. Da war mehr los, als auf so mancher Dorffeier. Also schrie ich ersmal 'Nabend' :winken: und verkroch mich sogleich ins ruhige Haus, um den Döner zu vertilgen. Dann ging ich wieder hinaus und fummelte in einem kleinen Stall nahe des Partygeschehens an meinem Fahrradlicht herum. Naja, handwerklich begabt wie ich bin, gelang es mir, dass Vorder- und Rücklicht gleichmäßig gar nicht mehr funktionierten :verlegen: . Ein Bekannter schenkte mir ein Bier ein und dann stellte ich mich vor die Feuerschale.

Im ersten Gespräch, welches meine Aufmerksamkeit erregte, ging es um die faulen Arbeitslosen. Na toll :x , lieber woanders Mitlauschen. Ein ca. 15-jähriges Mädel stand mir gegenüber auf der anderen Seite der Feuerschale und unterhielt sich mit ein paar Gleichaltrigen und sie fragte gehässig ob die Hexe im Hause sei :erschrocken: . Die einzige Frau die in diesem Haus wohnt, ist meine Mutter. Da war ich baff. Meinte sie ... hat sie etwa ... kann es sein? Und falls ja, warum spricht sie so hinter dem Rücken meiner Mutter über meine Mutter. Mein Bekannter, das Geburtstagskind, machte das Mädel darauf aufmerksam, dass es unklug sei, soetwas von sich zu lassen, wenn der Sohn der soeben beleidigten Frau anwesend sei. Daraufhin fragte sie irritiert, wen er denn meine. "Ich bin der Sohn der 'Hexe'" ;) , meldete ich mich, ruhig und nun etwas verkrampft lächelnd, zu Wort. Ohne sich zu entschuldigen -bin ich auch nicht scharf drauf, wenn es nicht erst gemeint ist-, laberte sie noch mit ihren gleichaltrigen Freunden über ihr zukünfitges Studium :schlafen: und trollte sich dann auf eine der vielen Bänke.

Naja, lange wollte ich eh nicht bleiben und es auch nur bei einem Bier belassen. Der olle Suff macht mich zwar gesellschaftstauglicher, aber aus schmerzhafter Erfahrung ziemlich narzisstisch, machmal auch aggressiv oder ich zerfliesse in Selbstmitleid. Das will ich anderen und mir nicht mehr antun :). Mein Bekannter sprach mit mir über seinen PC :nerd: und dass er da mal bei Gelegentheit Unterstützung bräuchte und ärgerte sich wieder darüber, dass ich kein Handy und Telefon mehr habe :x , weil ich nur über die Klingel und den Briefkasten erreichbar sein will.

Dann unterhielt er sich mit einem Kameraden von der Feuerwehr. Immer wieder waren stecken gebliebene Fahrstühle und hydraulische Spreizer das Thema. Den Begriff "hydraulischer Spreizer" hatte ich da zum ersten Mal gehört und mir gingen eher obszöne Assoziationen durch den Kopf. Einmal versprach sich der Feuerwehrmann auch versehentlich und hatte, statt Fahrstuhl, Frau, gesagt :feiern: . Dann sprachen sie über Gehirne, die man nach Autounfällen von den Bäumen spritzen muss :übel: usw. Tjoah, diese Gesprächsthemen waren zumindest nicht langweilig.

Mein Bier war alle und ich wollte mich gerade vom Geburtstagskind verabschieden :winken: , da sprach mich einer der unguten flüchtigen Bekannten an. Der Typ ist ca 2 Jahre älter als ich und positiv formuliert recht gesellig. Da ich wenig Positives an ihm finde, ist er für mich eher ein aufdringlicher Maulheld, der aber bei den Mädels, insbesondere der 15-jährigen an diesem Abend, ganz gut ankommt. Er sprach mich leicht verärgert und fordernd an: "Man stellt sich gefälligst vor!" :x . "Höm wat'n nu los?" :roll: , dacht ich mir. Es müsste sich doch bereits rumgesprochen haben, dass ich der Sohn der Hexe bin, ausserdem wollt ich doch gerade wieder los. Was genau wollte er denn jetzt von mir? Ich schenkte ihm nur wenig aber dafür kurze Beachtung und sagte ihm kurz angebunden, er solle mir nicht auf den Keks gehen :cool: , schüttelte fast im selben Atemzug die Hände des Geburtstagskindes zum Abschied und machte mich ohne Licht auf den Heimweg. Da die ersten 15km ohne Beleuchtung zu heikel zum Fahren waren (blendene Fernlichter, eventuell Polizei), schob ich mein Fahrrad also die erste Hälfte der Strecke und lief mir die Füsse blasig.

Betrachte ich den Abend negativ, so fielen folgende Ereignisse in diese Kategorie:

-zu viele Leute (Reizüberflutung)
-Licht kaputt und später Totalausfall
-Mutter bleidigt worden
-Hetze über Arbeitslose
-mindestens 1x angepöbelt worden

Positiv war auf jeden Fall:

-einigen Leuten begegnet, die ich wirklich gern mag
-das Gefühl gebraucht zu werden (PC-Probleme des Bekannten)
-amüsantes/obszönes Kopfkino durch interassante Gespräche
-gaaaaanz viel Bewegung
-mein Limit von einem Bier eingehalten

Insgesamt ein durchwachsener aber ereignisreicher Abend. Bin froh mich dazu überwunden zu haben. :Musik:


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