Der wahre Grund warum Schizoide Partys doof finden

Die Gegenüberstellung der schützenden Distanz und dem Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen.
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HarryHaller
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Re: Der wahre Grund warum Schizoide Partys doof finden

Beitragvon HarryHaller » 24. September 2013, 10:45

Hallo, Mikado!

Hätte ja nicht gedacht, dass ich soeinen langen Text noch lesen wollen würde. hatte aber den Charakter eines Roman-Ausschnitts, sehr schön zu lesen, fand ich.

Und dein Fazit ist doch toll! Ich werte das ausschließlich positiv.

Darf ich fragen, wie alt du bist?

LG Dirk
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Re: Der wahre Grund warum Schizoide Partys doof finden

Beitragvon Jette » 24. September 2013, 15:52

Nordstern hat geschrieben:Die Frage, ob die anderen nur so tun, als ob sie Spaß hätten, kann ich dir nicht beantworten :( .
Ich glaube, dass sich in unserer Gesellschaft tatsächlich Normen herausbilden, allerdings ganz strikt nach der Mehrheitsmeinung, flankiert von Werbung und Medien. So ist es einfach üblich geworden, sich auf Partys zu amüsieren - und wenn es nur mit Alkohol funktioniert, dann muss der eben auch getrunken werden (machen die anderen ja auch). Die Menschen stellen sich gar nicht erst die Frage nach ihrer eigenen Meinung, sie laufen der Mehrheit einfach hinterher. Irgendwie erinnert es mich an den Rattenfänger von Hameln.

Hallo Nordstern,
natürlich kann ich hier nur von mir und meinen Empfindungen reden. Ich gehe nicht gerne zu Partys, in Discos, zu Großveranstaltungen, usw. Viel zu viel Leute und viel zu viel Lärm - einfach nur Stress. Ich erinnere mich aber daran, früher gerne zu den Abendveranstaltungen in Festzelte gegangen zu sein und kenne auch den Grund dafür. Ich singe sehr gern, aber leider alles andere als schön. Dort singen immer ganz viele mit. Da fällst du mit deinem eigenen Gegröle nicht auf. Mir gefällt auch das gemeinsame Bewegen bei Schunkel- und Bewegungsliedern.
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Re: Der wahre Grund warum Schizoide Partys doof finden

Beitragvon Cronn » 24. September 2013, 16:31

Hallo zusammen!

Iris1207 hat geschrieben:Oder könnte es vielleicht sein, daß die anderen auch nur so tun, als ob und sich auch nicht trauen, es zu zugeben,und das ganze "gesellige Beisammensein" ist nur eine einzige große Lüge der Gesellschaft, die irgendwann einmal zur Wahrheit erklärt worden ist?????


Solche Gedanken gehen mir bei Parties auch manchmal durch den Kopf. Okay, nüchtern betrachtet glaube ich nicht, dass alle nur so tun, die Mehrheit findet wohl durchaus Gefallen daran, aber auf mich hat das ganze immer etwas von einer gezwungenen, befohlenen Fröhlichkeit, die mich an die TV-Show "Halli Galli" erinnert. Kennt die hier noch jemand? :)

Für die, die sie nicht kennen: Halli Galli war eine Nonsens-Spielshow, die vor etwa 20 Jahren im TV lief, eine Mischung aus albernen Spielchen und Streichen mit versteckter Kamera. Die Studiozuschauer konnten manchmal kleine Preise gewinnen, und wenn jemand etwas gewonnen hatte drückte ihm der Moderator den Preis in die Hand, warf eine Handvoll Konfetti in die Luft und rief: "Bitte freuen Sie sich ... JETZT!", woraufhin der Gewinner jubelte, bis der Moderator ihn dann unterbrach, mit "und schluss" oder so etwas, daran erinnere ich mich nicht mehr genau.

Dieser Satz geht mir seitdem bei Parties und auch bei Karnevalsveranstaltungen und ähnlichem immer durch den Kopf. Party beginnt, bitte freuen Sie sich... JETZT! Verabredete Fröhlichkeit auf Befehl, die mir selbst immer ein wenig verlogen vorkommt. Und wenn es vorbei ist heisst es dann wohl: Wir befinden uns im Landeanflug, bitte schnallen Sie sich wieder an und stellen Sie das Freuen ein! ;)

Grüße,
Cronn

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Re: Der wahre Grund warum Schizoide Partys doof finden

Beitragvon knallschnute » 24. September 2013, 17:14

Hallo,

Party und Disco ist auch nicht so meine Welt.
Als Jugendliche suchte ich die Discotheken hauptsächlich wegen der Musik und dem coolen nächtlichen Gefühl auf. Besonders gesellig oder unterhaltsam fand ich die betrunkenen und oft auch arroganten Leute nicht. Darüber hinaus war der Tag danach total im Eimer, weil ich ewig brauchte mich von dem Lärm, dem Qualm (hatte da auch selbst kettenrauchermäßig geraucht) und dem Alkohol wieder zu erholen. (Obwohl ich nie mehr trank, als mir gerade noch gut tat!)

Blödeln und Albern mach ich ganz gerne. Am liebsten bin ich ungezwungen in netter Gesellschaft am Scherzen, aber unter Leuten, die ich nicht groß kenne, die eher spießig oder verkrampft erscheinen und die Gespräche mich langweilen, dröhnt mir ziemlich bald der Kopf und ich will nur eines: Nichts wie weg!

Ich liebe Menschen die sich selbst nicht so ernst nehmen, die auch mal ihren verletzlichen Kern zeigen können und mich nicht so prüfend mustern oder besserwisserisch in ein einseitiges Gespräch verwickeln.
Eigentlich - und das ist mir unter meinen Kolleginnen aufgefallen - gelingt mir Kommunikation am Besten, wenn ich mich auch scherzhaft einbringen und so manche Begebenheit auflockern kann.
Eigentlich will ich das Leben gar nicht immer ernst nehmen.
Würde ich allein in ein Bierzelt gehen und alle machen Party könnte ich mich schonmal anstecken lassen, denn warum nicht mal die Sau rauslassen... Was Jette schrieb - singen und bewegen mit anderen - kann ich mir je nach Stimmung durchaus vorstellen. Kommt aber auch auf die Situation drauf an.

(Hups, hab ich das geschrieben? :zu halten: Fange ich etwa an mich zu integrieren? :bangen: )

;)

Mikados Party-Story finde ich ebenfalls sehr amüsant. Vor allem die Stelle mit dem Kopfkino. :lachen:

Lieben Gruß,
Knallschnute
Die Hölle, das sind die anderen
(Jean-Paul Sartre)

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Re: Der wahre Grund warum Schizoide Partys doof finden

Beitragvon Cronn » 24. September 2013, 18:19

knallschnute hat geschrieben:Eigentlich - und das ist mir unter meinen Kolleginnen aufgefallen - gelingt mir Kommunikation am Besten, wenn ich mich auch scherzhaft einbringen und so manche Begebenheit auflockern kann.


Das kommt mir bekannt vor, ich kann auch am leichtesten durch Scherzen in eine Kommunikation einsteigen, und ich habe festgestellt, dass eine schizoide Persönlichkeit hier durchaus Vorteile hat: Ich kann oft ein paar Lacher für mich verbuchen, indem ich mit unbewegtem, emotionslosem Gesichtsausdruck irgendeine völlig blödsinnige Bemerkung raushaue... :cool:

edit: Bei dem richtigen Publikum funktioniert das auch mit obszönen Bemerkungen sehr gut... ;)

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Re: Der wahre Grund warum Schizoide Partys doof finden

Beitragvon Nordstern » 25. September 2013, 14:37

Hallo Knallschnute, hallo Cronn,

ich kann euch bzgl. der "Scherzhaftigkeit" nur zustimmen. Meine Schwägerin (Sozialpädagogin/Erzieherin) meint über mich: Ich beteilige mich sehr wenig an Gesprächen, habe eine eingefrorene Mimik, verfolge die Gespräche aber und wenn ich etwas dazu sage, dann ist die Bemerkung von trockenem Humor und Ironie geprägt.

Diese "leise" Form von Freude, Scherz, Humor ist für Partys nicht ausreichend. Da muss es der "laute" und derbe Spaß sein. Dafür sind wir mit SPS wohl eher nicht geeignet.

Ich wünschte, ich könnte den Alltag auch leichter nehmen. Daran muss ich noch arbeiten.

Viele Grüße
Nordstern. :stern:
[align=left]Die Tatsache ist ein kleiner kompakter Glaube.[/align] (Les Murray)

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Re: Der wahre Grund warum Schizoide Partys doof finden

Beitragvon Jette » 25. September 2013, 16:35

Nordstern hat geschrieben:Diese "leise" Form von Freude, Scherz, Humor ist für Partys nicht ausreichend. Da muss es der "laute" und derbe Spaß sein. Dafür sind wir mit SPS wohl eher nicht geeignet.


Da bin ich ganz anderer Meinung. Genau solche Menschen fehlen da. Sie würden eine Party sicherlich für all diese Menschen bereichern, denen es ähnlich geht wie uns, nämlich dass der Lärm sie anstrengt und nervt. Und ich bin überzeugt davon, von denen gibt `s `ne Menge.
Ich selbst würde mich jedenfalls wohler fühlen, wenn ich erkennen könnte, dass ich nicht die einzige bin und würde mich dann vielleicht eher in die Ecke zurückziehen, in der die etwas "ruhigeren" stehen.

Jette
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Re: Der wahre Grund warum Schizoide Partys doof finden

Beitragvon Schattentanz » 25. September 2013, 17:47

Ich mag Parties/Feiern ebenfalls nicht, bei denen man die ganze Zeit betont fröhlich und ausgelassen auftreten muss, damit einem geglaubt wird, dass man die Feier mag bzw. es einem gut geht ... oder wo die Gespräche & der Humor gar nicht mein Fall sind (vice versa). Gibt so Parties oder Diskos, da überkommt mich schnell ein starker Fluchtreflex. Wenn ich kann, gehe ich zu solchen Feierlichkeiten gar nicht erst hin, bei denen erfahrungsgemäß die Chance hoch ist, dass sie mich langweilen. (Das betrifft die allermeisten Feierlichkeiten.)

Bin froh, dass mein näheres Umfeld selbst nicht auf diese "lauten Spaßveranstaltungen" steht. Wobei ich nicht generell etwas gegen Diskos etc. habe; ich mag es nur nicht, dass man dort auffällt, wenn man nicht ständig grinsend durch die Gegend läuft, nicht tanzt sondern stattdessen irgendwo ungestört in einer Ecke rumsitzen und die Szenerie auf sich wirken lassen möchte und dabei noch eher ernst dreinschaut. Von der Atmosphäre her finde ich Diskos eigentlich interessant (wegen dem Bass und der Beleuchtung = die Szenerie an sich). Größtes Handicap: Die Musik sagt mir nur sehr selten zu und mir fehlt dort ein Rückzugsraum ... dazu kommt dann mitunter noch die kommunikative, teilweise flirtende Art der anderen Diskobesucher; ich möchte nur da sein und das Gesamtbild auf mich wirken lassen aber nicht interagieren und das auch nicht erklären müssen. Für eine richtige Unterhaltung auf gemeinsamer Wellenlänge ist es dort eh zu laut und mit Flirtversuchen anderer kann ich wiederum nichts anfangen (falls ich die überhaupt als solche erkenne).

Ich treffe mich wenn schon lieber auf kleineren Privatfeiern mit guten Bekannten, die ich seit Jahren kenne. Da weiß ich, dass man sich versteht und kann da im Laufe des Abends auch irgendwann sehr viel Gefallen dran finden dort zu sein und sich zu unterhalten. Die Fluchtimpulse sind dann eher minimal. Wobei mir Treffen zu Zweit oder Dritt mit gemeinsamer Tätigkeit (z. B. Videospiele zocken; Filme schauen etc.) mit am meisten liegen; dort bin ich am entspanntesten und kann das am besten genießen. Ich denke schon, dass es auch genügend Nicht-Schizoide gibt, die auf die stillere Form von Spaß & Feiern stehen. ... und daneben gibt es selten Nicht-SP, die zwar selbst ganz anders ticken, aber es dennoch irgendwie schaffen mich im positiven Sinne mit ihrer fröhlichen-ausgelassenen Art mitzureißen. Ist aber so eine Gratwanderung und ich kann mich davon auch schnell gedrängt fühlen/ kann schnell kippen. Wenn ich mich darauf einlassen kann, ist es aber sehr intensiv und leicht überwältigend, irgendwie surreal für einen Moment.
Zynismus: Der geglückte Versuch, die Welt zu sehen, wie sie wirklich ist.

Mikado

Re: Der wahre Grund warum Schizoide Partys doof finden

Beitragvon Mikado » 25. September 2013, 20:00

Hallo Harry/Dirk,

noch bin ich 29. Freut mich sehr, dass Dir und knallschnute mein Geschreibsel zugesagt (und Ihr es auch geschrieben habt) hat. Geht runter wie Öl :D. Das Gedankenspiel mit den zusammengesperrten Schizoiden bzw der schizoiden Chat-Party war auch für mich sehr unterhaltsam.

@knallschnute, das ist ja auch mal 'n lustiger Nick, da fallen mir verschiedene Dinge zu ein. Was verbindest du denn selbst damit?

Ansonsten erkenne ich mich in diesem Thema beim bisher Geschriebenen ganz oft wieder, insbesondere das von Schattentanz erwähnte Computer/Konsole Zocken oder Filme schauen mit wenigen Leuten wäre genau mein Ding, wenn ich denn entsprechende/ansprechende Leute mit passenden Genre-Interessen dafür in meinem Umfeld kennen würde :).

Naja, war ein für meine Verhältnisse anstrengender Tag heut, werd dann mal zum Ausgleich mit Unbekannten online Quake Live zocken.

Ratatatatam :D

chuchu

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Re: Der wahre Grund warum Schizoide Partys doof finden

Beitragvon Bonjcmer » 21. April 2014, 21:03

Hallo,
ich komme gerade von der Geburtstagsfeier eines guten Bekannten von mir, mit dem ich jede Woche Sport mache. Wir unterhalten uns dabei (bzw. danach) jedes Mal sehr gut, lachen viel miteinander, liegen absolut auf einer Wellenlänge und sind uns beide sympathisch. Wenn er mir nicht so viel bedeuten würde, hätte ich mich heute nicht überwunden, zu der Feier zu gehen (es waren ein paar Leute da, die ich oberflächlich kenne (jedoch seit knapp fünf Jahren nicht mehr getroffen habe), aber die meisten davon waren mir unbekannt). Ich bin bereits zum nachmittäglichen Kaffeetrinken gegangen (habe auch einen selbstgebackenen Kuchen mitgebracht, quasi als Zeichen des guten Willens), um dann, wenn die Feier voll in Gang kommt (sprich: immer mehr Leute kommen und der Small-Talk-Lärmpegel um mich herum immer lauter wird) wieder möglichst früh gehen zu können.

Insgesamt habe ich es ca. 2,5 Std. ausgehalten. Habe mich sicher wieder ziemlich schlecht "verkauft", d. h. ich bin den übrigen Anwesenden dort sicher als sehr spröde, seltsam, schüchtern, "farblos" etc. erschienen. Wer mich näher kennt, weiß, dass bis auf das "Seltsam" keines der genannten Adjektive zutrifft. Ich fühle nur bei derartigen informellen Zusammenkünften mehrerer Leute wie ein Fisch, den man an Land verfrachtet - eine solche Situation ist genau das Gegenteil dessen, was ich als "mein Element" bezeichnen würde. Wenn man mich etwas fragt, gebe ich ziemlich kurze und knappe Antworten, es liegt mir nicht, auf dieser oberflächlichen Ebene (nicht wertend gemeint!) ausgiebig aus meinem Leben zu erzählen. Außerdem fühle ich mich unwohl, denn wenn mich jemand auf so einer Party/Feier etwas fragt, habe ich das Gefühl, mein Gegenüber suche in meinem Gesicht, meinen Augen etwas, das ich nicht geben/leisten kann, und ich habe auch Schwierigkeiten, länger Blickkontakt zu haten. Ich fühle mich auf unangenehme Weise exponiert. Seltsam eigentlich, da ich, wenn ich Leute etwas besser kenne und Vertrauen gefasst habe, sehr offen über mein äußerst intensives Gefühlsleben und meine Gedankenwelt sprechen kann und mir das auch guttut. Es ist auch keineswegs so, dass ich die Leute auf derartigen Partys "doof" fände oder mich innerlich über sie erheben würde, ich fühle mich schlicht und einfach unwohl und irgendwie unzulänglich, weil ich es einfach nicht hinkriege. Und mit Ratschlägen wie "Dann mach doch einfach mal auch einen Witz!"/"Denk doch nicht so viel nach, wie dies oder das wirken könnte, sondern sag einfach irgendwas, die anderen machen es ja genauso!" ist nichts geholfen. Das wäre nicht authentisch und es würde mir nichts "geben". Ich würde auf einer ganz anderen Ebene kommunizieren als auf der, die mich innerlich "nährt". Ganz allgemein, auf derartige Partys könnte ich gut verzichten und ich vermeide derartige Situationen, so oft ich kann. Bzw. ich gehe - so wie heute - nur dann hin, wenn mir derjenige Mensch wirklich wichtig ist.

Auf der Heimfahrt haben mich meine Gefühle wieder übermannt, ich habe die ganze Zeit im Auto geweint und war selber überrascht davon, dass mich das so mitnimmt. Ich habe einfach seit meiner frühesten Kindheit das Gefühl, dass ich gewisse Situationen (im Bereich der so genannten "Geselligkeit"), die von vielen anderen als etwas Schönes, Entspannendes, Bereicherndes wahrgenommen werden, einfach nicht gut aushalte, dass diese für mich äußersten Stress bedeuten - mit weitreichenden Folgen (geringes Selbstbewusstsein im zwischenmenschlichen Bereich, Selbstabwertung, Traurigkeit, Einsamkeit, Schuldgefühle...).

Mittlerweile kann ich ein bisschen besser mit dieser Eigenheit umgehen, weil ich zu mir selbst freundlicher bin. Ich vermeide es, soweit es geht, mich nach derartigen Erebnissen selber fertigzumachen und schuldig zu fühlen und erkläre mich (so knapp wie möglich, so ausführlich wie nötig) auch denjenigen Menschen , die mir etwas bedeuten (mein Bekannter heute hat sehr verständnisvoll reagiert und er weiß auch, dass derartige Situationen für mich sehr stressig sind). Außerdem halte ich mir vor Augen, dass diese Schwierigkeiten nur die eine, unangenehme Seite der Medaille sind und dass auf deren Rückseite auch sehr viel Positives zu finden ist (und ich glaube mittlerweile, es ist besser, sich auf die positiven Charaktereigenschaften und Fähigkeiten zu verlassen, anstatt das als negativ Emfpundene krampfhaft "hinbiegen" zu wollen). Zu diesen positiven Seiten zählt auch, dass die zwischenmenschlichen Beziehungen, die ich eingehe (nicht aufgrund einer bewussten Entscheidung, sondern schlicht deshalb, weil man sich halt einfach "findet"), in den allermeisten Fällen sehr beständig und (jede auf ihre Art) intensiv und tiefgründig sind. Und dass ich von vielen Menschen gerade deshalb geschätzt und gemocht werde, weil ich nicht zu vorschnellen Urteilen über andere neige und sehr viel Verständnis und Geduld habe, wenn jemand bestimmte Dinge, die in den Augen der Mehrheit gar nicht der Rede wert sind, aus irgendeinem Grund nicht hinbekommt. Gut, dass ich mich mittlerweile auch in meinem positiven Persönlichkeitsaspekten recht gut kenne, denn früher war es echt nicht besonders leicht...In der Vergangenheit hat diese an sich gar nicht so tragische Eigenheit meines Wesens einen Rattenschwanz an Problemen und Leiderfahrungen mit sich gezogen.

Naja. Ich werde wohl Ende der Woche mit meinem Bekannten wieder gemeinsam Sport machen und freue mich schon drauf. Gemeinsame Aktivitäten sind mir auch viel lieber als einfach nur in irgendeinem Raum zu sitzen und Small-Talk zu betreiben. Beim Sport (bzw. ganz allgemein dann, wenn ich eine klar definierte Funktion habe) blühe ich nicht selten auf und kann viel unbefangener mit anderen umgehen. Und solche Erlebnisse tun mir dann auch gut und zeigen mir, dass ich kein sozialer Blindgänger bin, sondern dass mir einfach nur bestimmte Situationen Schwierigkeiten bereiten.

Die Diagnose SP wurde bei mir übrigens noch nicht gestellt, ich denke auch, dass sie auf mich eher nicht zutreffen würde, da ich, auch wenn ich von außen sehr stark als Kopfmensch wahrgenommen werde, durchaus Zugang zu meinen Gefühlen habe und (zumindest aus meiner subjektiven Sicht heraus gesprochen) sehr intensiv empfinde.


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