Sozialer Kontakt als Antrieb

Die Gegenüberstellung der schützenden Distanz und dem Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen.
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Sozialer Kontakt als Antrieb

Beitragvon Schneegeflüster » 8. Dezember 2018, 18:45

Hallo!

Ich habe derletzt das "Prinzip Menschlichkeit" von Joachim Bauer gelesen.
Darin stand ein Satz, der mich zum nachdenken gebracht hat. Er schreibt nämlich:

"Kern aller Motivation ist es, zwischenmenschliche Anerkennung, Wertschätzung, Zuwendung oder Zuneigung zu finden und zu geben."

Ich finde diese Idee deshalb so spannend, weil sich damit ein logischer Zusammenhang in den Symptomen der SPS herstellen lässt. Beispielsweise ließen sich damit die Anhedonie, die Gleichgültigkeit, die allgemeine Ziellosigkeit und Verlorenheit in der Welt erklären sowie der größte Teil des Leidensdruckes. Das heißt, die Lösung für die SPS wäre (theoretisch) schlichtweg erfüllender sozialer Kontakt (so absurd das auch klingen mag).

Wie steht ihr dazu?

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Re: Sozialer Kontakt als Antrieb

Beitragvon orinoco » 8. Dezember 2018, 19:55

Lies mal meinen Blog was dort zu "unterstützender Beziehung" steht. :)
Aber als kurzer Abriss: ein Mensch ist alleine nicht überlebensfähig. Wir sind hochsoziale Lebewesen, die nur als Gruppe überleben können, von den kulturellen Errungenschaften ganz zu schweigen. Das sitzt extrem tief in uns drin. Andererseits sind Menschen einander nicht immer wohlgesonnen. Deswegen hat man Angst vor allen Fremden. Auch das sitzt extrem tief.
Normalerweise gibt es da einen Ausgleich. Die Sippe aus Freunden und Familie ist bekannt und trägt zu Wohlbefinden bei. Fremde dagegen werden dagegen erst mal misstrauisch beäugt, vor allem wenn sie nicht dem gleichen Kulturkreis angehören und man nicht viel über ihre Motivationen und Absichten weiß.
Bei unsereins ist das nun extrem verschoben bis hin dazu, dass man meint besser alleine zu leben, weil selbst Familie, Verwandte und Bekannte uns Angst machen und man auch nur wenige bis gar keine Freunde oder Partner findet, die einem keinen Stress machen. Aber an der prinzipiellen sozialen Natur ändert das nichts. Eine einzige unterstützende Beziehung kann unser Leben vollkommen zum Positiven verändern, aber es ist nicht leicht für uns so jemanden zu finden.
Verständnis ist für den Traumatisierten, was die niedrige Bordsteinkante für den Rollstuhlfahrer.
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Re: Sozialer Kontakt als Antrieb

Beitragvon tiffi » 9. Dezember 2018, 00:24

Schneegeflüster hat geschrieben:Hallo!

Ich habe derletzt das "Prinzip Menschlichkeit" von Joachim Bauer gelesen.
Darin stand ein Satz, der mich zum nachdenken gebracht hat. Er schreibt nämlich:

"Kern aller Motivation ist es, zwischenmenschliche Anerkennung, Wertschätzung, Zuwendung oder Zuneigung zu finden und zu geben."

Ich finde diese Idee deshalb so spannend, weil sich damit ein logischer Zusammenhang in den Symptomen der SPS herstellen lässt. Beispielsweise ließen sich damit die Anhedonie, die Gleichgültigkeit, die allgemeine Ziellosigkeit und Verlorenheit in der Welt erklären sowie der größte Teil des Leidensdruckes. Das heißt, die Lösung für die SPS wäre (theoretisch) schlichtweg erfüllender sozialer Kontakt (so absurd das auch klingen mag).

Wie steht ihr dazu?
Hallo,
mir sind zwar viele Kontakte anstrengend und befremdlich, aber ich beobachte bei mir
ein zunehmendes Bedürfnis nach echtem Kontakt, echter Resonanz, dem Gefühl von Austausch
in Dingen, die mir von Interesse sind und auch dem Wunsch nach Zugehörigkeit.

Das Problem ist, dass ich in vielen Kontakten und Bereichen eher das Gegenteil empfinde,
und dann frustriert dicht mache.

Manchmal denke ich auch, Menschen machen viel Unruhe in mir.
Und ideal wäre es, wenn ich diese Zugehörigkeit aus dem "am Leben sein" schöpfen würde.
Das könnte auch eine Art Zugehörigkeit und Motivation geben.

Manchmal denke ich, hinter dem "ich brauche Menschen" steht eine Hypothese wie "das Leben steht
mir kalt und düster gegenüber und überwältigt mich"
und dazu die weitere Hypothese "Menschen geben mir Wärme und Schutz vor dem kalten Leben, Kraft,
eine Richtung".

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Re: Sozialer Kontakt als Antrieb

Beitragvon Schneegeflüster » 9. Dezember 2018, 20:26

orinoco hat geschrieben:Lies mal meinen Blog was dort zu "unterstützender Beziehung" steht. :)

Mach ich, danke!
orinoco hat geschrieben:Bei unsereins ist das nun extrem verschoben bis hin dazu, dass man meint besser alleine zu leben, weil selbst Familie, Verwandte und Bekannte uns Angst machen und man auch nur wenige bis gar keine Freunde oder Partner findet, die einem keinen Stress machen. Aber an der prinzipiellen sozialen Natur ändert das nichts. Eine einzige unterstützende Beziehung kann unser Leben vollkommen zum Positiven verändern, aber es ist nicht leicht für uns so jemanden zu finden.

Bei mir ist es eher so, dass andere Menschen mir nicht Angst machen, sondern der soziale Kontakt mir schlicht keine erfüllung bietet; ich isoliere mich nicht aus Angst, sondern aus Desinteresse. Ich weiß jetzt zwar nicht, wie representabel ich als einzelner bin, meine aber, auch schon von anderen Schizoiden gelesen zu haben, denen das ähnlich geht. Angst und Streß mögen zwar Faktoren sein, aber ich denke nicht, das sie immer wirken müssen

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Re: Sozialer Kontakt als Antrieb

Beitragvon Schneegeflüster » 9. Dezember 2018, 20:41

tiffi hat geschrieben:Hallo,
mir sind zwar viele Kontakte anstrengend und befremdlich, aber ich beobachte bei mir
ein zunehmendes Bedürfnis nach echtem Kontakt, echter Resonanz, dem Gefühl von Austausch
in Dingen, die mir von Interesse sind und auch dem Wunsch nach Zugehörigkeit.

Das Problem ist, dass ich in vielen Kontakten und Bereichen eher das Gegenteil empfinde,
und dann frustriert dicht mache.

Das kenne ich auch. Der Umgang mit anderen kostet etwas und bringt etwas, nur überwiegen meist die Kosten.

tiffi hat geschrieben: Manchmal denke ich auch, Menschen machen viel Unruhe in mir.
Und ideal wäre es, wenn ich diese Zugehörigkeit aus dem "am Leben sein" schöpfen würde.
Das könnte auch eine Art Zugehörigkeit und Motivation geben.

Was meinst du mit "am Leben sein"? Verstehe ich dich richtig, dass du damit meinst, ein Zugehörigkeitsgefühl aus dem Umstand der eigenen Existenz zu schöpfen? Wenn ja, zu was wäre man denn dann zugehörig, zu sich selbst? Ist denn das Gegenteil überhaupt möglich? Oder denke ich nur zu weit und verstehe nicht, worauf du hinauswillst? :rätseln:

tiffi hat geschrieben:Manchmal denke ich, hinter dem "ich brauche Menschen" steht eine Hypothese wie "das Leben steht
mir kalt und düster gegenüber und überwältigt mich"
und dazu die weitere Hypothese "Menschen geben mir Wärme und Schutz vor dem kalten Leben, Kraft,
eine Richtung".

An sich ist das doch das, wovon Erich Fromm immer schrieb, von der Problematik, die sich dem denkenden, bewussten Menschen (und uns Schizoiden als zu viel denkenden in besonderem Maße) aus der Endlichkeit und Willkür der eigenen Existenz erschließt, weil der Mensch eben erkennen muss, dass er sterben wird. Fromm folgert daraus weiterhin noch verschiedene Strategien, die der Mensch anwenden kann, um diese Problematik zu verarbeiten, beispielsweise die symbiotische Bindung (eine Art (meist emotionales) Abhängigkeitsverhältnis, oder eben die Liebe.

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Re: Sozialer Kontakt als Antrieb

Beitragvon tiffi » 10. Dezember 2018, 00:19

Schneegeflüster hat geschrieben:Bei mir ist es eher so, dass andere Menschen mir nicht Angst machen, sondern der soziale Kontakt mir schlicht keine erfüllung bietet; ich isoliere mich nicht aus Angst, sondern aus Desinteresse. Ich weiß jetzt zwar nicht, wie representabel ich als einzelner bin, meine aber, auch schon von anderen Schizoiden gelesen zu haben, denen das ähnlich geht. Angst und Streß mögen zwar Faktoren sein, aber ich denke nicht, das sie immer wirken müssen

Würde sagen, ist bei mir ähnlich, ich habe keine Sozialphobie.
Also nicht im Sinne von schüchtern sein und so gerne mitmachen wollen.
Unbeholfen schon oft mal. Aber das wohl aus mangelnder Übung / Interesse.

Phobie, hab ich mir mal gedacht, trifft höchstens zu als Gegenteil von Philie.
Also so im Sinne (kamen diese Begriffe nicht aus der Chemie?), dass man gut und passend
mit einem anderen Stoff reagiert oder eher abgrenzend.
Was meinst du mit "am Leben sein"? Verstehe ich dich richtig, dass du damit meinst, ein Zugehörigkeitsgefühl aus dem Umstand der eigenen Existenz zu schöpfen? Wenn ja, zu was wäre man denn dann zugehörig, zu sich selbst? Ist denn das Gegenteil überhaupt möglich? Oder denke ich nur zu weit und verstehe nicht, worauf du hinauswillst? :rätseln:

Ja, ist noch nicht ganz ausgearbeitet. :Sonne: Am liebsten was ohne Menschen....
Aber z B Zugehörigkeitsgefühl aus der eigenen Existenz schöpfen, könnte doch vielleicht gehen.
Wenn man z B meditiert, dann achtet man auf den Atem und auf die Umgebung und man könnte sich auch
mit einem Baum verbinden.
Bei mir funktionierts nicht, also dass das immer so ausreicht, aber im Grunde könnte das doch gehen.

Du meinst: ist das Gegenteil von "zugehörig zu sich selbst" möglich? Wohl eher nicht.
Aber vielleicht ist die Verbindung manchmal zu leise und dann wird zu anderen Zugehörigkeit gesucht.
Vielleicht gibts aber auch verschiedene Reifegerade von Zugehörigkeit.
Eher unsicher und emotional abhängig, oder schon etwas reifer / selbstbewusster und dass man sich
auf die Art dann eine Zugehörigkeit suchen könnte. (individueller)
An sich ist das doch das, wovon Erich Fromm immer schrieb, von der Problematik, die sich dem denkenden, bewussten Menschen (und uns Schizoiden als zu viel denkenden in besonderem Maße) aus der Endlichkeit und Willkür der eigenen Existenz erschließt, weil der Mensch eben erkennen muss, dass er sterben wird. Fromm folgert daraus weiterhin noch verschiedene Strategien, die der Mensch anwenden kann, um diese Problematik zu verarbeiten, beispielsweise die symbiotische Bindung (eine Art (meist emotionales) Abhängigkeitsverhältnis, oder eben die Liebe.
Hmm, Liebe als Linderung der Endlichkeit, Sterblichkeit, Sinnlosigkeit?
Als Verdrängungsmechanismus?
Könnte schon was dran sein, und es werden ja vielleicht auch ein paar berauschende Hormone manchmal
freigesetzt.

Und wenn man nicht verdrängen will oder muss, bräuchte man eigentlich keine Liebe? Also nicht diese
eine Art von, in die man sich verkriecht vor der Welt?

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Re: Sozialer Kontakt als Antrieb

Beitragvon Themis » 10. Dezember 2018, 05:43

Schneegeflüster hat geschrieben:An sich ist das doch das, wovon Erich Fromm immer schrieb, von der Problematik, die sich dem denkenden, bewussten Menschen (und uns Schizoiden als zu viel denkenden in besonderem Maße) aus der Endlichkeit und Willkür der eigenen Existenz erschließt, weil der Mensch eben erkennen muss, dass er sterben wird. Fromm folgert daraus weiterhin noch verschiedene Strategien, die der Mensch anwenden kann, um diese Problematik zu verarbeiten, beispielsweise die symbiotische Bindung (eine Art (meist emotionales) Abhängigkeitsverhältnis, oder eben die Liebe.
Hmmmm ... Also bei mir z. B. ist die Bindung ans Leben aufgrund der schizoiden Struktur und des fehlenden Urvertrauens sowieso sehr gering. Da spielt die Angst vor der Endlichkeit keine Rolle, im Gegenteil.
Kann man aber natürlich nicht verallgemeinern.
Wut ist ein nützliches Gefühl, wenn es darum geht, zu überleben.
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Re: Sozialer Kontakt als Antrieb

Beitragvon tiffi » 10. Dezember 2018, 08:39

Themis hat geschrieben:Hmmmm ... Also bei mir z. B. ist die Bindung ans Leben aufgrund der schizoiden Struktur und des fehlenden Urvertrauens sowieso sehr gering. Da spielt die Angst vor der Endlichkeit keine Rolle, im Gegenteil.
Kann man aber natürlich nicht verallgemeinern.
Geht mir ähnlich, diese existentielle Situation der Endlichkeit, der Sinnlosigkeit von mir als einzelnen Menschen
war mir von Jugend an immer präsent.

Da gibt es für mich auch in einer Beziehung keine Flucht vor.
Bzw wenn ich mal eine Beziehung hatte, wo wirklich viel "heile Welt" war und diese existentiellen
Aspekte für die andere Person so GAR NICHT vorkamen, hab ich innerlich ziemlich am Rad
gedreht, weil kaum auszublenden.

Also Liebe als Beruhigungsmittel und Fluchtpunkt funktioniert bei mir nicht.
würde dann eh drüber nachdenken, wenn es zu schön ist, dass der andere auch sterblich ist
und früher oder später garantiert alles vorbei ist. (also diese Liebe und das Zusammensein)

In Bezug auf Soziales hatte ich als Jugendliche eher den Antrieb, die Leute mit ihrer
Endlichkeit zu konfrontieren, die sie ja gewaltig auszublenden schienen.
Durch z B bestimmte T Shirts tragen mit gewissen Bildern oder Sprüchen, die dann
etwas irritierten. Oder eine Form von Aktionskunst, die ich mir vorstellte
in bezug auf "Tod in die Gesellschaft mit reinnehmen".

Aber nicht sozialer Kontakt als Antrieb "ich machs mir schön und gemütlich und kuschelig".
in Bezug auf Vereine und Gruppen.
In Bezug auf intimere Konstellationen wie Freundschaft und Partnerschaft ist es schon
etwas anders. Also dass diese Seiten zwar drin vorkommen (existentielle Unsicherheit),
aber auch schönere Seiten mit Verbundenheit.

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Re: Sozialer Kontakt als Antrieb

Beitragvon Schneegeflüster » 10. Dezember 2018, 17:28

tiffi hat geschrieben:Würde sagen, ist bei mir ähnlich, ich habe keine Sozialphobie.
Also nicht im Sinne von schüchtern sein und so gerne mitmachen wollen.
Unbeholfen schon oft mal. Aber das wohl aus mangelnder Übung / Interesse.

Kenn ich :)
tiffi hat geschrieben:Phobie, hab ich mir mal gedacht, trifft höchstens zu als Gegenteil von Philie.
Also so im Sinne (kamen diese Begriffe nicht aus der Chemie?), dass man gut und passend
mit einem anderen Stoff reagiert oder eher abgrenzend.
Interessanter Gedanke, so hab ich das noch nie betrachtet.

tiffi hat geschrieben: Ja, ist noch nicht ganz ausgearbeitet. :Sonne: Am liebsten was ohne Menschen....
Aber z B Zugehörigkeitsgefühl aus der eigenen Existenz schöpfen, könnte doch vielleicht gehen.
Wenn man z B meditiert, dann achtet man auf den Atem und auf die Umgebung und man könnte sich auch
mit einem Baum verbinden.
Bei mir funktionierts nicht, also dass das immer so ausreicht, aber im Grunde könnte das doch gehen.
Mit sowas hab ich auch schon herumprobiert, nur ist es bei mir so, dass es mit der Zeit an Wirkung verliert. Ist also (für mich) keine langfristige Lösung.

tiffi hat geschrieben:Du meinst: ist das Gegenteil von "zugehörig zu sich selbst" möglich? Wohl eher nicht.
Aber vielleicht ist die Verbindung manchmal zu leise und dann wird zu anderen Zugehörigkeit gesucht.
Vielleicht gibts aber auch verschiedene Reifegerade von Zugehörigkeit.
Stimmt, macht Sinn.

tiffi hat geschrieben:Eher unsicher und emotional abhängig, oder schon etwas reifer / selbstbewusster und dass man sich
auf die Art dann eine Zugehörigkeit suchen könnte. (individueller)


Das ist eben die Stelle, an der auch Fromm die Grenze zieht, zwischen einer symbiotischen (abhängigen) Beziehung und "echter" Liebe: das letzteres die Integrität beider wart. Er hat das sehr schön mit folgendem Satz ausgedrückt: "In der Liebe findet sich die paradoxe Situation, dass zwei eins werden und zwei bleiben."

tiffi hat geschrieben: Hmm, Liebe als Linderung der Endlichkeit, Sterblichkeit, Sinnlosigkeit?
Als Verdrängungsmechanismus?
Könnte schon was dran sein, und es werden ja vielleicht auch ein paar berauschende Hormone manchmal
freigesetzt.

Und wenn man nicht verdrängen will oder muss, bräuchte man eigentlich keine Liebe? Also nicht diese
eine Art von, in die man sich verkriecht vor der Welt?
Das ist zumindest das, was Fromm sagt, ja. Es geht ihm dabei aber auch teilweise (von Werk zu Werk verschieden) um diese tiefsitzende Angst vor dem Allein- und Verlorensein, dass der Mensch (zumindest der NT) laut Fromm habe und verarbeiten müsse. Also neben den Glückshormonen auch sowas wie Rückhalt, Sicherheit, Geborgenheit

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Re: Sozialer Kontakt als Antrieb

Beitragvon Schneegeflüster » 10. Dezember 2018, 17:33

Themis hat geschrieben:Hmmmm ... Also bei mir z. B. ist die Bindung ans Leben aufgrund der schizoiden Struktur und des fehlenden Urvertrauens sowieso sehr gering. Da spielt die Angst vor der Endlichkeit keine Rolle, im Gegenteil.
Kann man aber natürlich nicht verallgemeinern.
Sehe ich ähnlich: so wichtig ist das Leben an sich nicht - nur leider ist der Tod doch eine sehr beängstigende Vorstellung. Wenn man auf das Leben verzichten und gleichzeitig sein Bewusstsein behalten könnte, das wär schon was


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