Kein Wille nach Kontakten

Die Gegenüberstellung der schützenden Distanz und dem Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen.
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Re: Kein Wille nach Kontakten

Beitragvon Imagohominis » 24. März 2015, 16:43

Und das sind alles Verhaltensweisen die ich mir aneigenen kann. Ich kann lernen wie man so "oberflächlich" wird und auf so "dumme Fragen" wie "Tolles Wetter?" antwortet.


Ich habe exakt den umgekehrten Weg beschritten. Früher nutzte ich ausschweifende Kommunikationsmuster, um meine Umwelt auf ein für mich positives Resultat zu beeinflussen - das war leider sehr anstrengend für mich. Ständig Interesse heucheln, um einen sozialen Erfolg zu erreichen. Seit einiger Zeit bin ich verschlossener, neige zu lakonischen Aussagen und beginne nie ein Gespräch von mir aus. Um ehrlich zu sein: Mir geht's viel besser, seitdem ich mich so verhalte.
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Zarathustra
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Re: Kein Wille nach Kontakten

Beitragvon Zarathustra » 24. März 2015, 18:05

Hallo Imagohominis,

super Sache, dass du auf die andere Seite eingehst.

24. Mär 2015, 16:43 » Imagohominis hat geschrieben:Mir geht's viel besser, seitdem ich mich so verhalte.


Geht mir ganz genauso. :) VIEL besser. Bei Diskussionen ist das etwas anderes, besonders schriftlich, wie du feststellen konntest. :winken: Bin mir sogar sicher: An Schmirgelstellen der Gesellschaft, am Arbeitsplatz, in der Schule - ist das auch eine eher respektierte Eigenschaft, gerne auf der Sachebene zu denken und zu antworten. Von mir aus kommt auch wenig Bezug zu Personen. Könnte sein, dass ich mich nur nicht über etwas unterhalten will, weil meine ehrliche Meinung "dagegen" ist. Es gibt zum Glück genug wichtige Dinge. :lachen:

Die Beziehung zu jemandem, die mir wichtig ist, verfolge ich gerne, solang derjenige mir keine offene Hand vors Gesicht hält. Im Gegenzug sollte ich schon eine ähnliche Absicht bei mir nicht einfach ignorieren. (von der Moral her) Nur welche Beziehung ist nicht schon im ersten Augenblick komplexer als diese... Überschrift der Metaebene?

Ich habe daraus ebenfalls gelernt, besser nicht aus Anstand (oder so) eine Beziehung, die auf einem falschen Weg ist, zu füttern. Ohne Aufrichtigkeit zuzuhören ist gleichwertig mit jemandem etwas zu erzählen, der mir nicht zuhört: Ich kanns bereits beim Aussprechen nicht ertragen, wofür ich auch froh bin. "Nein" sagen zu können ist mir echt wichtig. Auch wenn es manchmal Zustimmung oder Ablehnung ausdrückt, bei der ich mir nicht so sicher bin.

Auch wichtig: mir zu merken, was mir an einer Person stört und das so anzunehmen oder es bei ihr zum Thema zu machen. Wenn Zuneigung und Abneigung sich vermischen, ist für mich der Wille nach Kontakt am geringsten, schätze ich. Da muss erst diese eine Sache geklärt sein, bevor ich da weitermachen möchte, wo wir aufgehört haben. Und zwar in dem Umfang, auf Distanz mir zu überlegen, wie ich das zu Klärende am Besten angehen sollte. Manchmal war es schon sehr sehr schrecklich für mich, was sich bis zu dem Punkt, es ausdrücken zu können, in mir abgespielt hat. Geht es jemandem ähnlich - ist wer auch so empfindlich bei sowas?

:Sonne:
LG

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Re: Kein Wille nach Kontakten

Beitragvon Bernstein » 24. März 2015, 21:28

Zarathustra hat geschrieben:Ich habe daraus ebenfalls gelernt, besser nicht aus Anstand (oder so) eine Beziehung, die auf einem falschen Weg ist, zu füttern. Ohne Aufrichtigkeit zuzuhören ist gleichwertig mit jemandem etwas zu erzählen, der mir nicht zuhört: Ich kanns bereits beim Aussprechen nicht ertragen, wofür ich auch froh bin. "Nein" sagen zu können ist mir echt wichtig. Auch wenn es manchmal Zustimmung oder Ablehnung ausdrückt, bei der ich mir nicht so sicher bin.

Ich kann auch beides gleich schlecht ertragen. Nein-Sagen übe ich noch, entweder es ist zu drastisch, oder es kommt nicht überzeugend genug rüber...
Allerdings würde von meinem so schon sehr kleinen sozialen Umfeld wohl nichts mehr übrig bleiben, wenn ich konsequent nach meinem Gefühl handeln würde und dummerweise (?) lebe ich nunmal in sozialen Abhängigkeiten.
Trotzdem wünsche ich mir und vermisse ich ehrlichen und tiefgehenden Kontakt.
Gönne dich dir selbst! (v.Clairvaux)

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Re: Kein Wille nach Kontakten

Beitragvon NoEvol » 27. März 2015, 13:09

24. Mär 2015, 16:43 » Imagohominis hat geschrieben:
Und das sind alles Verhaltensweisen die ich mir aneigenen kann. Ich kann lernen wie man so "oberflächlich" wird und auf so "dumme Fragen" wie "Tolles Wetter?" antwortet.


Ich habe exakt den umgekehrten Weg beschritten. Früher nutzte ich ausschweifende Kommunikationsmuster, um meine Umwelt auf ein für mich positives Resultat zu beeinflussen - das war leider sehr anstrengend für mich. Ständig Interesse heucheln, um einen sozialen Erfolg zu erreichen. Seit einiger Zeit bin ich verschlossener, neige zu lakonischen Aussagen und beginne nie ein Gespräch von mir aus. Um ehrlich zu sein: Mir geht's viel besser, seitdem ich mich so verhalte.


Das habe ich aber auch getan.
Undzwar schon sehr lange, ich frage oft garnicht mehr nach, ob es jemand anders auch gut geht, weils mich einfach nicht interessiert, die meisten lügen bei Nachfrage sowieso.
Mir gehts viel besser, wenn mich meine Mitmenschen "nen scheiß" interessieren.
Ich "nutze" sie sogesehen nurnoch aus. Ich mach mit meinen Mitmenschen nurnoch dann etwas, wenn ich mit ihnen was machen will. Wenn ich keine Lust hab was zu machen, mach ich das auch nicht, nichtmal aus freundlichkeit, weil sich jemand schon "voll gefreut" hat.

Ganz ehrlich, die Person kann immernoch genau der selben Tätigkeit mit wem anders nachgehen.
Oft ist es doch die Aktivität, auf die man sich freut, die Person ist da irgendwie egal.
Liebe Grüße

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Re: Kein Wille nach Kontakten

Beitragvon smalltalk » 28. März 2015, 00:10

Ich habe auch sehr oft das Bedürfnis nach Rückzug. Menschen und ihre Belange strengen mich an. Vieles was andere Menschen als wichtig ansehen und deswegen darüber reden wollen... Leider muss auch ich im Leben irgendwie bestehen und muss wohl oder übel mitspielen. Würde ich heute im Lotto gewinnen, könnte ich solange zurückgezogen leben wie ich will.

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Re: Kein Wille nach Kontakten

Beitragvon NoEvol » 29. März 2015, 11:02

28. Mär 2015, 01:10 » smalltalk hat geschrieben:Ich habe auch sehr oft das Bedürfnis nach Rückzug. Menschen und ihre Belange strengen mich an. Vieles was andere Menschen als wichtig ansehen und deswegen darüber reden wollen... Leider muss auch ich im Leben irgendwie bestehen und muss wohl oder übel mitspielen. Würde ich heute im Lotto gewinnen, könnte ich solange zurückgezogen leben wie ich will.


Das kannst du auch mit einer EU/EM-Rente...
Du kannst dann immernoch arbeiten gehen, aber eben auch nur in dem Umfang, wie du es schaffst.
Ich für meinen Teil schaffe es jetzt z.B nicht mehr Arbeiten zu gehen / Zur Schule zu gehen / Ne Ausbildung zu machen, weil ich da einfach ZU oft ZU viele traumatisierende Erlebnisse hatte.
Jetzt nicht mehr. Nööööööööööööööööö
(ich kann sehr gut nein sagen, die meisten rallen das einfach nur nicht, dass mein nein, auch wirklich N E I N bedeutet.)


Wie handhabt ihr das, wenn andere ein "nein" nicht akzeptieren wollen? Werden ihr aggressiv? Meidet ihr die Person dann durchgehend?

Keine Ahnung, bei mir ist das irgendwie so, dass ich eine Person, die EINMAL meine Grenzen überschritten habe "abschiebe" und nichts mehr mit ihr zu tun haben will, erst recht nicht, wenn ich sie nicht lange kenne und der verlust dieser Person, für mich, keine signifikante Änderung meines Lebens darstellt.
(deswegen ist es mir z.B vollkommen scheißegal gewesen, einfach so von meinen Kollegen wegzugehen, für mich sind das nur Kollegen, ich kann auch neue Kollegen irgendwo finden, die vielleicht sogar noch besser drauf sind als die anderen, denn die anderen waren einfach nur eins : scheiße.)
Liebe Grüße

NoEvol

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Re: Kein Wille nach Kontakten

Beitragvon Imagohominis » 29. März 2015, 16:58

Wie handhabt ihr das, wenn andere ein "nein" nicht akzeptieren wollen? Werden ihr aggressiv? Meidet ihr die Person dann durchgehend?

Keine Ahnung, bei mir ist das irgendwie so, dass ich eine Person, die EINMAL meine Grenzen überschritten habe "abschiebe" und nichts mehr mit ihr zu tun haben will, erst recht nicht, wenn ich sie nicht lange kenne und der verlust dieser Person, für mich, keine signifikante Änderung meines Lebens darstellt.



Zum Glück gibt es für mich keinen Präzedenzfall, auf den ich mich beziehen könnte. Ich kanalisiere meine Kontakte so, dass es nie zu engeren Bindungen kommen kann.
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Re: Kein Wille nach Kontakten

Beitragvon NoEvol » 29. März 2015, 18:58

29. Mär 2015, 16:58 » Imagohominis hat geschrieben:

Zum Glück gibt es für mich keinen Präzedenzfall, auf den ich mich beziehen könnte. Ich kanalisiere meine Kontakte so, dass es nie zu engeren Bindungen kommen kann.


Ich denke, das versuche ich jetzt auch mal :)
Wie handhabst du das dann?
Triffst du die Menschen dann einfach nur, machst was mit ihnen, und gehst dann wieder, sprich das sie dir an sich "vollkommen egal" sind?
Also welche Art von Bindungen gehst du ein und wie sehen sie aus?

Ich hab nämlich derzeit einfach 0 Antrieb auf Kontakt zu anderen, außerhalb des Internets, selbst meine Oma(eigentlich mein warmer Ofen!) wird mir langsam zuwider und genau deshalb gedenke ich auch, zu ihr den Kontakt "abzubrechen", wenn ich meine eigene Wohnung habe...

Ist das gemein? Ich mein mir gehts doch dadurch besser :o :rätseln: :rätseln: :rätseln:
Liebe Grüße

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Re: Kein Wille nach Kontakten

Beitragvon nuechternheit » 29. März 2015, 23:23

Ist das gemein? Ich mein mir gehts doch dadurch besser :o :rätseln: :rätseln: :rätseln:

Denke ich nicht. Ich schätze, wenn du alles in Ruhe reflektieren kannst und deinen Abstand, deinen Platz um dich zu entfalten hast, dann kommen auch ein paar positive Gedanken, was andere Mitmenschen angeht und dann kannst du dich ja in einem Ausmaß einlassen, dass dir angenehm ist.


Mir geht es so, dass ich kaum Interesse an Sozialkontakten habe, bis auf ein, zwei Personen, mit denen ich mich durchaus gerne treffe (immer einzeln), weil ich mich mit ihnen ausgezeichnet verstehe, wir von unseren Eigenheiten wissen und mit diesen sogar leben können, weil sie Bereiche treffen, die für uns ohnehin nicht relevant sind.
Abgesehen von diesen Kontakten fühlt sich mit anderen Menschen immer unangenehm an. Es ist nicht so, dass ich Angst hätte oder keine Ahnung was man noch haben könnte. Es ist einfach anstrengend für mich, mit "normalen" Menschen zu interagieren und darum wünsche ich mir eben, dass sie nicht da sind.
Wobei es auch relativ viele Menschen gibt (5% oder so?), die mich zwar auch nicht interessieren, aber von denen ich mir denke "Wäre gut, wenn es mehr von denen gibt."
Maybe another day, another time and another life there'll be another way.

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Re: Kein Wille nach Kontakten

Beitragvon Imagohominis » 30. März 2015, 08:36

Ich denke, das versuche ich jetzt auch mal :)
Wie handhabst du das dann?
Triffst du die Menschen dann einfach nur, machst was mit ihnen, und gehst dann wieder, sprich das sie dir an sich "vollkommen egal" sind?
Also welche Art von Bindungen gehst du ein und wie sehen sie aus?

Ich hab nämlich derzeit einfach 0 Antrieb auf Kontakt zu anderen, außerhalb des Internets, selbst meine Oma(eigentlich mein warmer Ofen!) wird mir langsam zuwider und genau deshalb gedenke ich auch, zu ihr den Kontakt "abzubrechen", wenn ich meine eigene Wohnung habe...



Ich sage es mal so... ich habe meine 3-4 festen Orte in meinem Leben, wo mich aufhalte: meine Wohnung, meine Arbeit, mein Psychiater und ein gelegentlicher Besuch bei meiner Mutter.... Dazwischen fällt es mir sehr schwer, andere Menschen überhaupt als Kontakte wahrnzunehmen, da sie eher für mich eine Kulisse darstellen.... Auf der Arbeit behalte ich mir lakonische Aussagen, Floskeln und direkte Absagen vor, wenn jemanden versucht, in meine Sphäre einzudringen...
Ich lebe ganz gut in diesen Bahnen, aus die ich mich ungern rausreißen lasse, denn dann wird das ganze instabil und unangenehm.

Es ist einfach anstrengend für mich, mit "normalen" Menschen zu interagieren und darum wünsche ich mir eben, dass sie nicht da sind.


Ich erlebe es auch so, sofern ich nicht durch eine Aktivität abgelenkt bin.. Ich könnte meine Arbeit nicht ertragen, wenn mich die Arbeit nicht von den Kollegen ablenken würde..
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