Kein Wille nach Kontakten

Die Gegenüberstellung der schützenden Distanz und dem Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen.
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Ambivalenz
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Re: Kein Wille nach Kontakten

Beitragvon Ambivalenz » 8. Mai 2013, 18:05

Igelnasefingerspitze hat geschrieben:Schizoide Persönlichkeitsstörung ist keine Krankheit

Igelnasefingerspitze hat geschrieben:Persönlichkeitsstörung wird es nur genannt, weil es durch eine Entwickungsstörung im Kindesalter ausgelöst wird.


Eine Persönlichkeitsstruktur (einseitig oder nicht) ist tatsächlich nur ein individuelles Identitätsmerkmal.
Zur Persönlichkeitsstörung wird es erst dann, wenn diese Persönlichkeit(sstruktur) das eigene Leben/Wohlbefinden einschränkt/behindert/stört. Es handelt sich also um eine Behinderung (Einschränkung) und nicht um eine Krankheit; kann aber Krankheiten nach sich ziehen (Depressionen, Phobien etc.), also "krank machen".

Wohlgemerkt das EIGENE Wohlbefinden! Wenn dagegen Person X Person Y eine "Störung" andichtet/verpasst, weil sich X von Y "gestört" fühlt - nun; ein Schelm, wer sich dann fragt, bei welchem von den beiden denn da, wenn überhaupt, wohl eine "Störung" vorliegt... :breites grinsen:
Wer leuchten will, der flieht das Licht...
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MeineNerven

Re: Kein Wille nach Kontakten

Beitragvon MeineNerven » 26. August 2014, 12:21

In manchen Phasen wechsle ich sogar die Straßenseite, wenn jemand mir entgegen kommt oder ich hoffe, diese Person biegt noch vorher irgendwo ab, bevor wir aneinander vorbeilaufen. Wenn jemand hinter mir läuft, lasse ich die Person erst passieren und gehe dann langsamer weiter. In verkehrsberuhigten Gegenden laufe ich sowieso auf der Fahrbahn. Verrückt, oder?

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Re: Kein Wille nach Kontakten

Beitragvon Schattentanz » 27. August 2014, 03:15

26. Aug 2014, 12:21 » MeineNerven hat geschrieben: Verrückt, oder?

Nein/Vielleicht. Egal! :breites grinsen: ... Ich kenne das von mir selbst sehr gut, wenn ich draußen unterwegs bin.
Zynismus: Der geglückte Versuch, die Welt zu sehen, wie sie wirklich ist.

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Re: Kein Wille nach Kontakten

Beitragvon unikum » 27. August 2014, 11:46

26. Aug 2014, 12:21 » MeineNerven hat geschrieben:In manchen Phasen wechsle ich sogar die Straßenseite, wenn jemand mir entgegen kommt oder ich hoffe, diese Person biegt noch vorher irgendwo ab, bevor wir aneinander vorbeilaufen. Wenn jemand hinter mir läuft, lasse ich die Person erst passieren und gehe dann langsamer weiter. In verkehrsberuhigten Gegenden laufe ich sowieso auf der Fahrbahn. Verrückt, oder?


:begeistert: Mache ich auch so. Früher ganz extrem. Am schlimmsten, wenn ich von Weitem sehe, dass der mich kennt und ich grüßen muss, oder noch schlimmer- anhalten und sprechen.... argh.

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Re: Kein Wille nach Kontakten

Beitragvon tiffi » 27. August 2014, 17:10

jau, mag auch keine Straßenbegegnungen.
hab noch nicht rausgefunden warum. Ein Mensch ist irgendwie ein gewaltiges umfassendes
Ereignis das mich durcheinander bringt und den Stresspegel steigert.

Hunde sind ja auch schon recht komplex, aber da ist es irgendwie schöner, die Aufmerksamkeit
hingehen zu lassen. Außer die sind herrenlos und wirken wild bösartig.
Aber die erwarten schonmal kein Verhalten.
* mal so rumschwabulier*

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Re: Kein Wille nach Kontakten

Beitragvon KunterBunt » 5. Oktober 2014, 23:48

Ich kenne das auch. Ich bin in einer Beziehung und dieser soziale Kontakt ist für mich mehr als ausreichend alles weitere überfordert mich nur. Einen direkten Leidensdruck empfinde ich nur selten bis gar nicht und das wäre bei mir wohl auch nie diagnostiziert worden wäre ich nicht noch wegen einer PTBS in Behandlung die mir weitaus mehr Schwierigkeiten bereitet.

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Re: Kein Wille nach Kontakten

Beitragvon Igelnasefingerspitze » 11. Oktober 2014, 22:17

Das Thread-Thema ist so ziemlich der Hauptaspekt des Gespalten-Seins bei mir. Einerseits weiß ich, dass der Mensch, der völlig ohne soziale Kontakte lebt, eingeht wie eine Pflanze ohne Wasser. Aber andererseits gehen mir die meisten Menschen bereits nach extrem kurzer Zeit dermaßen auf die Nerven, dass ich es als Stress bzw. Belastung empfinde, mich noch länger mit ihnen abzugeben. Und das wohl wissend, dass ich mir selbst ins Fleisch schneide dabei, da die ursprüngliche Intention war, mehr unter Leute zu gehen.

Es ist ein furchtbarer Teufelskreis. Und die vermeintliche "Ruhe und Zurückgezogenheit" hilft auch nur eine gewisse Zeit, bevor der Leidensdruck durch Einsamkeit einen wieder raustreibt... es ist wie ein Pingpong-Spiel. Wie schaffen es andere Menschen, die Ballkontakte zu mögen und zu suchen? Ich bin durch jeden Ballkontakt genervt und unzufrieden und so entsteht dann wohl auch die vielzitierte schizoide allgemeine Gereiztheit. Zusammen mit der Unfähigkeit, Freude im Leben zu empfinden ist das in der Tat ein schlimmer Zustand, der nur in Depressionen münden kann... oder in einem Leben ohne Höhen und Tiefen, in dem man einfach melancholisch vor sich hinvegetiert.

Um noch mal auf das Thema "Zugehen auf Menschen im Straßenverkehr und anderen Situationen" einzugehen...
damit hatte ich nie ein Problem... so lange ich einen sachlichen Grund dafür habe und man nicht auf Tuchfühlung gehen muss... in der Hinsicht könnte man mich als normal bezeichnen. Die einzige Situation, die ich als unangenehm empfinde: man fragt im Alltag einen fremden Menschen nach der Zeit und der hört nicht auf, einen zuzutexten. Oder noch fieser: Betrunkene im Bus, die Selbstgespräche führen, mich aber dabei anstarren.
Da sind jene, die mich ansehen und reden, dabei einen Knopf im Ohr haben, fast schon wieder sympathisch.

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Re: Kein Wille nach Kontakten

Beitragvon Opaque » 12. Oktober 2014, 15:06

Ich weis nicht ob es ein grundsätzliches Phänomen bei Menschen mit einer SP ist oder ob es nur mir so geht, aber der Grad des Stresses/Rückzugsverlangens scheint mit der Art der Person zu korrelieren. Sehr emotionale Menschen, die viel von sich mitteilen und kaum abstrahieren, strengen mich sehr viel mehr an als solche, die, wie ich, ein sachliches Gespräch bevorzugen.
Ich könnte mich stundenlang über philosophische Fragestellungen unterhalten, aber wenn mir jemand erzählt wie schlecht sich jemand fühlt, dann kann ich garnicht anders als nach 10 Minuten total dicht zu machen. Auch wenn man sich noch so sehr auf das konzentrieren möchte was der andere sagt und derjenige einem grundsätzlich etwas bedeutet- geht es um etwas emotionales, so möchte man sofort fliehen.

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Re: Kein Wille nach Kontakten

Beitragvon unikum » 13. Oktober 2014, 16:06

12. Okt 2014, 15:06 » Opaque hat geschrieben:Ich könnte mich stundenlang über philosophische Fragestellungen unterhalten, aber wenn mir jemand erzählt wie schlecht sich jemand fühlt, dann kann ich garnicht anders als nach 10 Minuten total dicht zu machen. Auch wenn man sich noch so sehr auf das konzentrieren möchte was der andere sagt und derjenige einem grundsätzlich etwas bedeutet- geht es um etwas emotionales, so möchte man sofort fliehen.


So geht es mir auch. Fachliche Themen sind immer willkommen. Erst wenn es persönlich, unsachlich oder emotional wird, kann und will ich nicht mehr folgen. Ich schalte dann auch Durchzug und lasse das den anderen auch spüren (in der Hoffnung er merkt das und lässt es bleiben). Klappt aber meistens nicht. :-(

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Re: Kein Wille nach Kontakten

Beitragvon Igelnasefingerspitze » 13. Oktober 2014, 22:58

Es kommt darauf an. Wenn man auf Emotionen trifft, die eine Reaktion bei einem induzieren sollen, dann freue ich mich fast schon darauf, weil ich diese Reaktionen dann durchführen bzw. üben kann... das halte ich für sehr willkommene Gelegenheiten, sich zumindest oberflächlich noch als normaler Mensch fühlen zu können. Wenn ich also jemanden vor mir habe, der einen schlimmen Verlust erlitten hat, dann nehme ich ihn in die Arme, um ihm die Illusion von Trost zu vermitteln... und dabei versuche ich tatsächlich, Anteil zu nehmen an seinem bzw. ihrem Leid. Was mir zwar nicht leicht fällt, aber der Wille zählt, nicht wahr?


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