Umgang mit Familienfeiern

Die Gegenüberstellung der schützenden Distanz und dem Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen.
Petra
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Umgang mit Familienfeiern

Beitragvon Petra » 2. Juli 2016, 15:55

...und es ist bei mir mal wieder soweit. Der Geburtstag eines Verwandten dritten Grades steht an und ich gehe nicht hin. Bringt ja eh nichts. Ich sitze nur still in der Ecke, schaue den Tisch an und warte die Stunden ab, bis ich wieder "gehen darf" ohne dass ich "zu kurz" da gewesen bin.

So sind meine Gedanken. Auch wenn ich aus Höflichkeit erscheine zeige ich meiner Verwandtschaft nur wieder, wie seltsam ich bin. Von meiner schizioden PKS wissen die natürlich nichts und halten mich nur für seltsam. Da kann ich auch gleich gar nicht hingehen. Lieber mal alleine zum Kaffeetrinken 2 Stunden als zur großen Versammlung wo es laut und chaotisch zugeht. Gar nicht meins.

Meine Therapeuten, sowohl ambulant als auch stationär, meinten immer, dass ich auch keine Kontakte brauche. Mir würde das "mal unter Menschen kommen" weder gut tun noch helfen.


Andererseits habe ich jetzt wieder Gewissensbisse, dass ich nicht gegangen bin. Sowas macht man ja eigentlich nicht, meldet sich meine anankastische PKS.


Wie handhabt ihr das? Geht ihr zu großen Familienfeiern oder großen Weichnachtsfeiern? Zur Geburtstagen von Verwandtschaft 1./2. Grades gehe ich und wenn ich zum ruhigen Kaffeetrinken eingeladen werde (seit Jahren ist das nicht mehr passiert) macht mir das auch nichts. Aber auf großen Feiern ist es mir einfach zu laut und zu viele Menschen, dass ich es nicht lange aushalte.

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Re: Umgang mit Familienfeiern

Beitragvon kfm » 2. Juli 2016, 18:34

Mir ist ziemlich egal, was andere von mir denken und zu Feiern jeglicher Art gehe ich generell nicht.

Wozu soll man sich da Gewissensbisse mache, weil man so ist, wie man ist. ¯\_(ツ)_/¯

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Re: Umgang mit Familienfeiern

Beitragvon SunlessDawn » 2. Juli 2016, 18:39

Wenn ich jedes Jahr zu irgendwelchen Geburtstagen meiner Verwandten müsste würd mir auch schlecht werden. Mir reichen da schon die drei von Eltern und meinem Bruder. Auch zu runden Geburtstagen wird sowas zum Glück nicht mehr gemacht. Bleiben also nur noch Ostern und Weihnachten und das kann ich noch ganz gut überstehen, weil meine Verwandten jetzt auch nicht so unangenehm sind und mich einigermaßen in Ruhe lassen.

Mir war es aber auch schon als Kind zu unangenehm an Geburtstagen Gratulationen per Telefon zu erhalten oder zu verteilen, deswegen hat sich das auch ziemlich schnell erledigt, worüber ich echt froh war.

Und wenn man mit seinem Therapeuten schon Situationen identifiziert hat, die einem mehr Schaden als helfen und aus denen sich keinerlei Vorteil für einen ergibt wieso sollte man sich damit rumärgern? Und jährlich Geburtstag feiern gehört eindeutig zu solchen Situationen. Vielleicht kann man sich drauf einigen nur noch auf Runde Geburtstage zu gehen?

Petra
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Re: Umgang mit Familienfeiern

Beitragvon Petra » 2. Juli 2016, 19:34

SunlessDawn hat geschrieben: Vielleicht kann man sich drauf einigen nur noch auf Runde Geburtstage zu gehen?


Es ist ein runder Geburtstag. Was

A) Es schlimmer macht, weil da wirklich die gesamte Verwandtschaft da ist. Mit lärmenden Kindern betrunkenden Männern, schrill kichernden Klatschtanten, etc.

B) Das für mich kein Argument ist. Geburtstag ist Geburtstag, ich sehe den Sinn davon sich dafür zu feiern dass man ein weiteres Jahr nicht an enem Unfall oder einer Krankheit gestorben ist eh nicht. Für Hochzeit, Schulabschluss, usw. kann man ja was und kann zurecht stolz auf sich sein. Dass man ein weiteres Jahr überlebt hat ist doch nichts besonderes. Aber darum soll es hier nicht gehen.

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Re: Umgang mit Familienfeiern

Beitragvon Sodala » 2. Juli 2016, 19:42

Bin zum Glück "nur" zu den Feiern von Onkel und Tante eingeladen worden. und das hat sich inzwischen auch erledigt, weil sie inzwischen nicht mehr gross feiern wollen.
Gott sei Dank!
Sonst sind wir bis auf's letzte mal hin... beim letzten mal Ausreden...
Mit der restlichen Verwandtschaft hammer nix zu tun.. Bassd scho...

Nur zum Geburtstag meiner Schwester kommen sie dann noch. Tante und Onkel.
Aber das war letztes Wochenende auch schräg.
Meine Tante ist auch kalt und abweisend.. muss in der Familie liegen...
Ich bin nie mit ihr klargekommen. Mein Onkel ist ein Schatz!
Jetzt ist erstmal wieder ein Jahr Ruhe.

Bin froh, dass es andern auch so geht...

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Re: Umgang mit Familienfeiern

Beitragvon SKuriosum » 2. Juli 2016, 21:10

SunlessDawn hat geschrieben:... Vielleicht kann man sich drauf einigen nur noch auf Runde Geburtstage zu gehen?

Üblicherweise wirst Du aber genau an diesen Geburtstagen mit den Massen an Verwandten erschlagen.

Die gesamte Familie meiner Ex-Freundin hat Geburtstage immer ausgeprägt zelebriert. Das war dann Pflichtprogramm. Da ich aber mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater schon recht früh eine Situation erlebt habe, welche in mir die negativ nachtragende Seite erweckt hat (und das ist eines der wenigen Dinge, wo ich nahezu grenzenlose Ausdauer aufbringen kann), konnte ich mir zumindest diese Hälfte ihrer Familie von Haus aus ersparen. Andererseits war die andere unmittelbare Hälfte in ihrer familiären Herzlichkeit recht angenehm - somit also i.O. .

In der eigenen Familie werden Geburtstage seit vielen Jahren ohnehin nur noch mit Kaffee, Kuchen und "kurzer" Anwesenheit "gefeiert" - Mutter, Schwester, Ich. Zum Glück haben wir Drei dies innerhalb eines zweimonatigen Zeitfensters abgearbeitet, somit herrschen die restlichen 10 Monate Ruhe. :lachen:
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Re: Umgang mit Familienfeiern

Beitragvon SunlessDawn » 3. Juli 2016, 01:27

Hm, die letzte große Runde Feier ist bei mir schon wieder ein paar Jährchen her, es kommt also in Abständen vor mit denen ich durchaus leben kann. Alle zehn Jahre bei irgendwem dumm rumsitzen, oft in Verbindung mit lecker Essen ist für mich im erträglichen Rahmen. Hatte sich für mich deshalb so angehört als wäre das etwas mit dem man jedes Jahr mehrmals zu kämpfen hätte, was bei mir zum Glück nicht der Fall ist.
Wie gesagt, solange ich nur mit drei Geburtstagen im Jahr genervt werde und dann alle paar Jahre noch ein runder dazu kommt von wem auch immer ist alles ok. Vielleicht wurde ich auch schon bei einigen ausgelassen und es ist deswegen so angenehm, wer weiß?

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Re: Umgang mit Familienfeiern

Beitragvon Kalliope » 3. Juli 2016, 08:14

Sehr interessant. Bei mir schleicht sich der Eindruck ein, dass manche schlicht "zu viel Familie" haben, bzw. komische, altbackene Vorstellungen (wahrscheinlich familienintern so gepflegt), welche "Normen" es hinsichtlich solcher Events gibt.
Mangels Familie und seinerzeit minimaler "Kern-/Herkunftsfamilie" (ohne Verwandtschaft dritten Grades) gab es in meinem Leben niemals einen solchen Druck. Und auch keine ständigen, ausufernden Familienevents oder -festivitäten.
Ein Glück! Bereits (eigene!) Geburtstage waren für mich nicht wirklich glücklich machend, da ich extrem ungern im Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit stehe, ungern abge-"bussi-t" werden oder bei den Zwangsumarmungen erdrückt, mit mehr oder weniger unpassenden Geschenken, gerne der Marke "kann gleich in den Müll" (kitschige Staubfänger und Schubladenfüller) gesegnet werde. Alle paar Jahre überkam mich mal ein Feierwunsch, der danach dann aber für die kommenden 5 - 10 Jahre auch wieder vollauf befriedigt ("warum tut man sich das an?").
Bis ich irgendwann gelernt hatte, dass alles Events, wo mehr als 3 Menschen anwesend auf einem Haufen, mich stressen und auch die Dauer solcher Ereignisse. Abgesehen vom herkömmlichen quasi-axiomatischen Suff, den ich nicht ertrage.

Wenn man sich da aber erst einmal rausgeseilt - und irgendwann habe ich meinen Sozialkontakten mitgeteilt, dass ich schlicht kein Feiertyp bin, sondern sie lieber mal alleine treffe, stellt man fest: geht auch ohne und ohne viel Rumgemaule wird es schlussendlich auch akzeptiert. Man kann also da auch etwas für sich (Gutes) tun, indem man eigene Bedürfnisse äußert. Wer das nicht akzeptieren kann, muss halt weiter beleidigt sein und/oder kippt raus. Oder man findet halt einen Mittelweg, sofern einem an der Person/den Personen liegt. Z.B.: man lässt sich nur jedes 3. oder 4. Event blicken für einen begrenzten Zeitraum X(1 - 3 Stunden oder was weiß ich).
Zuletzt geändert von Kalliope am 3. Juli 2016, 10:44, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Umgang mit Familienfeiern

Beitragvon Indigocat » 3. Juli 2016, 08:44

Petra hat geschrieben:Wie handhabt ihr das? Geht ihr zu großen Familienfeiern oder großen Weichnachtsfeiern? Zur Geburtstagen von Verwandtschaft 1./2. Grades gehe ich und wenn ich zum ruhigen Kaffeetrinken eingeladen werde (seit Jahren ist das nicht mehr passiert) macht mir das auch nichts. Aber auf großen Feiern ist es mir einfach zu laut und zu viele Menschen, dass ich es nicht lange aushalte.


Kommt auf die Menschen an, die auf der Feier anwesend sind. Sehr nahe Verwandte habe ich nur wenige, da meine Oma mit Tante und Mutter seinerzeit aus Ostpreußen fliehen musste und der Opa in den ersten Kriegsjahren verstorben ist. Die übrigen Verwandten meiner Oma aus Ostpreußen sind mittlerweile in ganz Deutschland verstreut. Ich habe zu denen keinen Kontakt. habe sie zwar mal kennengelernt, aber das sind ganz einfache Leute, mit denen kann ich nichts anfangen. Selber bin ich ohne Vater aufgewachsen. also fällt auch da die Herkunftsfamilie flach. Die Verwandten mütterlicherseits, die in erreichbarer Nähe leben, Cousinen und so, haben entweder Borderline oder sind narzisstisch und leben in ebensolchen destruktiven Familiensystemen. Die habe ich schon erfolgreich verprellt.

Meine eigene Mutter lade ich hin und wieder mal ein oder gehe da zu Feiern, die im kleinsten Rahmen stattfinden. Aber da sie diese Ereignisse immer wieder nutzt, um ihre Bosheiten an Frau oder Mann zu bringen und zu intrigieren, bin ich sehr am Überlegen, ob ich das nicht auch abbreche. Eins meiner Kinder hat in eine tolle herzliche Familie hineingeheiratet. In dieser Familie sind wir sehr willkommen und besonders die Schwieger-Großeltern meines Kindes haben uns sozusagen mit teiladoptiert. Ich fühle mich auf den Feiern dieser Familie sehr wohl und habe schon kommuniziert, dass wir nicht so viel Wooling vertragen, was auch anstandslos akzeptiert wird (und was wahrscheinlich in einer gesunden, aufgeschlossenen Familie auch kein Problem darstellen sollte).

Ich selber lade meine Kinder auch öfter ein und die kommen auch sehr gerne, schon um sich vollzufuttern. ;)

Zu Feiern im Sportverein gehe ich eigentlich gerne, fühle mich da relativ wohl, werde akzeptiert und es macht mir sogar Spaß.
Willst du normal sein oder glücklich? (Robert Betz)

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Re: Umgang mit Familienfeiern

Beitragvon SKuriosum » 3. Juli 2016, 21:20

Indigocat hat geschrieben:
Petra hat geschrieben:... habe sie zwar mal kennengelernt, aber das sind ganz einfache Leute, mit denen kann ich nichts anfangen. ...

:rätseln: Was sind denn ganz einfache Leute?
Auch eine 99,9%ige Sicherheit beherbergt 100% Ungewissheit.


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