31 Jahre lang untergetaucht!

Die Gegenüberstellung der schützenden Distanz und dem Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen.
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Re: 31 Jahre lang untergetaucht!

Beitragvon Mondgucker » 3. Oktober 2015, 19:28

Man könnte ja auch Jemanden mit einem Girokonto beauftragen, die Wohnung in seinem Namen zu mieten, der das Geld dann überweist, während man aber in seinem Namen die Wohnung bewohnt. Dann muss man demjenigen das Geld allerdings immer bar in die Hand drücken, sozusagen zurückgeben. Basiert auf hohem Vertrauen... :roll:

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Re: 31 Jahre lang untergetaucht!

Beitragvon sheldina » 3. Oktober 2015, 20:18

Also ich habe bei meiner Wohnung auch von Privat zumindest beim unterzeichnen des Mietvertrages den Ausweis vorgelegt. Ich wurde auch nach den letzten 3 Abrechnungen der Arbeit gefragt.

Das mit über wen anderes würd ich gern als Möglichkeit raus lassen weil es eig unpraktisch zum untertauchen wär sich auf andere verlassen zu müssen und das wär jetzt auch zu einfach also unintrressant das zu disktieren.
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Re: 31 Jahre lang untergetaucht!

Beitragvon Headmatter » 4. Oktober 2015, 09:00

3. Okt 2015, 20:18 » sheldina hat geschrieben:Also ich habe bei meiner Wohnung auch von Privat zumindest beim unterzeichnen des Mietvertrages den Ausweis vorgelegt. Ich wurde auch nach den letzten 3 Abrechnungen der Arbeit gefragt.


Hm, ich bei den letzten beiden Mietverhältnissen nicht mehr. Beide Vermieter waren aber auch Leute, die Geschäfte noch gut kaufmännisch per Handschlag regeln.
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Re: 31 Jahre lang untergetaucht!

Beitragvon sheldina » 4. Oktober 2015, 11:32

Hmm vielleicht spielt da auch die Gegend eine Rolle. Generell dürfte das aber selten sein und immer seltener werden leider.
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Re: 31 Jahre lang untergetaucht!

Beitragvon orinoco » 4. Oktober 2015, 12:07

3. Okt 2015, 14:05 » sheldina hat geschrieben:Wie bekommt man denn ohne paiere eine wohnung?
Das wüsste ich mal gern.


Ich kann mir schon vorstellen, dass mit genügend Vitamin-B oder einer finanziellen Aufmerksamkeit irgendwann keine Fragen mehr gestellt werden. Und ich kenne auch die Vermieterseite: es ist erstaunlich wieviel naive Vermieter es gibt (jedenfalls aus meiner schizoiden, ins paranoide tendierenden Sicht).
Und nicht zuletzt: man macht sich keine Vorstellung wozu andere Menschen in der Lage sein können. Maniker bringen Dinge fertig, die für unsereins undenkbar sein mögen. Im konkreten Fall kann ich mir vorstellen, dass sie sich bislang in kritischen Situationen immer irgendwie rausreden konnte. Hat sie ja auch bei dem Einbruch in ihre Wohnung versucht, wo sie die Polizei abwimmeln wollte, keine Anzeige erstatten, den Schaden keiner Versicherung melden usw. Nur weil die Polizei misstrauisch wurde (gibt es schizoide Polizeibeamte? ;) ) und nachhakte ob des seltsamen Verhaltens, musste sie ihr Inkognito lüften.
Alle anderen Menschen vorher haben wohl nur innerlich mit dem Kopf geschüttelt und sich nix weiter dabei gedacht, auch weil sie sonst nicht auffällig wurde.
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Re: 31 Jahre lang untergetaucht!

Beitragvon Mondgucker » 4. Oktober 2015, 16:51

Heutzutage interessieren sich die Menschen immer weniger füreinander und sind zu sehr mit den eigenen Sorgen beschäftigt. Gut dafür, um sich "Dinge zurecht zu biegen", wie man sie gerne hätte, vorausgesetzt man bleibt unauffällig und tut nichts Böses, was Anderen schadet. Kann man sich dann noch gut verkaufen und bei Nachfragen plausible Gründe nennen, kommt man mit viel Einfallsreichtum bestimmt gut durch, denke ich so, besonders in Großstädten.

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Re: 31 Jahre lang untergetaucht!

Beitragvon Imagohominis » 6. Oktober 2015, 10:57

31 Jahre ohne Krankenversicherung sind bestimmt ein stetes Ringen mit der eigenen Gesundheit und der Sorge, diese durch die kleinste Verletzung auf das Spiel zu setzen. Ich denke, man sollte also wirklich tough sein, wenn der Entschluss für so ein Leben feststeht.
Obschon im Krankenhaus die Behandlung trotzdem gewährleistet wird und sogar eine polizeiliche Identifizierung rechtlich sehr bedenklich und daher unüblich ist, fällt man dadurch eben auf und das ist ja das, was man nicht will.
Die besondere Schutzwürdigkeit der Patientenidentität auf Kosten der Interessen der Krankenhäusern wird in diesem Artikeldargestellt. Also sogar hier gibt es Schlupflöcher
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Re: 31 Jahre lang untergetaucht!

Beitragvon orinoco » 14. Oktober 2015, 21:41

Interview mit Tina Soliman, Autorin des Buches:
»Funkstille – Wenn Menschen den Kontakt abbrechen«
- darin stellt sie direkt den Bezug zu uns Schizoiden her. Und vieles andere was hier im Forum auch schon angesprochen wurde wird thematisiert. Führt sicher zu weit das einzeln aufzuführen, aber ich hatte mehr als ein déjà vue.

noch ein Interview mit ihr

"Adieu, Kind!": Funkstille in der Familie
Zuletzt geändert von orinoco am 14. Oktober 2015, 22:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: 31 Jahre lang untergetaucht!

Beitragvon Insuffizienz » 14. Oktober 2015, 22:20

Kann man es als Charakterschwäche oder Konfliktangst bezeichnen, wenn jemand unvermittelt jeglichen Kontakt zu Nahestehenden einstellt?

Das ist die große Frage. Ich habe mit vielen Betroffenen gesprochen – ein Großteil der Fälle sind im Film oder im Buch geschildert –, aber ich wäre mit vorschnellen Ver-allgemeinerungen trotzdem vorsichtig.


Oft ist die Funkstille der Ausdruck von »Sich-nicht-anders-zu-helfen-Wissen«. Sie ist eine Flucht, Zeichen von Angst, von Überforderung und in erster Linie ein Zeichen von Schwäche [...].

Sein NEIN erschien ihm jedoch überlebens-notwendig, denn es droht der Verlust der Integrität, wenn in den entscheidenden Momenten des Lebens nicht Nein gesagt werden darf: Nein zu Überforderungen, unangemessenen Ansprüchen Anderer und eben auch zu Übergriffen der Eltern.
Wer sich nicht abgrenzen darf, verliert seine Grenzen. Er hatte Angst, sich selbst zu verlieren. Also ging er.

Also nicht verallgemeinert und einseitig gewertet...mh, ich habe eher ein andere Definition davon. Im Prinzip verspricht sie sich.
Wahrscheinlich schwingt da immer noch das Preußentum mit, also im Begriff Schwäche. In Extremen gesprochen:
Alles, was nicht psychisch gesund ist und alles, was sensibel ist und anders, das ist schwach.
Stärke hingegen bedeutet, nie zu weinen ("ein Indianer kennt keinen Schmerz.") und selten seine Gefühle einzugestehen, alles bedingungslos durchzustehen. Oh man....

Hier die nächste in ihren Augen sog. Nicht-Verallgemeinerung:
Doch der Abbrecher hat nicht die Kraft oder den Mut sich zu erklären – und manchmal auch nicht den Willen. Er will bestrafen [jap, "nicht" völlig primitiv pauschalisierend], denn zuvor fühlte er sich ja durch den Anderen verletzt.


Differenziert ist was anderes. Oh man! (Kopf -> Tischplatte!)

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Re: 31 Jahre lang untergetaucht!

Beitragvon tiffi » 15. Oktober 2015, 05:34

und manchmal erklärt man sich und der Irrsinn bleibt und die "Leugnungsreaktionen" (der andere
kann eben auch nicht aus seiner Haut/Weltbild).
ist ja nicht so dass man auf offene verständige Menschen stoßen würde oder diese verlässt.

In der Gesellschaft sinds vielleicht die lieben, netten, die "mit jedem können" die man verlässt,
aber zu einem individuell kriegen sie keinen Draht und es schwingt das Urteil über das
individuelle.
Nett nur solange alles in Form und Rolle bleibt.

das ist aber auch immer noch irgendwie eine polarisierende Sicht.

Sprache kann einfach nicht immer Brücken schaffen. und erklären.
Sprache ersetzt Liebe nicht und schafft nicht "wohliges Zusammensein"
Respekt und Intelligenz und Sensibilität sind kaum "verhandelbar".
meine Erfahrung.
hab meine Familie nach mehreren Versuchen, zwei Jahre Pause, nochmal verhandeln, reden
und vorher zeigen reden schreiben bitten heulen
- wenns nach meinem Wunsch geht- endgültig verlassen.

Es hat nicht gepasst auf Krampf irgendeine Nische zu verhandeln, wo ich nicht
ständig Amok laufe wenn ich mit ihnen zusammen bin.
sie scheinen sich mit sich selbst ja wohl zu fühlen und wissen wer "Den schwarzen Peter"
hat. 100e Freunde und Verwandte und Dorf haben ihnen das bestätigt.


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