Wie geht ihr mit privaten Verabredungen/Terminen um?

Die Gegenüberstellung der schützenden Distanz und dem Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen.
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Re: Wie geht ihr mit privaten Verabredungen/Terminen um?

Beitragvon Inertia » 18. August 2015, 19:14

Ich habe keine privaten Verabredungen oder Termine, daher belasten sie mich auch nicht. :)
Und falls ich doch mal von jemandem irgendwohin eingeladen werde, zum Beispiel von Kollegen, bin ich einfach ganz ehrlich: Ich lehne ab. Und wenn ich nach dem Grund gefragt werde, sage ich auch mal "Ich hab keine Lust darauf, wieso sollte mich bitte auch deine Hochzeit interessieren"?

Die letzte Kollegin war mir zwar fast ein bisschen böse deswegen, aber schlecht fühle ich mich deshalb keineswegs. Im Gegenteil, ich finde es unverschämt, jemanden regelrecht zwingen zu wollen irgendwo mit hinzugehen. Und dann auch noch hundertmal nachzufragen, um eine für sich befriedigende Begründung dafür zu bekommen. Mit diesem Jasagen aus Höflichkeit habe ich schon lange aufgehört.

betzebiene

Re: Wie geht ihr mit privaten Verabredungen/Terminen um?

Beitragvon betzebiene » 19. August 2015, 08:18

sehe das genauso wie Inertia...

habe auch keine privaten Verabredungen oder Termine mehr, ich weiß, daß ich sie eh nicht einhalten würde und auch gar nicht wollte und ich bin auch so eine Kandidatin, die einfach ohne abzusagen nicht kommen würde (obwohl ich weiß, daß das nicht die feine englische Art ist).

Leider hat mein Mann sehr viele Bekannte, von denen oft eine Einladung zum Grillen oder sonstwas kommt, da er aber weiß, daß ich da eh nicht mitgehen will, sagt er gleich zu diesen Leuten, daß sie nur mit ihm vorlieb nehmen müssen. Er sagt auch ganz ehrlich, daß ich kein Interesse habe und das stimmt auch, seine Bekannten interessieren mich einfach nicht.

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Re: Wie geht ihr mit privaten Verabredungen/Terminen um?

Beitragvon Imagohominis » 26. August 2015, 22:22

Ich habe zur Zeit auch keine privaten Termine/Kontakte.. Nur die offiziellen Arzt -, Arbeits -und Handwerker/Liefertermine.
Wenn ich jedoch hin und wieder private Termine haben wollte, so halte ich sie sogar mit minutiöser Pedanterie ein und absolviere die Zeit, die veranschlagt wurde. Bei einem mir sehr vertrauten Menschen kann es sogar passieren, dass ich die Zeit genieße. Schließlich sind wir beide sehr spezielle Menschen, obgleich er nicht in das Muster schizoide Persönlichkeit passt; jedoch hat er seine, ihn mir sympathisch gestaltenden Störungen (im positiven Sinne).
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Re: Wie geht ihr mit privaten Verabredungen/Terminen um?

Beitragvon Schattentanz » 27. August 2015, 04:46

Das ist sehr zwiespältig ... Zum einen verabrede ich mich schon bewusst nur sporadisch und meine guten Bekannten bzw. Freunde ticken da zum Glück sehr ähnlich. Zum anderen versuche ich bei der Festlegung des Termins möglichst einen Zeitpunkt zu erwischen, in dem ich sozial recht aufgeschlossen sein könnte.

Leider ist das schwierig abzuschätzen. Vielleicht gibt es da auch einfach keinen planbaren optimalen Zeitpunkt.

Jedenfalls denke ich nicht an das Treffen bis zu dem Tag oder dem Abend davor. Und dann ist das regelmäßig mit einem Stressgefühl oder Unwillen verbunden. Das lässt sich aber wieder ausblenden. Es ist mehr diffus als stark vorhanden - und dann auch wieder weg im nächsten Moment.

Unmittelbar vor dem Treffen habe ich keine Lust dazu und fühle mich irrationalerweise fremdbestimmt (das ist mir aber auch erst sehr spät mal bewusst geworden, was das für ein Empfinden ist). Irrational, weil ich mich ja selbst verabredet und den Zeitpunkt ausgesucht/maßgeblich mitbestimmt habe. ... Irgendwie schaffe ich es auch oft ein leichtes Zeitproblem zu bekommen, selbst wenn ich ursprgl. sehr viel Zeit gehabt habe. Mal ist mir das egal, mal stört mich das selbst.

Wenn man sich dann erstmal sieht und die ersten Minuten oder auch Stunde rum ist, ist diese alte Vertrautheit da und die Unlustgefühle sind weg - bei guten Bekannten/Freunden/Vertrauten. (Bei vielen anderen Menschen bleibt das aber so, auch wenn ich das mehr oder weniger gut überspielen kann zur Not und es zwischendurch so lala-mäßig ist. Es ist gut vergleichbar mit Langeweile, die ich alleine nicht hätte. Und es frisst viel Energie.)

... Gut ist, wenn wir etwas zusammen machen und das Treffen nicht nur aus Reden besteht (zumindest wenn es länger dauern soll). Das kann dann auch 4h+ gehen ohne langweilig oder zu anstrengend zu sein insgesamt, wobei ich mich aber während des Treffens selbst nicht so gut spüre und deshalb auch erst hinterher merke, inwieweit ich mich "übernommen" habe bzw. eher zum Ende hätte kommen sollen. Irgendwas daran ist selbst bei guten Bekannten "energiezehrend" und legt sich erst wieder nach einer Weile Alleinesein hinterher; wobei das mit dem "sich nicht so richtig spüren" da nicht gefährlich ist.
Bei manchen Menschen tritt das auch fast gar nicht auf bzw. erst sehr spät. Nach dem Treffen brauche ich Zeit für mich alleine und habe keine Lust auf weitere Verabredungen, egal mit wem. Nach und nach spüre ich mich dann auch wieder ganzheitlicher. Ich weiß nicht, wie ich das mit dem Sich-Spüren konkreter beschreiben könnte.
Zuletzt geändert von Schattentanz am 6. Dezember 2015, 17:07, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: gekürzt/ergänzt
Wer nie vom Weg abkommt, bleibt auf der Strecke.

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Re: Wie geht ihr mit privaten Verabredungen/Terminen um?

Beitragvon inkognito » 1. September 2015, 17:17

Leider kann ich schlecht nein sagen, deshalb kommt es immer wieder zu Verabredungen die ich eigentlich überhaupt nicht wahrnehmen möchte. Das kann so weit führen, dass ich sozial völlig ausgebrannt und erschöpft bin da ich zu viele Verabredungen wahrgenommen habe. Allgemein kann ich Kontakte schlecht dosieren. Immer wieder fühle ich mich von Mitmenschen überrannt und ich sehe mich gezwungen mit ihnen Zeit zu verbringen. Zeiten mit viel sozialem Kontakt (für mein Verhältnis viel, wahrscheinlich aber immer noch unterdurchschnittlich) wechseln sich ab mit Zeiten in denen ich kaum soziale Kontakte führe.

Ohne Absagen nicht zu Verabredungen zu erscheinen, gehört nicht zu meinem Tätigkeitsfeld. Verabredungen sage ich nur ganz selten ab, wenn mir wirklich etwas dazwischen gekommen ist. Jedoch habe ich die schlechte Angewohnheit mich bei Leuten nicht zu melden und nicht zu antworten. Dadurch habe ich einige Bekanntschaften zerstört. Mein schlechtes Gewisse und Schuldgefühle sind extrem hoch. Ich bin unschlüssig, ob ich bereuen soll, Kontakte zu Menschen die ich schätze verloren zu haben. Kontakte nehmen mir einfach oftmals mehr als sie mir geben....

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Re: Wie geht ihr mit privaten Verabredungen/Terminen um?

Beitragvon orinoco » 1. September 2015, 18:17

1. Sep 2015, 17:17 » inkognito hat geschrieben:Leider kann ich schlecht nein sagen, deshalb kommt es immer wieder zu Verabredungen die ich eigentlich überhaupt nicht wahrnehmen möchte. Das kann so weit führen, dass ich sozial völlig ausgebrannt und erschöpft bin da ich zu viele Verabredungen wahrgenommen habe. Allgemein kann ich Kontakte schlecht dosieren. Immer wieder fühle ich mich von Mitmenschen überrannt und ich sehe mich gezwungen mit ihnen Zeit zu verbringen. Zeiten mit viel sozialem Kontakt (für mein Verhältnis viel, wahrscheinlich aber immer noch unterdurchschnittlich) wechseln sich ab mit Zeiten in denen ich kaum soziale Kontakte führe.

Ohne Absagen nicht zu Verabredungen zu erscheinen, gehört nicht zu meinem Tätigkeitsfeld. Verabredungen sage ich nur ganz selten ab, wenn mir wirklich etwas dazwischen gekommen ist. Jedoch habe ich die schlechte Angewohnheit mich bei Leuten nicht zu melden und nicht zu antworten. Dadurch habe ich einige Bekanntschaften zerstört. Mein schlechtes Gewisse und Schuldgefühle sind extrem hoch. Ich bin unschlüssig, ob ich bereuen soll, Kontakte zu Menschen die ich schätze verloren zu haben. Kontakte nehmen mir einfach oftmals mehr als sie mir geben....


Mir geht es ähnlich. Extrem schlechtes Gewissen oder Schuldgefühle habe ich nicht und ich antworte/melde mich schon noch, wenn ich den Eindruck habe, dass eine Reaktion erwartet wird oder noch Fragen offen sind, aber sonst ziemlich indentisch. Soziale Kontakte bedeuten für mich eben erst mal immer Stress. Und da muss mir ein solcher schon sehr viel bringen, dass ich ins emotionale Plus komme. Ich betrachte es gerade als meine Lernaufgabe defizitäre soziale Interaktionen konsequent aber auch fair zu beenden. Sicher nicht einfach, denn das Verlassen ist ja keine einseitige Angelegenheit. Wenn ich einen Kontakt abbreche, dann ist es auch das gute Recht des anderen, dass er auch nicht mehr sozial interagiert.
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Re: Wie geht ihr mit privaten Verabredungen/Terminen um?

Beitragvon Kämpferin » 2. September 2015, 13:47

Hallo an alle,

Vielen Dank für eure zahlreichen Antworten! :)

@orinoco

orinoco hat geschrieben:Ich betrachte es gerade als meine Lernaufgabe defizitäre soziale Interaktionen konsequent aber auch fair zu beenden. Sicher nicht einfach, denn das Verlassen ist ja keine einseitige Angelegenheit. Wenn ich einen Kontakt abbreche, dann ist es auch das gute Recht des anderen, dass er auch nicht mehr sozial interagiert.


Ja, das ist sicher nicht einfach. Aber ich denke, fair für beide ist es, wem man demjenigen gegenüber, zu dem man den Kontakt abbrechen möchte, klare Ansagen macht, sprich, auch sagt, das wirklich und definitiv kein Kontakt mehr gewünscht wird, damit der "Verlassene" die Möglichkeit hat, mit der Sache abzuschließen. Dann ist er vielleicht zunächst verletzt und/oder sauer, hat aber ein Ende mit Schrecken und keinen Schrecken ohne Ende. Denn wenn er hofft, dass sich der "Abbrecher" vielleicht doch irgendwann wieder melden könnte, bleibt er in einem unterträglichen Schwebezustand zurück und versucht von seiner Seite aus auch sicherlich immer wieder, den Kontakt wiederzubeleben, was dann den "Abbrecher" wieder stresst ... schon ziemlich kompliziert.

Und noch schwieriger wird es sicherlich, wenn man mit einer Person nicht nur privat, sondern zugleich auch noch beruflich zu tun hat ...

Viele Grüße,
Kämpferin

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Re: Wie geht ihr mit privaten Verabredungen/Terminen um?

Beitragvon cerebrum » 2. September 2015, 15:42

17. Aug 2015, 20:23 » Kämpferin hat geschrieben:Hallo allerseits,

mich würde interessieren, wie SPSler mit privaten Verabredungen/Terminen umgehen, bzw. wie sie sich damit fühlen?

Ist es euch lästig, wenn jemand sich mit euch zu bestimmten Zeitpunkten verabreden will? Es ist ja gewissermaßen eine Forderung/Erwartung, die dann "erfüllt werden muss/sollte" weil der, mit dem man verabredet ist, ja beleidigt sein könnte, wenn man nicht kommt und/oder auch nicht absagt ... Wie geht es euch damit? Empfindet ihr das als "unter Druck gesetzt sein"? Und wenn ihr eine Verabredung nicht eingehalten habt und der, der versetzt wurde, beklagt sich darüber - was löst das in euch aus?

Ich hoffe, das ist hier die richtige Rubrik für diesen Thread ...

Viele Grüße,
Kämpferin


Cooles Thema!
Hab ich ein RIESEN Problem mit. Zum Glück kommt es bei mir nur selten vor, sowohl beruflich als auch privat.
Wenn ich mich beruflich verabrede mit einem Kollegen kommt es oft vor, dass ich die Verabredung nicht einhalte. Ich kann diesen Druck nicht aushalten, dann bis zu diesem Zeitpunkt mir etwas zu überlegen, dass ich bei der Besprechung beisteuern kann. Das ruiniert mir dann die Tage, die vor dem Zeitpunkt sind. Ich muss mich eh oft zurückziehen, wenn mir das zuviel wird. Es wird irgendwie als selbstverständlich gesehen zu kommunizieren und praktisch täglich mit den Kollegen was zu tun zu haben. Das laugt mich jedoch viel zu sehr aus, es macht mich krank. Ich versuche dann per email zu kommunizieren, aber das wird nur bedingt angenommen von den anderen... Viel lieber schicke ich dem Kollegen etwas zu als mich mit ihm zu treffen. Dann habe ich zwar auch diese Deadline und Verabredung es dann auch zuzuschicken, ist mir aber lieber als face to face.
The world's smartest man poses no more of a threat to me than does its smartest termite.

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Re: Wie geht ihr mit privaten Verabredungen/Terminen um?

Beitragvon LunaStar » 19. September 2015, 07:43

Ich habe für mich festgestellt, desto mehr Leute ( und es reicht schon, wenn es höchstens 2 Personen sind die mich beide innerhalb der nächsten 2-4 Wochen sehen wollen) nach einem Treffen fragen, desto gestresster und genervter fühle ich mich. Teilweise würde ich mich dann gerne einfach nur noch in Luft auflösen und im Extremfall bereue ich den Augenblick, wo ich es zugelassen habe emotional auf besagte Personen reagiert zu haben, sprich mit ihnen gelacht zu haben, ihnen zugehört zu haben und ihnen minimale Einblicke in mein Seelenleben gegeben zu haben.- Es fühlt sich immer wieder so an, als sei man dadurch verpflichtet es auf Ewig tun zu sollen, sowohl den Anderen zuhören, als auch von sich selbst irgendetwas preiszugeben.

Jedenfalls: Ich ertrage Treffen sehr schlecht, vor allem häufige, regelmäßige und emotionsbetonte. Ich habe mir angewöhnt es den Leuten direkt zu sagen, aber die meiste Zeit macht man sich damit natürlich keine Freunde oder man bekommt gesagt: "So schlimm kann es doch nicht sein, sich mal eine Stunde anzuhören, wie es mir zurzeit geht und was mir Sorgen bereitet!" - Oh doch!!! Doch kann es, es kann derartig nervtötend für mich sein, dass ich danach am liebsten nie wieder mit der Person reden möchte. - Denn diese ganzen Emotionen mit der sie um sich schmeißt möchte ich nicht an mir haben, weder in meinem Kopf, noch irgendwie an meinem Körper. Ich habe manchmal den Eindruck, dass mich Emotionen Anderer versuchen festzuketten oder dass sie mich ersticken wollen. Grade diese Traurigkeits-Emotionen. Jedenfalls kann ich es teilweise hassen, wenn Freundinnen, vor allem die, die sich in einen Strudel aus Selbstmitleid, Dramatik, Gefühlsduselei und Schwärmerei begeben. Durch meinen Asperger Autismus kommt hinzu, dass mir einiges total unlogisch erscheint und ich mir denke :" Wie kann sie jetzt nur eine Stunde lang darüber reden? Wieso zum Teufel redet sie denn nimmer noch davon? Reicht nicht eine kurze und sachliche Berichterstattung? Oh mein Gott, dann rede doch mit der Person selbst über die du dich gerade beklagst oder von der du was willst. Labber nicht, geh einfach hin. Was kann ich dafür? Was interessiert es mich jetzt noch? Boah halt jetzt bitte die Klappe!" - Mein Verhalten ist allerdings:" Aha! Ok! Dann rede doch mit der Person! Ja tut mir leid!"- Im Härtefall verwandele ich mich sogar noch in eine Art Therapeutin die Tipps gibt, natürlich rein logische oder analytische. - Dann bin ich wieder zu direkt oder zu kalt, zu sarkastisch, Zu dies und zu das. Und wenn dann noch während solch eines Treffens/Unterhaltung der Satz fällt:" Ach ich hätte besser mit wem anderes drüber geredet!" - Dann möchte ich nur noch schreien! Richtig laut schreien:" Pass mal auf, ich bin extra hergekommen, um dir eine Freude zu machen, trotz dass mich diese dämlichen Leute um uns herum nerven! Ok! Und überhaupt, um mich herum dieses Gerede und diese ganzen verschiedenen Stimmungen, ich habe dir schon oft gesagt ich HASSE es. Und dennoch bin ich hier, habe dir zugehört, obwohl mir dein Thema schon nach 10 Minuten auf den Keks gegangen ist und ich finde man könnte es viel kürzer halten und überhaupt mal weniger rumflennen!! Also wenn dir meine sachlichen Antworten nicht passen, dann halt die Klappe und geh nach Hause und flenn dort rum, danke! Und zum letzten Mal, ich bin hergekommen, weil ich dachte dass alleine reicht und macht dir eine Freude und nicht um deinen Therapeuten zu spielen oder um so tun zu müssen, als würde ich verstehen weshalb du dich so in ein Thema hineinsteigerst!" -Manchmal tue ich es, alllerdings ohne zu schreien, sondern mit so wenig Emotion wie nur möglich, weil ich weiß desto mehr kälte, desto mehr Ausdruck hat meine Überforderung.

Am schlimmsten sind für mich die Bekannten, die behaupten sie würden es schon verstehen, dass ich es nicht so gerne habe mit häufigen Treffen u.s.w.! Die angeblich Verständnis dafür haben, dass ich aufgrund des Aspergers Spontanität hasse und mich das aggressiv macht, mich aber trotzdem unangekündigt anrufen und dann volllabbern wollen ( grade dann wenn ich in einem Spezialinteresse vertieft bin) oder mich alle 3 Tage nach einem Termin fragen. Wo ist das Akzeptanz? Ich frage mich dann immer wollen diese Leute testen inwieweit sie mir auf die Nerven gehen können, bis ich ausraste? Oder stehen sie auf meine Ausraster, weil ich dann plötztlich all die unterdrückten Emotionen in mir rauslasse, wie ein Vulkan? Wollen sie das?

Und jetzt mache ich mich fertig für ein nerivges Frühstück mit meiner Mutter, Schwester und Bruder und ich werde mir Mühe geben "Freude" zu transportieren, obwohl ich jetzt schon froh bin, wenn ich wieder zu Hause bin.

So viel also zum Thema Treffen bei mir. :roll:

Sodala
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Re: Wie geht ihr mit privaten Verabredungen/Terminen um?

Beitragvon Sodala » 20. September 2015, 11:45

Genau! Das kommt mir alles so bekannt vor.
Wenn ich zu einem Treffen mit mehr als einem gehe.. dann komm ich mir immer wie das 5.te Rad am Wagen vor.
Die reden und reden und reden miteinander und ich sitze still in der Ecke und denke mir: Was tu ich bloss hier?
Ich sitz dann nur da und beobachte fassunglos die anderen, die sich über KLeinigkeiten ewig unterhalten können.
Und stell mal wieder fest, dass ich keine Gemeinsamkeiten mit ihnen hab.
Manchmal mach ich wie Du sachliche Vorschläge, was man tun könnte... da bin ich gut drin.
Hinterher bereustes meistens...
Man überwindet sich und wofür?

Smalltalk behersche ich nicht. Ich hab's inzwischen aufgegeben. Man denkt sich, hey jetzt musst Du was sagen.. dann überleg ich und mir fällt nix sinnvolles ein. Also halt ich dann doch die kLappe. Eh ich irgendwas dumme sag.
Früher hab ich mich dazu gezwungen gefühlt mir was zu überlegen. Inzwischen kann ich das Schweigen gut akzeptieren.
Gute Freunde erkennt man eh daran, dass man auch mit ihnen zusammen schweigen kann. Reden wird eh überbewertet.

Manchmal setz ich mich auch gern in die Fußgängerzone und beobachte die Leute. Komm mir dann vor wie "Sodala" im Wunderland... ich versteh die Welt nicht. Aber muss ich das? Ich wundere mich über viele Dinge. Mei.

Und wenn ich mich doch mal öffne... - ja, den Fehler mach ich ab und zu - erst zuletzt mal wieder.
Ich hätte es besser wissen müssen!
Einer will nur Freund mit mir sein. Nee, willer net. Ich hab ihm gesagt, dass ich das nicht will. Ich will nur ne Freundschaft. Er will offensichtlich mehr. Inzwischen bei 3 Treffen nochmal klipp und klar gesagt: Nein. Nur Freundschaft. Mehr ist nicht.
Trotzdem ruft er ständig an. Ich hasse telefonieren. Erst recht spontan. Spontanität ist mir ein Greuel! Fehlt nur noch, dass er unangekündigt vor der Tür steht.
Ich hab ihm auch offen und ehrlich gesagt wie ich ticke. Das ich Nähe nicht mag und den Abstand brauch.
Er verhält sich wie ne Glucke und "erdrückt mich" mit seiner Nähe. Er meint es sicher nur gut - ist eigentlich ein netter Kerl - aber das Gegenteil von gut, ist gut gemeint.
Das ist mir alles viel zu viel! Damit komm ich überhaupt nicht mehr klar.
Muss endlich einen Schlusstrich ziehen.
Auf 0 zurück geht für mich nicht. Dafür hat er die Grenze schon zu weit überschritten. Ich kann ihm nicht mehr glauben, selbst wenn er es versprechen würde die Grenze zu respektieren. Und mit jemanden, der mich nicht ernst nimmt und nicht respektiert, kann ich auch nicht befreundet sein. Da bin ich rigoros.

Dann macht es Puff... man sieht ein Staubwölkchen und ich bin weg...

Manchmal wenn ich allein bin, denk ich ich verpass was...
Nach so einem Erlebnis, bin ich dann aber wieder dermassen froh, allein , unabhängig zu sein, dass ich es wie noch nie geniesse...
Mein kleines Schneckenhaus...


Außerdem hat man mir eh unterstellt, dass ich nicht angemessen reagier.
Wie muss ich denn wann reagieren?
Was war denn jetzt falsch?

Ich habe keine Ahnung. Und ehrlich gesagt, isses mir auch egal.
Ich bin so wie ich bin. Wenn ich nicht so wär, wie ich bin, dann wär ich ja nicht ich.


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