Wie geht ihr mit privaten Verabredungen/Terminen um?

Die Gegenüberstellung der schützenden Distanz und dem Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen.
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Wie geht ihr mit privaten Verabredungen/Terminen um?

Beitragvon Kämpferin » 17. August 2015, 20:23

Hallo allerseits,

mich würde interessieren, wie SPSler mit privaten Verabredungen/Terminen umgehen, bzw. wie sie sich damit fühlen?

Ist es euch lästig, wenn jemand sich mit euch zu bestimmten Zeitpunkten verabreden will? Es ist ja gewissermaßen eine Forderung/Erwartung, die dann "erfüllt werden muss/sollte" weil der, mit dem man verabredet ist, ja beleidigt sein könnte, wenn man nicht kommt und/oder auch nicht absagt ... Wie geht es euch damit? Empfindet ihr das als "unter Druck gesetzt sein"? Und wenn ihr eine Verabredung nicht eingehalten habt und der, der versetzt wurde, beklagt sich darüber - was löst das in euch aus?

Ich hoffe, das ist hier die richtige Rubrik für diesen Thread ...

Viele Grüße,
Kämpferin

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Re: Wie geht ihr mit privaten Verabredungen/Terminen um?

Beitragvon MirrorMirror » 17. August 2015, 20:34

Ich habe nur kurze Verabredungen. Etwas bringen/holen und dazu vielleicht einen Kaffee trinken. Dauert dann eine halbe Stunde und gut ist. Zur letzten Weihnachtsfeier bin ich pflichtbewusst hin und nach zwei Stunden wieder weg. Länger hätte ich das nicht ausgehalten.
Unentschuldigt bleibe ich nicht weg. In Ausreden präsentieren bin ich gut. Das klingt dann überzeugt vorgetragen. Also kein verzweifeltes Gestammel. Bei Bedarf ist auch ein Bedauern mit eingebaut oder einfach auch wahr erklärt "ich hab heute keinen Nerv dazu".

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Re: Wie geht ihr mit privaten Verabredungen/Terminen um?

Beitragvon Einsiedler » 17. August 2015, 20:42

Haha, ich hatte vor 1 Std. ein Date. Kostete diesmal nicht so viel Überwindung, weil wir schon ziemlich viel geschrieben hatten und unsere "Defizite" erwähnten. Ich hab dann aber trotzdem ruckzuck gemacht (kurzer Spaziergang mit Hundi), weil mir das Mädel real nicht sympathisch war und nicht den Bildern entsprach.

Ich selektioniere knallhart. Das ist meine dogmatische Ader. Ich mag mich nicht mit Dingen beschäftigen, die nichts bringen.

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Re: Wie geht ihr mit privaten Verabredungen/Terminen um?

Beitragvon MirrorMirror » 17. August 2015, 21:21

17. Aug 2015, 20:42 » Einsiedler hat geschrieben:Ich selektioniere knallhart. Das ist meine dogmatische Ader. Ich mag mich nicht mit Dingen beschäftigen, die nichts bringen.


So halte ich das auch. Das macht einen nicht unbedingt beliebt. Aber was solls.

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Re: Wie geht ihr mit privaten Verabredungen/Terminen um?

Beitragvon Kämpferin » 17. August 2015, 23:35

Einsiedler hat geschrieben:Ich selektioniere knallhart. Das ist meine dogmatische Ader. Ich mag mich nicht mit Dingen beschäftigen, die nichts bringen.


MirrorMirror hat geschrieben:So halte ich das auch. Das macht einen nicht unbedingt beliebt. Aber was solls


Das klingt in der Tat ziemlich kühl, aber auch verständlich. Auch als Nicht-SPSlerin würde ich mich nicht mit Dingen/Leuten abgeben, mit denen ich nichts anfangen kann. ;)

Danke für euer Einblicke,
Kämpferin

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Re: Wie geht ihr mit privaten Verabredungen/Terminen um?

Beitragvon AlleinunterMenschen » 18. August 2015, 02:20

17. Aug 2015, 20:23 » Kämpferin hat geschrieben:Ist es euch lästig, wenn jemand sich mit euch zu bestimmten Zeitpunkten verabreden will? Es ist ja gewissermaßen eine Forderung/Erwartung, die dann "erfüllt werden muss/sollte" weil der, mit dem man verabredet ist, ja beleidigt sein könnte, wenn man nicht kommt und/oder auch nicht absagt... Wie geht es euch damit? Empfindet ihr das als "unter Druck gesetzt sein"?

Ja, es ist mir lästig und ich fühle mich sofort unter Druck gesetzt. Ich gehe dann auch genau so damit um, wie Du es hier beschreibst. Nur sehr selten gelingt es mir, mal abzusagen.

17. Aug 2015, 20:23 » Kämpferin hat geschrieben:Und wenn ihr eine Verabredung nicht eingehalten habt und der, der versetzt wurde, beklagt sich darüber - was löst das in euch aus?

Extreme Schuldgefühle.

Manchmal ertrage ich das eine besser, manchmal das andere. Aber ist immer nur ein Ertragen, ein Aushalten, ein Leiden also.
Und deswegen sind diese beiden Dinge (Erwartungshaltungen und Schuldgefühle) auch eine der wichtigsten, die in meiner Therapie bearbeitet werden.

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Re: Wie geht ihr mit privaten Verabredungen/Terminen um?

Beitragvon MirrorMirror » 18. August 2015, 09:27

18. Aug 2015, 02:20 » AlleinunterMenschen hat geschrieben:
17. Aug 2015, 20:23 » Kämpferin hat geschrieben:Ist es euch lästig, wenn jemand sich mit euch zu bestimmten Zeitpunkten verabreden will? Es ist ja gewissermaßen eine Forderung/Erwartung, die dann "erfüllt werden muss/sollte" weil der, mit dem man verabredet ist, ja beleidigt sein könnte, wenn man nicht kommt und/oder auch nicht absagt... Wie geht es euch damit? Empfindet ihr das als "unter Druck gesetzt sein"?

Ja, es ist mir lästig und ich fühle mich sofort unter Druck gesetzt. Ich gehe dann auch genau so damit um, wie Du es hier beschreibst. Nur sehr selten gelingt es mir, mal abzusagen.


Ich möchte wirklich nicht klugscheissen, mir hat ein interner Selbstverteidigungskurs diesen Druck genommen. Es bringt einen niemand um bei der Ansage "tut mir leid, aber ich krieg das heute nicht gebacken". Es geht auch einfach mit der Wahrheit "ich ertrage Menschenmassen nicht und möchte deswegen nicht dort hin".
Wenn man sich das Kommando über das eigene Ich erlaubt, dann hat der gefühlte Druck weniger Chancen. Niemand von den Normalos setzt sich auf eine heisse Herdplatte oder geht auf der Autobahn spazieren. Man muss sich unangenehme Dinge nicht so einfach umbinden lassen. Man darf sie absagen oder abkürzen.
Bei einer Absage braucht es ein bisschen Mut, grade weil man sich ja schuldig fühlt. Damit ist das Thema aber vom Tisch. Taucht man nicht auf und sagt das auch nicht, das Thema wird erst eins und damit quält man sich nochmal.

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Re: Wie geht ihr mit privaten Verabredungen/Terminen um?

Beitragvon AlleinunterMenschen » 18. August 2015, 09:33

18. Aug 2015, 09:27 » MirrorMirror hat geschrieben:
Ich möchte wirklich nicht klugscheissen, mir hat ein interner Selbstverteidigungskurs diesen Druck genommen. Es bringt einen niemand um bei der Ansage "tut mir leid, aber ich krieg das heute nicht gebacken". Es geht auch einfach mit der Wahrheit "ich ertrage Menschenmassen nicht und möchte deswegen nicht dort hin".
Wenn man sich das Kommando über das eigene Ich erlaubt, dann hat der gefühlte Druck weniger Chancen. Niemand von den Normalos setzt sich auf eine heisse Herdplatte oder geht auf der Autobahn spazieren. Man muss sich unangenehme Dinge nicht so einfach umbinden lassen. Man darf sie absagen oder abkürzen.
Bei einer Absage braucht es ein bisschen Mut, grade weil man sich ja schuldig fühlt. Damit ist das Thema aber vom Tisch. Taucht man nicht auf und sagt das auch nicht, das Thema wird erst eins und damit quält man sich nochmal.


Logisch ist mir das alles auch völlig klar und oft genug versuche ich das auch, mir selbst in einer solchen Situation vorzubeten, aber die Emotionen schütten sämtliche Logik sofort wieder zu.
Wie gesagt, ich arbeite daran.

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Re: Wie geht ihr mit privaten Verabredungen/Terminen um?

Beitragvon Headmatter » 18. August 2015, 10:40

Da ich selbst ziemlich angepisst reagiere, wenn jemand einen zugesagten Termin ohne Absage einfach nicht einhält, sage ich selbst bei Einladungen / Verabredungen ab oder ich komme, wenn ich zugesagt habe, Punkt.

Da ich wie die meisten hier Treffen mit Menschen stressig finde, gelte ich bei Einladungen zwar als passionierter Neinsager, aber auch als absolut verbindlich: Wenner kommt, dann kommter ooch :breites grinsen:
"T. H. White always took great pains to be gentle precisely because he wanted to be cruel."

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Re: Wie geht ihr mit privaten Verabredungen/Terminen um?

Beitragvon Einsiedler » 18. August 2015, 10:49

17. Aug 2015, 21:21 » MirrorMirror hat geschrieben: Das macht einen nicht unbedingt beliebt.

17. Aug 2015, 23:35 » Kämpferin hat geschrieben: Das klingt in der Tat ziemlich kühl


Früher konnte ich mich aus unangenehmen Situationen nicht befreien und habe sie über mich ergehen lassen. Inzwischen habe ich gute Ausreden. Ist ja nicht so, dass ich sagte: "Hey, ich geh jetzt, weil ich mich mit dir nicht wohl fühle". Ich bin immer sehr höflich und gehe auf mein Gegenüber ein. Aber zu 98% ist das anstrengend.

Unsympathisch komme ich -gemäss den Rückmeldungen- ebenfalls nicht rüber. Im Gegenteil. Fast alle Dates schrieben, dass sie mich gerne nochmals sehen möchten. Die haben dann gar nicht gemerkt, dass ich "geflüchtet" bin. Dann gibt es Dates, die das gemerkt haben und schreiben, dass sie es schade finden, dass ich ihnen keine Chance gebe, mich näher kennen zu lernen.

In einigen Fällen denke ich, dass wirklich was entstehen hätte können. In solchen Momenten verfluche ich mich. Wieso kann ich nicht einfach mal schauen, was passiert? Wieso muss ich immer gleich blocken?

Da kommen dann halt noch meine anderen Krankheitsbilder zum Vorschein.


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