Bindemittel?

Die Gegenüberstellung der schützenden Distanz und dem Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen.
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Bindemittel?

Beitragvon tiffi » 25. März 2015, 09:47

wenn ich Menschen beobachte suche ich immer eine Schlüssigkeit, ein Konzept, was Menschen antreibt
und verbindet,
und bin dann hochfrustriert über die Widersprüche.

Gestern kam mir in den Sinn, dass es daran liegen könnte dass ich eben solche Schablonen und
Motivationen voraussetze. Das das Chaos in meinem Kopf entsteht weil ich im Kopf versuche,
Muster zu finden und die dann in Kontakt mit dem was passiert unerträgilche Dissonanzen und Spannungen auslösen.
Schwer zu akzeptieren, dass Menschen so unbegreiflich sein sollen.

Heute denke ich, dass ich Schablonen geschaffen habe, die für mich vielleicht nur Krücke sind/waren, um Menschen und ihr Verhalten miteinander zu begreifen?
Ich begreife es aber nicht. Es löst Wut, Verwirrung, Frust, Abwehr aus, was ich sehe.

Die Krücke ist zu einem äußerst schweren sperrigen Hindernis geworden.
Psychologie als Schablonenlieferer Nummer eins hat auch nicht geholfen.
ich registriere Abweichungen von der Realität.... (falls ich je die Realität registrieren kann)

Zugänge zur Welt....
Eine Zeitlang war es tröstlich in meiner Welt Mathematiker und Pastoren zu haben.
aber auch das würde heute nichts helfen, glaub ich.

von Liebe und natürlicher Zuneigung verstehe ich nicht viel. aber das beobachte ich auch nicht wirklich.
die meisten Menschen wirken auf mich eher wie aufgedrehte Figuren in einem Drama das ich
nicht durchblicke.
habe da keinen Detektor für Vernunft oder Liebe....es glimmt ganz selten....
wenn ich doch einen habe.

und wie soll man es aushalten, die ganzen sozialen Begegnungen....wie verstehen, wie die Situation
einschätzen, wie handeln.
auf der Arbeit ist es zum Teil schwer, aber zum Teil auch vertraut weil die Leute ja auch einen abstrakten
Film schieben und Konzepte verkaufen....siehe DIenstbesprechungen.
Das "natürliche" ist schwieriger. Kaffeerunden. Treffen mit ehemaligen Schulfreundinnen.
ich muss mich da mit dem Kopf hinmanövrieren und gehe mit Grausen wieder raus. Seit Jahren lass ich es sein.
Seit Jahren feiere ich auch Geburtstag allein....Es ist komisch verglichen zu dem wie es in der Gesellschaft gemacht
wird und es macht etwas Angst wenn man das vorgefertigte Bild sieht "das muss passieren damit man
dazugehört und noch einen Hauch von Highlights in seinem Leben hat"....
dass man nicht ganz so ein sinnloses Zufallsprodukt ist.
Aber irgendwie fand ich das schon als Kind unverständlich....wie Kuchenbacken für mich und komische Tanten kommen die ich auch nicht leiden kann, nachher müssen die noch besoffen in meinem Bett schlafen
....wie schon wieder Dummgeschwätz am Kaffeetisch...was hab ich denn damit zu tun???

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Re: Bindemittel?

Beitragvon orinoco » 25. März 2015, 15:14

25. Mär 2015, 09:47 » tiffi hat geschrieben:wenn ich Menschen beobachte suche ich immer eine Schlüssigkeit, ein Konzept, was Menschen antreibt
und verbindet, und bin dann hochfrustriert über die Widersprüche.


Dito. Gerade wieder erlebt beim Thema Zuverlässigkeit.
Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit zugesagte Termine einzuhalten oder wenn ich verhindert bin rechtzeitig abzusagen. Das scheinen aber nicht wenige (neurotypische) Zeitgenossen für überflüssig zu halten und es macht ihnen wohl auch nichts aus, dass der Seminarleiter darüber zur Recht erbost ist, weil diese treulosen Tomaten anderen den Platz weggenommen haben. Der gleiche Seminarleiter hatte nur dann mich, der ich alles richtig gemacht hatte, auf seiner Liste vergessen. Tja, Undank ist der Welt Lohn.

Oder ist der deutsche Pünktlichkeitswahn nur die Folge eines traumatisierten Volkes? Kriege und Krisen haben wir in den letzten 400 Jahren mehr als genug als große Traumen für ganze Völker gehabt.

25. Mär 2015, 09:47 » tiffi hat geschrieben:Die Krücke ist zu einem äußerst schweren sperrigen Hindernis geworden.
Psychologie als Schablonenlieferer Nummer eins hat auch nicht geholfen.


Fällt mir wieder ein:
"Die Festung des Kindes, wird zum Gefängnis des Erwachsenen"

25. Mär 2015, 09:47 » tiffi hat geschrieben:ich registriere Abweichungen von der Realität.... (falls ich je die Realität registrieren kann)


Radikaler Konstruktivismus

Mein Bindemittel zur neurotypischen Welt was immer eine Bezugsperson absoluten Vertrauens, die die neurotypische Welt für mich einigermaßen erträglich gemacht hat. Die "warmen Öfen" meines Lebens haben mich überleben lassen und waren das Beste was mir in meinem Leben passiert ist, heilen konnten auch sie mich nicht, was immer dann klar wurde, wenn sie nicht mehr da waren. Dann brach alles auseinander und zusammen.
Verständnis ist für den Traumatisierten, was die niedrige Bordsteinkante für den Rollstuhlfahrer.
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Re: Bindemittel?

Beitragvon tiffi » 25. März 2015, 17:47

Oder ist der deutsche Pünktlichkeitswahn nur die Folge eines traumatisierten Volkes? Kriege und Krisen haben wir in den letzten 400 Jahren mehr als genug als große Traumen für ganze Völker gehabt.

hmm ich weiß nicht. ich selbst brauche Vereinbarungen und dass sie sich mit der Realität decken mit dem
Verhalten. ich glaube, anderen Menschen machen Abweichungen nicht soviel aus....es löst nicht soviel aus.

auch hier fällt mir auf dass die Anhaftung an einer Vorstellung für mich so wichtig ist.....dass es auch so
läuft wie vorgestellt...
und wenn jemand ein Bild vermittelt und eine Absicht kundtut, dann ist das Bild mein Bezugspunkt...und
dann läuft aber vieles soooo anders....was das Empfinden von "verlogen - widersprüchlich" hervorruft...
Verwirrung....macht er/sie das extra? Ärger....auf sich selbst bezogen....
hätte gerne Verlass auf Bilder und Absichten....

Mein Bindemittel zur neurotypischen Welt was immer eine Bezugsperson absoluten Vertrauens, die die neurotypische Welt für mich einigermaßen erträglich gemacht hat. Die "warmen Öfen" meines Lebens haben mich überleben lassen und waren das Beste was mir in meinem Leben passiert ist, heilen konnten auch sie mich nicht, was immer dann klar wurde, wenn sie nicht mehr da waren. Dann brach alles auseinander und zusammen.


hmm, ja, das kenn ich auch...
manch einer scheint "normal" zu sein aber erträglich....und da suche ich eher Nähe und er/sie vermittelt auch eher
das was außen ist und hält mich irgendwie aus....
aber wenn sie weg sind...wie die einzig erträgliche Kollegin bei mir für min. 6 Wochen...da krieg ich die Krise....
Hass, Trotz, Infektionen, nicht mehr funktionieren können, alles bricht über mir zusammen.

sicher wäre es vernünftiger "breiter zu streuen".....aber schon beim Tun und Kontaktaufnahme merke ich ich verbiege
mich es passt nicht...ich gehe mit soviel Frust wieder raus, mit soviel Ekel...mit körperlichen Spannungen und 1000 Fragezeichen.

"warmen Öfen meines Lebens" ist schön.
da denk ich auch an eine Krankenschwester..war mit 10 für fast ein Jahr durch diverse Abteilungen geschleust...
und manch eine hat mich zusammengekackt und gruseln lassen....aber sie hab ich auf der Säuglingsstation gefunden und sie war so warmherzig und weit und ich konnte einfach da sein und ihr zuschauen.

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Re: Bindemittel?

Beitragvon orinoco » 25. März 2015, 21:25

25. Mär 2015, 17:47 » tiffi hat geschrieben:hmm, ja, das kenn ich auch...
manch einer scheint "normal" zu sein aber erträglich....und da suche ich eher Nähe und er/sie vermittelt auch eher
das was außen ist und hält mich irgendwie aus....
aber wenn sie weg sind...wie die einzig erträgliche Kollegin bei mir für min. 6 Wochen...da krieg ich die Krise....
Hass, Trotz, Infektionen, nicht mehr funktionieren können, alles bricht über mir zusammen.
sicher wäre es vernünftiger "breiter zu streuen".....aber schon beim Tun und Kontaktaufnahme merke ich ich verbiege
mich es passt nicht...ich gehe mit soviel Frust wieder raus, mit soviel Ekel...mit körperlichen Spannungen und 1000 Fragezeichen.


Diese "warmen Öfen" sind was ganz seltenes. Ich hatte nur zwei in meinem Leben und das waren ausgesprochene Glücksfälle. Da kann ich froh sein überhaupt jemanden gehabt zu haben.
Ja, sicher wäre es besser mehr davon zu haben, aber wenn sie so selten sind ... ich schätze mich ja schon glücklich wenn ich einen einzigen solchen Menschen in meinem Leben habe ... zwei wäre schon der pure Luxus.

25. Mär 2015, 17:47 » tiffi hat geschrieben:"warmen Öfen meines Lebens" ist schön.
da denk ich auch an eine Krankenschwester..war mit 10 für fast ein Jahr durch diverse Abteilungen geschleust...
und manch eine hat mich zusammengekackt und gruseln lassen....aber sie hab ich auf der Säuglingsstation gefunden und sie war so warmherzig und weit und ich konnte einfach da sein und ihr zuschauen.


Die Hoffnung auf solche Menschen hält mich am Leben, wenn ich keinen Menschen als emotionale Stütze meines Leben mehr habe ...
Verständnis ist für den Traumatisierten, was die niedrige Bordsteinkante für den Rollstuhlfahrer.
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Re: Bindemittel?

Beitragvon tournesol » 26. März 2015, 08:37

Liebe Tiffi, liener Orinoco,

ich kann Euch gut verstehen , gut nachvollziehen ,was Ihr hier beschreibt
Habe es ...sehr lange , manchmal auch heute noch " so bedacht......"

Besser geht es mir erst " damit", seit ich mir " meiner Vorstellungen" bewußt geworden bin.... :lachen:
Dass dieses VOR-STELLUNGEN von mir sind.... !
Die ich geformt habe---VORHER ---- nur aus mir... ( und somit mein Bild schon fertig gemalt habe.....VORHER )Aus dem Bedürfnis " Es fertig haben zu wollen !"--ohne den oder die anderen überhaupt darin " vorkommen lassen zu wollen", die jedoch dazu gehören...! Die ich jedoch nur so in meinem vorgestellten Bild---als richtig ---anzuerkennen gewillt war, wenn sie "mein Bild so ausmalen, wie ich es vor-gemalt habe----in meiner Vorstellung .
Dadurch habe ich ja VORprogrammiert , dass ich ---in fast jedem Fall--frustriert und traurig aus jedem , dann wirklich stattfindendem Ereignis---kommen muß !!!
Denn "MEIN BILD"-----auf welches ich ja ausschließlich dabei schaue....kommt dabei nie raus !!! :teufel:
Und DAS, was tatsächlich rauskommt, kann ich nicht beurteilelen ( beurteile ich aber...!!!), weil ich gar nicht hinsehe, hinfühle, da mein Fokus ja ausschließlich nur "auf Abweichungen von meinem vor-fertiggemalten Bild" gerichtet ist.....

Dabei habe ich mich auch fälschlich reduziert.....nicht nur die Anderen.....!!! OH, oh....!... in meiner VORGABE zu wissen, wie ich....bzw. die anderen " reagieren müßten..."
" MAN" reagieren müsste....???
Und da dieses fast nie so eintrifft, habe ich mir dies " als : ich weiß nicht---ich muss falsch sein..... unnormal, krank angezogen...." :( weil ich " nicht verstehe", was ...wie andere machen.... ? )
Freilich kann ich mit diesem von mir vorher FERTIG gemalten Bild... nicht leben ;)

LEBEN ist Bewegung im vorher noch Unbekanntem....immer NEU
Seit ich meine Bilder.....meine Vorstellungen, davon bewußt unterscheiden gelernt habe, kann ich mich des Lebens freuen :) Seitdem sehe ich auch VIEL MEHR :herz: :Sonne: Was ich vorher gar nicht wahrnehmen konnte....

MIT ANDEREN MENSCHEN geht es mir--seitdem auch anders ....
Klar schätzt man diese ein ! Topft sie somit "in ein Schema"...mit dem, was man von ihnen schon weiß---jeweils
Jedoch kann man dieses m.E. nicht als "abgeschlossen" ( Der ist SO ) nie abschließen, denn GANZ kennen wird man den anderen ( mit Verstand) vermutlich nie....!!!
( ...weiter kennenlernen auch nicht, wenn ich den anderen Menschen nur nach meiner " Bildnorm" beurteile ( verzrteile...)
Klar , ist hierbei auch klar, dass mir einige symphatischer ( wärmer !? ), andere unsymphatischer sind ! Und ganz wenige wirklich warme Ofen :herz:
Diese kann ich m.E. jedoch eher finden, wenn ich " ran gehe..." Diese Menschen so weit , wie möglich kennenlerne ....und WAHR zunehmen mir zulasse. :stern:

Ich glaub das Leben liefert uns DAS BINDEMITTEL.... die Chance es zu nutzen ...ewig neu :herz: :Sonne:

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Re: Bindemittel?

Beitragvon tiffi » 26. März 2015, 22:28

Hallo tournesol,

ein Teil von mir kann das nachvollziehen, dass die Dinge nicht fertig sind...und Offenheit besser wäre
für das was sonst noch da ist.

Ein anderer der um Kontrolle ringt und von Bildern lebt...von Planungen....
vergeblicher Mühe zum Teil...eher nicht....

Klar schätzt man diese ein ! Topft sie somit "in ein Schema"...mit dem, was man von ihnen schon weiß---jeweils
Jedoch kann man dieses m.E. nicht als "abgeschlossen" ( Der ist SO ) nie abschließen, denn GANZ kennen wird man den anderen ( mit Verstand) vermutlich nie....!!!


Ja.
eigentlich fand ich die Geschichte damals schon immer ganz interessant von MAx Fritsch "Du sollst dir
kein Bildnis machen".
in dem Moment wo wir etwas als fest sehen, lieben wir es nicht mehr.

aber es ist ja auch eine (wenn auch notdürftige) Selbstbehelfsmaßnahme, die Bilder.
Der Mangel an Vertrauen, auf das Chaos, die wilde Ordnung, die das Leben ja auch ist.
mit allem unvorhergesehenem, mit Krankheit, mit Aggressionen, Verlusten.
lg tiffi

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Vertrauensvolle Bindung --> in Gruppen

Beitragvon tiffi » 7. April 2015, 18:43

Vertrauensvolle Bindung --> in Gruppen

Gestern habe ich gelesen dass es verschiedene Dynamiken und Motive gibt,
die Gruppen zusammenhalten.

Dass es z B reine Arbeitsgruppen/Aktionsgruppen/Hobbygruppen gibt.

Oder Lerngruppen, wo man sich neues erarbeitet

Selbsthilfegruppen (an der eigenen Entwicklung arbeiten)

und dann wurde noch etwas
erwähnt wie "Vertrauensgruppen",
mit einer sehr engen Bindung, mit sehr großem Zusammenhalt.


Jede Einteilung ist ja recht willkürlich, aber es hat mir doch geholfen,
meine Erfahrungen + Erwartungen etwas zu strukturieren.

Heute- habe ich eigentlich nur noch die Arbeitsstelle als vorhandene Gruppe.
Vor einigen Jahren auch Workshops, Selbsthilfegruppe und Gemeinde-untergruppen
(Hauskreis)

Ich merke dass da immer so etwas wie eine Suche war nach einer vertrauensvollen
Gruppe. aber kein Ankommen.
immer ein inneres "Aber". bei mir oder bei den anderen.

Heute sehe ich....ja muss wohl der Natur nach so sein.
In einer Arbeitsgruppe macht man kein Seelenstriptease....Es geht um einen Teil.

ich konnte das erst nicht einordnen, dass die Arbeits- und Kollegengruppe nicht
"intensiver" ist, auch wenn manches so auf den ersten Blick gelebt wird.
Jede kleinste Kleinigkeit über Kinder, Hochzeitsplanung ect wird da manchmal
erzählt.

und dann wunderte ich mich wie oberflächlich und unzusammenhängend das sein kann
(wenn eine Kollegin fast zwei Monate erkrankt ist, dass sich niemand von der
"intensiveren Kaffeerunde" bei ihr mal telefonisch meldet oder so, aber es ist auch
mehr so ein Gefühl...dass die Menschen eben eigentlich nicht so richtig mit mir
verbunden sind....mehr zusammengewürfelt...eben für die Aufgabe,
auch wenn man noch soviel rumscherzt, Beziehungen bequatscht oder sich wie manche
noch abends die Mülleimer gegenseitig rausstellt, mit Kind und Kegel gegenseitige
Feiern besucht, sich die Handwerker beim Umbau empfiehlt, Kollegen zur Scheidunsparty
einlädt ect)


Eigentlich habe und hatte ich keine Vertrauensgruppe.
in der Familie: nein
später Selbsthilfegruppe: nein
Seminare zu Themen oder Selbsterfahrung: nein (da ist nur eine ganz schnelle
und schnell wieder zerfallende "Arbeitsnähe")
einige Jahre christliche Gemeinde: nein, für mich nein.

Das ist irgendwie so ein Dilemma, dass ein Teil von mir sich das alles wünscht...
lernen, sich entwickeln, vertrauen in der Gruppe, aber ich das in der Realität
gar nicht hingekriegt habe....
oder die Voraussetzungen dafür gar nicht da waren. (Auch in mir viel
Enge, Abstoßung, lieber abgeschiedensein, und die Momente
wo das innere doch mal hoffnungsvoll losrennt....hier ist was "lebendiges, inneres, echtes " - Gold....
war eigentlich nix....mehr Wunschdenken)

irgendwie hilft mir das erkennen aber, besser von den Kollegen zu trennen...
und zu akzeptieren dass sie sich so verhalten und das wir so ein Verhältnis haben.
alles andere ist Stress....
daraus was tiefes inniges machen zu wollen obwohl mich selbst ja auch soviel
abstößt. Wie kam ich nur auf so ne Erwartung? dort?
(aber wo sonst wenn man sonst nirgendwo hin soll/will /muss)

Das wünschen/vorstellen/sehnen, was menschlische Bindung auch sein kann,
und die Bedingungen der Realität sind so endlos weit auseinander.
als wäre es leichter, im Winter Bananen zu züchten.
Ich glaube zwar dass es Bananen gibt....aber ob ich die Bedingungen, Fähigkeiten, Umgebung
finde sie zum wachsen zu bringen...das sehe ich nicht.
Aktiv werden...aktiv Menschen suchen...vertrauen dass da was wächst....
und wie oft wächst wohl eher nix und es bleibt im Machtgerangel ect...
das ist so gar nicht meins....1000 mal probieren und etwas hoffen und pflanzen....
ist nicht meins...würde lieber was vorfinden, aber würde ich selbst dann dahingehen?

....also damit leben.
in meiner Umgebung in meinen Bedingungen in den Rotationen in denen ich mich
bewege dort ist "karges Land" was Nähe und Vertrauen angeht..

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Re: Bindemittel?

Beitragvon Imagohominis » 7. April 2015, 20:15

wenn ich Menschen beobachte suche ich immer eine Schlüssigkeit, ein Konzept, was Menschen antreibt
und verbindet,
und bin dann hochfrustriert über die Widersprüche.


Eben auf dem Heimweg war ich wieder über menschliche Widersprüche verwirrt.. Ich saß im Zug - auf einem beliebigen freien Platz - und ein anderer Mann saß mir eine Weile gegenüber. Irgendwie schien er zu überlegen und wechselte schließlich den Platz. Daraufhin setzte sich eine Frau auf den Platz des eben erwähnten Mannes. Als sich dann ein Mann neben ihr niederließ, stand sie auf und verschwand...

Es sind so kleine Momente, die für reichlich Konfusion sorgen und mein Interesse dafür regen, diese ungeordnete Umgebung mit Menschen schnellstens zu verlassen...

Die Gruppendynamik sagt eigentlich gut voraus, dass das Einzelverhalten eines Individuum durch die Grupppenumgebung sich verändert., wobei für mich speziell das Motiv, das mich antreibt, sehr stark sein muss, um die Gruppensituation überhaupt zu ertragen.. Je länger ich in der Gruppe jemanden simulieren muss, der ich nicht bin, desto gewaltiger schlägt es dann nach Feierabend bei mir ein... Das Motiv Geld verdienen, um zu überlegen, ist für mich so stark, dass ich mich der Gruppe meiner Kollegen aussetze... Arbeitsgruppen z.B. werden durch hochgradig institutionalisierte Regeln (Regeln, die von außen herbestimmt sind) in ihrer Eigendynamik schneller einem - so wie ich finde - angenehmen Gleichgewichtszustand zugeführt, indem alles geregelt ist und ich keine Anstrengungen mehr hinein legen muss..
Anders sind freundschaftliche Beziehungen... Gruppen für Hobbys oder gemeinsame Interessen erfordern ein Bindemittel, das z.B. nicht durch die Etikette des Büroalltags, offiziellen Hierachieketten usw. konstituiert wird, sondern allein in den Händen der Mitglieder liegt... Während der Otto-Normal-Gruppenteilnehmer alles auf einer intuitiven Ebene abarbeitet, dampft mein Kopf wie ein pfeifender Kessel...

.. Sorry - ich neige dazu, ziemlich technisch und unfiligran zu werden, wenn ich mir soziale Situationen erschließen muss, die für andere rein intuitiv erfahrbar zu sein scheinen.
Im Grund gibt es keinen Bodhi-Baum
Da ist kein klarer Spiegel auf einem Gestell
Im Ursprung ist da kein Ding
Worauf soll sich Staub legen

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Re: Bindemittel?

Beitragvon tiffi » 10. April 2015, 06:09

hmm, noch ein Gedanke....zur Verbindlichkeit.

Welche Ordnung ist eigentlich verbindlich?
weiß auch noch nicht genau wie ich das meine....physikalisch?
moralisch? biologisch? psychisch? sozial?

irgendwie ist mir nur gestern in der
Mittagspause der Gedanke durch den Kopf geschossen...zwischen all
den "unabgeschlossenen Fällen, komischen Gesprächen" auf Arbeit....

und manche Fragen find ich angenehmer zu verfolgen...wenn sie in eine
unbestimmte Weite zeigen, die auch zeigen dass vieles relativ ist.

Aber weit bin ich mit der Frage noch nicht.
selbst wenn ich mal bei der Ordnung von Tag und Nacht anfange...ist das ja irgendwie
relativ....Licht, Nicht-Licht, bei dem einen auf der Kugel so, bei dem anderen
anders....sorry bin nicht so wissenschaftlich und kann das nur grob durchdenken :erklärbär1:
Ordnung...da fliegt ein Vogel...hmm, eine Form....die bewegt sich irgendwie- eigenständig?
Ordnung...es wird erwartet - von?Arbeitgeber, Dienstvorschrift? dass ich jetzt wieder am Schreibtisch
rumsitze....oder stehe oder hin und hergehe...hauptsächlich auf diesen 8 qm.
Ordnung- ein Polizeischäferhund hat Anspruch auf 6 qm. Und ein Chinese?
Ach nee, gut das Freitag ist.


Imagohominis hat geschrieben: Während der Otto-Normal-Gruppenteilnehmer alles auf einer intuitiven Ebene abarbeitet, dampft mein Kopf wie ein pfeifender Kessel...

das scheint mir bei mir zentral zu sein...Dinge intuitiv nicht zu verstehen....sich in die Augen sehen,
mit Blicken lästern und Verbindung zeigen, Berührungen, dickste "Freunde" und dann wieder lästern
wenn die Person raus ist.
Aber auch wenn mans nur für sich betrachtet....sich selbst intutiv annähern oder Distanz halten....
naja da sagt die Intuition ja allermeistens Distanz...wenns denn die Intuition ist...oder was anderes?

So Lerngruppen wo das Thema und die Kommunikation strukturiert ist, finde ich auch wesentlich angenehmer.
Man kann andere Menschen im gebremsten Zustand beobachten, und da finde ich sie erträglich.
Manche Menschen finde ich auch erträglicher wenn sie krank oder in einer Krise sind....da agieren sie nicht
so stark und es gibt mehr Verbindung, Offenheit für meine Sicht...
was für sie ja dann aber eine unangenehme Position ist.
Sobald dann wieder alle aktiven "gesunden" Features dazukommen, wirds für mich äußerst unangenehm.
echt komisch.
Ein Bekannter hat mir eine sehr demoralisierende Ader diagnositiziert....ist vielleicht ne Taktik, die leute mit
Missmut und Depression zu erschlagen, damit man so halbwegs eine Ebene findet... :teufel:

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Re: Bindemittel?

Beitragvon NoEvol » 10. April 2015, 11:23

10. Apr 2015, 06:09 » tiffi hat geschrieben:Sobald dann wieder alle aktiven "gesunden" Features dazukommen, wirds für mich äußerst unangenehm.
echt komisch.


Ich find das ganz und gar nicht komisch...
Ich kann mit "gesunden" / "normalen" Menschen total wenig anfangen, es sei denn sie sind auf ihre Art und Weise irgendwie besonders (zumindestens in meinen Augen)
Und das sind nunmal nur sehr wenige Personen auf diesem Planeten.
Und jene mit denen ich von Anfang an nichts zu tun haben will, mit denen will ich auch später nichts zu tun haben, auch wenn sie sich als ganz in Ordnung rausstellen.

Ich kann einfach nicht mit jedem in Kontakt stehen. Menschen neigen einfach dazu (ich auch, nur in geringerem Ausmaß!) einen ständig mit Anfrangen für treffen ect. zu bombardieren, obwohl man keine Lust darauf hat.
Liebe Grüße

NoEvol


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