Reality-Soaps

Die Gegenüberstellung der schützenden Distanz und dem Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen.
Insuffizienz
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Reality-Soaps

Beitragvon Insuffizienz » 20. März 2015, 01:13

(Ich weiß wieder nicht, ob dieses Thema schonmal behandelt wurde, sry im Voraus.)
Ich kann mich irgendwie für das Format einer Reality-Soap extrem faszinieren.
Zur Zeit hat mich die Serie Newtopia auf SAT. 1 in den Bann gerzogen. Ich muss einräumen, dass sie ziemlich gut geschnitten und aufgebaut ist, zudem ist die Effekthascherei im Verhältnis gering, was die Technik betrifft.
Zumindest wirkt die Emotionalität für meinen Geschmack oft zu echt, als dass da großartig ein Regisseur eingreifen/skripten würde in den entscheidenden Situationen.
(Die Serie Newtopia kann man sich übrigens auf myvideo und auf der Homepage von SAT.1 online anschauen.)

Ich frage mich, warum es mich so begeistert, anderen Menschen beim augenscheinlichen Miteinander-Leben zuzuschauen oder mich einzufühlen; denn genau das meide ich ja. Wahrscheinlich, weil ich es eigentlich auch können will und es irgendwie spannend ist. Es ist eigentlich das (normale) Leben für die meisten Menschen.
Mir wird bewusst, dass ich jedoch nicht so lebe und es seinen Grund hat. Ich wäre psychisch und emotional nicht dazu in der Lage dauernd mit Menschen und insbesondere vielen, zwangsläufig unvertrauten, Mitbewohnern zu leben, zumal sie mich wahrscheinlich sowieso nicht auf Dauer interessieren würden...naja, typisch schizoid eben.

Eigentlich sollten diese Soaps eine Art heiliger Gral, zumindest für gewisse Zeit, für Schizoide sein, denn so können wir intensiver soziales Miteinander miterleben, ohne die Unerträglichkeit von Nähe und Verletzlichkeit spüren zu müssen?
Was haltet ihr von (einigermaßen guten) Reality-Soaps?

:erklärbär2:
Zuletzt geändert von Insuffizienz am 20. März 2015, 21:38, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Reality-Soaps

Beitragvon Nachtgängerin » 20. März 2015, 03:18

Hallo Insuffizienz,

20. Mär 2015, 01:13 » Insuffizienz hat geschrieben:Eigentlich sollten diese Soaps eine Art heiliger Gral, zumindest für gewisse Zeit, für Schizoide sein, denn so können wir intensiver soziales Miteinander miterleben, ohne die Unerträglichkeit von Nähe und Verletzlichkeit spüren zu müssen?



ich weiß nicht, ob ich diesem Absatz zustimmen möchte, denn dazu müsste man ein Interesse an den dort dargestellten Personen und deren Agitation besitzen, was ich für mich selbst nicht bestätigen kann.
Mir ist das vollkommen gleichgültig, und mich langweilt so etwas bereits nach kürzester Zeit.

Solche Art von Voyeurismus reizt mich persönlich nicht, andere mögen das aber natürlich anders sehen, ich kann da wirklich ausschließlich von mir selbst sprechen.


Viele Grüße

Nachtgängerin
Und dann wird die Dunkelheit zur Pforte.

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Re: Reality-Soaps

Beitragvon Imagohominis » 20. März 2015, 16:12

Ich verstehe oftmals den Sinn derartiger Serien nicht. Die Charaktere erleben in diesen Inszenierungen pervertierte "Analogien" von wirklichen Situationen, die mit hirnloser Komik (die extra durch eingesetzte Lachkulisse signalisiert werden müssen") versuchen, unterhaltsam zu sein... Einen großen Stellenwert scheinen ja Liebesbeziehungen einzunehmen und das entfremdet mich extrem davon.

Nach der Sendung ist für mich wie vor der Sendung - nichts ist hängen geblieben, alles belanglos und austauschbar...

Ich habe es damals mal mit "Friends" probiert, aber es hat mir nicht zugesagt...

Vielleicht sind die Serien echt nur für Menschen geeignet, die eine seichte Unterhaltung suchen!
Im Grund gibt es keinen Bodhi-Baum
Da ist kein klarer Spiegel auf einem Gestell
Im Ursprung ist da kein Ding
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Re: Reality-Soaps

Beitragvon ebowinger » 20. März 2015, 17:34

Lieber Imagohominis,
da geht ein bisschen was durcheinander. Friends ist eine gespielte Sitcom, so wie z.b auch Two and a half Man, Big bang theory. Newtopia ist eine Art reality- show, so ähnlich wie das Dschungelcamp oder Big Brother. Sowohl bei dem einen wie auch bei dem anderen Format, kann man sich als SPS in dort gezeigte Soziale oder intime Situationen, mit mehr oder weniger Verständnis reinversetzen. Situationen die man selber gar nicht erleben möchte (zuviel Nähe und Risiko), die man fiktional im TV aber durchaus interessant oder gar faszinierend findet. Es ist so wie auch bei "normalen" Leuten, wenn man einen Kriegsfilm oder Horrorfilm guckt, man sieht gebannt hin, möchte aber natürlich nicht in der Realität sowas erleben.
Zuletzt geändert von ebowinger am 21. März 2015, 18:57, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Reality-Soaps

Beitragvon Insuffizienz » 20. März 2015, 19:40

@ebowinger @Imagohominis

Vielleicht hätte ich Reality-Soap genauer definieren sollen. Scripted Reality ist der falsche Begriff dafür, denn das würde bedeuten, dass der ganze Plot von Darstellern gespielt ist (und man es merkt/weiß).
Dies ist (zumindest teilweise) sicher nicht der Fall bei Newtopia, beim Dschungelcamp auch nicht. Aber ich weiß nicht, wie ich das Genre benennen soll.
Mir ging es eher um Shows, wie du sie beschrieben hast, in der Menschen wahrscheinlich 24/7 gefilmt werden und daraus ein Zusammenschnitt für bis zu jeden Tag die Woche entsteht.
Damit besteht eben die Möglichkeit, ungescriptete Momente einzufangen, in denen die Protagonisten einfach irgendwie echt reagieren. Also ich fand es immer schon interessant, Menschen zu beobachten.

@Imagohominis

Ich verstehe oftmals den Sinn derartiger Serien nicht.

Unterhaltung auf mannigfacher Weise.

Die Charaktere erleben in diesen Inszenierungen pervertierte "Analogien" von wirklichen Situationen, die mit hirnloser Komik (die extra durch eingesetzte Lachkulisse signalisiert werden müssen") versuchen, unterhaltsam zu sein...

Ok, die Lachkulisse finde ich auch hochgradig primitiv und unangenehm suggestiv resp. enervierend. Aber wie schon erwähnt wurde, sind diese Soaps nur ein Teil des ganzen Genres.
Du sagst, dass du dir nur Friends angeschaut hast...ich meine, das würde ich schon Vorurteil nennen. Ich bspw. fand Schlager immer scheiße und fand, dass die Musik billig produziert ist und sowieso textlich wertlos. Das finde ich immer noch, aber nur bzgl. der modernen Schlager-Plastik-Musik.
Hört man sich jedoch die (auch deutsche) "Tanzmusik" aus insbesondere den 30ern oder 40ern an, so entdeckt man, dass es andere Subgenres gibt, andere Qualitäten, andere Instrumente oder überhaupt welche etc.
Genauso höre ich immer dasselbe Pauschalisieren bei Hiphop-Musik.

"Vielleicht sind die Serien echt nur für Menschen geeignet, die eine seichte Unterhaltung suchen!"
Seicht ist relativ. Aber wenn man es vergleicht mit dem Lesen von z.B. wissenschaftlichen Artikeln oder so, dann natürlich ja.
Aber ich denke, so gut wie alle Menschen suchen mindestens hin und wieder entspannte Unterhaltung. Oder tust du dir gar keine Unterhaltung an? Mal einen normalen Film? Der würde dann ebenfalls in allen Fällen unter der Kategorie "seichte Unterhaltung" fallen(außer eine halbwegs seriöse Doku). Genauso viele Romane.
Es ist auf gewisse Weise natülich auch eine Definitionsfrage, was Unterhaltung überhaupt ist.

:erklärbär2:

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Re: Reality-Soaps

Beitragvon SunlessDawn » 20. März 2015, 21:05

Das Konzept von Newtopia scheint sich ja eher an Sachen wie Big Brother zu orientieren, wenn ich das richtig verstehe. Als die Sache neu war hab ich das auch ne zeitlang gesehen aber ich finde das nutzt sich alles schon extrem schnell ab. Ich kann es aber verstehen, wenn man sich über diesen Weg ein bisschen soziales Leben ins Haus holen möchte ohne selber daran teilnehmen zu müssen.

Ich habe für mich da twitch.tv entdeckt. Da ich eh die meiste Zeit am Computer verbringe finde ich es sehr angenehm wenn im Hintergrund eine Person redet, über das Spiel das er spielt, sich mit Personen unterhält die mit ihm spielen oder wenn die Person sich mit dem Chat unterhält. Ich muss dafür nicht teilhaben, mir nichtmal den Kanal die ganze Zeit ansehen, es reicht schon wenns im Hintergrund läuft.
Das ginge sicherlich auch mit solchen TV Serien aber dafür fehlt mir der Fernseher und an den twitch Castern ist man dann doch noch ein stückchen näher dran :)

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Re: Reality-Soaps

Beitragvon Insuffizienz » 20. März 2015, 21:45

@SunlessDawn
Stimmt, twicht ist auch eine gute Idee.

Aber Newtopia bspw. kannst du dir auch online auf sat1.de anschauen, wie viele neue Serien jeglicher Art auch.
Ich hoffe langsam, das neue Medienzeitalter beginnt und der Fernseher, das heute unpraktischste, anachronistischste und dümmste Medium für Videos wird von Mediatheken, mitunter mit temporären Angeboten, ersetzt, damit man sich unabhängig seine Serien anschauen kann.

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Re: Reality-Soaps

Beitragvon nitschewo » 21. März 2015, 10:46

Ich springe jetzt mal über meinen finstersten Schatten und bekenne mich zu den verdammenswertesten Abgründen in meinem Leben (muss eben Mut sammeln, ich weiß, es ist schrecklich ...) - aber ich oute mich: Ich gucke Lindenstraße und all die grässlichen Kuppelshows auf RTL.

Zu meiner Ehrenrettung möchte ich kurz anmerken, dass das wirklich nur ein ganz ganz klitzekleiner Teil meiner Freizeitgestaltung ist. Ich lese Kunst- und Literaturbücher, liebe Ausstellungen mit Kunst des 20. Jahrhunderts, stehe andächtig vor schönen Bauwerken, bin viel mit dem Rad in Wald und Wiesen unterwegs, und wenn ich Fernsehen gucke, dann auch zu 99% Sender ohne Werbeunterbrechung.

Aber ich liebe Kuppelshows. Ich bin süchtig danach. Diese miese kleine charakterliche Schäbigkeit leiste ich mir. Offiziell begründe ich diese Schwäche mit den Zweifeln, die in seltenen Momenten an meiner Lebenführung mit mittlerweile achtzehnjährigem Single-Dasein aufkommen. Wenn ich Kuppelshows gucke, dann zweifle ich nicht mehr, sondern beglückwünsche mich. Es gibt wirklich schlimmere Schicksale als ohne Partner zu leben.

Tatsächlich aber geht die Faszination für diese Formate für mich von der totalen Ambivalenz zu den Prioritäten meiner Lebensführung aus. Die Sehnsucht nach dieser engsten Form sozialer Kontakte muss am ganz anderen Ende der Skala stehen, nach der ich mein Leben gestalte, wenn man es dafür in Kauf nimmt, sich bei einem derart unnatürlichen Format vor einer voyeuristischen Fernsehnation zum Volldeppen zu machen. Das übt einen Sog auf mich aus, und ich gebe dem auch zugegebenermaßen vollkommen rückgratlos nach. Jawoll!

Das ist billig und garstig und eigentlich schon keine seichte Unterhaltung mehr, sondern - jedenfalls was die Kuppelshows betrifft - eine fragwürdige Form einer modernen Freakshow. Shame on me. Aber morgen abend läuft wieder "Schwiegertochter gesucht" - und ich werde mich vom Blauen Reiter, den Lebenserinnerung des Sebastian Haffner und der spannenden Technik der HDR-Fotografie losreißen, mir ein nettes Glas Merlot hinter die Binde gießen und mich als miese kleine Voyeuristin über sprachliche Fehlleistungen und unrasierte Beine erheitern.

So. Nun ist es raus. :engel:

LG,
nitschewo

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Re: Reality-Soaps

Beitragvon endlos » 21. April 2015, 23:10

Insuffizienz hat geschrieben:Eigentlich sollten diese Soaps eine Art heiliger Gral, zumindest für gewisse Zeit, für Schizoide sein, denn so können wir intensiver soziales Miteinander miterleben, ohne die Unerträglichkeit von Nähe und Verletzlichkeit spüren zu müssen?



Ich sehe das in etwa so wie nachtgängerin, ein vordergründiges interesse an dem in solchen sendungen nach meiner einschätzung gezeigtem selbstdarstellerischem getue und gefasel kann ich bei mir nicht feststellen.

Auf jeden fall ist dieses intensive soziale miteinander eben ein miteinander von personen von denen keine ich bin. Insofern erlebe ich da leider gar nix mit, was für mich nützlich oder sinnvoll geschweige denn interessant sein könnte, außer vielleicht warum so viele andere menschen uninteressant und anstrengend sind...
Ich kann mich dann zwar durchaus in die lage dort reinversetzen und verstehe wieso person x soundso wegen person y auf person z reagiert, aber der erkenntnisgewinn geht für mich gegen 0.

Aber wem das zur unterhaltung dient, dem sei es gegönnt.
"Da gibt es eine Zuflucht, an einem sicheren Ort. Vielleicht kannst du mich finden, für immer, für immer bleib ich dort."

MeadeLuxLewis

Re: Reality-Soaps

Beitragvon MeadeLuxLewis » 22. April 2015, 00:46

Ich möchte mal den Begriff Voyeurismus aufgreifen und dazu sagen das man als Beobachter einer aufgezeichneten Sendung ( reality soaps od. dergleichen) sich mal eben so gehen lassen kann. Ich persöhnlich mag diese Sendungen nicht ( ich habe auch kein TV ), bin aber ein heavy consumer von Movie und Series und "sozialisiere" mich dementsprechend im Netz und kann dort eben ein stückweit Emotionalität mit/aus-leben. Immerhin gibt es hier keine "Strafen" oder dergleichen. Ist komisch, ist aber so und funktioniert ! Ausserdem kann man Frauen ungestraft auf die ähm gewissen Teile schauen was im Rl eben nicht geht, sind wir doch anständig und so ;o) !

Ganz anders verhält es sich im Internet mit Livestreams von Gamevids,Vorstellungen,Training oder anderen Sachen. Hier ist man quasi Opfer der Masse.

Mal abgesehen davon gibt es für mich auch andere Möglichlkeiten sich zu öffnen oder eben weitesgehend ohne Vorurteile und Bewertung wirklich zu sein. Ziemlich beschränkt aber da.


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