Schwarz-Weiß-Denken ?

Die Gegenüberstellung der schützenden Distanz und dem Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen.
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Re: Schwarz-Weiß-Denken ?

Beitragvon EinsZweiDrei » 9. Dezember 2014, 02:46

Ich habe mich wie eine gespaltene Persönlichkeit gefühlt.

Einerseits hatte ich brutale sadistische Phantasien, war süchtig nach blutigen Horrorfilmen, habe mich mit satanistischen Dingen beschäftigt und Black und Death-metal gehört. War auch manchmal kriminell und habe mich oft geprügelt um meine neu erlernten Kampfsporttechniken auszuprobieren.

Andererseits hatte ich aber auch Phasen, wo ich anderen gegenüber sehr nett, mitfühlend und sensibel war. Also sehr Empathie-fähig war und auch wirklich so gedacht habe.



Diese Widersprüchlichkeit macht mich gerade Wahnsinnig, entweder - oder.

Ich habe heute von fast allen Persönlichkeitsstörungen Akzentuierungen. Aber dafür erfüllen keine die Kriterien einer spezifischen PS.


Ist bei mir ähnlich, bisher waren das borderline, schizoide, abhängige, vermeidende und narzisstische Anteile.
Mich stört das, weil ich mich gerne einorden würde, obwohl ich eigentlich weiß, dass Diagnosen nebensächlich sind.

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Re: Schwarz-Weiß-Denken ?

Beitragvon krebsi » 9. Dezember 2014, 16:25

EinsZweiDrei hat geschrieben:Diese Widersprüchlichkeit macht mich gerade Wahnsinnig, entweder - oder.


Bei Borderline-Störungen ist aber gerade diese Widersprüchlichkeit sehr typisch. Und die besondere Empathie-fähigkeit ist bei Borderlinern auch nicht gespielt oder vorgetäuscht wie bei Psychopathen sondern wirklich vorhanden.

Es gibt allerdings auch eine Borderline-Psychopathie die man in der amerikanischen Psychiatrie auch Soziopathie nennt. Das sind sehr organisierte und geplant vorgehende Psychopathen gerade wegen der Empathie-fähigkeit.

100% reine Psychopathen sind eher von niedriger Intelligenz(oder Hirnorganischen Schäden), die ungeplant, chaotisch,triebgesteuert und spontan vorgehen.

EinsZweiDrei hat geschrieben:st bei mir ähnlich, bisher waren das borderline, schizoide, abhängige, vermeidende und narzisstische Anteile.
Mich stört das, weil ich mich gerne einorden würde, obwohl ich eigentlich weiß, dass Diagnosen nebensächlich sind.


In der Psychologie gibt es aber kein Schubladendenken. Es gibt auch immer Mischformen. Man kann auch zwei Diagnosen haben, die vom Wesen her überhaupt nicht zusammenpassen. Es ist einfach alles möglich in der Psychologie.
Ich weiß aber, dass gerade Schizoide dazu neigen, alles in Schubladen einzuordnen um es rationaler zu machen. Ist bei mir auch manchmal so. Aber die REALITÄT sieht oft ganz anders aus. :katze:

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Re: Schwarz-Weiß-Denken ?

Beitragvon Zarathustra » 9. Dezember 2014, 22:59

EinsZweiDrei hat geschrieben:Die Sache ist, dass ich viele Themen sehr viel differenzierter betrachte als die meisten anderen Menschen, aber sobald ich an jemanden emotional gebunden bin leide ich unter diesem Schwarz-Weiß-Denken.

:begeistert:

Sie schreit: "Immer wollen alle, dass ICH alles für sie erledige, jedesmal!" Dabei ist der Inhalt nebensächlich, es ist ein Ausdruck ihres Gefühls. Das sagt sie hier nicht dazu. Sie setzt anscheinend voraus, der Zuhörer wisse, was sie meint. Ein Hund würde wissen, was sie meint. Will sie jetzt in den Arm genommen werden? Beruhigt werden oder weiter angeheizt? Will sie hören, was alle immer für sie erledigen? Dass das, was sie von sich gibt, nicht stimmen kann? Erwartet sie überhaupt eine Antwort?

Ehrlich gesagt: Ich habe keine Ahnung, was das genau bedeutet. Ich schätze, manche Menschen benutzen diesen Begriff, um eine Aussage von Jemanden als schlecht differenziert zu beurteilen, während sie selbst auf der rein intellektuellen Ebene sind, die Emotionen der beurteilten Person aber nicht kennen. Sie gehen davon aus, sie spüre ihre Gefühle und wäre Gleichzeitig in der Lage, klar zu denken, was aber offensichtlich nicht der Fall ist. Sei meine Definition richtig, was ich bei umgangssprachlichen Begriffen nie genau wissen kann, dann denken die, die "du Schwarz-Weiss-Denker" benutzen, selber nur Weiß oder Schwarz, was in ihren Augen eigentlich noch schlimmer sei. :lachen:

Es gibt nicht nur Intellekt und Gefühle, das ist mir schon klar: Es geht aber hier nur um meine Gegenüberstellung, meine Aussage, um nichts weiter. Natürlich gibt es grau (psychischer Zustand X), gleichzeitig, egal welche Abstufung das Grau hat, wird es immer ein Gemisch aus schwarz (Gefühl) und weiß (Thema) bleiben. Wie krebsi das schon wunderbar dargestellt hat: Die Realität unseres Denkens ist eine andere, als die, die wir über Kommunikation ausdrücken können. Trotzdem funktioniert es: Das Gegenüber projiziert sich einen Sachverhalt anhand des Gesagten; wird getriggert, sich an diesbezügliche Erinnerungen bewusst zu werden; denkt über die bestmögliche Antwort nach und und und.

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Re: Schwarz-Weiß-Denken ?

Beitragvon Zinzin » 10. Dezember 2014, 10:19

8. Dez 2014, 20:04 » BlickwinkelFraktal hat geschrieben:
Sind das nicht aber zwei paar Schuh? Also einerseits die Unsicherheit dem eigenen Gefühl, seiner Ausprägung oder Richtung, vielleicht auch einer Bewertung nicht "sicher" zu sein und andererseits das subjektive Empfinden, dass Dich aber nunmal etwas stört, was anderen vielleicht egal ist?
Jedenfalls können das zwei paar Schuhe sein - Ich merke aber gerade beim Schreiben, dass sich sowas durchaus "auch" bei mir wie ein paar Schuhe anfühlen kann. Hier kommt möglicherweise die Problematik des Ich-Verlusts angesichts fremder Subjektivitäten ins Spiel (siehe Dein vorletzter Beitrag.... die fremde und die eigene Berechtigung).


Für mich nicht wirklich auseinanderdröselbar. Die zwei Schuhe kämpfen gegeneinander und finden keinen Konsens. Auf der einen Seite mein (überreagiertes) Empfinden, auf der anderen Seite das Wissen (vielleicht auch Gefühl) der Unverhältnismäßigkeit des Empfindens. Über das Wissen versuche ich mich zu beruhigen und weiß zeitgleich, daß ich damit gegen mich agiere: Das Gefühl, wie es ist, ist nunmal da.

Der Zeitpunkt des Auftretens solcher Empfindungen ist an sich nicht der richtige Punkt um noch viel auszurichten. Dort findet faktisch Symptombehandlung(sversuch) statt. Dort ist lediglich das Ende einer Kette. Jeder hat wunde Punkte, ich vereinfache das jetzt mal auf diesen Vergleich. Es geht nicht darum, bei Wundkontakt nicht zu empfinden, sondern um Umgang mit dieser offenen Stelle und um besseren "Schutz". Schutz wiederum nicht so verstanden, daß man was draufklebt (sich verschließt) oder die Stelle ignoriert (verdrängt).

Der Vergleich hinkt natürlich, wie sollte/kann das heilen? Ist Heilen (Narbe) der richtige, einem entsprechender oder überhaupt einem möglicher Weg etc. ? Aber es sind irgendwo vergleichbar wunde Punkte, die immer wieder recht schnell bei Kontakt (fremd und eigen) wehtun, wo andere eine Hautschicht haben, die durchlässig ist und dennoch - bis zu gewissen Grad - schützt.

An sich hilft das nichts, außer, daß mein Gefühl an sich mir berechtigt ist.
An sich hilft das nichts, außer anzunehmen, daß im Fall eines Wundkontakts nicht viel zu machen ist, sondern anderswo. Auf anderen Ebenen. Emotionale Stärkung wirkt sich auf alles aus, das wäre imo eine Ebene, zB.. Alles was nicht schwächt, stärkt. Da fängt die Frage an, ob Rückzug/sich verschließen stärkt oder doch eigentlich langfristig schwächt etc.. Was bringt Offenheit, wenn der Wundkontakt dabei häufiger stattfindet, und darüber wiederum schwächt? Diese Frage wiederum betrachtet nur die Katastrophenfolge (Verletzung) und nicht, daß Offenheit vielleicht auch zur Stärkung verhelfen könnte, etc..

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Re: Schwarz-Weiß-Denken ?

Beitragvon Bernstein » 10. Dezember 2014, 20:47

Zinzin hat geschrieben:Für mich nicht wirklich auseinanderdröselbar. Die zwei Schuhe kämpfen gegeneinander und finden keinen Konsens. Auf der einen Seite mein (überreagiertes) Empfinden, auf der anderen Seite das Wissen (vielleicht auch Gefühl) der Unverhältnismäßigkeit des Empfindens. Über das Wissen versuche ich mich zu beruhigen und weiß zeitgleich, daß ich damit gegen mich agiere: Das Gefühl, wie es ist, ist nunmal da.

Ja. Und diese parallel nebeneinander existierenden Empfindungen und Gedankenwelten können mich selbst, sowie auch mein Bild vom Mitmenschen und die Beurteilung des Kontaktes betreffen. Was wirkliche Entscheidungsfindung extrem verzögert und oft auch unmöglich macht. Wenn aber eine Entscheidung unabdingbar ist, führt es bei mir dann zu Verhalten und Empfindungen, die immer auch eine "innere Kündigung" beinhalten, weil ich eben den anderen Teil nicht vollständig ignorieren kann.
Gönne dich dir selbst! (v.Clairvaux)

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Re: Schwarz-Weiß-Denken ?

Beitragvon inthesky » 5. Januar 2015, 21:04

Früher war ich auch sehr schwarz oder weiss.
Nun bin ich oft rot, grün, blau und möchte mir das offen halten.
Will mich nicht in enge Schubladen pressen lassen.
Vertiefe ständig die Komplexität.

Zweistein

Re: Schwarz-Weiß-Denken ?

Beitragvon Zweistein » 7. Februar 2015, 17:59

Für die Fotografie befinden sich 256 Graustufen zwischen schwarz und weiß...

für die Wissenschaft stellt Hepatitis C schon ein Problem dar.
Wie sieht es denn da mit Borderline/Schizoide aus?

Belest euch mal bei den:

http://abtreff.de/

Ähnliche Probleme, ähnliche Symptome.

Krank ist das System, nicht ihr...

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Re: Schwarz-Weiß-Denken ?

Beitragvon sourcream83 » 14. Februar 2015, 21:19

schwarz weiß denken hmm. Ja das bin ich meist auch glaub ich. Ich finde nur kein konkretes Beispiel. :lachen:

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Re: Schwarz-Weiß-Denken ?

Beitragvon NoEvol » 22. Februar 2015, 12:24

Bei mir ist das irgendwie...etwas anders.

Alles was mit Menschen zu tun hat -> schwarz. Ich bin einfach nicht mehr gerne unter Menschen und will dies auch nicht.
Ein sozial Training ist da extrem "sinnlos", weil ich einfach kein Interesse daran habe mit anderen weiterhin zu interagieren.
Dieses Interesse bestand bis vor kurzem noch, jetzt...ist es irgendwie weg.
Ich brauch einfach nurnoch Beschäftigung und die nach Möglichkeit ohne Menschen.

Aber da sollte sich auch früher oder später der passende Job für mich finden lassen, wenn nicht, dann eben nicht. Ich hab auch kein Problem damit auf ewigkeiten ALG2 zu beziehen, wenn das das beste für mich ist, dann ist das eben so ;)
Liebe Grüße

NoEvol


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