Innerer Kritiker

Die Gegenüberstellung der schützenden Distanz und dem Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen.
Insuffizienz
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Innerer Kritiker

Beitragvon Insuffizienz » 29. Oktober 2014, 15:00

Mh, also mir ist an mir oft ein intuitives Abwehrverhalten in sozialen Interaktionen aufgefallen, das ja m.E. einen Teil der schizoiden Persönlichkeit selbst darstellen kann. Ich versuche seitdem das Muster zu erkennen, das einen in die Isolation treibt, und bin dann auf das Konzept des inneren Kritikers gestoßen.
Nach einigem googlen habe ich eine interessante Seite ausfindig gemacht und mir eine Zusammenfassung des Konzepts erstellt, in der explizit die einzelnen Strukturen im Vordergrund stehen. Mir ist im Übrigen bewusst, dass es nur ein Konzept ist und nicht im Ansatz eine wissenschaftliche Ausarbeitung:
(Würde mich auf Feedback freuen, z.B., ob Ihr Euch in einigen Beispielen oder Strukturen wiedererkennt oder auf Änderungsvorschläge.)


Strukturen/"Glaubens"sätze und Zusammenfassung des Konzepts des inneren Kritikers


Leugnung des Positiven
Der Kritiker redet dem Betroffenen mit Behaarlichkeit mit kreativen Methoden die Bedeutung seiner Erfolge aus. Dabei spielt die "Eingeengte Wahrnehmung" oft eine Rolle, indem nur das negative in den Vordergrund gestellt und das Positive hintangestellt wird.

Der Betroffene wird bspw. gelobt für eine erfolgreiche Zwischenprüfung.
Nun redet der Kritiker ihm ein,
- dass es nichts Besonderes sei und jeder das könne
- dass es zufällig sei
- dass man sich nicht zu früh freuen sollte und viel Schwierigeres auf einen zukommen könne.
Das Lob wird einfach abgewehrt.

Dem Betroffenen wird ein Kompliment über sein Aussehen ausgesprochen, doch er wehrt es ab und redet es klein.
[hr]

Eingeengte (negative) Wahrnehmung
Der innere Kritiker lenkt das Augenmerk auf die negativen Aspekte an einem und verwehrt sich somit dem gesamten Blick resp. dem realistischen Gesamtbild.

Der Kritker ist geschickt darin, nur die negativen Details an einen zu erkennen und diese als enorm wichtig zu kategorisieren. Nicht nur das, es wird sogar geglaubt, dass diese Sichtweise eine (objektive) wirklich kritische sei.
Z.B. bemüht sich jemand, ein gutes Bild auf der Arbeit abzugeben, um bald womöglich befördert zu werden und kommt einen Tag eine Viertelstunde zu spät. Natürlich reibt sich der innere Kritiker an diesem Punkt schelmisch die Hände und wirft einem wahrscheinlich Wochen diese Bagatelle vor.

-> Übertreibung
In dem Fallbeispiel wird ersichtlich, dass eine wochenlange Demütigung nicht sinnvoll und irrational ist, es wird aus einer Mücke einen Elefanten gemacht.
Neben der quantitativen Kritik-Übertreibung kann auch eine qualitative vorliegen, wenn der kleine Fehler zu einer Katastrophe gesponnen wird. Bspw. denkt die Angestellte aus dem Beispiel durch das Fauxpas, dass sie es eigentlich gar nicht verdient hat, überhaupt befördert zu werden, wenn sie es nicht einmal schafft, pünktlich zur Arbeit zu erscheinen und ihr Leben sinnlos wird usw.
[hr]

Übertriebene Verallgemeinerung
Für den Kritiker kann ein negatives Erlebnis automatisch für alle künftigen genauso und nicht anders gelten, es bildet sich praktisch ein allgemeingültiger (negativer) Grundsatz.

Wenn man bspw. übel bloßgestellt wurde, als man seine Gefühle offenbart hat, dann bildet der innere Kritiker den Grundsatz, dass alle anderen Menschen, die dem unreifen Bloßsteller vielleicht ähnlich sind, genauso negativ und intolerant reagieren; sodass Betroffene sich natürlich nur noch wenig trauen, ihre Gefühle preiszugeben.

Wenn sich jemand um eine Stelle beworben hat und eine Absage erhält, dann versucht der Kritiker demjenigen einzubläuen, dass er niemals auch nur irgendwo angenommen wird, "weil er ja sowieso zu schlecht ist". So fehlt ihm die Motivation und das Selbstbewusstsein im Berwerbungsgespräch und er wird deswegen vielleicht tatsächlich nicht genommen.

Es kann genauso statt an andere an sich selbst durch den Kritiker pauschalisiert werden.
Bspw. wird von ihm behauptet, wenn der Betroffene eine schlechte Klausurnote schreibt, dass er sowieso nicht die Fähigkeiten besitzt, "eher die wie ein Kindergartenkind", oder in der Lage wäre, jemals eine gute zu schreiben.
[hr]

Alles-oder-nichts-Gesetz/Entweder-oder-Denke
Der Kritiker denkt gerne dichotom, konträr. Er will vor allen Dingen suggerieren, dass es um alles oder nichts geht, dass wir etwas entweder schaffen oder die Oberloser sind.
Das kann zu großen Stresssituationen führen und im Vorhinein entsprechender Situationen einen großen Druck aufbauen. Jedoch ist es unsinnig, denn wir werden mit größerer Angst, unter Stress und in Nervosität wahrscheinlicher versagen, zumindest sind wir dadurch unglücklicher, psychisch schlechter bestellt.
Dabei spielen unsere übertriebenen Ideale und Anforderungen ("Zu hohe Maßstäbe") des Kritikers eine eminente Rolle.

Man könnte das letzte Fallbeispiel aus der Struktur "Übertriebene Verallgemeinerung" anführen: Vor der Klausur hetzt der innere Kritiker: "Entweder Du bestehst die Prüfung oder Deine Zukunft sieht sehr düster aus! Es wäre schlimm, es würde beweisen, dass du es sowieso nicht kannst, was ich(Kritiker) schon lange vermute und nur noch beweisen will.".
[hr]

Zu hohe Maßstäbe
Der Kritiker idealisiert zu sehr. Er vergleicht uns bspw. zu viel mit den besonders Guten in ihrem Gebiet und es kommt unweigerlich dazu, dass wir schlecht abschneiden und uns schlecht fühlen, da die Anforderung viel zu hoch und definitiv unrealistisch abgesteckt sind.
Eigentlich meint man damit alle perfektionistischen Bestrebungen, die einem dann über den Kopf wachsen.

Z.B. kennt man jemanden, der besser englisch spricht und macht sich Vorwürfe, das man nicht so schnell lernt. Dabei wird natürlich vom Kritiker darüber hinweggesehen, dass derjenige in seiner Kindheit in England gelebt hat.

[hr]

Es gibt niemals den richtigen Weg, nur Maßregelung
Der Kritker ist meist nie mit uns zufrieden, egal auf welchem Weg etwas beschritten wird, es wird immer kritisiert.

Kritisieren wir unser Visavis, so sind wir unsensibel oder arrogant; verkneifen wir uns die Kritik an unser Gegenüber, so sind wir zu zurückhaltend, nicht authentisch oder langweilig.
[hr]


Der innere Kritiker ist eine innere Stimme/Instanz, die uns auf Schritt und Tritt begleitet und nur darauf wartet, uns jeden Fehler, jede Schwäche unter die Nase zu reiben und auf das Schärfste zu kritisieren.
Dann lässt er uns mit dem quälenden Gefühl zurück, dass wir versagt haben, schlecht sind, nichts verdient hätten oder etwas mit uns nicht stimmt.

Der innere Kritiker hat sich in uns mitunter durch Personen unseres Umfelds hauptsächlich unserer "frühen" Lebensjahre entwickelt, die uns übertrieben oder unangemessen kritisiert, unter Druck gesetzt oder verletzt haben.
Gerade in den frühen, formativen Lebensjahre entwickeln wir unsere Persönlichkeit, unsere Moral, unsere Normen und dadurch wird die Struktur des Kritikers besonders konsolidiert und später einfach nicht hinterfragt, sondern einfach als Teil von uns selbst angesehen.

Er ist dafür verantwortlich, dass wir unzufrieden sind, uns persönlich und beruflich vor allen Dingen im Sozialen nicht entfalten können, wir uns nichts mehr zutrauen, nichts wagen und nicht in unsere Fähigkeiten vertrauen.
Er verhindert nur ein Selbstwertgefühl und fördert Minderwertigkeitsgefühle.

Wenn wir den inneren Kritiker überwinden und an Stelle seiner extrem kritischen, negativen Worte/Positionen vermehrt einfach eine positive, aufmunternde Stimme setzen, dann verfügen wir über eine positivere Selbsteinschätzung, ein gesünderes Selbstwertgefühl und ein größeres Selbstvertrauen. Zudem bekräftigen und bestätigen unsere negativen Gefühle auch noch die negativen Denkstrukturen des inneren Kritikers, die genau diese falschen Emotionen ausgelöst haben.

Meist reicht die Frage an den Kritiker, nachdem man sich seine Struktur, seine konkrete Kritik anschaut: "Ist es wirklich so, ist es eine realistisch Sichtweise oder doch irrational und übertrieben einseitig?", um sich selbst richtig einzuschätzen und zu akzeptieren.


M.E. ist der innere Kritiker mitunter die Ursache für Krankheiten, insbesondere psychische wie Depressionen, oder Persönlichkeitsstörungen. Er führt letztlich zu einem negativen Weltbild und übertriebenem Pessimismus.
So unterstützt er stark die schizoide Persönlichkeit darin, z.B. sich anderen gegenüber nicht zu öffnen, da er eher oder nur die negativen Folgen darin sieht.


Man sollte ihn m.E. als fremden Anteil seiner selbst ansehen, ihn damit dissoziieren. Man sollte versuchen zu dem Punkt anzugelagen, dass er als ich-dyston, zur Identität nicht zugehörig, statt ich-synton, zur Identität zugehörig, empfunden wird. Ich halte ihn für eine ungewollte normative Instanz, nach Freud für ein kleines "Über-Ich", diese Instanz wurde durch schwere Situationen unserer frühen Lebensjahre in uns entwickelt.
Resümiert ergibt sich die Konsequenz, dass man den inneren Kritiker vielleicht gar nicht "bekämpfen" resp. gegen ihn "ankämpfen" sollte, sondern als fremde, überholte normative Struktur ansehen sollte.

Ich gehe jetzt, ich sage mal, penibler auf die Definition des inneren Kritikers allgemein ein. Mir geht es nur darum, dass man neben dem inneren Kritiker einen angemessenen Kritiker o.Ä. definieren müsste. Denn ich denke, ohne jedwede Kritik an sich selbst und seine Gedanken führt dies zu keinem vernünftigen Verhältnis zu seinen Gedanken, seiner Persönlichkeit und zu keiner gesunden, reflektierten Selbsteinschätzung. Also man sollte auch unterscheiden zwischen einer unangemessenen, übertriebenen und nicht konstruktiven, ausschließlich negativen Kritik | und einer berechtigten, vernünftigen; denke ich.

Zum Schluss möchte ich noch annotieren, dass der innere Kritiker eine Chance darstellt, seine sozialen Fähigkeiten zu erweitern. Denn wenn man ihn selbst an sich kennt, fällt es doch leichter, andere Menschen mit ähnlichen Problemen zu verstehen...ich denke, dass sehr viele oder gar alle Menschen einen mehr oder minder dominanten inneren (unangemessenen) Kritiker in sich haben, der ihnen das Leben erschwert.
Ich persönlich kann mir auch nicht vorstellen, dass man sich von ihm lösen kann, aber vielleicht ist er irgendwann nach Ewigkeiten Geschichte...


Quelle: http://www.selbstvertrauen-gewinnen.de/
Jemand auf Youtube hat genau darüber teils wortwörtlich einen Vortrag gehalten, hier eine auditive Version:
https://www.youtube.com/watch?v=QNTZq8F5xDc

LG :erklärbär2:
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Re: Innerer Kritiker

Beitragvon tournesol » 29. Oktober 2014, 19:14

:begeistert: :begeistert: :begeistert: Lieber Insuffizienz :blumengabe:

Ich hab grad keine Zeit, aber ich schreib später noch was dazu :winken:

DANKE erstmal L.G. Tournesol

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Re: Innerer Kritiker

Beitragvon Insuffizienz » 29. Oktober 2014, 19:20

:D

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Re: Innerer Kritiker

Beitragvon Ceytlin » 30. Oktober 2014, 01:50

Um den Kritiker zu besänftigen oder ihn zum Schweigen zu bringen kann es auch helfen, Positives zu dokumentieren. Wenn ich zum Beispiel weiß, dass ich mich bei Fehlern bei der Arbeit innerlich selbst zerfleische und mich für den schlechtesten Mitarbeiter überhaupt halte, dann kann es helfen, zu dokumentieren, wenn man ein Lob erhält, das kann man dem Kritiker dann nämlich vorhalten: Dann bin ich eben zu spät bekommen. Dafür habe ich letzte Woche ein Projekt toll gemeistert, wurde erst vorgestern für meinen Einsatz gelobt, diesen einen Fehler kann ich mir erlauben, ich leiste dennoch gute Arbeit.

Beim Laufen, das ich vor allem wegen der guten Auswirkung auf die Psyche mache, habe ich mein Lauftagebuch. Wenn ich einen schlechten Tag habe, kann ich dem viele gute entgegen halten, und wenn ich mal ein Training ausfallen lasse, habe ich nachweisbar viele disziplinierte Trainingswochen, da bleibt dem ollen Kritiker sein "Du bist immer so undiszipliniert!" doch glatt im Hals stecken.

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Re: Innerer Kritiker

Beitragvon tournesol » 30. Oktober 2014, 09:53

Unser innerer Hritiker ist m.E. verantwortlich für fast alle unsere schmerz und leidvollen, -sowie problematischen Emfinindungen und Störungen unseres Lebens.

Lieber Insuffizient, Du hast es wundervoll ---in Bezug zur schizoiden Persönlichkeits-Störung (erkannt , entdeckt ) :Sonne: :herz: beschrieben :begeistert:
Ich bin allerdings der Meinung, dass der innere Kritiker für alle psychischen Störungen verantwortlich ist ;)
Der Unterschied des sich " dessen ausgeprägt Zeigens ", allerdings die unterschiedlichsten Formen ( bzw. negativen Ausdrucksfomen ,je nach Persönlichkeits-Störung ) spür und sichtbar werden läßt.....
D. h. die Gedanken-Art des Betroffenen " DER SELBST-ANKLAGE" und " SELBST-ABWERTUNG" ist so unterschiedlich, wie Gedanken zu denken-----möglich ist .

Ich finde Deine Ansätze zur Behebung dessen sehr aufklärungsreich und weiterbringend :Sonne:
Jedoch liegt der Kern m.E. tiefer ;)
Denn ich finde , wir behandeln " den inneren Kritiker" -----SO----immernoch " als ----unsere Identität !
( Also als "zu unserem ICH gehörig" ) Und gleichzeitig " als machtvolle Instanz " DIE UNS ZU SAGEN HÄTTE...deshalb :(
Der innere Kritiker ist jedoch m.E. ETWAS VON UNS SELBSTGEMACHTES----- FREMDES !!!
FRENDES, was wir UBERNOMMEN HABEN, um damit "ZU BASTELN " (...meißt von Menschen, von denen wir uns abhängig fühlten und denen wir deshalb " EINE LIEBE-GOTT MACHT " zugestanden haben ! Die wir also " ALS WEIT AUS UNS ÜBERLEGEN" empfunden haben ! Und deshalb uns gezwungen haben-----bedingungslos und unhinterfragt--- zu übernehmen, was diese uns "geben wollten" :angst: :roll:
( Dabei waren und sind " unsere Götter" ----auch nur Menschen auf gleicher Höhe mit uns gewesen, die an " ihre Weisheit" glaubten...und diese daher weitergeben wollten---wie wir auch---Da jeder Mensch " nur das hat und weitergeben kann , was er glaubt....." ;) .....dies glauben wir dann zu wissen ;) )

Dies plappert dann unser innere Kritiker ständig nach..... da wir DIE zu Göttern erhoben haben..... und uns " als nicht Götter" ( die dem folgen müßten, wie Schafe :high: ) empfinden.

Ich bin erst seit ich mir dessen SO bewußt geworden bin---in der Lage mit " meinem inneren Kritiker" auf gleicher Höhe zu kommunizieren :lachen:
Seither ist mir bewußt:
1.) ...dass DER nicht ICH bin !
2.)....dass der mir mitteilt, was ich mir angucken und bearbeiten kann ( wenn ich mag,nicht MUSS !!!)
3.)....dass DER denken, mir sagen kann, was DER will , dies jedoch keineswegs bedeutet ,dass das was ICH denke, tue und sage nicht ebenso gültig wäre----und dazu für mich WERTVOLLER und vor allem ICH IST :Sonne:
4,).....dass ich IHM sogar dankbar bin ( denn ohne IHN wäre ich nicht auf diese Erkenntbis gekommen ;) ) Und also nicht mehr mit IHM "kämpfen" muss ( grins )
5.).....dass ich andere Menschen besser" mit deren Kritiker" verstehen kann :herz: :Sonne:
UND nicht Beziehungen führen muss, die darin bestehen " dass mein und deren Kritiker genüßlich ihren Krieg führen! ( ...indem der andere Mensch und ICH gar nicht darin vorkommen..... ;) )
:Sonne: :herz:

Wenn ich den Kampf mit dem "inneren Kritiker" nur durch positives Denken ( falls mir dies gelingen würde )
führen würde------Erreiche ich m.E. bestenfalls, dass ich mich " in Gott Position wahrnehme ( die anderen UNTER mir )------ Und SO fortsetzung von Krieg ( " der mich---auch als Herrscher beutelt....und weiter quält...."
Zudem würde mir---unter dieser Bedingung---- Mein innerer Kritiker, PERMANENT und SCHARF einflüstern ( zu Recht jetzt -Hi HI ) dass ich NUR POSITIV DENKE....!!!

SO, dies sind meine ausführlichen Gedanken dazu :herz:
L.G. Tournesol

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Re: Innerer Kritiker

Beitragvon Bernstein » 30. Oktober 2014, 12:33

Hallo Insuffizienz,
erstmal danke für deine sehr umfangreiche Beleuchtung dieses inneren Kritikers! Ich finde deine Gedanken dazu sehr treffend, ich persönlich finde mich vor allem in Leugnung des Positiven, Alles-oder-nichts-Gesetz und Es gibt niemals den richtigen Weg wieder. ;) (obwohl die beiden letzten Kategorien sich auf den ersten Blick eigentlich widersprechen müssten...)
Ich habe mir in der Vergangenheit auch öfters Gedanken gemacht, wie am besten mit ihm umzugehen wäre.
Da ist natürlich die Frage, wie ist er entstanden und warum ist er so hartnäckig, das hat Tournesol sehr gut beschrieben, finde ich:

tournesol hat geschrieben:FRENDES, was wir UBERNOMMEN HABEN, um damit "ZU BASTELN " (...meißt von Menschen, von denen wir uns abhängig fühlten und denen wir deshalb " EINE LIEBE-GOTT MACHT " zugestanden haben ! Die wir also " ALS WEIT AUS UNS ÜBERLEGEN" empfunden haben ! Und deshalb uns gezwungen haben-----bedingungslos und unhinterfragt--- zu übernehmen, was diese uns "geben wollten" :angst: :roll:
( Dabei waren und sind " unsere Götter" ----auch nur Menschen auf gleicher Höhe mit uns gewesen, die an " ihre Weisheit" glaubten...und diese daher weitergeben wollten---wie wir auch---Da jeder Mensch " nur das hat und weitergeben kann , was er glaubt....." ;) .....dies glauben wir dann zu wissen ;) )

Dies plappert dann unser innere Kritiker ständig nach..... da wir DIE zu Göttern erhoben haben..... und uns " als nicht Götter" ( die dem folgen müßten, wie Schafe :high: ) empfinden.


Allerdings komme ich besser mit den "Attacken" des Kritikers klar, wenn ich noch etwas weiter gehe, als es hier beschrieben wurde.

tournesol hat geschrieben:Ich bin erst seit ich mir dessen SO bewußt geworden bin---in der Lage mit " meinem inneren Kritiker" auf gleicher Höhe zu kommunizieren :lachen:
Seither ist mir bewußt:
1.) ...dass DER nicht ICH bin !
2.)....dass der mir mitteilt, was ich mir angucken und bearbeiten kann ( wenn ich mag,nicht MUSS !!!)
3.)....dass DER denken, mir sagen kann, was DER will , dies jedoch keineswegs bedeutet ,dass das was ICH denke, tue und sage nicht ebenso gültig wäre----und dazu für mich WERTVOLLER und vor allem ICH IST :Sonne:
4,).....dass ich IHM sogar dankbar bin ( denn ohne IHN wäre ich nicht auf diese Erkenntbis gekommen ;) ) Und also nicht mehr mit IHM "kämpfen" muss ( grins )


Ich gehe nämlich davon aus, dass dieser Kritiker sehr wohl Ich, also ein Teil von mir ist, sogar ein wichtiger! Nämlich einer, der mich vor Schaden schützen will. Der aus Erfahrungen gelernt hat und nun seine Erkenntnisse einsetzen will, solche negativen Erfahrungen in Zukunft zu vermeiden. Also kann ich mir seine Meinung ruhig anhören, denn ich weiss, er will mich eigentlich nicht wirklich niedermachen, sondern nur schützen. Indem ich ihm diese wohlwollende Absicht zugestehe, verliert er an Stärke und wird somit zu einer Meinung von vielen! Das heisst er ist es genau so wert, angehört zu werden, aber seine Meinung wiegt eben nicht mehr, als die von anderen, vielleicht positiven "inneren Stimmen".

Gruß
Gönne dich dir selbst! (v.Clairvaux)

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Re: Innerer Kritiker

Beitragvon Insuffizienz » 30. Oktober 2014, 15:06

30. Okt 2014, 12:33 » Bernstein hat geschrieben:Ich gehe nämlich davon aus, dass dieser Kritiker sehr wohl Ich, also ein Teil von mir ist, sogar ein wichtiger! Nämlich einer, der mich vor Schaden schützen will. Der aus Erfahrungen gelernt hat und nun seine Erkenntnisse einsetzen will, solche negativen Erfahrungen in Zukunft zu vermeiden. Also kann ich mir seine Meinung ruhig anhören, denn ich weiss, er will mich eigentlich nicht wirklich niedermachen, sondern nur schützen. Indem ich ihm diese wohlwollende Absicht zugestehe, verliert er an Stärke und wird somit zu einer Meinung von vielen! Das heisst er ist es genau so wert, angehört zu werden, aber seine Meinung wiegt eben nicht mehr, als die von anderen, vielleicht positiven "inneren Stimmen".

Gruß


Hallo Bernstein,

genau in diesem Aspekt bin ich anderer Meinung. Auf die Erklärung bin ich durch eine Youtuberin gestoßen.
Jedenfalls sprichst du hier etwas wichtig an. Wie ich erwähnt habe, gibt es bestimmt eine berechtigte kritische Instanz in einem, die aufpasst und uns schützt.
Mit dem inneren Kritiker aber ist jene Instanz gemeint, die sich eben in unserer Kindheit oder Jugend gebildet hat, um uns zu schützen, da wir noch nicht erwachsen waren und uns nicht anders helfen konnten, sie war ein obligater Schutzmechanismus.
Nun, wenn man dann erwachsen ist, ist der innere Kritiker obsolet, wir benötigen ihn nicht mehr. Wir benötigen schon noch einen Kritiker, aber nicht einen derart dominierenden.
Somit fänd ich's sinnvoll, ihn von sich abzuspalten, dissoziieren.
Meine Meinung.

LG

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Re: Innerer Kritiker

Beitragvon Bernstein » 30. Oktober 2014, 16:59

Insuffizienz hat geschrieben:Mit dem inneren Kritiker aber ist jene Instanz gemeint, die sich eben in unserer Kindheit oder Jugend gebildet hat, um uns zu schützen, da wir noch nicht erwachsen waren und uns nicht anders helfen konnten, sie war ein obligater Schutzmechanismus.

Ja, genau den meine ich auch. Gut, dass du es nochmal ansprichst. Und gerade weil er z.B.in der Kindheit ein wichtiger Schutzmechanismus war, wäre es meiner Meinung nach schwierig, ihn sozusagen eliminieren zu wollen.
Insuffizienz hat geschrieben:Nun, wenn man dann erwachsen ist, ist der innere Kritiker obsolet, wir benötigen ihn nicht mehr. Wir benötigen schon noch einen Kritiker, aber nicht einen derart dominierenden.
Somit fänd ich's sinnvoll, ihn von sich abzuspalten, dissoziieren.

Allerdings sind die Dinge, die man dissoziiert, trotzdem noch vorhanden, aber leider unbewusst. Das wäre meines Erachtens nach noch fataler, denn so einen mächtigen "Nieder-Macher", dem man dann auch nicht mehr bewusst widersprechen könnte, ja, dessen negativer Einfluss sich dem Bewusstsein entzieht, den möchte ich nicht sozusagen irgendwo "in den Knochen stecken" haben.
Ich denke, ich fahre besser damit, seine Wichtigkeit, die er in der Vergangenheit hatte zu würdigen, indem ich es ihm gestatte, seine Meinung kund zu tun, dass ich mir aber eben dessen bewusst bin, dass er in der Gegenwart nur noch eine Stimme von vielen ist.
So denke ich... :erklärbär2:
Gönne dich dir selbst! (v.Clairvaux)

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Re: Innerer Kritiker

Beitragvon Insuffizienz » 31. Oktober 2014, 00:34

Hi tournesol,

ich habe deine Meinung dazu versucht etwas in meine Definition einzubauen und meinen Beitrag überarbeitet ;)

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Re: Innerer Kritiker

Beitragvon Bernstein » 31. Oktober 2014, 08:20

Guten Morgen,
wollte nochmal kurz erklären, wie ich zu meiner Verfahrensweise komme, ich orientiere mich da an der Ego-State-Therapie nach Watkins:
Besonders wichtig finde ich die Abschnitte:
Kooperation mit dem Introjekt und die Ziele der Therapie

http://r.search.yahoo.com/_ylt=A9mSs3aP ... JKnlzkJjc-

Insuffizienz hat geschrieben:Wenn wir den inneren Kritiker überwinden und an Stelle seiner extrem kritischen, negativen Worte/Positionen vermehrt einfach eine positive, aufmunternde Stimme setzen, dann verfügen wir über eine positivere Selbsteinschätzung, ein gesünderes Selbstwertgefühl und ein größeres Selbstvertrauen.


Bei mir ist es so, dass der lebenslange Versuch, Teile von mir zu "überwinden" mich ziemlich krank gemacht hat und ich es deshalb als heilsamer empfinde, alles, was in mir ist, zu akzeptieren. Natürlich ist es, wie du schreibst, aber auch hilfreich und förderlich, dieser positiven Stimme mehr Glauben zu schenken.

LG
Gönne dich dir selbst! (v.Clairvaux)


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