Wunsch nach Nähe

Die Gegenüberstellung der schützenden Distanz und dem Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen.
oderint
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Re: Wunsch nach Nähe

Beitragvon oderint » 25. April 2020, 00:58

Hallo!

weißichnicht hat geschrieben:Ich bin anfangs immer total motiviert und guter Dinge und dann verliere ich das Interesse. Und zwar nicht an dem Mann, sondern an körperlicher Nähe an sich. Das ist immer ganz komisch. In dem einen Moment wünsche ich mir nichts mehr als Nähe und dann finde ich das ganze wieder komisch und befremdlich. Fast schon abartig.


Ich kenne das nicht anders. Entstandene Kontakte können erwidert werden, Annäherung möglich. Aber bei zu viel Nähe abruptes Zurückweisen. Große Frustration auf der Gegenseite. Das Oszillieren zwischen Annähern und Zurückweisen wird vom Partner/der Partnerin nicht verstanden und als nicht sozial adäquat gewertet. Ein Grund, warum die Schizoiden nicht beliebt sind, und ihr Sozialverhalten als unangemessen und verletzend bewertet wird.

Das Verhalten des Schizoiden lässt sich mit dem tiefen Misstrauen auch Beziehungen gegenüber erklären. Bei starker Störung halte ich den Aufbau einer dauerhaften Beziehung für unmöglich. Dazu kommt, dass der Schizoide Gefühle kaum empfindet. Um nicht als krasser Außenseiter wahrgenommen zu werden, kann er sich gut verstellen, wenn er gelernt hat, was von ihm als sozialadäquates Verhalten erwartet wird. Ihm kann das gelingen, denn er beobachtet andere sehr genau. Warum? Gefühle kennt er kaum. Er hat das andere Geschlecht ja nicht kennengelernt, weshalb ihm die Erfahrungen mit ihm fehlen und er die Gefühle nur als Spiegelung in seiner Vorstellung kennt. Gesten, wie das Anlächeln kann er nicht zweifelsfrei deuten, weshalb er aus der Beobachtung eine Deutung versucht. Das ist oft mit Fehlschlägen verbunden, was den Schizoiden zu der Erkenntnis gelangen lässt, er habe schon immer gewusst, dass es schiefgehen wird und er sowieso zurückgewiesen werde. Aus diesem Kreislauf auszubrechen, fällt dem "Normalen"leichter als dem Schizoiden. Ich vermute, dass lockere Beziehungen besser funktionieren als enge, tiefe, die von großen Vertrauen geprägt sind. Dem Partner/der Partnerin zu erklären, dass man nicht der Norm entspricht, ist noch eine ganz andere Geschichte.

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Re: Wunsch nach Nähe

Beitragvon Laika » 25. April 2020, 17:26

Hallo @oderint,

nur kurz, da off topic, aber es ist etwas befremdlich, wie du über "den Schizoiden" schreibst. Es weckt Anklänge an "der Russe" oder "der Schwarze". Als ob es nur einen gäbe, kennt man einen, kennt man alle.

Ich habe gelesen, was du im Vorstellungsthread von MonkeyintheFog geschrieben hast, wie sich deine Perspektive auf dein Leben und deine Strategien ins Negative gewendet hat, seit du als "Schizoider", pardon "schizoid" diagnostiziert wurdest. Versuch "den Schizoiden" zu vergessen, den gibt es so wenig wie "den Russen". Wobei ich es kenne, phasenweise über Diagnosen nachzudenken, aber ein Stück weit verrennt man sich dabei immer, bzw. verengt sich, fokussiert sich anders. Bei mir ist es Annäherung und Rückzug mit der Diagnose, mal beschäftigt es mich und dann über lange Zeit nicht, dann lebe ich einfach. Du bist nicht verdammt, "der Schizoide" zu sein!

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Re: Wunsch nach Nähe

Beitragvon oderint » 27. April 2020, 23:12

Laika hat geschrieben: [...] es ist etwas befremdlich, wie du über "den Schizoiden" schreibst. Es weckt Anklänge an "der Russe" oder "der Schwarze". Als ob es nur einen gäbe, kennt man einen, kennt man alle.


Es war nicht meine Absicht, eine Einteilung in schwarz oder weiß vorzunehmen und damit eine Etikettierung einzelner Personen in diesem Forum vorzunehmen. Ich sprach von mir, und in meinem Fall kann man gerne von schwarz oder weiß sprechen.

Sofern ich mich im Ton vergriffen habe, darf ich mich entschuldigen.

Vielleicht stehen auch mir wieder bessere Tage ins Haus.

Gruß

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Re: Wunsch nach Nähe

Beitragvon bluemoon » 28. April 2020, 21:01

Der Wunsch nach Nähe ist für mich aufgeteilt in körperliche Nähe und das meinen Gedanken nahe kommen lassen. Oft hab ich das Problem, dass mein Gegenüber diese Aufteilung nicht deuten kann. Eine körperliche Annäherung geschieht bei mir fast ausschließlich durch meine Partnerin und ich kann dies zulassen und es genießen. Was zum Problem wird ist gleichzeitig Nähe zu meinem Ich zuzulassen.

oderint hat geschrieben: Gesten, wie das Anlächeln kann er nicht zweifelsfrei deuten, weshalb er aus der Beobachtung eine Deutung versucht. Das ist oft mit Fehlschlägen verbunden, was den Schizoiden zu der Erkenntnis gelangen lässt, er habe schon immer gewusst, dass es schiefgehen wird und er sowieso zurückgewiesen werde. Aus diesem Kreislauf auszubrechen, fällt dem "Normalen"leichter als dem Schizoiden. Ich vermute, dass lockere Beziehungen besser funktionieren als enge, tiefe, die von großen Vertrauen geprägt sind. Dem Partner/der Partnerin zu erklären, dass man nicht der Norm entspricht, ist noch eine ganz andere Geschichte.
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Die Deutung der Gesten übergehe ich einfach und wage mich nur aus der Deckung wenn mir mein Gegenüber den Wunsch nach Nähe auch körperlich zum Ausdruck bringt. In meinen Kopf lasse ich sie dann aber immer noch nicht. Aus meinem anders sein mache ich ein Geheimnis. Bei einer lockeren Beziehung reicht das. Für eine länger dauernde Partnerschaft bringt es allerding jede Menge Probleme
Lange hab ich gedacht, ich brauch nix zu erklären. Sie muss mit der Zeit doch erkennen wie ich bin, aber das ist leider ein Trugschluss. Bleibt nur sich vorsichtig zu öffnen und zu hoffen dass die Beziehung nicht daran zerbricht ...


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