Bist du Naturverbunden?

Ein Leben in (völliger) Isolation? Du bist sehr introvertiert, ängstlich-vermeidend oder gar schizoid? Wie gehst du damit um?
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Kiwi
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Re: Bist du Naturverbunden?

Beitragvon Kiwi » 15. Juni 2015, 22:01

ja sehr....ich liebe Bäume. Und. Barfuß auf Friedhöfen spazieren. Schon als Kind habe ich das gemocht. :liebäugeln:
Eigentlich bin ich ganz anders, habe nur selten die Gelegenheit dazu

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Re: Bist du Naturverbunden?

Beitragvon Traumafrau » 31. März 2017, 16:03

He ho, schönes Thema, vielleicht gibt es ausser mir ja ein paar Neue die sich auch dazu äussern möchten, ich push das mal.

Als Kind empfand ich diese Kulturlandschaften, Parks und angelegten Gärten die uns als "Natur" vorgegaukelt wurden schon erstickend und unerträglich. Meine Rückzugsrefugion waren also schattige Gehölze; Bäche und Knicks, wenn diese nicht gerade auf den Stock gesetzt waren. Damals schon stritt mein Grossvater mit dem Bauern der dort immer Gift spritzte. Heute führt sein Enkel eine Bäuerliche Grossinitiative gegen Knickschutz und ich engagiere mich in dem Umweltverband der die Gesetze zum Knickschutz installierte. So trifft man sich wieder... ;-)

Damals fiel mein Umgang mit Tieren auf: Ich war ein unerbittlicher Jäger und ich habe noch jedes Tier bekommen (Am schwierigsten waren verwilderte Kätzchen und es gab eine berühmte Ausnahme: ein Mauswiesel, welches ich schon sicher in die Ecke getrieben hatte bis es mir dann Zähne zeigte - ehmm ok - lieber nicht.). Es ging nur darum sie anschliessend zu streicheln... Wie oft hat mein Grossvater Stress mit der Fischereiaufsicht bekommen weil ich wieder einmal mein Gesicht in ein lauthals um Hilfe quakenden Babyentchen schmiegte. Ich konnte einfach nicht genug von diesem Flausch und Kindchenschema bekommen, ich denke es kurbelte meine Oxytocin-Dusche an, in einer Welt, in der es galt "sich zu beherrschen".

Andererseits war es auch auffällig wie sehr sich Tiere ihrerseits zu mir hingezogen fühlten, Schwäne kamen mich besuchen, ich war umringt von ihnen, ich fütterte sie direkt von der Hand in den Schnabel, die Schmerzen nahm ich gern in Kauf. Wir gingen gemeinsam baden, ganze Sommer lang. Plötzlich hielt ein Papagei, eine Amazone, in unseren Haushalt einzug und in Ermangelung an Artgenossen erkor sie mich zu ihrer Bezugsperson. Das bedeutete im Umkehrschluss, das kein anderer in ihre Nähe durfte und sie stundenlang Alarm schlug wenn ich in der Schule war. Eines Tages war sie weg, sie wurde in eine Voilere abgegeben - das beste was ihr passieren konnte.

Heutzutage kann ich Tieren ihr Würde lassen. Das bedeutet ich missbrauche sie -meist ja "Nutz"tiere- nicht für meine Bedürfnisse und lasse sie nicht in meinem Auftrag missbrauchen. Wenn sie mir zugetragen werden peppel ich sie nach besten Wissen und Gewissen. Krähen, Tauben, Kleinvögel, Kaninchen, Eichhörnchen, zuletzt ein Babyhörnchen, nackt, blind, mit Ansätzen der Nabelschnur. Jede Stunde1-2ml Babymilch, auch Nachts. Kopfschmerzen des Todes, dutzende Verbrühungen auf der Hand durch nächtliche Unaufmerksamkeiten mit dem Wasserkocher. Die Tube Aloe Vera Gel immer im Anschlag. Den Jahresurlaub dafür verbraten. Die kleinen sind nachher auch immer solche Hoschis und Aperillos geworden. :-)

Ich versuche ausserdem meinen ökologischen Fussabdruck so klein wie möglich zu halten, das gelingt mir auch ganz gut. Zudem bin ich passionierte Kräutersammlerin, jetzt ist gerade Bärlauchsaison. Njom. :verliebt:

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Re: Bist du Naturverbunden?

Beitragvon orinoco » 31. März 2017, 19:40

Sehe gerade, der Thread war noch vor meiner Zeit hier ...
Ja, ich würde mich auch als ziemlich naturverbunden bezeichnen, ein ausgesprochenes Landei. Aber mit Jägern, Viehhaltern und konventionellen Bauern auch schon seit drei Generationen auf Kriegsfuß. Naja, ich such jetzt nicht direkt den Streit, aber einen ohne meine Zustimmung errichteten Hochsitz auf meinem Grundstück muss ich nicht dulden.
Dafür auch seit drei Generationen Vegetarier und seit 1978 vegan. Ich bin familiär vorgeprägt, aber ich denke es ist kein Zufall, dass frühkindlich Traumatisierte mehr Mitgefühl mit Tieren haben und eher vegi werden, weil das Unrecht, das den Tieren angetan wird, so sehr dem eigenen gleicht und Ungerechtigkeit eben auch eine der fünf Seelenwunden ist.
Ich bin ein ökologischer Knauserer und versuche mit meinem Geld möglichst wenig Schaden anzurichten. Ich fliege also nicht nach Neuseeland "weil da die Natur so schön ist" oder auf die Malediven "bevor die absaufen" und verbrenne dafür badewannenweise Kerosin. Momentan stelle ich meine Individual-Mobilität auf Elektro um. Echter Ökostrom ist sowieso Ehrensache. Und in der Natur zieht es mich in die urwildlichsten Ecken, nur um dann leider festzustellen, dass diese von den umliegenden Bauern als Müllkippe benutzt werden :( Aber die Schönheit und Kraft der wilden Natur scheint immer noch durch.
Ja, jetzt ist auch bei mir Wildkräutersaison: Löwenzahn, Bärlauch, Brennnessel, Giersch, Weinbergslauch - kann ich alles auf dem eigenen Grundstück ernten. Brennnesselpesto - eine Delikatesse! Eigener Obstgarten mit alten Sorten auf Hochstamm. Ernten mit Langleiter und PSA. Frösche im Gras. Hornissen in der Luft. Rehe vor der Garage. Siebenschläfer in der Garage. Dachs unter der Terasse. Eichhörnchen auf der "Eichhörnchenautobahn" vier Meter über Grund.
Verständnis ist für den Traumatisierten, was die niedrige Bordsteinkante für den Rollstuhlfahrer.
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Re: Bist du Naturverbunden?

Beitragvon Traumafrau » 2. April 2017, 14:21

orinoco hat geschrieben:ohne meine Zustimmung errichteten Hochsitz auf meinem Grundstück muss ich nicht dulden.


Ersteinmal danke für die Verlinkung zum Knausererforum. Bin dann meinen natürlichen Interessen folgend durch die verlinkten Blogs geswitcht und auf deinen aussergewöhnlichen Kraftakt, der dich bis vor den EU-Gerichtshof gebracht hat, aufmerksam geworden. In grosses Erstaunen setzt mich ausserdem die Angabe, das du seit ´78 vegan lebst. Wie hast du die 80er-90er überlebt? In meiner Kindheit in unserem 300 Seelendorf war nur eine Mutter die es gewagt hat ihre Kinder "Bio" zu ernähren, die ist in der Luft zerfetzt worden. Ich mochte sie (sie mich nicht, HAHAHAHA, sie hatte ihren Kindern den Umgang mit mir verboten) und habe jede Info darüber wie einen Schwamm aufgesaugt. Bin selbst nach der ersten BSE Krise Anfang der 90er vegetarisch geworden, gegen Ende der 90er durch kleine Antifa Vokü Nischen auf Veganismus gestossen. Dir müssten Namen wie Achim Stösser, Günter Garbers etwas sagen, die in ihrer Konsequenz ihrer Zeit ebenfalls weit, weit voraus und stets als Spinner verschrien waren. Ich bin zudem -etwas off top- über den Eintrag des verlusts deiner Zwillingsseele gestolpert und dieses Gesamtbild zeigt mir das dein leben von einer Intensität und einer Tiefe ist .. Chapeau, ich ziehe den Hut vor dir. Und ich wünsche dir und deinen beiden Kuhkatzen alles gute.

Und ich hätte gern dein geheimes Brennesselpesto Rezept gewusst. :-)

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Re: Bist du Naturverbunden?

Beitragvon orinoco » 2. April 2017, 20:04

Traumafrau hat geschrieben:
orinoco hat geschrieben:ohne meine Zustimmung errichteten Hochsitz auf meinem Grundstück muss ich nicht dulden.


Ersteinmal danke für die Verlinkung zum Knausererforum. Bin dann meinen natürlichen Interessen folgend durch die verlinkten Blogs geswitcht und auf deinen aussergewöhnlichen Kraftakt, der dich bis vor den EU-Gerichtshof gebracht hat, aufmerksam geworden.


Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) um korrekt zu sein. Der hat mit der EU und dem EuGH nur sehr wenig bis nichts zu tun z.B. ist die Schweiz dort auch mit dabei. Der kümmert sich ausschließlich um die Einhaltung der Europäischen Konvention für Menschenrechte (EKMR). Eine hochinteressante Konvention, da darin die Grundrechte festgelegt sind zu der sich die Vertragsstaaten je nach Ratifizierungsstand international einklagbar verpflichtet haben. Sollte jeder wissen welche Rechte er da hat, für den Fall dass die in der nationalen Verfassung garantierten Rechte bzw. deren Einklagbarkeit durch die nationale Justiz versagt - wie in meinem Fall. Viele glauben noch das BVerfG sei Ende der Fahnenstange. Dem ist eben nicht so. Der EGMR urteilt darüber und über die Nationalstaaten, ihm steht nur leider außer Schadenersatz kein sehr wirksames Druckmittel zur Verfügung. In den letzten Jahrzehnten ziehen aber immer mehr Bürger dorthin und bekommen Recht und das übt einen gewissen politischen Druck aus.

Traumafrau hat geschrieben:In grosses Erstaunen setzt mich ausserdem die Angabe, das du seit ´78 vegan lebst. Wie hast du die 80er-90er überlebt?


Vor mir haben schon ganz andere die 50er 60er und 70er als Veganer überlebt - schon damals mit Kunstlederkoffer und Plastikschuhen
"auch auf die Gefahr hin im Lebensstandard eine Stufe niedriger eingestuft zu werden".
Anfang der 1970er hat Käthe Schüder das erste vegane Kochbuch in deutscher Sprache herausgegeben, alles noch ohne Sojamilch, Tofu, Seitan usw. nur mit dem was es in Deutschland damals gab. Das exotischste Ersatzstoff waren Hefeflocken aus dem Reformhaus. Anno 1978 war vegan an sich also schon kein Hexenwerk mehr, zumal es für alle Interessierten auf dem alljährlichen Konvent auf dem ausschließlich vegan gekocht wurde, in der Küche praktischen Anschauungsunterricht von Käthe Schüder gab. Das viel größere Problem war die soziale Akzeptanz und Integration, die damals nicht mal in der (lacto-)vegetarischen Jugendgruppe gegeben war. Im "normalen" Leben war es ziemlich egal ob man nun Lacto oder Veganer war, auf jeden Fall Exot und Außenseiter. In der Schule war ich der einzige Veganer und einzige Vegetarier.
Da kann ich Geschichten erzählen ... im Nachhinein ganz lustig, damals aber nicht unbedingt.

Traumafrau hat geschrieben:In meiner Kindheit in unserem 300 Seelendorf war nur eine Mutter die es gewagt hat ihre Kinder "Bio" zu ernähren, die ist in der Luft zerfetzt worden. Ich mochte sie (sie mich nicht, HAHAHAHA, sie hatte ihren Kindern den Umgang mit mir verboten) und habe jede Info darüber wie einen Schwamm aufgesaugt.


Ich glaub nachdem schon meine Eltern von Geburt an Vegetarier waren und auch meine Großeltern den größten Teil ihres Lebens und damals immer noch nicht tot umgefallen waren und standhaft trotz "Wie decken Sie denn Ihren Eiweißbedarf?" weiterlebten, hat niemand die Kompetenz meiner Eltern und Großeltern bei der vegetarischen Kinderernährung in Frage gestellt. Das mit dem vegan hat die Außenwelt gar nicht mitgekriegt bzw. wußte gar nicht was das war. B12 war damals auch überhaupt kein Thema.

Traumafrau hat geschrieben:Bin selbst nach der ersten BSE Krise Anfang der 90er vegetarisch geworden, gegen Ende der 90er durch kleine Antifa Vokü Nischen auf Veganismus gestossen.


Die Voküs kamen erst relativ spät auf und dann natürlich meist im universitären Umfeld. An meiner Uni zu meiner Studienzeit (auch die 90er) gab's das noch nicht. Aber das Umfeld war schon wesentlich toleranter als zu Schulzeiten. Und die Kommilitonen haben dann auch schon mal "vegan für alle" gekocht um nicht x verschiedene Varianten kochen zu müssen. Das war für die schon kein Problem mehr.

Traumafrau hat geschrieben:Dir müssten Namen wie Achim Stösser, Günter Garbers etwas sagen, die in ihrer Konsequenz ihrer Zeit ebenfalls weit, weit voraus und stets als Spinner verschrien waren.


Als Veganer bin ich eher mit Carl-Anders Skriver und Käthe Schüder sozialisiert worden. Die waren wohl noch ein bisschen weiter voraus. Achim Stösser ist mir ein Begriff. Ich ihm auch. Gemeinsam ist uns nur, dass wir den abolitionist approach nach Gary L. Francione teilen. In der politischen Konsequenz haben wir allerdings nicht mehr viel gemeinsam. Günter Garbers war mir bis dato kein Begriff. Aber es gibt da inzwischen so viele vegane A-Z-Promis ... kann man nicht mehr alle kennen. Manche möchte ich auch gar nicht näher kennen, aber das ist auch wieder eine andere Geschichte.

Traumafrau hat geschrieben:Ich bin zudem -etwas off top- über den Eintrag des verlusts deiner Zwillingsseele gestolpert und dieses Gesamtbild zeigt mir das dein leben von einer Intensität und einer Tiefe ist .. Chapeau, ich ziehe den Hut vor dir. Und ich wünsche dir und deinen beiden Kuhkatzen alles gute.


Die eine ist leider letzten Herbst gestorben ... *schnüff* :( Der anderen geht's gut ... und mir ... naja ... auch eine andere Geschichte.
Aber Danke für die guten Wünsche. Tut gut.

Traumafrau hat geschrieben:Und ich hätte gern dein geheimes Brennesselpesto Rezept gewusst. :-)


Ist schon nicht mehr soooo geheim: Wildkräuter-Substanzrezepte. Datum: 27.02.2007 22:35 ... Boah - wie die Zeit vergeht ...
Verständnis ist für den Traumatisierten, was die niedrige Bordsteinkante für den Rollstuhlfahrer.
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