Eine These die für mich alles verändert.

Ein Leben in (völliger) Isolation? Du bist sehr introvertiert, ängstlich-vermeidend oder gar schizoid? Wie gehst du damit um?
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ToWCypress81
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Re: Eine These die für mich alles verändert.

Beitragvon ToWCypress81 » 3. März 2019, 21:08

Themis hat geschrieben:@ ToWCypress81:
Ich denke, jetzt habe ich verstanden, was Du meintest und wieso das alles verändert. Tut mir leid, dass am Anfang das rechte Verständnis fehlte. :(
Das macht doch nichts, ich habe im schreiben und überdenken des Ganzens auch noch viel verstanden, was ich bisher nur angedacht habe. Auch ich habe die ganze Tragweite erst jetzt verstanden, bin aber noch dabei das Ganze wirklich vollkommen für mich in meinen Alltag aufzunehmen, sprich: das Wissen + Umsetzung.
Themis hat geschrieben:Darf ich fragen, ob die Erkenntnis oder vielmehr wohl das neue Selbstwertgefühl an einem Punkt ganz plötzlich entstand oder Folge einer längeren Entwicklung war?
Die Erkenntnis habe ich im laufe meines Lebens immer wieder mal angedacht, aber nie im ganzen vollkommen für mich verstanden. Der ausschlaggebende Punkt dafür, war da, als ich vor etwas über 1ner Woche mein Medikament (Neuroleptika: Amisulprid) wieder nahm, das ich über sehr lange Zeit ausgeschlichen habe und dann doch nicht klar kam (nach 2 Monaten ohne Medikament). - Zum teil wegen Absetzungserscheinungen, aber vor allem wegen ursächlichen erwähnten Ängsten (die ich teils zu Panik-Ängsten hochsteigerte) die (Ängste bzw Angst) noch nicht bewältigt sind (ist) und denen (der) ich auf den Grund gehen wollte.
Themis hat geschrieben:Das war und ist immer noch eine große Befreiung, die mich auch im Alltag hat lockerer werden lassen. Ich habe zunehmend ein Selbst-Gefühl; eins, dass ich eben als eigene Person da bin und daher auch da sein darf. Vmtl. geht es Dir mit Deinem neuen Selbst-WERT-Gefühl genauso.
Das freut mich sehr für dich :blumengabe:
Ja, soetwas im Sinne bzw wie ich es beschrieb (meine Erkenntnis) mit diesem meinem Selbstwertgefühl und entsprechender Denkweise und Verhalten will ich auch erreichen.
Themis hat geschrieben:Viel Freude weiterhin damit! :Ballon:
Vielen Dank! :Sonne:

sdsdsdsv hat geschrieben:Und was bedeutet das? Wehrst du dich nun, oder reicht es dir zu wissen, dass dass du nun bei dir bleiben kannst?
Sowohl als auch. In der Hinsicht bzw Wissen, das ich mich jederzeit wehren muss bzw das Recht wie jeder andere dazu habe, wenn es mich/mein Selbst oder das was mir wichtig ist stark verletzt. Allein die Haltung und Wissen ist im Vorhinein wichtig für mich, um (auch wenn gar nichts passiert) nicht in Angst und Feindschaft mit den Menschen zu leben.

tiffi

Re: Eine These die für mich alles verändert.

Beitragvon tiffi » 4. März 2019, 10:22

ToWCypress81 hat geschrieben:Das was mein Augenmerk meines Satzes in Verbindung mit dem "sich-wehren-MÜSSEN" allerdings war, ist: in wie weit man "verletzt" wird, und dann für sich oder das was es zu schützen gilt wehrt.
Heist: Wie man reagiert, kommt ganz auf den Grad der Verletzung an (das Was, Wichtigkeit usw. und damit die Reaktion, ist natürlich von Mensch zu Mensch unterschiedlich, diese auch wiederum durch Erfahrungen wechseln (in ihrer Stärke) kann).
Achso, mit der Erläuterung bzgl. Wehren ist mir klarer, was du meintest.

Wäre ja auch eine Verletzung, wenn man aus der Verbindung zu sich selbst rausgehauen ist und sich von
außen betrachtet, voller Selbstzweifel oder ganz hilflos und in einer Art Selbstverletzung. (kein Recht haben)

Der Zustand ist mir durchaus auch vertraut, und das war wie eine Entdeckungsreise zu mir selbst, aus mir selbst
heraus wahrzunehmen.
Noch immer hab ich manchmal die Furcht, dass es Gruppen gibt, die ein stärkeres "das geht, das geht nicht"
definieren, oder dass ich eine Minderheit bin, die abgewertet wird, als komisch betitel ect, wie öfters erlebt,
angefangen im Familienkreis. Aber auch sowas nimmt mir ja nicht wirklich mein Sein, mein im Leben sein,
was so da ist wie Atmen.
ToWCypress81 hat geschrieben:Grundsätzlich und damit zusammenhängend (verletzt werden, wehren) bin ich der Meinung, das man nicht im Vorfeld (vor möglichen Angriffen) - wenn man unter Menschen ist - in Angst vor Angriffen bzw einer gefühlten Machtlosigkeit, wie etwa "das man ja ohnehin nichts tun kann", "es keinen Sinn macht" und dergleichen gegenüber stehen sollte. Denn genau das führt erst dazu, das man jedesmal unter Menschen unsicher und damit ängstlich wird - da man mit der Gewissheit rangeht "Ausgeliefert" zu sein, oder "Machtlos" - was sich durch dieses Denken dann auch sehr leicht zu einer Panik hochsteigern kann.
Und das ist eigentlich auch erst die Quintessenz des Ganzen: durch dieses sich "Ausgeliefert" oder "Machtlos" fühlen - verliert man sich Selbst. Man steht in dem Moment außerhalb seines Körpers bzw sieht sich selbst von außen - als ob ein Zug den eigenen Körper überrollt, ohne das man etwas dagegen tun kann.
Deswegen: das Wissen, der Standpunkt - ist das Ausschlaggebende. - Zu wissen, das man einen eigenen Willen hat und kein anderer Mensch besser ist, als man selbst. Sprich: Jeder Mensch gleich viel wert ist - und man daher genauso viel Rechte hat, sich zu wehren - wie jeder andere auch.
Ich tue mir manchmal auch schwer, mit anderen die eigene Verbindung zu erhalten, insbesondere
in Richtung "dominanter Teil der Familie" wo eh schon viel Ignoranz und Vereinnahmung und benutzt werden
eine Rolle spielt. Oder man galt halt nicht als Individuum. Einer schwingt das Zepter, die anderen passen sich
für die Gruppe an. Plus Hauen und Stechen und Koalitionen, alles nicht Dinge, die die innere Verbindung unterstützen.
Also nicht damit / dadurch, sondern eher dann "trotzdem", wenn man sagt, ich spiele hier nicht mit.

Es war ja irgendwie eine Wohltat zu erfahren, dass die meisten anderen Menschen nicht so hemmungslos
rücksichtslos sind. Und dass die meisten Menschen es auch nicht drauf anlegen, dass ich mich verliere und ihnen
unterordne. Wobei es auch genug Menschen gibt, die das individuelle nicht so schätzen oder bekämpfen.
(was ja wieder zum Ausgangspunkt gehört, also ggf. aus eigener Unsicherheit, Leute die mobben, aggressiv werden,
Unterschiede ausmerzen wollen, um sich zu stabilisieren --> finde ich trotzdem extrem unangenehm, frech und doof)

In so Selbsthilfekreisen gab es auch so ein Schlagwort "ich gebe anderen die Macht" - das hat bei mir auch etwas
gedauert, dass ich diese Macht selber über mich fühle und das keiner die so wirklich sich holen kann.
Grenzfall echtes Ausgeliefertsein. Was wirklich der Ausnahmefall ist im Bereich Krieg / Verbrechen oder eben
den dummen Zustand unter nicht so reflektierten Menschen, die Gehorsam erwarten und Gruppenidentität sehen
und Anpassung als Weg, ein Kind zu sein.

Aber als Erwachsener hat man da schon mehr Optionen. Zu werten, zu handeln, zu entscheiden, sich
zu positionieren.

@ToW
Da wünsch ich dir, dass du die Erkenntnis weiter für dich stärkst und festigst und das auch mehr erlebst
unter Menschen, in dir sicher zu sein und berechtigt.

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Re: Eine These die für mich alles verändert.

Beitragvon ToWCypress81 » 5. März 2019, 16:32

@tiffi

Wie man im späteren mit Situationen umgeht oder nicht umgehen kann bzw Probleme hat, hat meiner Meinung nach maßgeblich oder gar Grundsätzlich mit der Erziehung und Problemen, sprich: keine Problembewältigung oder doch eine vorhanden ist bzw erlernt wird - rund um die Zeit bis ca. 15./16. Lebensjahr zu tun.

Wenn man bis zu diesem Lebensjahr keine Problembewältigungs-Strategien durch Ansprechpartner wie etwa durch Eltern und andere Einflüsse (positive Erfahrungen, Menschen/Vorbilder in unmittelbarem Umfeld) für sich rausbekommen hat - hat man (meiner Meinung nach) höchstwahrscheinlich im späteren oder vielleicht gar (in manchen Fällen) Lebenslang selbstbehindernde Unsicherheiten und damit entsprechende Selbstzweifel, Ängste usw. - Die in welcher Art und Umfang auch wiederum durch Traumata usw. beeinflusst werden können bzw erst dann zur/zum Ausbruch/Störung führen können.

Egal ob man nun in Situationen ist, wo man von Menschen abhängig ist oder sich abhängig macht (die Eltern einen, in welcher Art auch immer nicht zu stark vereinnahmt haben, oder keine Erziehungs-Richtlinien hatte die man im späteren eher meint zu brauchen usw.) Kriesen/Kriegs-Situationen, man niedergemacht oder kleingemacht wird usw. - man diese Situationen, egal ob im Stillen oder im Lauten (wehren) besser, durch diese Problembewältigungs-Strategien (in welcher Form auch immer) - mit sich und den Menschen vereinbaren kann.

Wenn man diese Problembewältigungs-Strategien nicht erlernt hat, wird das als Erwachsener so oder so ein schwerer Kampf.
Dennoch denke ich, das man durch dieses sich Bewusst-Machen/verstehen der Problematik (Erkenntnisse) und das ständige arbeiten daran, genauso wie Hilfe durch mögliche Therapeuten - man zumindest noch viel daran bewirken und vielleicht sogar für sich annehmbar (etwas "optimales/perfektes" gibt es nicht!!) lösen kann.

@ToW
Da wünsch ich dir, dass du die Erkenntnis weiter für dich stärkst und festigst und das auch mehr erlebst
unter Menschen, in dir sicher zu sein und berechtigt.

Vielen Dank! :-)

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Re: Eine These die für mich alles verändert.

Beitragvon ToWCypress81 » 7. März 2019, 19:38

Ich habe nun endlich eine Problemlösung-Strategie bzw. Tatsachen-Verständnis und Umsetzung gegen meine Störung/Problem gefunden. :Sonne: :dj:
Diese fühlt sich richtig an und ich fühle mich damit sehr gut, auch wenn es etwas ungewohnt ist und ich dadurch gegen meine mir falsch erlernte (ich hatte niemanden an den ich mich früher wenden konnte bzw einen besseren Weg aufzeigte) bisherige vorige, automatisiert-instinktive Bewältigungs-Strategie - die ja die eigentliche Störung darstellt!!!!! - ankämpfe bzw bewusst unterbinde.

Bisher war es so, das immer wenn mir etwas Angst bereitete bzw ich etwas ängstlich wurde, ich mit aller Macht das unterbunden habe. Indem ich vollkommen gegenteilig reagiert habe bzw meiner Umwelt (Menschen) zeigen wollte, das ich über allem drüber stehe und praktisch (so wollte ich es zumindest) keine Angst vor nichts habe. - Daraufhin bin ich durch dieses vollkommene Übergehen bzw deckeln und untderdrücken der innerlichen Ängste, und damit bewusst gegenteiligen gesteuerten Aufteten, immer sehr bis (gefühlt) extrem unsicher geworden, da die Ängste dennoch unterschwellig voll da waren. Bzw dadurch das ich die Ängste so sehr unterdrückt habe, wurden sie immer mehr, worauf ich immer unsicherer wurde - und mich durch mein (in meinen Augen) komisches Verhalten immer von aussen sah.
Dieses Unterbinden der Angst, kann man eigentlich als zwanghaft bezeichnen. - In welche Richtung auch meine erste gestellte Diagnose "Zwangsstörung" bzw "zwanghaft" (2001) ging - dessen Inhalt (Angst-Unterdrückung) ich damals (bis jetzt!!!!) aber nicht in der Art und Umfang wie es tatsächlich ist, sah und anerkannte, daher auch nicht sagte - und man mir damals und im Späteren auch nicht therapeutisch helfen konnte.

Meine neue, nun sich gut und richtig anfühlende Problembewältigungs-Strategie: Immer wenn ich Anflüge von Angst und Ängstlichkeit verspüre, sage und setze ich bewusst unter Menschen (gedanklich und von den Empfindungen her) durch: "du darfst ängstlich sein!!!".
Zu Anfang war es noch sehr gewöhnungsbedürftig, doch jetzt habe ich so langsam gemerkt, das sich das sehr richtig und gut anfühlt. - Vor Allem auch mit dem Zusatz meiner hier vorher dagelegten Sichtweise "dem sich wehren Müssen" - die für mich in dem Moment heißt: "scheiß egal was die sagen und denken. Wenn sie ein Problem mit mir haben (mich entsprechend angehen/mir sagen), dann wehre ich mich und sage meine Meinung bzw lasse mir nichts gefallen und vorschreiben".

- Das hat tatsächlich jetzt aus ersten Erfahrungen, nicht nur dazu geführt, das ich unter Menschen entspanne/entspannter bin, sondern auch neben dem Verständnis (für meine Angst/Ängstlichkeit) das ich in dem Moment mir gegenüber habe, auch mehr gegenüber den Menschen habe (Verständnis). Also auch mehr die Schwächen und Macken der anderen noch mehr respektiere bzw als normal ansehe.
Nun verstehe ich damit auch jetzt erst viel mehr, was "sich selbst und andere akzeptieren, respektieren und lieben" in Wirklichkeit bedeutet. - So das erst Dadurch (durch dieses Verständnis und tatsächliche Umsetzung) wie sich das bis jetzt entwickelt und gefühlt anzudeuten scheint, auch immer mehr Selbst-Vertrauen und damit auch Vertrauen zu anderen entsteht.

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Re: Eine These die für mich alles verändert.

Beitragvon Themis » 7. März 2019, 22:15

ToWCypress81 hat geschrieben:Wenn sie ein Problem mit mir haben (mich entsprechend angehen/mir sagen), dann wehre ich mich und sage meine Meinung bzw lasse mir nichts gefallen und vorschreiben".
Kam/kommt denn das tatsächlich vor, dass jemand Dir etwas Negatives sagt/e? Also ganz objektiv und persönlich bezogen, auf Person und Verhalten? Im Erwachsenenleben, meine ich. Oder war dies evtl. immer NUR die innere Angst, die sich dann selbst verstärkte?
ToWCypress81 hat geschrieben:Das hat tatsächlich jetzt aus ersten Erfahrungen, nicht nur dazu geführt, das ich unter Menschen entspanne/entspannter bin, sondern auch neben dem Verständnis (für meine Angst/Ängstlichkeit) das ich in dem Moment mir gegenüber habe, auch mehr gegenüber den Menschen habe (Verständnis).
Ich denke, ich kann Dir voraussagen, dass damit auch die Menschen offener und mit mehr Verständnis auf Dich zugehen werden. Und zwar fast alle! Vom anonymen entgegenkommenden Spaziergänger bis zu Hausbewohnern oder Kollegen. Man wird plötzlich angelächelt. :)
Bei mir hat sich das so entwickelt, ohne aktives Zutun - nur durch genau das von Dir Beschriebene. Mehr eigene innere Freundlichkeit -> dies wird von anderen gespürt und kommt zurück.
Für mich ist es immer noch ein Wunder und ich bin sehr dankbar dafür. Und es strengt überhaupt nicht an, man ist viel entspannter. :Sonne:

Aber war ganz schön schwer, da hinzukommen.
Heimat gibt es nicht. Nirgends.

tiffi

Re: Eine These die für mich alles verändert.

Beitragvon tiffi » 8. März 2019, 06:24

ToWCypress81 hat geschrieben:Bisher war es so, das immer wenn mir etwas Angst bereitete bzw ich etwas ängstlich wurde, ich mit aller Macht das unterbunden habe. Indem ich vollkommen gegenteilig reagiert habe bzw meiner Umwelt (Menschen) zeigen wollte, das ich über allem drüber stehe und praktisch (so wollte ich es zumindest) keine Angst vor nichts habe.
Das kenne ich auch gut. Das ist so automatisiert, dass da schon so Gedanken sind "Angst ist falsch, Angst darf man
nicht haben". Wobei ich schon glaube, dass viele Menschen das so in sich drin haben und viele auch froh sind, wenn man
Angst nicht so offen zeigt. Weil das auch noch die - noch unbewussten - Unterdrückungsmechanismen hervorruft.

Gibt aber vielleicht auch einen Unterschied zwischen zulassen in sich drin / offen sein / nicht in sich kämpfen
und die Angst per Worte und irgendwie dramatisch zeigen, vielleicht auch mit so Appellen wie "ich bin so hilflos"

Vielleicht ist der Schlüssel dann mehr eine innere Haltung, die einen entspannter werden lässt und andere auch.
ToWCypress81 hat geschrieben: Daraufhin bin ich durch dieses vollkommene Übergehen bzw deckeln und untderdrücken der innerlichen Ängste, und damit bewusst gegenteiligen gesteuerten Aufteten, immer sehr bis (gefühlt) extrem unsicher geworden, da die Ängste dennoch unterschwellig voll da waren. Bzw dadurch das ich die Ängste so sehr unterdrückt habe, wurden sie immer mehr, worauf ich immer unsicherer wurde - und mich durch mein (in meinen Augen) komisches Verhalten immer von aussen sah.
Das in sich bekämpfen und sich anders darstellen macht es dann unnatürlicher, das kenn ich auch. Und man arbeitet
ja irgendwie auch gegen sich selbst.
ToWCypress81 hat geschrieben:Meine neue, nun sich gut und richtig anfühlende Problembewältigungs-Strategie: Immer wenn ich Anflüge von Angst und Ängstlichkeit verspüre, sage und setze ich bewusst unter Menschen (gedanklich und von den Empfindungen her) durch: "du darfst ängstlich sein!!!".
Zu Anfang war es noch sehr gewöhnungsbedürftig, doch jetzt habe ich so langsam gemerkt, das sich das sehr richtig und gut anfühlt. - Vor Allem auch mit dem Zusatz meiner hier vorher dagelegten Sichtweise "dem sich wehren Müssen" - die für mich in dem Moment heißt: "scheiß egal was die sagen und denken. Wenn sie ein Problem mit mir haben (mich entsprechend angehen/mir sagen), dann wehre ich mich und sage meine Meinung bzw lasse mir nichts gefallen und vorschreiben".
Das mit dem wehren verstehe ich in dem Zusammenhang nicht ganz. Das wehren ist ja zum Teil auch
kämpfen und für sich stark sein? Die Angst so lassen ist mehr ein zulassen. Wie passen die zwei Strebungen, sich hart
machen und kämpfen und zulassen zusammen?

Oder ist die Angst bekämpfen wie bei der Strategie vorher vielleicht schon sowas wie ein Vorwegnahme: ich kämpfe und
zeige mich stark, will unverwundbar sein bei anderen? Dann muss ich mich nicht zeigen und angreifbar werden.

Und mit der neuen Strategie wäre man erst mal offener, angreifbarer, aber könnte, wenn wirklich was passiert, auch
sich wehren (instinktiv)?
ToWCypress81 hat geschrieben:Das hat tatsächlich jetzt aus ersten Erfahrungen, nicht nur dazu geführt, das ich unter Menschen entspanne/entspannter bin, sondern auch neben dem Verständnis (für meine Angst/Ängstlichkeit) das ich in dem Moment mir gegenüber habe, auch mehr gegenüber den Menschen habe (Verständnis). Also auch mehr die Schwächen und Macken der anderen noch mehr respektiere bzw als normal ansehe.
Nun verstehe ich damit auch jetzt erst viel mehr, was "sich selbst und andere akzeptieren, respektieren und lieben" in Wirklichkeit bedeutet. - So das erst Dadurch (durch dieses Verständnis und tatsächliche Umsetzung) wie sich das bis jetzt entwickelt und gefühlt anzudeuten scheint, auch immer mehr Selbst-Vertrauen und damit auch Vertrauen zu anderen entsteht.
Dieses Verständnis und dadurch mehr Verbundenheit - zu mir und anderen, hab ich auch schon erfahren.
Also Menschen, die den Draht zu sich haben, scheinen dann auch mit meiner Offenheit zu funken.
Menschen, die den Draht nicht haben, können auch irritiert sein oder einen klein halten, totales Unverständnis zeigen
(wie für sich selbst und die eigenen "schwachen" Seiten).
Ich finde es sehr angenehm, wenn man voll umfänglich da sein kann ohne sich was vorspielen zu müssen oder vorweg
was bekämpfen zu müssen. Bei mir sind aber wohl auch "zwei Seelen in meiner Brust"; der Perfektionismus und dass die
Angst nicht da sein sollte, aber auch das zulassen und offen sein.
@ToW- du hattest das ja auch so ausgedrückt, dass da die alten Bewältigungsmechanismen sind, das eher zwanghafte,
und das neue
Zuletzt geändert von tiffi am 8. März 2019, 06:31, insgesamt 1-mal geändert.

tiffi

Re: Eine These die für mich alles verändert.

Beitragvon tiffi » 8. März 2019, 06:29

Themis hat geschrieben:
ToWCypress81 hat geschrieben:Das hat tatsächlich jetzt aus ersten Erfahrungen, nicht nur dazu geführt, das ich unter Menschen entspanne/entspannter bin, sondern auch neben dem Verständnis (für meine Angst/Ängstlichkeit) das ich in dem Moment mir gegenüber habe, auch mehr gegenüber den Menschen habe (Verständnis).
Ich denke, ich kann Dir voraussagen, dass damit auch die Menschen offener und mit mehr Verständnis auf Dich zugehen werden. Und zwar fast alle! Vom anonymen entgegenkommenden Spaziergänger bis zu Hausbewohnern oder Kollegen. Man wird plötzlich angelächelt. :)
Bei mir hat sich das so entwickelt, ohne aktives Zutun - nur durch genau das von Dir Beschriebene. Mehr eigene innere Freundlichkeit -> dies wird von anderen gespürt und kommt zurück.
Für mich ist es immer noch ein Wunder und ich bin sehr dankbar dafür. Und es strengt überhaupt nicht an, man ist viel entspannter. :Sonne:

Aber war ganz schön schwer, da hinzukommen.
Hm, ich kenne auch so Phasen, wenn ich so "in mir bin", dass die Leute um mich anfangen zu summen oder singen,
einen offener anschauen oder auch die Tiere irgendwie anders reagieren, interessierter.
War mir nie sicher, ob ich mir das einbilde, aber ich hatte für mich so das Bild, ich rutsche mehr in eine Verbindung zu mir,
dem Leben, der Welt um mich rein. So was unausgesprochenes. Nicht das explizite bla bla wo Menschen sonst mit
Verbindung schaffen (was ich eher nervend oder auch trennend empfinde)

Den Begriff "eigene innere Freundlichkeit" find ich gut.

@Themis: Wie passt das für dich zusammen, dass es wie ein Wunder ist und von selbst kam ohne Zutun, und dass es
doch schwer ist dahinzukommen?
Wehrt sich irgendwas in einem gegen das "leichtere"? Ist dieser innere Kritiker, der Hang zum sich anpassen und unterdrücken
so stark?

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Re: Eine These die für mich alles verändert.

Beitragvon ToWCypress81 » 8. März 2019, 07:24

Themis hat geschrieben: Kam/kommt denn das tatsächlich vor, dass jemand Dir etwas Negatives sagt/e? Also ganz objektiv und persönlich bezogen, auf Person und Verhalten? Im Erwachsenenleben, meine ich. Oder war dies evtl. immer NUR die innere Angst, die sich dann selbst verstärkte?
Es war/ist tatsächlich eher die innere Angst, die sich selbst verstärkt. Dadurch zustande gekommen, vor allem aus negativen Erfahrungen der Schulzeit, aber auch öfter als z. B. junger Erwachsener in z. B. der U-Bahn usw. Meist waren/sind es aber oft oder rein gemurmelte/nicht ganz verständliche Sätze, böse Blicke, Gestöhne, Gelächter, offensives Geräuspere (auch insbesondere von meinem Vater) und Gehuste wenn man an mir vorbei ging/in meiner Nähe war/ist, die ich automatisch (wegen meinen traumatischen Erfahrungen) auf mich projizierte/projiziere.

Themis hat geschrieben:
Aber war ganz schön schwer, da hinzukommen
Das kann ich mir vorstellen! das erstmal sich entsprechend richtig (so wie ich es auch gerade tue) einzuprägen und gegenteilig umzudenken, ist in keinster Weise einfach! - Aber es ist (so richtig und schön wie du es beschrieben hast) dermaßen viel Wert das endlich zu verstehen und umzusetzen!

tiffi hat geschrieben:
Das mit dem wehren verstehe ich in dem Zusammenhang nicht ganz. Das wehren ist ja zum Teil auch
kämpfen und für sich stark sein? Die Angst so lassen ist mehr ein zulassen. Wie passen die zwei Strebungen, sich hart
machen und kämpfen und zulassen zusammen?
Es ist für mich das innere mir-klar-machen, das ich einen eigenen Willen habe, und mich statt bewusst unängstlich zu geben, mich wegzuducken und mögliche Angriffe ignoriere - stattdessen somit Ehrlichkeit (erwähntes ängstliche Empfinden) zu mir und zu den Menschen nicht entsprechend übertrieben unterdrücke, und falls Leute Probleme damit (mit meinem nicht-verfälschten Ich/Selbst) haben - für-mich-einzustehen.
Denn genau Das habe ich vorher nicht gemacht und bzw hat in meinem traumatischen Erlebnis zu gegenteiligen, zu dem für mich gestörten Verhalten (wie beschrieben) geführt.

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Re: Eine These die für mich alles verändert.

Beitragvon ToWCypress81 » 10. März 2019, 08:59

tiffi hat geschrieben:Das kenne ich auch gut. Das ist so automatisiert, dass da schon so Gedanken sind "Angst ist falsch, Angst darf man nicht haben". Wobei ich schon glaube, dass viele Menschen das so in sich drin haben und viele auch froh sind, wenn man Angst nicht so offen zeigt. Weil das auch noch die - noch unbewussten - Unterdrückungsmechanismen hervorruft
Ich denke, absolut NIEMAND würde gerne wollen, das man die eigene Angst bewusst offen sieht und damit auch bewusst offen zeigt.
Wenn ich sage, das ich meine Ängste ab sofort zulasse, dann ist das vor allem eine INNERE Akzeptanz und Zulassen von Ängsten, da ich bisher Ängste für mich absolut (in KEINER erdenklichen Form!) akzeptiert habe.
Sich also bewusst ängstlich Menschen gegenüber geben und zeigen heißt das nicht, jedenfalls nicht im eigentlichen/ober-flächlichen Sinne.
Wenn man nicht immer seine menschliche Maskerade aufrechthalten kann (was KEIN Mensch kann!) und daher bzw dennoch in manchen Situationen ängstlich wirkt, dann ist das eben so, und darf und soll auch so sein!! - aber eben nicht im bewussten fordernden Sinne des "zeigen-wollen/müssens"!
tiffi hat geschrieben:Gibt aber vielleicht auch einen Unterschied zwischen zulassen in sich drin / offen sein / nicht in sich kämpfen...
...Vielleicht ist der Schlüssel dann mehr eine innere Haltung, die einen entspannter werden lässt und andere auch.
Ja, genau so meinte ich das.
tiffi hat geschrieben:Das in sich bekämpfen und sich anders darstellen macht es dann unnatürlicher, das kenn ich auch. Und man arbeitet ja irgendwie auch gegen sich selbst.
Ja, so ist es. Mir ist dabei auch insbesondere der Satz "gegen sich selbst arbeiten" aufgefallen. Dieser ("ich arbeite gegen mich") war mein mich für ALLES selbst erklärender Satz, den ich ca. die ersten 8 bis 10 Jahre bei Therapeuten und Fragenden immerzu wiedergab, weil ich ansonsten nie wusste wie ich mich bzw mein Problem erklären könnte und sollte bzw mich selbst nicht verstand. - Aus dem Grund, da ich damals wie gesagt alles "normalisierte" und daher meine Eltern/Erziehung und meine Schulerlebnisse nie als Stör- bzw. Problemfaktoren ansah. Selbst jetzt begreife, verstehe und akzeptiere ich noch so viel, was ich vorher auch nicht, oder nicht im Ganzen sah bzw ansah.

tiffi

Re: Eine These die für mich alles verändert.

Beitragvon tiffi » 10. März 2019, 10:25

ToWCypress81 hat geschrieben:Ich denke, absolut NIEMAND würde gerne wollen, das man die eigene Angst bewusst offen sieht und damit auch bewusst offen zeigt.
Wenn ich sage, das ich meine Ängste ab sofort zulasse, dann ist das vor allem eine INNERE Akzeptanz und Zulassen von Ängsten, da ich bisher Ängste für mich absolut (in KEINER erdenklichen Form!) akzeptiert habe.
Sich also bewusst ängstlich Menschen gegenüber geben und zeigen heißt das nicht, jedenfalls nicht im eigentlichen/ober-flächlichen Sinne.
Achso, das ist nochmal eine wichtige Unterscheidung.
Da muss ich sagen, hab ich in meiner Selbsterziehung immer einen anderen Anspruch gehabt, nämlich dass Angst, weil
sie da ist, in der Gesellschaft auch offen gezeigt werden müsste.
Also dass ich da wider "sozialen Instinkt" keine Maske haben möchte und auch die bei anderen anstrengend finde.

Wie man sich denken kann, geht sowas nicht gut aus, was Reaktionen der anderen betrifft.
Keine Ahnung, wie ich auf sowas gekommen bin. Ich musste lernen, mich mehr für mich zu behalten und den anderen
ihr "für sich" zu lassen, auch wenn ich ihres instinktiv spüre und denke, was soll der Scheiß mit der Maskerade.
Das macht für mich soziales sehr anstrengend.
Find es auch immer noch schade, dass nicht Angst, Tod, Krankheiten, Trauma usw in der Gesellschaft Platz haben
können. D h auch nicht dass der andere Therapeut, Helfer und endbetroffen sein muss, sondern es geht mir einfach
nur um das Raum haben, Akzeptanz. Real erlebe ich aber eher unwohle Leugnungsreaktionen bis hin zu
Angriffen / klein machen, Unempathie und Unverständnis, Abwehrmechanismen.

ToWCypress81 hat geschrieben:Wenn man nicht immer seine menschliche Maskerade aufrechthalten kann (was KEIN Mensch kann!) und daher bzw dennoch in manchen Situationen ängstlich wirkt, dann ist das eben so, und darf und soll auch so sein!! - aber eben nicht im bewussten fordernden Sinne des "zeigen-wollen/müssens"!
Ja, naja wie gesagt, ab meinen 20ern bin ich zu sehr in Selbsterfahrungsatmosphäre und SHGs aufgewachsen
und fand das irgendwie ganz gut mit dem zeigen, was man eh spürt oder Teil des Lebens ist.
Aber für die normale Welt draußen ist das nicht lebenstauglich. Nur beim Therapeuten soll man dann wieder
den geschlossenen geschützten Raum nutzen (wobei ich bei denen auch schon Abwehrmechanismen gespürt
hab). Selbst Ehepartner und Freunde sind zum umfänglichen Sein wohl nicht geeignet.
Aber vielleicht hats ja auch einfach seine Richtigkeit so, dass man mit sich selber die größte Intimität hat,
den weitesten Raum. Und bei anderen überlegt man immer nur partiell, was da eine Rolle spielt.

Bei Angst finde ich, ist es eh in mir drin auch noch eine Sache zwischen "nur zulassen" oder "überfokussieren, nicht das
ganze sehen, nicht hinterfragen". Also den Unterschied sehen zwischen Akzeptanz und dass sie da ist zu dass sie
aber nicht automatisch wahr ist und die einzige Wirklichkeit abbildet.
Angst braucht ja oft auch noch einen Realitätscheck, finde ich, ein umfassenderes Verständnis.
Akzeptanz, dass sie da ist, dass es Gründe dafür gibt, dass es einen alten Kontext gibt, finde ich trotzdem dann wichtig.
ToWCypress81 hat geschrieben:
tiffi hat geschrieben:Das in sich bekämpfen und sich anders darstellen macht es dann unnatürlicher, das kenn ich auch. Und man arbeitet ja irgendwie auch gegen sich selbst.
Ja, so ist es. Mir ist dabei auch insbesondere der Satz "gegen sich selbst arbeiten" aufgefallen. Dieser ("ich arbeite gegen mich") war mein mich für ALLES selbst erklärender Satz, den ich ca. die ersten 8 bis 10 Jahre bei Therapeuten und Fragenden immerzu wiedergab, weil ich ansonsten nie wusste wie ich mich bzw mein Problem erklären könnte und sollte bzw mich selbst nicht verstand. - Aus dem Grund, da ich damals wie gesagt alles "normalisierte" und daher meine Eltern/Erziehung und meine Schulerlebnisse nie als Stör- bzw. Problemfaktoren ansah. Selbst jetzt begreife, verstehe und akzeptiere ich noch so viel, was ich vorher auch nicht, oder nicht im Ganzen sah bzw ansah.
Hm, ich kenne das so, dass ich gleich eine Sicht von außen angenommen hab und gemessen hab, was richtig
und falsch ist. Statt mich von innen zu nehmen und dann ein Gefühl zu kriegen. Oder vielleicht noch was ganz objektives,
also nicht der Maßstab der von außen rangetragen wird, wo ich mich anpassen muss, sondern noch mehr Sichtweisen.

Bin mir nicht sicher, ob du etwas ähnliches meinst, wenn du wie im letzten Absatz schreibst, dass du die Sachen normalisiert
hast. Meinst du so etwas wie: einen Leidensdruck zu sehen oder anzuerkennen, dass da was unrechtes läuft?
(für dich). Statt es zu verstehen, zu entschuldigen, als richtig zu befinden, so hinzunehmen?

Und meinst du mit dem letzten Satz, dass du auch nur eine kleine Perspektive gesehen hast, unter der man alles
erklären kann (z B eine Tätersicht übernehmen, für den war alles normal und rosig), und das ganze wäre, noch andere
Perspektiven, eigene Wahrnehmung, andere Sichtweisen von Recht und Unrecht oder normal mit reinzunehmen?

Es gibt ja manchmal so ganz zwangsläufige enge Sichtweisen, emotional oft sehr behaftet, oder gar nicht hinterfragt.
Meist sowas wie "Glaubenssätze".
Und vieles kann man nochmal in einem viel größeren Kontext sehen. Z B auch über den Kontext Täter und Opfer hinaus.


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