Die Unterschiede der Introvertierten

Ein Leben in (völliger) Isolation? Du bist sehr introvertiert, ängstlich-vermeidend oder gar schizoid? Wie gehst du damit um?
Kalliope
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Re: Die Unterschiede der Introvertierten

Beitragvon Kalliope » 28. Mai 2017, 01:02

@UnMensch: beides (Eigenbrötler). Man kann es sich aktiv so wählen und man kann "durch die Umstände" dazu werden.

@AlleinunterMenschen:
"Was um Himmels Willen soll mir das jetzt gebracht haben?"


Das kann einem auch so ohne Schizoidie gehen :-) (z.B., wenn einem andere Dinge viel wichtiger sind oder man bewusster Gesellschaftsritualvermeider ist).
Ansonsten aber passt das natürlich, was Du sagst.
"In Wirklichkeit ist der andere Mensch Dein empfindlichstes Selbst in einem anderen Körper" Khalil Gibran
"Das Ideal einer vollkommenen Gesundheit ist bloß wissenschaftlich interessant. Krankheit gehört zur Individualisierung." Novalis

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Re: Die Unterschiede der Introvertierten

Beitragvon hinterdemmond » 28. Mai 2017, 02:51

ich bin sehr introvertiert und einzelgängerisch seit meiner frühesten kindheit, also solange ich denken kann. ich habe mannschaftssport usw immer verabscheut, bin überhapt nicht teamfähig und hab mir deswegen einen beruf ausgesucht, wo ich den ganzen tag allein sein und machen kann, was ich will, und der auch meinen talenten und neigungen am ehesten entspricht. (war aber ein harter kampf und ein langer weg) andere menschen interessieren mich nur dann, wenn sie explizit meine interessen teilen, sonst lässt sich das gefühl, das mich mit ihnen verbindet am besten als "wohlwollende gleichgültigkeit" beschreiben. ausnahme sind natürlich familie, die hat man ja sowieso ein leben lang an der backe und ein paar leute, die einem im laufe des lebens so zugelaufen sind, und die man irgendwie nicht mehr los wird.

das, was mich von einem schizoiden unterscheidet, wäre vielleicht: ein recht stabiles und unerschütterliches selbstbewusstsein. das wissen, wer ich bin, und was ich will. eine große portion sturheit und durchsetzungsfähigkeit, eine gewisse risikobereitschaft und abenteuerlust und eine relative angstfreiheit. ich kenne z.b. keine existenzängste oder sowas. meine persönlichen helden waren immer leute wie: don quichotte, robinson crusoe, huckleberry finn, peter pan, lucky luke und ähnlich verrückte typen, die ihr eigenes ding machten und sich nicht unterkriegen ließen. (ich finde es wichtig persönliche helden zu haben) mir ist relativ wurscht, was andere von mir denken und halten. solange sie mich in ruhe mein ding machen lassen, stören mich die leute auch nicht. leben und leben lassen ist meine devise. und ich achte sehr darauf, dass alles, was ich tue oder auch nicht tue, anderen nicht schadet. (ob das auch nützt, ist ne andere frage) aber schaden darf es nicht. und wenn es dann doch mal passiert, dann tut es mir auch leid, und ich versuche das wieder gut zu machen. sonst bin ich immer mit irgendwelchen eigenen dingen und projekten beschäftigt und krieg oft gar nicht so mit, was draußen so passiert.

manchmal fühle ich mich schon wie ein außerirdischer, der auf einem falschen planeten gelandet ist und darauf wartet, dass ihn endlich mal jemand abholt und erklärt, was das alles sollte. aber ich finde, dass das nicht der schlimmste planet ist, auf dem man landen könnte, es hätte auch einer sein können, wo die dinosaurier noch nicht ausgestorben sind. im großen und ganzen lässt es sich hier doch ganz gut aushalten, finde ich.

ich denke, wenn ich schizoid bin, dann bin ich eine sehr gesunde ausprägung dieses persönlichkeitstyps. man könnte denken vielleicht, dass es für einen jeden persönlichkeitstyp sowas wie ein positiv- und ein negativ-bild gibt. wie in der fotografie. vielleicht liegt die heilung darin, nicht aufzuhören schizoid zu sein, sondern sich zu einem positiven bild dieser persönlichkeit zu entwickeln? ich war ja auch nicht immer so. ich hatte eine sehr schwere zeit in meiner jugend, aber ich habe mich meinen inneren dämonen und ängsten gestellt und sie bekämpft. ich bin innerlich nachgereift sozusagen, war eine schmerzhafte erfahrung. aber auch eine sehr gute, und so ganz abgeschlossen ist dieser prozess auch heute noch nicht. wahrscheinlich dauert er auch ein leben lang, oder vielleicht sogar darüber hinaus?
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Re: Die Unterschiede der Introvertierten

Beitragvon tiffi » 28. Mai 2017, 06:18

Für mich sind die Begriffe in meiner Selbstwahrnehmung nicht zu trennen und
stark einzugrenzen, ich dachte eher an eine Kombination.

Wie das in der Fachwelt gesehen wird, keine Ahnung. Fände da Verallgemeinerungen
auch schwer, da wohl der Einzelfall zu betrachten ist.
Aber möglicherweise kann eine Fachperson im psychologischen / psychiatrischen
Bereich auch irgendwelche Algorhythmen ableiten. haben wir solche Personen hier?

Von wegen Kombination der Phänomene und Krankheit:
Ich denke, dass im introvertierten viele Dinge und der Schwer- und Ruhepunkt im
innen stattfindet, das alleine ist ja noch keine Störung. Oder ist es durch
die Persönlichkeitsstörung so geworden, als Schutzfunktion?

Und extrovertiertes Verhalten wäre gesünder und entwickelter?
kommt mir auch nicht immer so vor. ob Menschen mit überwiegend
extrovertiertem Verhalten da immer den super klaren Draht zu sich selbst haben und
ungestört entwickelt sind?
Vielleicht wäre es gesünder, balanciert zu sein und BEIDES zu können,
ohne allzu großen Konflikte.

Es kommt noch zur Introvertiertheit aus meiner Sicht, das gestörte Verhältnis zu den
eigenen Gefühlen, Blockaden, Zerrissenheit, Konflikte;
dann oft Überforderungsgefühle, und Emotionen / Situationen oft nur starr oder gar nicht
fassen können und eher starr zurechtgezimmerte Reaktionen;
starke Selbst- / Ich- / Emotions- / soziale Unsicherheit;
und das gestörte Verhältnis zu anderen Menschen, das Verhältnis zu Nähe oder auch Normen / Eingebundensein.

Aus diesem Gesamtpaket heraus sind auch körperliche Reaktionen anders; der Körper
ist mir oft Last;
was andere erleichtert, z B Alkohol trinken, Drogen; Sex, bei DJ Ötzi Arm in Arm abfeiern,
ist mir Last; wobei dann noch unklar ist, ist das Folge von psychischer Entwicklung / Blockade
oder kommt da auch noch eine andere Reizverarbeitung dazu.
+ ggf. noch weitere Krankheiten, Depression, PTBS.

Nimmt man dann noch die Störungen der Vorgeneration dazu, und die Unklarheit,
ob da genetisch was vererbt wird oder Verhalten gelernt wird, hab ich da in meinem Kopf
eigentlich nur einen Riesensalat.

Meine letzte Therapeutin war auch nicht so analytisch drauf und hat wenig mit Diagnosen
gearbeitet, mehr mit dem Jetzt und aktuellen Gefühlen und mehr mit Lösungen
und "Beziehung zu dem was Ist". Ich fühle mich mit den ganzen Klassifizierungen
auch teilweise überfordert, habe mich meistens immer schnell mit irgendwas
identifiziert oder verrückt gemacht, ohne bleibend irgendwas zu verstehen.

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Re: Die Unterschiede der Introvertierten

Beitragvon Indigocat » 28. Mai 2017, 10:32

hinterdemmond hat geschrieben:das, was mich von einem schizoiden unterscheidet, wäre vielleicht: ein recht stabiles und unerschütterliches selbstbewusstsein. das wissen, wer ich bin, und was ich will. eine große portion sturheit und durchsetzungsfähigkeit
Ich glaube jetzt nicht unbedingt, dass sich schizoid und selbstbewusst ausschließen, denn dazu, seinen Eltern nicht in den Allerwertesten zu kriechen und nicht im Mainstream zu schwimmen, gehört auch Selbstbewusstsein. Ich würde sagen, dass ich in einigen Dingen selbstbewusst bin, in anderen wieder nicht, wobei ich das Selbstbewusstsein auch durch Ausprobieren und Erfolg gewonnen habe - > was ja auch wieder dafür spricht, dass Charaktereigenschaften keine statischen Größen sind, sondern durchaus veränderbar.
Bedenken Sie, dass Sie nach den geistigen Gesetzen das, was Sie an sich oder an anderen ablehnen oder hassen, in Ihr Leben ziehen. Dadurch sollen Sie lernen, alles im Leben anzunehmen und zu lieben, auch die Dinge, die Sie momentan noch verabscheuen.

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Re: Die Unterschiede der Introvertierten

Beitragvon Kalliope » 28. Mai 2017, 11:17

Vielleicht liegt der Unterschied auch in der viel stärkeren Ausprägung bestimmter Eigenschaften und Symtpome.
"Schizoid" als solches ist ja erstmal kein Krankheitszustand, sondern Wesens-Bestandteil völlig gesunder und normaler Menschen in halt unterschiedlicher Ausprägung. Das muss ja erstmal zur "Störung" werden. Das betrifft natürlich auch die anderen "Persönlichkeitsstörungen" im pathologischen Sinn.

Ein besonders zur Schau gestelltes "Selbstbewusstsein" kann/könnte auch das Gegenteil maskieren und im Grunde ein Abwehrverhalten darstellen. (Vor allem, wenn es sich nicht in Souveränität präsentiert.)

Ich finde, @tiffi, Deine Therapeutin hat einen vernünftigen Ansatz. Diagnosen benötigt man für Ämter und vielleich den Austausch mit Fachkollegen und anderen Fachmenschen. Ansonsten sollte jeder Mensch doch als Individuum und nicht "der/die SPS" wahrgenommen werden.
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Re: Die Unterschiede der Introvertierten

Beitragvon hinterdemmond » 28. Mai 2017, 23:43

Indigocat hat geschrieben:
hinterdemmond hat geschrieben:das, was mich von einem schizoiden unterscheidet, wäre vielleicht: ein recht stabiles und unerschütterliches selbstbewusstsein. das wissen, wer ich bin, und was ich will. eine große portion sturheit und durchsetzungsfähigkeit
Ich glaube jetzt nicht unbedingt, dass sich schizoid und selbstbewusst ausschließen, denn dazu, seinen Eltern nicht in den Allerwertesten zu kriechen und nicht im Mainstream zu schwimmen, gehört auch Selbstbewusstsein. Ich würde sagen, dass ich in einigen Dingen selbstbewusst bin, in anderen wieder nicht, wobei ich das Selbstbewusstsein auch durch Ausprobieren und Erfolg gewonnen habe - > was ja auch wieder dafür spricht, dass Charaktereigenschaften keine statischen Größen sind, sondern durchaus veränderbar.

erfolge stärken das selbstbewusstsein ungemein, und das ist auch gut so, aber für mich waren auch die misserfolge sehr wichtig. sie haben mich am meisten weitergebracht. im scheitern liegt das eigentliche potential für veränderung, nicht im gelingen. das musste ich erstmal lernen.
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Re: Die Unterschiede der Introvertierten

Beitragvon andersoderwie » 29. Mai 2017, 19:44

Definieren, mein Hobby! ;)

Ich glaube, Introversion und Eigenbrötler sind einfach ein historische Begriffe. Asperger wurde genannt. Autismus (inkl. Asperger Syndrom) existieren als Begriffe erst seit dem 20. Jh. Schizoidie ist auch als Begriff relativ neu sowohl die Psychologie als Wissenschaft. Damals war man entweder krank oder hatte nur ein Temperament. Später hat man gesehen, dass zwischen krank und "normal" etwas liegen kann.

Die schizoide Persönlichkeitsstörung ist klinisch, also länger vorhanden und mit Leidensdruck verbunden... auch wenn das Leiden genau hier nicht immer Thema ist.

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Re: Die Unterschiede der Introvertierten

Beitragvon nunsaramengel » 30. Mai 2017, 12:07

@hinterdemmond:
Ganz unabhängig, was man für ein Mensch ist, sich seinen inneren Dämonen zu stellen ist meiner Meinung Aufgabe eines jeden von uns und macht uns erst wirklich vollständig. Ein Freund von mir, ein Künstler, hat die Devise "Durch Leid und Schmerz wachse ich", das spiegelt sich in all seinen Kunstwerken und seinen anderen künstlerischen Werken nieder. Ich habe viel von ihm gelernt und sehe das Leben als einzige Aufgabe, zu wachsen.
Menschen, die diesen beschwerlichen Weg gehen, zolle ich sehr großen Respekt.
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Re: Die Unterschiede der Introvertierten

Beitragvon Milka » 30. Mai 2017, 23:05

nunsaramengel hat geschrieben:@hinterdemmond:
Ganz unabhängig, was man für ein Mensch ist, sich seinen inneren Dämonen zu stellen ist meiner Meinung Aufgabe eines jeden von uns und macht uns erst wirklich vollständig. Ein Freund von mir, ein Künstler, hat die Devise "Durch Leid und Schmerz wachse ich", das spiegelt sich in all seinen Kunstwerken und seinen anderen künstlerischen Werken nieder. Ich habe viel von ihm gelernt und sehe das Leben als einzige Aufgabe, zu wachsen.
Menschen, die diesen beschwerlichen Weg gehen, zolle ich sehr großen Respekt.


So halte ich es mit Liebeskummer. Auch wenn es schmerzt, so lernt man doch durch die Person und von der Person - und wenn man nur herausfindet, was man nicht will, was einem wirklich wichtig ist, was man verdrängt, was man gerne wäre und warum man so ist, wie man ist. Und es kann auch immer was Positives daraus entstehen.
Mach dir nie Gedanken darüber, was andere Menschen über dich denken. Diejenige, die Probleme mit dir haben, haben diese nur, weil sie Probleme mit sich selbst haben.

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Re: Die Unterschiede der Introvertierten

Beitragvon nunsaramengel » 31. Mai 2017, 09:14

Milka hat geschrieben:
nunsaramengel hat geschrieben:@hinterdemmond:
Ganz unabhängig, was man für ein Mensch ist, sich seinen inneren Dämonen zu stellen ist meiner Meinung Aufgabe eines jeden von uns und macht uns erst wirklich vollständig. Ein Freund von mir, ein Künstler, hat die Devise "Durch Leid und Schmerz wachse ich", das spiegelt sich in all seinen Kunstwerken und seinen anderen künstlerischen Werken nieder. Ich habe viel von ihm gelernt und sehe das Leben als einzige Aufgabe, zu wachsen.
Menschen, die diesen beschwerlichen Weg gehen, zolle ich sehr großen Respekt.


So halte ich es mit Liebeskummer. Auch wenn es schmerzt, so lernt man doch durch die Person und von der Person - und wenn man nur herausfindet, was man nicht will, was einem wirklich wichtig ist, was man verdrängt, was man gerne wäre und warum man so ist, wie man ist. Und es kann auch immer was Positives daraus entstehen.


Seh ich genauso! Allerdings fällt es nicht leicht, sich diesen Emotionen hinzugeben, weil es mitunter eben sehr weh tun und lähmend wirken kann, so dass man den Alltag nicht mehr bewältigt bekommt.
Aber auf jeden Fall besser als gleich in die nächste Beziehung zu springen und nicht links und rechts zu schauen.
Bei mir ist das immer wie eine Wiedergeburt, erst verschwinde ich erst mal für ne Weile von der Bildfläche und erlebe ein Auf und Ab an Gefühlen, so 50 verschiedene am Tag ungefähr =D und irgendwann, bin ich mit mir selbst wieder im Reinen und kann dann auch akzeptieren, was passiert ist, warum es so kommen musste und warum es so besser ist, wie es ist. Ja, daraus komme ich immer in gestärkter, upgegradeter Version wieder heraus.
OMNIA VINCIT AMOR


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