Wie nehmt ihr enge Beziehungen bei Anderen wahr?

Ein Leben in (völliger) Isolation? Du bist sehr introvertiert, ängstlich-vermeidend oder gar schizoid? Wie gehst du damit um?
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orinoco
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Re: Wie nehmt ihr enge Beziehungen bei Anderen wahr?

Beitragvon orinoco » 15. Mai 2017, 17:00

Hi Pina,
dein letzter Satz hört sich an wie bei "Pappa ante portas". Wehe wenn der Gatte beginnt sich in die Häuslichkeit einzumischen :D
Aber ich hab mich in deinem Beitrag wiedergefunden. Mir reicht ein Partner vollkommen aus und kann die Partnerschaft auch in allen Facetten genießen. Aber mehr, großer Freundeskreis, Gruppenverantstaltungen, Parties, Feiern, Stammtische usw. sind mir ein Graus. Ich hab das für mich so sortiert, dass es für mich solche und solche Menschen gibt. Die einen tun mir gut, die anderen nicht. Dummerweise genügt einer von den letzteren um mich zu nerven, und leider gibt es davon nicht wenige:
Einen Meckerer gibt es in jeder Reisegruppe

Und deswegen hab ich ein Problem mit Gruppen auf deren Zusammensetzung ich keinen unmittelbaren Einfluß bzw. keine Kontrolle habe. Neue Kontakte teste ich daher auch immer gleich darauf ob sie mir gut tun oder nicht.
Dass ich nicht vollkommen misanthropisch bin führe ich auf die positive Inselerfahrung durch meinen "warmen Ofen", meine Oma in meiner Kindheit zurück. Das macht die frühkindliche Traumatisierung nicht ungeschehen, macht aber noch das Beste daraus.
Verständnis ist für den Traumatisierten, was die niedrige Bordsteinkante für den Rollstuhlfahrer.
t+ - mein Traumablog (nichtkommerziell und werbefrei)
Disclaimer "Lesen auf eigene Gefahr!" - unbedingt lesen!

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Re: Wie nehmt ihr enge Beziehungen bei Anderen wahr?

Beitragvon Aframus » 19. Mai 2017, 17:52

Eine Frage, die sich mir an dieser Stelle aufdrängt:

Was ist - Eurer Meinung nach - eigentlich Sinn und Zweck einer Beziehung?

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Re: Wie nehmt ihr enge Beziehungen bei Anderen wahr?

Beitragvon Themis » 19. Mai 2017, 18:05

Jemanden "auf gleicher Wellenlänge" zu haben, mit dem man Gedanken ohne viel Worte austauschen kann.
Everything is nothing, and nothing is everything. (Quelle strittig) :alien:

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Re: Wie nehmt ihr enge Beziehungen bei Anderen wahr?

Beitragvon Aframus » 19. Mai 2017, 19:07

Themis hat geschrieben:Jemanden "auf gleicher Wellenlänge" zu haben, mit dem man Gedanken ohne viel Worte austauschen kann.

Dazu würde eine Brieffreundschaft ja schon ausreichen. ;)
Oder in modernen Zeiten: Austausch per email.
Oder ein Forum; wie hier eben.
Ich denke, es muß schon etwas mehr sein. :winken:

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Re: Wie nehmt ihr enge Beziehungen bei Anderen wahr?

Beitragvon Themis » 19. Mai 2017, 20:24

Es wäre schön, Meinungen zur Kenntnis zu nehmen und sie stehen zu lassen, wenn man sie schon nicht respektiert.
Aber kann halt nicht jeder. :schweigen:
Zuletzt geändert von Themis am 20. Mai 2017, 01:58, insgesamt 1-mal geändert.
Everything is nothing, and nothing is everything. (Quelle strittig) :alien:

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Re: Wie nehmt ihr enge Beziehungen bei Anderen wahr?

Beitragvon Aframus » 19. Mai 2017, 21:00

Bevor ich meine eigene Sichtweise hier niederschreibe, würden mich natürlich andere Meinungen dazu interessieren. :winken:

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Re: Wie nehmt ihr enge Beziehungen bei Anderen wahr?

Beitragvon hinterdemmond » 19. Mai 2017, 23:22

ich führe keine beziehungen, ich bin doch kein staat oder so. aber ich habe mich vor einiger zeit der herausforderung einer ehe gestellt. sollte sozusagen die challenge des lebens schlechthin werden. dabei hat mich meine mutter schon mit 15 gewarnt: "junge, mit deinem charakter wirst du nie eine frau finden, die bei dir bleibt!" aber wie sagt man so schön: jeder hat sein kreuz zu tragen, ich hatte noch keins, also hab ich geheiratet. mutti glaubt's immer noch nicht, dass das klappt. aber: auch ein blindes huhn... usw. mutti glaubt auch nicht, dass ich von meiner kunst allein eine vierköpfige familie ernähren kann. und das geht? fragt sie immer ...hätte ich nie im leben gedacht! jo, mutti, soll ich kontoauszüge vorzeigen? nein, nein junge, hauptsache du machst keine schulden.
aber na ja, wie sagte mal mein ehemaliger hausarzt (er war ein mittelschwerer alkoholiker, nach eigenen angaben, und müsste es wissen): nicht nur die leber wächst mit ihren aufgaben! doch langsam beschleicht mich das dumpfe gefühl, dass mutti doch irgendwie recht mit ihrer prophezeiung gehabt haben könnte. aber, ich sehe die ganze sache mit humor und stoischer gelassenheit. wie immer, anders überlebt man es ja nicht.

ähm, wie war denn eigentlich die frage? also bei den anderen sehe ich das genauso. so in etwa.
auch im abseits sterben helden. (clickclickdecker)

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Re: Wie nehmt ihr enge Beziehungen bei Anderen wahr?

Beitragvon :UnMensch: » 20. Mai 2017, 10:10

hinterdemmond hat geschrieben:jeder hat sein kreuz zu tragen, ich hatte noch keins, also hab ich geheiratet.


Das ist das zauberhafteste, was ich seit langem gelesen habe. Made my day. :lachen:

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Re: Wie nehmt ihr enge Beziehungen bei Anderen wahr?

Beitragvon Aframus » 21. Mai 2017, 09:18

Themis hat geschrieben:Es wäre schön, Meinungen zur Kenntnis zu nehmen und sie stehen zu lassen, wenn man sie schon nicht respektiert.
Aber kann halt nicht jeder. :schweigen:


Ich habe Deine Meinung zur Kenntnis genommen und respektiere sie auch; dahingehend verstehe ich Dich jetzt nicht.

Da hier momentan keine weiteren Meinungen hinsichtlich meiner Frage kommen, möchte ich einmal meine Sichtweise über den Sinn und Zweck von Beziehungen darlegen.
Ich bin, zugegeben, "spirituell angehaucht", wie manche sagen würden.
Mich begeistern die Bände von Neale Donald Walsch, "Gespräche mit Gott".
Und dort gibt es eine Definition, mit der ich mich mehr als anfreunden kann.
Im Englischen heißt Beziehung "Relationship", und das Wort Relation trifft es meiner Meinung nach ganz gut.
Zwei Menschen stehen in einer Relation zueinander, und so ist eine Beziehung eine Form der Selbstdefinition.
Du bist schwarz - und ich bin weiß (also in Relation).
Du bist groß, ich bin klein.
Du bist stark, ich bin schwach.
usw. usw.
Ohne die Dunkelheit kann man die Helligkeit nicht definieren, ohne Böse kein Gut, ohne kalt kein heiß, ohne oben kein unten.
In Beziehungen zu anderen definieren wir uns selbst. Ich kann von mir sagen, daß ich ein liebevoller Mensch bin, aber ohne einen anderen kann ich es nicht ausleben, nicht die Erfahrung machen. Ich kann sagen, daß ich nicht nachtragend bin, daß ich verzeihen kann, aber ohne einen anderen werde ich nicht die Erfahrung machen können.
Ohne Beziehungen wird das Leben leer. Wir können uns nicht selbst erfahren. Wir brauchen einen Spiegel, um uns selbst sehen und erfahren zu können.
Das mag für manchen vielleicht etwas abgehoben klingen, aber ich kann diese Definition voll und ganz annehmen.
Schwierig wird das nun für unsereinen, der mit Beziehungen so seine Probleme hat.
Ich arbeite seit nun fast 8 Jahren in der Haustechnik in einem Altenheim, komme also tagtäglich mit zahlreichen Menschen, sowohl Mitarbeitern als auch bewohnern, in Kontakt. Und ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich das Gefühl habe, nicht mehr zu können.
Es artet in einen sozialen Streß aus. Wenn ich heimkomme, mache ich alle Türen hinter mir zu und will niemanden mehr sehen.
Aber glücklich bin ich dann ebensowenig.

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Re: Wie nehmt ihr enge Beziehungen bei Anderen wahr?

Beitragvon :UnMensch: » 21. Mai 2017, 09:41

Du meinst im Umkehrschluss dass Beziehungen, in denen beide weiß oder schwarz, groß oder klein sind, nicht funktionieren? Bei schwach und stark sehe ich das ein. Aber der Rest steht auf wackligen Beinen. Ich denke nicht, dass diese "Gegensätze-ziehen-sich-an-Methode" das einzig wahre ist. Dann müsste meine Ehe ja gerade jetzt super laufen. Genauso wenig funktioniert das "Gleich und Gleich", welches sich anzieht. Ich finde deinen Vorschlag eine hübsche Idee, gleichwohl glaube ich nicht an deren Funktionalität.


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