Wie nehmt ihr enge Beziehungen bei Anderen wahr?

Ein Leben in (völliger) Isolation? Du bist sehr introvertiert, ängstlich-vermeidend oder gar schizoid? Wie gehst du damit um?
Milka
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Wie nehmt ihr enge Beziehungen bei Anderen wahr?

Beitragvon Milka » 14. Mai 2017, 10:07

Meine Frage richtet sich an diejenigen, die enge Beziehungen in ihrem Leben freiwillig oder unfreiwillig vermeiden.

Ich muss ein bißchen weit ausholen.... Ich habe in meiner Therapie letztes Mal darüber gesprochen, warum ich mir keine enge Beziehung/Familie wünsche. Ich habe meinem Therapeuten schon oft erklärt, wie sehr mich die permanente Anwesenheit eines anderen Menschen stresst - auch wenn ich ihn mag. Ich muss einfach allein sein, um wieder runter zu kommen. Außerdem fürchte ich emotionale Abhängigkeit - ich bin geradezu krankhaft unabhängig.
Mein Therapeut denkt immer, wenn ich über meine negativen Erfahrungen sprechen würde und diese verarbeiten würde, würde ich mich irgendwann nach einer engen Beziehung sehnen... Und ist vermutlich enttäuscht, dass ich es nicht tue.

Er fragte mich dann, wie ich denn Familien und Beziehungen von Anderen so wahrgenommen hätte - in meiner Kindheit.

Ich habe verschiedene Szenarien enger Beziehungen im Kopf, die in gewisser Weise alle Horrorszenarien sind.

1) Meine eigene Familie. Mein tyrannischer und narzisstischer Vater mit deutlich ausgeprägten sadistischen Zügen, der alle runter machte, mich besonders. Meine schwache Mutter, die nur bei ihm blieb, weil sie es nicht schaffte, auf eigenen Beinen zu stehen.

2) Die Familie meiner Freundin Dorothee, die mit ihrem Bruder und ihrer alleinerziehenden Mutter zusammen lebte. Die Mutter ging arbeiten und schmiss den ganzen Haushalt und die Kinder machten sich auf die Kosten ihrer gutherzigen, empathischen Mutter ein schönes Leben und machten keinen Finger krumm. Ausbeutung mal anders rum.

3) Beziehungen von Bekannten, bei denen der Mann fremdgeht und lügt und sie alles verzeiht, weil sie in ihrem Leben keine anderen Inhalte hat...

4) Bei den Kindern, die ich unterrichte, nehme ich oft wahr, wie ein Kind in der Familie dem anderen gegenüber bevorzugt wird. Das verschmähte Kind kann machen, was es will, es kommt auf keinen grünen Zweig.

Wieso ist sowas erstrebenswert? Ist nicht in jeder Familie einer der Depp, der Gedemütigte, der Ausgeschlossene, der Ausgebeutete?
Kennt ihr Gegenbeispiele? Ich finde es selbst nicht schön, dass ich über enge Beziehungen so denke (bei lockeren Kontakten sehe ich das anders - aber überall wo Abhängigkeit hinzukommt, wird es gruselig in meinen Augen).

Hinzu kommt, dass ich extrem gute Sensoren habe, was die Stimmungen anderer Menschen angeht. Mein Therapeut ist immer erschrocken, dass er vor mir keine Emotion verbergen kann. So geht es mir dann halt auch, wenn ich Zeuge einer engen Beziehung bin. Ich spüre meist, wer unzufrieden ist, ahne meist auch warum und sehe Trennungen mit ziemlicher Zuverlässigkeit voraus.

Es tut mir leid, wenn ich hier negative Stimmungen verbreite. Ich möchte das eigentlich auch anders sehen. Wenn ich im Fernsehen positive Familienverhältnisse sehe, denke ich: Das ist halt Fiktion, gibt es in der Realität nicht. Wenn es so sein könnte, schön. Aber so ist es nicht.

Hat irgend jemand hier positive Gegenentwürfe für mich?
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Re: Wie nehmt ihr enge Beziehungen bei Anderen wahr?

Beitragvon Indigocat » 14. Mai 2017, 12:46

Im Großen und Ganzen ist es schon meist so, wie du es beschreibst.

Positive Gegenentwürfe: Es selber versuchen, besser zu machen und destruktive Beziehungen nicht dulden.

Ich kenne auch positivere Familien. Einige destruktive Sachen werden wohl überall auftreten, aber das Positive überwiegt.

Milka hat geschrieben:Die Familie meiner Freundin Dorothee, die mit ihrem Bruder und ihrer alleinerziehenden Mutter zusammen lebte. Die Mutter ging arbeiten und schmiss den ganzen Haushalt und die Kinder machten sich auf die Kosten ihrer gutherzigen, empathischen Mutter ein schönes Leben und machten keinen Finger krumm. Ausbeutung mal anders rum.
Hier sehe ich trotzdem ganz klar das Versäumnis der Mutter, sich durchzusetzen. Kinder brauchen Grenzen und die Mutter muss eben mal riskieren, sich unbeliebt zu machen.

Im Moment meide ich aber auch Beziehungen, habe einfach kein Interesse mehr daran und keine Zeit dafür.
Wenn sich eine Tür vor uns schließt, öffnet sich eine andere. Die Tragik ist jedoch, dass man auf die geschlossene Tür blickt und die geöffnete nicht beachtet. André Gide

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Re: Wie nehmt ihr enge Beziehungen bei Anderen wahr?

Beitragvon Milka » 14. Mai 2017, 13:00

Danke Indigocat, für deine Antwort.

Ich kenne auch positivere Familien. Einige destruktive Sachen werden wohl überall auftreten, aber das Positive überwiegt.


Ja, das muss wohl so sein, sonst würden die Menschen sich nicht so nach Beziehungen sehnen...

Die Familie meiner Freundin Dorothee, die mit ihrem Bruder und ihrer alleinerziehenden Mutter zusammen lebte. Die Mutter ging arbeiten und schmiss den ganzen Haushalt und die Kinder machten sich auf die Kosten ihrer gutherzigen, empathischen Mutter ein schönes Leben und machten keinen Finger krumm. Ausbeutung mal anders rum.
Hier sehe ich trotzdem ganz klar das Versäumnis der Mutter, sich durchzusetzen. Kinder brauchen Grenzen und die Mutter muss eben mal riskieren, sich unbeliebt zu machen. [/quote]

Ja, da hast du sicher Recht. Ich denke, dass viele Alleinerziehende oft Schuldgefühle haben und sich Sorgen machen, dass sie ihre Kinder alleine nicht adäquat erziehen können und dass sie einen Mangel ausgleichen müssen. Manche übertreiben es dann mit der Fürsorge und dem Aufwand, den sie betreiben.

Im Moment meide ich aber auch Beziehungen, habe einfach kein Interesse mehr daran und keine Zeit dafür.


Das verstehe ich gut.

Ich könnte mir aber vorstellen, mehr Bekanntschaften zum Interessenaustausch zu pflegen, ohne große Verantwortlichkeiten und Ansprüche von beiden Seiten aus.
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Re: Wie nehmt ihr enge Beziehungen bei Anderen wahr?

Beitragvon sdsdsdsv » 14. Mai 2017, 13:47

Indigocat hat geschrieben:Hier sehe ich trotzdem ganz klar das Versäumnis der Mutter, sich durchzusetzen. Kinder brauchen Grenzen und die Mutter muss eben mal riskieren, sich unbeliebt zu machen.
Ja, solche Kinder haben große Schwierigkeiten ihre eigene Perspektive zu korrigieren und aus ihrer selbsterlernten Hilflosigkeit wieder auszubrechen, selbst wenn sie es wollen. Das muss nicht Bosheit sein.

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Re: Wie nehmt ihr enge Beziehungen bei Anderen wahr?

Beitragvon Schattentanz » 14. Mai 2017, 15:09

Zwar kenne ich auch positive Beispiele für Beziehungen, gerade auch von meinen eigenen Eltern, aber das ändert an meiner Aromantik nichts und macht Partnerschaften für mich selbst nicht attraktiv. Ich kann verstehen, warum andere Partnerschaften mögen, aber für mich selbst passt das nicht.
Zynismus: Der geglückte Versuch, die Welt zu sehen, wie sie wirklich ist.

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Re: Wie nehmt ihr enge Beziehungen bei Anderen wahr?

Beitragvon tiffi » 14. Mai 2017, 15:20

an einem ähnlichen Punkt war ich in Therapie auch mal, und das Resümee für mein Umfeld
fiel grottenschlecht aus.

Später gab es dann auch mal gute Beispiele
1) Er war mit ihr lange Jahre befreundet, sie war mit einem A... zusammen, der sie emotional erpresste.
Sie hatte kein Selbstbewusstsein.
Als sie dann mit ihrem späteren Freund zusammenkam, wirkte das ganze zugeneigt, gleichberechtigt,
und es waren einzeln eigenständige Personen die aber auch zusammen viel durchmachten. Es schien so,
als hätten sich beide sehr gut getan, waren beides zwei "coole" herzliche Personen, auch mit einem Herz für Außenseiter,
Schwedenfahrer, weltoffen mit vielen unterschiedlichen Freunden.
(wär jetzt aber auch nicht so meins, aber für sie wirkte es gut und es strahlte auch was schönes aus)

2) Er war schon immer autonom und etwas verrückt. Studium abgebrochen und sich selbständig gemacht, darin aber solide.
Das Haus ausgebaut. Die Frau durch eine extreme Krankheit begleitet. Er sagte "ich liebe es, wenn wir beide ruhig im Wintergarten
sitzen, kein Wort reden, der eine liest, der andere hört Musik".
Er war sehr kreativ und hat mit seinen Söhnen oder auch alleine ungewöhnliche "Rituale" abgehalten. Mal das Saxophon gepackt und ab in die nächste Großstadt. Im Winter am Fluss am Wohnort gegrillt mit Musik usw.
Die zwei haben sehr selbstbewusste Kinder.

3) ein anderes Paar war "seriös" aber auch total albern, die haben sich auch noch so richtig gerauft beim zoffen, aber halt
nett und spielerisch, nicht so toternst.



Bei mir weiß ich, dass das mit einer engen Bindung nicht hinhaut.
Sehr romantisch bin ich auch nicht. Mal symbiotisch träumend ist was anderes als real romantisch.

Aber eine Art Freundschaft mit Austausch und genügend Freiraum zum alleine sein, und zum kreativ sein,
und ansonsten ein langweiliges durchschnittliches Leben führen ohne große soziale Einbindungen, das finde ich gut.

Anfangs habe ich mich oft mit den Modellen in meiner Umgebung verglichen, und da schneidet man irgendwie
schlecht ab oder fühlt sich in sowas nicht wohl, wenn doch mal imitiert?

Wenn der Therapeut meinen sollte, das alle dasselbe fühlen und wollen müssten, wenn denn die Scherben mal
beiseite gelegt sind, ich weiß nicht ob das zutrifft?

Aber die Vergangenheit und vorhandene Modelle mal zu hinterfragen, das kann ja nicht schaden.
und dann zu wissen, dass es "zur Not" ja immer noch kreative eigene Möglichkeiten gibt?
Gut, die Luft wird dünn, wenn man sich nicht im 08/15 bewegt, da braucht man auch eine Prise
Glück.

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Re: Wie nehmt ihr enge Beziehungen bei Anderen wahr?

Beitragvon Milka » 14. Mai 2017, 16:29

@sdsd...
Danke, daran hatte ich noch nicht gedacht. Die wissen vielleicht wirklich nicht, was sie Anderen zumuten.

@Schattentanz
Kannst du den Beziehungswunsch Anderer nur rein rational oder auch emotional nachvollziehen?

@Tiffi
Vielen, vielen Dank für diese schönen Beispiele. Da geht mir das Herz auf :herz:

Sehr romantisch bin ich auch nicht. Mal symbiotisch träumend ist was anderes als real romantisch.


Verstehe :lachen: . Ja, die Realität bleibt hinter dem Traum weit zurück...


Aber die Vergangenheit und vorhandene Modelle mal zu hinterfragen, das kann ja nicht schaden.
und dann zu wissen, dass es "zur Not" ja immer noch kreative eigene Möglichkeiten gibt?
Gut, die Luft wird dünn, wenn man sich nicht im 08/15 bewegt, da braucht man auch eine Prise
Glück.


Das scheint mir eine sehr vernünftige Einstellung zu sein. Es schadet nicht, ein wenig offen für Neues zu sein
Mach dir nie Gedanken darüber, was andere Menschen über dich denken. Diejenige, die Probleme mit dir haben, haben diese nur, weil sie Probleme mit sich selbst haben.

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Re: Wie nehmt ihr enge Beziehungen bei Anderen wahr?

Beitragvon Schattentanz » 14. Mai 2017, 19:46

Milka hat geschrieben:Kannst du den Beziehungswunsch Anderer nur rein rational oder auch emotional nachvollziehen?

Kann ich dir gar nicht sagen, ob das jetzt ein rein rationales oder ein emotionales Nachvollziehenkönnen ist.

Es ist einfach so, dass ich bei diesen Menschen deutlich wahrnehme, dass sie in ihrer Beziehung mit dem anderen zusammen glücklich sind. Das zeigt sich an der Art, wei sie miteinander umgehen. Das finde ich irgendwie schön; das wirkt so ehrlich harmonisch-liebevoll.

So wie sich z. B. auch jemand an Schlagermusik total erfreuen kann und das offen zeigt und dem diese Musik offensichtlich viel gibt. Das finde ich nachvollziehbar für mich - ich sehe dem das ja an. Obwohl ich selbst Schlagermusik zum Davonlaufen finde - aber ich verstehe, dass Schlagermusik etwas ist, das für den anderen etwas Wichtiges und Erfüllendes ist. [;)]

Rational betrachtet hat eine gute Partnerschaft nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern auch solche wie gegenseitige Unterstützung, man bekommt idealerweise zu zweit mehr hin als alleine (=> Synergieeffekte), man hat (evtl.) mehr Abwechslung/Unterhaltung und bleibt sozial fit, kann von dem anderen dazulernen (und umgekehrt), man bekommt schneller genügend Wäsche zusammen für bestimmte Wäsche, man kann sich aufteilen und so Zeit sparen beim Haushalt usw..
Äh ja, sowas eben.

Persönlich kann ich für mich keinen Sinn darin sehen, mich zu verpartnern.
Mich hat es persönlich immer sehr gestört, wenn mir andere "prophezeiht" haben, dass ich schon noch einen Partner haben wollen würde. Gleiches beim Nichtkinderwunsch. Solange man keinen Partner oder wenigstens eine Partnerin möchte (und auch keine Kinder), gilt man als merkwürdig bis gestört. Wenn man das als junger Mensch sagt, wird es nichtmal ernst genommen.

Milka hat geschrieben:Mein Therapeut denkt immer, wenn ich über meine negativen Erfahrungen sprechen würde und diese verarbeiten würde, würde ich mich irgendwann nach einer engen Beziehung sehnen... Und ist vermutlich enttäuscht, dass ich es nicht tue.

Mhm ich kann ja deinen Therapeuten ein bisschen verstehen, dass er erstmal davon ausgeht, dass du so einen Wunsch nach einem Partner noch entwickeln wirst und derzeit "nur" aufgrund unverarbeiteter Erlebnisse gehemmt wärest, aber dass du den Eindruck hast, dass er sonst enttäuscht ist, finde ich bedenklich. Klingt fast so, als soll der Wunsch nach einem Partner Teil des angestrebten Therapieerfolgs sein. Sowas sollte eigentlich ergebnisoffen sein imho; eben daran orientiert, was der Patient selbst möchte, egal ob das nun ein Beziehungswunsch ist (und ggf. auch das Erlangen der Beziehungsfähigkeit, falls das auch ein Problem ist) oder nicht.

Ich weiß nicht, wie du das findest, mir wäre das sehr wichtig gerade in einer Therapie, dass der Therapeut mich in meinem Weg unterstützen würde und mir helfen würde, den herauszufinden (was meine echten eigenen Bedürfnisse sind) und nicht seine Bedürfnisse zu meinen machen möchte und es wichtig ist, ihn nicht zu enttäuschen.

Hast du den Eindruck, dass er dich auch genauso engagiert unterstützen würde, wenn du weiterhin keinen Partner haben möchtest? Auch nach der Verarbeitung dieser Erlebnisse? Oder würde er das als Minus auf den Therapieerfolg werten? (Eben dass die Therapie dann nur zu 90% geklappt hätte, aber nicht zu 100% (=Partnerwunsch).)

Es kann natürlich auch sein, dass dein Therapeut gar nicht so reagieren würde und das so sieht, wie es auf dich wirkt - und ich springe da sicher auch wegen meinem eigenen Hintergrund so drauf an, wenn ich sowas lese. Aber das wäre vielleicht für dich gut zu klären, wie er das wirklich sieht und ob er auch genauso gut akzeptieren kann, wenn du diesen Wunsch nicht entwickelst. Auch dein Empfinden, dass er sonst enttäuscht wäre - das muss von einem von euch beiden kommen und bevor das zwischen euch steht oder Einfluss auf dich hat, wäre es bestimmt besser, das anzusprechen, dass du diesen Eindruck hast.

Wie sich das dann bei dir letztlich entwickeln wird im Laufe der Zeit, ist deine Sache. Da gibt es kein richtig oder falsch. Grundsätzlich kann man sich eine Partnerschaft mit dem passenden Gegenüber auch unkonventionell einrichten (z. B. ohne Zusammenziehen und oft treffen usw.). Wichtig ist eigentlich nur, dass du das machst, womit du dich (selbst)ehrlich wohl fühlst. Die Option, sich neu (anders) zu entscheiden, bleibt dir ja auch immer, wenn du mal merken solltest, dass der Weg nicht mehr passt.
Zynismus: Der geglückte Versuch, die Welt zu sehen, wie sie wirklich ist.

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Re: Wie nehmt ihr enge Beziehungen bei Anderen wahr?

Beitragvon Milka » 14. Mai 2017, 20:48

Wow, danke für die lange Antwort...

Es ist einfach so, dass ich bei diesen Menschen deutlich wahrnehme, dass sie in ihrer Beziehung mit dem anderen zusammen glücklich sind. Das zeigt sich an der Art, wei sie miteinander umgehen. Das finde ich irgendwie schön; das wirkt so ehrlich harmonisch-liebevoll.


Ich verstehe. Freut mich sehr, dass du das so wahrnimmst.

Rational betrachtet hat eine gute Partnerschaft nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern auch solche wie gegenseitige Unterstützung, man bekommt idealerweise zu zweit mehr hin als alleine (=> Synergieeffekte), man hat (evtl.) mehr Abwechslung/Unterhaltung und bleibt sozial fit, kann von dem anderen dazulernen (und umgekehrt), man bekommt schneller genügend Wäsche zusammen für bestimmte Wäsche, man kann sich aufteilen und so Zeit sparen beim Haushalt usw..
Äh ja, sowas eben.


Haha, das mit der Wäsche find ich gut. Sehr pragmatisch gedacht. Man kann auch zu zweit eine Tafel Schokolade essen und muss nicht die ganze essen.


Ich weiß nicht, wie du das findest, mir wäre das sehr wichtig gerade in einer Therapie, dass der Therapeut mich in meinem Weg unterstützen würde und mir helfen würde, den herauszufinden (was meine echten eigenen Bedürfnisse sind) und nicht seine Bedürfnisse zu meinen machen möchte und es wichtig ist, ihn nicht zu enttäuschen.


Der hat mich die erste Zeit ziemlich genervt mit dem Thema Beziehungen, bis ich einmal total ausgerastet bin und ihm klar gemacht hab, dass ich null Bock auf einen Mann hab. Ich wollte da sogar schon die Therapie abbrechen. Da hat er es, glaub ich, kapiert. Er will mir inzwischen nur noch soziale Freizeitaktivitäten aufquatschen, die mich aber meist so anstrengen, dass ich die nur in den Ferien gelegentlich mal habe. Er denkt - glaub ich - in seinem tiefsten Herzen aber immer noch, dass eine Frau im Grunde nichts anderes wollen kann als einen Mann.

Ich wollte meine musikalischen Ziele weiterverfolgen, das hab ihm auch gesagt. Er hat mich schon darin unterstützt, aber er findet wohl, es müsste in meinem Leben noch etwas Anderes geben.

Ich denke schon, dass er das als Minus beim Therapieerfolg wertet, er macht auch zwischendurch so Bemerkungen wie "die meisten Menschen interessieren sich halt am Meisten für andere Menschen". Den sollte ich mal in diesem Forum vorbeischicken...
Andererseits ist er wirklich sehr bemüht und sehr nett und lässt sich auch kritisieren.


Wie sich das dann bei dir letztlich entwickeln wird im Laufe der Zeit, ist deine Sache. Da gibt es kein richtig oder falsch. Grundsätzlich kann man sich eine Partnerschaft mit dem passenden Gegenüber auch unkonventionell einrichten (z. B. ohne Zusammenziehen und oft treffen usw.). Wichtig ist eigentlich nur, dass du das machst, womit du dich (selbst)ehrlich wohl fühlst. Die Option, sich neu (anders) zu entscheiden, bleibt dir ja auch immer, wenn du mal merken solltest, dass der Weg nicht mehr passt.


Hey danke, dass du mir das nochmal gesagt hast. Du hast vollkommen recht.
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Re: Wie nehmt ihr enge Beziehungen bei Anderen wahr?

Beitragvon Pina » 14. Mai 2017, 22:28

Hi da ich nicht immer so ausgeprägt schizoid war wie ich jetzt bin, kann ich mich gut daran erinnern wie es war als ich auf der Suche nach dem Traumpartner war, von einer Hochzeit, Kinder blabla geträumt habe. Da hiess es nich ich hätte soziale Ängste. Allerdings habe ich schon immer zwischen "nur für Sex" und "verliebt bin" unterschieden, was ja nicht wirklich romantisch ist. Wie schon zuvor geschrieben wurde habe ich auch "eine Antenne" für das Befinden anderer und wenn ich nach einem Abend mit Bekannten vorsichtig nachfrage hat niemand anderes was bemerkt von den Spannungen, und einen Tag später kommt dann raus dass mein Gefühl mich nicht getäuscht hat. Mitunter wünschte ich ich würds nicht erkennen, dann hätte ich vielleicht mehr Elan für Partnerabende und würde mich mehr dran erfreuen wenn ich nicht sehe was ich nicht sehen will....aber ich weiss ja dass ich dieses automatische Situation und Personen und Emotionen checken bereits als Kind genutzt und verfeinert habe um mich zu schützen und Ordnung in mein Leben zu bringen. Mein Partner ist Kapitän, zwar nicht monatelang weg aber Schichtdienst. Als ich in Rente gegangen bin hatte ich die Befürchtung dass mir zwar der Druck durch die Arbeit (sozpäd Bereich) genommen ist aber dass ich dann wohl genervt auf meinen Partner reagiere, glücklicherweise hat er zu dem Zeitpunkt Arbeitsplatz gewechselt und ist in den Schichtdienst gegangen. So habe ich meinen Lebensrythmus und er seinen. Ehrlich gesagt weiss ich nicht, wie es sonst bei uns laufen sollte.. nach Aussen hin wirken wir gut durchorganisiert, ich thematisiere öfter dass er auch für sich aufpassen sollte nicht coAbhängig zu werden zb da er sehr gerne sehr oft den Einkauf erledigt, etwas was ich nicht gerne mag. Weil ich uns so kritisch hinterfrage hinterfrage ich automatisch auch andere Beziehungen so kritisch. Bei denen ist dann der Einkauf eben eher zeitlich eingeplant, bei uns nach dem Lustprinzip bzw für mich Vermeidungsprinzip. Eine zeitlang war ich so boshaft zu denken dass jede Beziehung die nach Aussen hin glücklich erscheint ein Schauspiel ist. Inzwischen gönne ich Menschen ihr Glück (da auch mein Leben endlich mal geordnet läuft). Was nicht heisst dass ich an Bilderbuchfamilien und ewige Romantik glaube. Dafür habe ich zuviel Leid hinter der Fassade gesehen. Oder bin erwachsen geworden schmunzel. Meine jetzige Therapeutin war sehr überrascht dass nach der Auswertung des Fragebogens eine so hohe Punktzahl bei mir schizoid aufzeigt. Da ich Interesse an Sex habe und mit Partner zusammenlebe. Die vorigen Therapeuten und meine Betreuerin haben immer versucht mich an Gruppen und Angebote zu binden..mir muss doch der Kontakt zu Menschen fehlen...ich hätte lediglich unbearbeitete Angst vor Menschen..nein. Ich lebe mit jemandem zusammen. Das deckt meinen Bedarf an Nähe, Gespräch, Sicherheit, Interaktion völlig. Hinzu kommt sein Freundeskreis, seine Familie. Der Kompromiss ein Treffen komme ich mit, eines nicht, funktioniert gut. Keine Debatten keine Vorwürfe. Aber wir sind inzwischen auch eingespielt. Zu Beginn dieses frischverliebtseinGedöns mit alles zusammen machen....graus...aber die Phase geht ja auch beim Paar ohne schizoiden Partner recht schnell vorbei lach. Nach Aussen hin gibt es glaube ich keinen Unterschied zwischen der engen Beziehung anderer und unserer Beziehung. Da ja kein Aussenstehender weiss dass sein Schichtdienst unsere Beziehung rettet. Wird nur spannend wenn er mal in Rente geht...dann muss ich mir irgendwo eine neue Höhle, Hobby suchen oder er muss ehrenamtlich viel unterwegs sein....


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