Schizoid-Hauptproblem: Kein Interesse zu Menschen

Ein Leben in (völliger) Isolation? Du bist sehr introvertiert, ängstlich-vermeidend oder gar schizoid? Wie gehst du damit um?
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kritisches_Auge
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Re: Schizoid-Hauptproblem: Kein Interesse zu Menschen

Beitragvon kritisches_Auge » 10. März 2018, 15:01

Hallo Themis,
danke für deine Antwort, ja Fürsorge für den anderen ist bei mir ein ganz großes Thema. Ich bin ja schon sehr lange in Foren aktiv und diese halfen mir sehr mich zu finden. Mir würde es sehr schwerfallen jemand dem es schlecht geht, einfach in den Arm zu nehmen, viele Frauen machen das und erwarten das, ich reagiere eher wie es Männern nachgesagt wird, ich versuche eine Lösung ziu finden.

Hier wurde irgendwo einmal geschrieben, dass man etwas von einem Menschen den man mochte in sich trägt, Bezugspersonen erwecken bestimmte Anteile in einem selber. Ich nehme als Beispiel immer gerne einen Wollfaden der sich im eigenen Strickzeug findet. Und diesen Faden zu lösen ist sehr schwer denn er gehört doch zu dem eigenen Strickzeug.

Auch bei mir ist eine liebevolle Beziehung fast unlösbar.
Auch mich interessiert das Individuum mehr als die Gruppe.

Wie flüchtig ist es doch einen Menschen zu umarmen wenn man ihn trösten will, wieviel mühevoller sich Gedanken wegen einer Lösung zu machen.
Den so beliebten Ausspruch von Saint-Exupéry nur mit dem Herzen sieht man gut das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar hasse ich.

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Re: Schizoid-Hauptproblem: Kein Interesse zu Menschen

Beitragvon Themis » 10. März 2018, 17:03

@ kritisches_Auge:
Ja ... In den Arm nehmen kann jeder, und mit "Empathie" ohne Eindenken kann das Gegenüber m. E. wenig anfangen. Eine nette Geste, sicher. Aber ohne Effekt und auch eigentlich wenig Einsatz für den Gebenden.

Ich finde, es zeugt von mehr Interesse und eben echter (nicht aufgesetzter) Fürsorge, so weit für jemanden mitzudenken, dass man ihm aus seiner Sicht raten kann.
Bei Freunden ist das noch mal leichter, weil ich ohnehin ständig für sie mitdenke; ich bin sozusagen ständig in sie hineinversetzt und in einer Krisensituation bin ich dann innerlich schon "auf Stand" und kann gut raten. Das wird auch i. d. R. gerne angenommen.
Bei Fremden - z. B. einer Kollegin - ist es schwerer. Aber auch da hab ich die Erfahrung gemacht, dass ich gerne ins Bild gesetzt werde und mein Rat auch willkommen ist, weil ich eben eine so neutrale und sachliche Sichtweise habe.

Bin ich selbst gerade schwach und es wird bemerkt, ist es mir auch lieber, ich bekomme guten Rat. Eine (zusätzliche) Umarmung kann ich mittlerweile auch akzeptieren, aber mir bleibt das fremd. Mit etwas Glück spüre ich Stunden nach der Begebenheit ein warmes Gefühl in mir, ich denke Dankbarkeit für die Zuwendung. Das wird schon eher durch die Umarmung möglich, aber nur in Kombination mit "echter" Hilfe.
Die Hilfe/der Rat allein erzeugt hingegen keine Wärme (weder gleich noch später), eher Wertschätzung und dadurch Bindung.

Den Saint-Exupéry-Spruch finde ich so verkehrt nicht. Allerdings verstehe ich unter dem "Herzen" keine leere Gefühlsduselei, sondern eher so die Summe der Erfahrung mit und des Einblicks in andere Menschen. Und dann finde ich den Spruch ganz hübsch ... Man blickt auf das Innere des Anderen und das sieht man eben nur mit dem "Herzen", nicht mit den Augen.
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Re: Schizoid-Hauptproblem: Kein Interesse zu Menschen

Beitragvon kritisches_Auge » 10. März 2018, 20:07

Ich erlebe es so: zuerst habe ich den Wunsch dem anderen beizustehen und wenn man so will ist das eine Entscheidung des Herzens, ich sage lieber des Gefühls oder der Empathie.

Dann analysiere ich die Situation, suche nach Möglichkeiten oder Auswegen.

Wie es auf mich wirkt wenn jemand mir beistehen will kann ich gar nicht so genau sagen, vielleicht wenn eine gewisse Wärme von ihm ausgeht, manche Menschen können das, ich kann es nicht.
Wenn ich zutiefst betroffen bin, kann ich es gefühlsmäßig nicht zeigen. In meiner Nachhilfe weinten Mädchen schon einmal, ich fühlte mit ihnen mit, aber ich hätte sie nicht in den Arm nehmen können, innerlich krümmte ich mich und hoffte, sie hörten bald auf.

Wenn sie dann wieder weg waren, ging mir ihr Problem noch lange nahe.

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Re: Schizoid-Hauptproblem: Kein Interesse zu Menschen

Beitragvon hinterdemmond » 11. März 2018, 00:26

ich würde jetzt von mir nicht behaupten, dass mich die menschen so ganz und gar nicht interessieren, aber mich interessiert das zwischenmenschliche nicht. was haben die susi und der bert schon wieder für eheprobleme? wer hat schon thorstens neue flamme gesehen? wo soll man nächsten sommer den urlaub verbringen? usw. da schaltet mein gehirn sofort ab und fährt in den standby modus.
einmal habe ich einen ganzen abend mit einem typen in der kneipe verbracht. er war teilchenphysiker am max-planck-institut, hatte einen vollbart bis zum bauchnabel, in den er kleine zöpfchen reingeflochten hat, und trug badelatschen auf nackten füßen und das ende november.
der war wirklich interessant.
auch im abseits sterben helden. (clickclickdecker)

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Re: Schizoid-Hauptproblem: Kein Interesse zu Menschen

Beitragvon eremos » 11. März 2018, 04:07

Tesa34 hat geschrieben:Was bringt dir dieses Verstehen, oder vermeintliche verstehen? Wirklich verstehen kann man jemanden nur, wenn man ihm nachfühlen kann. Und Verständnis bringt auch eine Form der Veränderung mit sich. Wie sieht die dann bei dir aus? Wie steht es um dein Mitgefühl für andere?


Also Verstehen und Verständnis sind für mich 2 Paar Stiefel. Mitgefühl ist wieder was anderes.

Verstehen: Klar muss man sich in den Menschen hineinversetzen um ihn zu verstehen. Und da gehören auch die Gefühle mit dazu. Aber das sind Gefühle die ja nicht mich betreffen oder ich preis geben muss. Sondern ich brauche eben dieses Vehikel Gefühle um die Reaktion desjenigen zu verstehen, den ich verstehen will.

Verständnis: Nur weil ich für jemanden oder etwas Verständnis habe, ändert sich da bei mir nichts. Das passiert nur, wenn man bisher kein Verständnis hatte und jetzt seine Meinung ändert. Ich habe aber grundsätzlich erst einmal für alles Verständnis. Es gibt wenig für das ich kein Verständnis habe und das sind dann eben Dinge, wo es an Recht und Gesetz geht.

Mitgefühl: Ich kann nur dann mitfühlen, wenn ich die selbe oder mindestens eine ähnliche Situation erlebt habe. Ansonsten würde ich von etwas reden, das ich nicht einmal erahnen kann. Ich weiss, dass Menschen gerne hören, dass man mit ihnen fühlt, also das Leid teilt. Da ecke ich regelmäßig an, weil ich kann nicht irgendwas behaupten was nicht stimmt. Menschen die mich kennen wissen, dass man zu mir nicht gehen sollte, wenn man eine Schulter zum Ausheulen braucht, die Mitgefühl zeigt und die Seele streichelt. Ich sehe mich gerne als Person, zu der man geht, wenn man Probleme gelöst haben muss und das selber nicht schafft, weil man zu emotional an das Thema gebunden ist. Und dieser Rat wird gerne von mir auch so angenommen. Damit kann ich gut leben.

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Re: Schizoid-Hauptproblem: Kein Interesse zu Menschen

Beitragvon Themis » 11. März 2018, 10:00

kritisches_Auge hat geschrieben:Wenn ich zutiefst betroffen bin, kann ich es gefühlsmäßig nicht zeigen. In meiner Nachhilfe weinten Mädchen schon einmal, ich fühlte mit ihnen mit, aber ich hätte sie nicht in den Arm nehmen können, innerlich krümmte ich mich und hoffte, sie hörten bald auf.

Wenn sie dann wieder weg waren, ging mir ihr Problem noch lange nahe.
Das klingt, als hättest Du in der Situation durchaus Gefühle und würdest sie auch selbst spüren, könntest sie aber nicht ausdrücken? Also im Grunde ist sofort alles da, kann aber nur nicht raus? :rätseln:

Das ist bei mir anders: Wenn jemand dabei ist, habe ich keine Gefühle. Irgendwie spüre ich mittlerweile manchmal, "dass da was ist"; es entsteht in der Situation eine Art innere Spannung, die ich wahrnehme, aber weder zuordnen noch etwas damit machen kann. Sie ist so eingefroren, dass ich da nicht hinkäme, auch wenn ich wollte.
Z. B. in der von Dir beschriebenen Nachhilfesituation wäre das so; ich würde mich krümmen und hoffen, dass die beklemmende Situation endet, aber selbst dabei eben nichts spüren außer der Krümmung und Beklemmung.

Stunden später, wenn ich dann seit einiger Zeit wieder allein bin, "taut" das in der Situation entstandene und "gefroren gespeicherte" Gefühl dann offenbar auf und ich spüre es. Das ist aber auch erst eine Entwicklung der letzten (Therapie-)Jahre; vorher habe ich weder gleich noch später etwas gefühlt.
Daher bin ich über das Jetzige schon mal sehr froh und denke auch, dass ich da noch schneller werden und Gefühle irgendwann auch mal sofort in der Situation spüren kann.
Wobei - ein bißchen geht das schon: Seit wenigen Wochen erst fällt mir auf, dass ich, allein daheim vor Internet oder Fernseher, oft SOFORT emotionale Reaktionen habe; z. B. wenn jemand hier etwas Undurchdachtes schreibt und sofort Ärger aufwallt; oder bei Filmen, wo mich jetzt manchmal spontan die Traurigkeit der Hauptfigur erfasst und überschwemmt und ich sie mit-fühle.
Das war vorher auch nie.

Oh, jetzt aber sehr OT geworden und öffentlich auch noch. Na, egal.

@ hinterdemmond:
Ja, so schräge Kneipenbekanntschaften wie Deinen bärtigen Badelatschen-Diogenes schätze ich auch immer sehr. Kommt leider nur alle paar Schaltjahre mal vor ... Aber DAS sind für mich die richtig interessanten Menschen. :-)
Klar, nur Vieldenker werden zu so exotischen Vögeln und ihre kantige Art ist eben sympathisch. Artverwandt.
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Re: Schizoid-Hauptproblem: Kein Interesse zu Menschen

Beitragvon kritisches_Auge » 11. März 2018, 11:10

Ich beziehe mich auf eremos. Ja, ich bin auch der Ansicht, dass ich nur wirklich mitfühlen kann wenn ich eine ähnliche Situation erlebte und ich würde mich auch nur mit jemand austauschen wollen der die Situation kennt.

Als mein über alles geliebter Wellensittich starb bot mir meine Thera eine Stunde an,ich lehnte ab, sie kannte das Problem nicht. Am meisten half mir das Gespräch mit einem vogelkundigen jungen Mann der sagte die sehr zahmen Tiere seien oft krank, es ist als bräuchten sie die Hilfe des Menschen und dass unser Bubblegum doch bei uns ein schnes Leben gehabt hätte.

@ Themis, ich erkenne meine Gefühle in den meisten Fällen gleich, wenn auch nicht vollständig, später kommen noch andere Gedanken dazu. Am schlechtesten erkenne ich sie wohl bei latenter Aggression, wenn jemand nichts sagte aber doch etwas sagte, damit kann ich nicht umgehen.
Und manchmal brauche ich Zeit um zu sehen wie verletzt ich durch eine geliebte Person wurde.
Ein sehr schönes Treffen kann ich so richtig erst genießen wenn der betreffende Mensch wieder weg ist.

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Re: Schizoid-Hauptproblem: Kein Interesse zu Menschen

Beitragvon Tesa34 » 11. März 2018, 18:28

Ich weiß nicht ob ihr das nachvollziehen könnt, aber ich kann das was ich von euch lesen so gar nicht nachfühlen und das löst bei mir irgendwie regelrecht Beklemmungen aus. Ich kann mir das so schlecht vorstellen, weil ich ein sehr emotionaler Mensch bin. Das ist mir so fremd und irgendwie fühl ich mich da wie auf einem fremden Planeten. Und ich habe da eine fette Frage im Kopf: "Wie geeeeeht das??" Darauf gibt es wohl keine zufrieden stellende Antwort.

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Re: Schizoid-Hauptproblem: Kein Interesse zu Menschen

Beitragvon tournesol » 14. März 2018, 14:25

Hallo---Oh ...-nach sehr langer Zeit äußere ich mal wieder--hier bei uns. Ich kann beide Seiten sehr gut "empfinden". Für mich selbst ist dies am Problematischten . Denn im Eigendialog führt dies zur Verwerfung von meiner Sps. sowie meiner emotionsträchtigen "normalen "Haltung, zu Etwas . egal zu was ! Meiner SPS.-Seite messe ich die Intelektuelle-Logische-Sicht zu. (Auch die des objektiven Betrachters ! ) Daraus jedoch auch die "der Logik der emotionalen "normalen" Haltung"--betrachtet . Das Ergebnis hiervon ergibt zumeist ein theoretisch,logisch "Richtiges" ! Jedoch in keiner Weise Befriedigendes (weder für den SPS.-Teil ,noch für den "Normalen") für mich ! In Betrachtung anderer mag das Resultat ,dann interesselos an Menschen wirken , bzw. sich auch so anfühlen. Zumal ich, in meinem Interesse an Menschen,( nun immer mehr ,nach meinem langen Leben) ---in anderen sofort spüre "welcher Seite" das, was sie ausdrücken ,zugeordnet ist ( Wo das Problem liegt, an dem sie hängen... ) Und daher kann ich auch recht gut beraten .Bzw. die Seite aufzeigen,die andere grade nicht wahrnehmen, bei Problemen. Und es ist m.E. wirklich der Ausdruck des anderen Menschens DAS, was die Aussage verstehen läßt---oft konträr zu dem Worte-Inhalt !

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Re: Schizoid-Hauptproblem: Kein Interesse zu Menschen

Beitragvon kritisches_Auge » 14. März 2018, 14:59

Mein Traum wäre, dass jeder seine Spielwiese hat, sein Gebiet in dem er sich wohlfühlt,
die "Normalen, neurotypischen, die Autisten, die Schizoiden, dass die Besonderheit und Andersartigkeit gesehen und akzeptiert wird und von den besonderen Fähigkeiten bei Bedarf Gebrauch gemacht, wird, wenn z. B. in einem Betrieb Unfrieden herrscht, wird gerade oft der Autist und der Schizoide den Konflikt neutral ohne emotionale Verstrickungen analysieren können und der Normale wird helfen können wenn es um emotionale Verstrickungen geht.

Aber das wird wohl ein Wunschtraum bleiben.


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