Asperger Syndrom, SPS usw. - alles Schubladendenken oder gleiche/r Nenner?

Ein Leben in (völliger) Isolation? Du bist sehr introvertiert, ängstlich-vermeidend oder gar schizoid? Wie gehst du damit um?
Sojabean
interessiert
interessiert
Beiträge: 12
Registriert: 8. Februar 2017, 09:12
SPS: Eher Ja
Wohnort: Augsburg

Re: Asperger Syndrom, SPS usw. - alles Schubladendenken oder gleiche/r Nenner?

Beitragvon Sojabean » 12. Februar 2017, 17:41

Hallo :-)
Na das klingt aber doch gut, dass du da deine Nische gefunden hast.
Da wäre ich froh, wenn ich das mal für mich oder meinen Sohn hätte.
Ich hab das komplett falsche Studium als Zweitstudium abgeschlossen: Sozialpädagogik!
2 Jahre in diesem Beruf waren die Hölle!
Und auch die einzigen zwei arbeitsjahre bisher.
Mein erstes Studium passt viel besser: Grafikdesign. leider bin ich da aber absolut nicht auf dem neuesten Stand. Ich zeichne sehr gut. Vielleicht mache ich da was selbstständig damit?!
Damals fehlte mir das pcwissen im grafikbereich... Und mein Sohn wurde geboren, dadurch war ich draußen bevor ich je angefangen habe und demotiviert. Habe mich ganz einfach immer durchgemogelt dank einem Erbe, jetzt dank meinem Mann etc
Aber langsam denke ich, sollte ich es doch mal versuchen mit Arbeit... Nur möglichst fast ohne Menschen! ... Keine Ahnung, was ... aber noch eine Ausbildung mache ich nicht ... Ein online-shop oder irgend sowas vielleicht ... Will noch gar nicht dran denken. Bin erstmal noch zwei Jahre in Elternzeit. Mit drei Kindern reiße ich mir kein Bein aus. Aber es ist sehr frustrierend, so gar nichts beruflich geschafft zu haben ...

Benutzeravatar
ToWCypress81
erfahren
erfahren
Beiträge: 322
Registriert: 23. Juni 2016, 00:55

Re: Asperger Syndrom, SPS usw. - alles Schubladendenken oder gleiche/r Nenner?

Beitragvon ToWCypress81 » 12. Februar 2017, 18:16

Grafikdesign klingt ganz interessant - vielleicht kann man da auch möglicherweise vom Heim-PC (von zu Hause aus) einer/mehrerer Firma/Firmen selbstständig zuarbeiten. - Kenne mich da aber nicht so aus - habe nur mal was darüber gelesen, das diese Sparte der (Computer-Heimarbeit) Selbstständigkeit im Kommen ist.
Meine Schwester und ihr Mann arbeiten auch zu Hause. - Sie hat in ihrem Haus eine Kinder-Krippe (Kleinkinder) und ihr Mann arbeitet im 2. Stock des Hauses als Selbstständiger in eBay (verkauft dort Dinge, die er vorher aus Trempelmärkten usw. gekauft hat).

Benutzeravatar
hinterdemmond
erfahren
erfahren
Beiträge: 414
Registriert: 14. Oktober 2015, 01:05
SPS: Vielleicht

Re: Asperger Syndrom, SPS usw. - alles Schubladendenken oder gleiche/r Nenner?

Beitragvon hinterdemmond » 12. Februar 2017, 21:53

Sojabean hat geschrieben:Ich zeichne sehr gut.

da haben wir ja möglicherweise die erklärung. ich habe im studium immer wieder festgestellt, dass gerade extrem gute zeichner sehr starke schizoide persönichkeitszüge haben. durch die bank konnte ich das bei den meisten beobachten. bei den malern weniger, die waren irgendwie temperamentvoller und bei mädchen beliebter. aber die zeichner, sebst die, die wie ich, sich in die malerei verirrt haben, waren alle so ein bisschen seltsam, eigenbrötlerisch, exzentrisch, haben so ihr ding gemacht und sich keiner gruppendynamik, die es ja auch in der kunst gibt (die klasse von herrn prof. schröder malt so und die von prof. schneider ganz anders) angepasst.
ich habe auch grafikdesign studiert aber abgebrochen. ich bin überhaupt nicht teamfähig, nehme keine autoritäten ernst, pfeife auf regeln und konventionen (zumindest da, wo es niemandem weh tut) und mir ist ehrlich gesagt völlig wurscht, was die leute von mir wollen. hätte also eh nicht geklappt mit dem design, ist ja immerhin sowas wie eine kreative dienstleistung. da kannst du nicht mit der "friss oder stirb" methode kommen, die ich sonst bei meinen kunden angewandt hätte. ausserdem bin ich mega verpeilt, und falle dauernd aus der realität heraus, wie walter mitty in dem gleichnamigen film. du kannst mir gegenüber stehen, mir was erzählen und plötzlich bin ich für sekunden wie weggetreten und kriege ganze sätze nicht mehr mit. ich kann das ganz schlecht kontrollieren, vor allem dann, wenn es langweilig und monoton wird.
ich habe dann zur freien malerei gewechselt, kam aber auch dort erst nicht klar. die malereistudenten waren in klassenverbänden organisiert, pflegten sowas wie einen gemeinschaftsstil und saßen abends bei rotwein und kerzenschein in ihren ateliers und redeten irgendwelchen kram. ich war verzweifelt. dann landetete ich zufällig bei einem grafikprofessor, das war so ein schwuler alt-68ger, bei ihm durfte man alles. da haben sich die ganzen freaks versammelt, die woanders nicht klarkammen. bei dem habe ich dann malerei studiert. seitdem läuft alles super, und ich kann mittlerweile davon leben.

aber ich bin natürlich ein typ, voll testosteron gesteuert, und ich muss allein eine familie ernähren. da gibt es kein wenn und aber. unfähig in einem normalen beruf klarzukommen, musste ich halt das ding durchziehen.
auch im abseits sterben helden. (clickclickdecker)

Sojabean
interessiert
interessiert
Beiträge: 12
Registriert: 8. Februar 2017, 09:12
SPS: Eher Ja
Wohnort: Augsburg

Re: Asperger Syndrom, SPS usw. - alles Schubladendenken oder gleiche/r Nenner?

Beitragvon Sojabean » 13. Februar 2017, 09:51

Lieber hinterdemmond
Na, das ist ja spannend! Ich sah irgendwie intuitiv schon immer einen Zusammenhang im Hinblick auf 'künstlernatur', aber gerade dass ich wirklich ungern Male sondern genau zeichnen meins ist... Das scheint dann fast kein Zufall!
Woran das wohl liegt?
Dass man dafür ein guter beobachter sein muss, leuchtet ein. Und Genauigkeit... Wobei ich es normal nicht damit habe. Bin da wie du: oft weggetreten, verplant, Autoritäten akzeptiere ich selten etc. Klingt irgendwie nach ADS ... ?!?
Also fürs malen fehlt mir der Schwung. Ich war immer neidisch auf die die das haben. Zudem fehlen mir die Ideen auch! Letztlich konnte ich gut abzeichnen. zB das erste Geschenk für meinen Mann war ein Portrait von ihm auf a4. Ich hatte als Vorlage dafür nur sein Profilbild aus dem Partnerforum ... Und mein Gedächtnis. Habe daraus das vergrößert dann. Ja ich sage mal, man erkennt ihn sofort. Sowas ist normal für mich.
Leider schaffe ich es aber nicht, das zum Beruf zu machen.
leider hat meine Mutter mir das vllt verleidet. Von kleinauf war ich der "kleine Picasso" und musste "gefördert" werden. Bis ca 11 jahre zeichnete ich jeden Tag. Von ca 3 bis 7 Jahre im Schnitt 3 Stunden pro Tag. Freiwillig! Es war mein Leben! Im Speicher ist ein Umzugskarton mit den besten Werken alleine aus der Kindheit. Jetzt wo ich selbst eine sehr begabte Tochter habe, erkenne ich erst, wie extrem begabt ich war... im Vergleich zu anderen Kindern sowieso! In der Grundschule habe ich seit der zweiten Klasse schon die rundschreiben gestaltet! Die andren Kinder standen am zweiten Schultag um mich herum und viele wollten Bilder von mir, als sie sahen, wie ich zeichne! Das war ein bleibendes Feedback für mich! In jedem Zeugnis wurde auf meine begabung hingewiesen.
Meine Mutter förderte das erst konstruktiv. Sie schleppte mich schon seit ich vier war in Galerien! Tatsächlich interessierte mich das sogar, wenn mir auch ihre Verweildauer vor jedem Bild allzu lang erschien ... Dann wurde es immer weniger mit meiner Motivation... Im Grundschulalter zeichnete ich, wenn überhaupt, nur ca 1 bis 2 Stunden am Tag, irgendwann gar nicht mehr. Meine Mutter schimpfte dann herum, ein Talent kann verrotten. Ich "müsste" üben etc.! Tja, damit hat sie auch die letzte Lust abgetötet und mein Hobby damit auch. Sie ist selbst sehr begabt im zeichnen. (Und ja, mir sonst auch sehr ähnlich! Schlimm!) ... Da lief eine fiese Projektion ... Sie brachte mich so weit zu sagen "ich hasse die Kunst!" Grotesk, oder?! Naja dass ich Grafikdesign studiert habe war auch dank meiner Mutter. Ich war auf LSD "hängengeblieben" und stand mit Mitte 20 ohne Ausbildung da. Hatte auch null Bock auf irgendwas bzw wenn dann Sozialpädagik. Psychologie ging leider ja nicht weil ich in der 12. Klasse von zuhause abgehauen bin und damit aus dem gymi bin...Hab dann ein Jahr später die FOS gemacht...
o-ton meiner Mutter " was willst du denn sonst machen? Du kannst nur zeichnen!" Toll gell?! ... Oh Mann! Da wundert es nicht dass alle Therapeuten meine Mutter als Problem sahen ...
Naja ich zeichnete dann wieder weil ich musste und hatte Einser. Aber nur im zeichnen. Pckram war gar nicht meins... Saß mit 24 das erste Mal vor einem PC! Hilfe!
Und nach dem Studium zeichnete ich auch wieder nicht. Schade aber der spaß ist vorbei...
Du hast noch Freude daran trotz beruflichem Aspekt?!
LG
Sun

Sanssouci
interessiert
interessiert
Beiträge: 38
Registriert: 21. Juni 2015, 23:26
SPS: Vielleicht

Re: Asperger Syndrom, SPS usw. - alles Schubladendenken oder gleiche/r Nenner?

Beitragvon Sanssouci » 13. Februar 2017, 11:58

Ich glaub beim malen ist es wie mit der Kommunikation, man muss zuviel von sich selbst preisgeben. Beim Zeichen hingegen sieht der Betrachter nur das was eh zu sehen ist, und der Zeichende kann sich hinter der Realität verstecken.

Benutzeravatar
Indigocat
alteingesessen
alteingesessen
Beiträge: 840
Registriert: 6. September 2013, 20:40

Re: Asperger Syndrom, SPS usw. - alles Schubladendenken oder gleiche/r Nenner?

Beitragvon Indigocat » 13. Februar 2017, 12:09

Sojabean hat geschrieben:Leider schaffe ich es aber nicht, das zum Beruf zu machen.
leider hat meine Mutter mir das vllt verleidet. Von kleinauf war ich der "kleine Picasso" und musste "gefördert" werden. ....

Saß mit 24 das erste Mal vor einem PC! Hilfe!

Hallo Sojabean, ich hatte auch so eine Mutter, die sich gerne mit meinen Talenten geschmückt hat. Ich habe mich (sehr zu meinem eigenen Nachteil) in Leistungsverweigerung geflüchtet. Im Moment mache ich was, wovon ich zwar gut leben kann, aber keiner eigentlich so richtig weiß, was es ist und deshalb auch keiner damit angeben kann. :roll:
Vor einem PC saß ich auch das erste mal mit Mitte 20 und erst Ende 20 hatte ich meinen eigenen, hing aber damit zusammen, dass PCs in meiner Kindheit und Jugend noch in ihren Anfängen waren. VG
Bedenken Sie, dass Sie nach den geistigen Gesetzen das, was Sie an sich oder an anderen ablehnen oder hassen, in Ihr Leben ziehen. Dadurch sollen Sie lernen, alles im Leben anzunehmen und zu lieben, auch die Dinge, die Sie momentan noch verabscheuen.

Benutzeravatar
hinterdemmond
erfahren
erfahren
Beiträge: 414
Registriert: 14. Oktober 2015, 01:05
SPS: Vielleicht

Re: Asperger Syndrom, SPS usw. - alles Schubladendenken oder gleiche/r Nenner?

Beitragvon hinterdemmond » 13. Februar 2017, 13:08

deine therapeuten sind das problem nicht deine mutter. das gros der therapeuten sind ein dummes, unfähiges pack, das nur an der oberfäche kratzt und die wahren gründe dahinter nicht erkennt. damit kann man allerdings viel geld verdienen. das gönne ich ihnen. ist wie bei den lehrern. ich saß stundenlang im unterricht und hörte nicht zu, es ging mir in ein ohr rein und ins andere wieder raus. (ich merke mir nur selten, was mir die leute erzählen, ich muss immer alles sehen. selbst wenn du mich beleidigen willst, schreib das lieber auf ein zettel, sonst vergesse ich das am nächsten tag wieder.) aber ich brauchte halt den stoff nur einmal zu lesen, meist reichte dafür schon die pause vor der klausur und ich hatte alles drauf. ich fragte mich dann immer, wozu man dann die lehrer braucht. wenn sie sowieso nur das erzählen, was in den büchern drin steht. ich hab mir dann als kleiner junge es so zusammengereimt, dass die lehrer besonders unfähige menschen sind, die eine beschäftigung brauchen und ich muss jetzt dafür büßen, und ein teil meiner wertvollen lebenszeit dafür verschwenden, statt mich den wirklich wichtigen dingen zuzuwenden. aber ich war trotzdem immer ein recht guter schüler, vor allem in den fächern, die mich interessierten.

meine mutter sah meine begabung immer mit einer gewissen angst und besorgnis. sie hat alles gemacht, um mich davon abzulenken, hat mir logikspiele gekauft und bau- und konstruktionskästen, mich sogar in einem schachklub angemeldet, aber es nütze nichts. nur meine uroma war auf meiner seite und sagte immer:"lass den jungen zeichnen, dann macht er sonst keinen quatsch." "aber was soll denn bloß aus ihm werden?"- war oft mutters antwort. ich kann es ihr nicht verübeln. der einzige künstler, den sie kannte, war ein versoffener werksmaler aus ihrem betrieb, der den ganzen tag in seinem kabuff saß und "lasst uns den fünfjahresplan in vier jahren erfüllen" plakate pinselte und dann irgendwann mal besoffen vom werksgelände nach hause in seine versiffte drecksbude torkelte. dieses schicksal wollte sie mir unbedingt ersparen. gute mutter, würde ich mal sagen. :klatschen:

es half aber natürlich nichts, ich zeichnete wie besessen und seit meinem fünften lebensjahr war klar, dass kein anderes kind auch nur annähernd mir darin das wasser reichen konnte. aber ich habe wie du nicht gern gemalt. malen war viel zu unberechnbar für mich, die farben machten nicht, was ich wollte. erst als ich zufälligerweise die ölmaerei für mich entdeckte, änderte sich das. und zwar als der opa von meinem einzigen freund, bei dem wir oft die nachmittage verbracht haben, gestorben war. er war ein stiller, freundlicher mann, der als elektriker arbeitete aber immer davon träumte künstler zu sein. als er in rente ging, kaufte er sich ölfarben, baute sich selbst eine staffelei, spannte eine leinwand auf und fing an, ein bild zu malen. leider ist er kurz darauf gestorben und hat nur das eine halbfertige bild hinterlassen, das für mich wie eine metapher war, für ein nicht zu ende gelebtes leben und wie eine warnung, was passieren kann, wenn ich das genauso mache. wir duften aber weiterhin nach seinem tod in dem haus spielen. seine zweite frau, die stiefoma von meinem freund hat uns das erlaubt, so werkelte er an seinem technikkram rum, und ich malte mit opas übriggebliebenen ölfarben auf holz ikonen. das war ein schlüsselerlebnis, würde ich im nachinein sagen.

ich habe aber nie eine kunstschule besucht. als zwölfjahriger hatte ich mich mal angemeldet (bei uns war alles staatlich organisiert, in jeder kleinstadt gab es eine super ausgestattete kunstschule mit einem festen unterrichstprogramm. die musste man auch besuchen, wenn man später die aufnahmeprüfung an einer kunstakademie bestehen wollte.) ich ging also hin, weil ich wissen wollte, wie man menschen richtig zeichnet, da stieß ich mit zwölf so langsam an meine grenzen. man hat mir aber erklärt, dass ich erstmal jahrelang blumentöpfe und plastikobst malen müsste, dann kämen gipsbüsten dran und erst dann würde man sich mit echten menschen beschäftigen. das dauerte mir alles viel zu lange. ich ging nach hause, hab mir in der schulbibliothek ein biologiebuch aus der 9ten klasse ausgeliehen, hab mit dem lineal die proportionen ausgemessen und ausgerechnet und mir das alles selbst beigebracht. so wie alles andere auch. ich bin zwar ein studierter künstler, aber egentlich immer noch autodidakt. weil hier im westen bringt man einem nichts bei an ner kunstuni, wenn du glück hast, stört dich keine dabei, dir das alles selbst beizubringen. und ich hatte glück.

in die malerei habe ich mich verirrt, weil ich dieses kurzes intermezzo mit der ölmalerei in dem haus von meinem freund, als sehr positiv in erinnerung behalten habe. (es gibt übrigens sehr viele zeichner in der malerei: raffael, dürer, ingres, degas, otto dix, alles astreine zeichner vom talent her. merkst du sofort wenn du ihre arbeiten siehst und sie mit ihren "maler"-kollegen aus der zeit, wie zb. tizian, goya, delacroix oder monet vergleichtst, es gibt auch seltene doppelbegabungen wie zb. leonardo, caravaggio, picasso oder balthus, aber meistens kannst du recht gut die leute der einen oder der anderen seite zuordnen. die einen zeichnen mit dem pinsel, die anderen malen mit dem stift. "disegno" oder "colorito" sagten schon die alten italiener in der renaissance dazu) ich war anfang zwanzig, steckte in einer bescheurten maler- und lackiererlehre und habe damals seit 4-5 jahren nicht mehr gemalt oder gezeichnet. ich suchte nach einer neuen lebensaufgabe, die meinem nichtsnützigen und verpfuschten dasein einen sinn geben könnte, und kam dan wieder aufs zeichnen. wir hatten damals viele russische maler in der stadt, die auf der straße arbeiteten, sie verlangten 50 mark für ein bild, dass sie in einer halben stunde zeichneten, und ich hab sie übelst beneidet. dann hat eine freudin von meiner kleinen schwester sich von so einem maler zeichnen lassen und war sehr unzufrieden damit, sie hat sich darin nicht wiedererkannt. meine schwester wettete mit ihr um 20 mark, dass ich das besser kann. ich musste wohl oder übel die wette bestehen. ich ging zu diesen leuten, schaute zu, wie sie das machten und womit, kaufte mir das zeug, nahm ein foto von miener schwester, setzte mich für drei tage hin und na ja, es sah am ende besser, "realistischer" aus als die fotografie. ich habe das selbst nicht erwartet, dass ich so gut zeichnen kann. ich dachte leute wie dürer oder rembrandt sind für mich unerreichbar und nun hatte ich mit einem ruck, nach einer fast fünfjährigen pause deren meisterschaft fast erreicht.

später habe ich erfahren, woran das liegt. kleine künstler fallen zwar schon sehr früh auf, weil sie besser zeichnen können als andere kinder im selben alter, aber sie können noch nicht wie erwachsene zeichnen, anders als kleine pianisten oder geigenspieler. sie können das erst in der pubertät und das sogar relativ schlagartig, weil sich irgendwelche synapsen im gehirn so verknüpfen, dass auf enmal die hand genau das tut, was der kopf will. man zeicnet zwar noch recht naiv weil man noch keine ahnung von komposition und so weiter hat, aber schon dann plötzlich wie ein erwachsener. picasso konnte so früh so gut zeichnen und malen, nicht weil sein vater selber kunstmaler war und ihn seit seinem elften lebensjahr unterrichtete, sondern weil er ungewöhnlich früh in die pubertät kam. als 15jähriger hatte er eine 10 jahre ältere freundin, weil mädchen in seinem alter ihm nicht das geben konnten, was er brauchte. ich kam sehr spät in die pubertät und habe diese phase verpasst, weil ich ja nicht zeicnete und war dann auf einmal mit meinem "ausgewachsenen" künstlertalent konfrontiert. diese begabung verkommt auch nicht. ich kenne leute, die es irgendwie verpeilt haben in ihrer jugend das für sich zu entdecken und erst mit 40, nachdem sie wegen burnout, depressionen oder sonst was aus dem hamsterrad rausgefallen sind und dann erst anfangen zu zeichen und zu malen. die machen rasend schnell riesen fortschritte innerhalb kürzester zeit. es ist alles noch da. nur das andere mit 40 schon ein veritables künstlerisches werk geschaffen haben und karrieretechnisch schon ganz woanders sind, und diese zeit kannst du nur noch schwer nachholen.

viele halten mich für extrem egoistisch, narzisstisch und selbstverliebt. ich bin auch natürlich mega selbstbewusst, weiß gar nicht, woher ich das habe. wenn ich mein selbstbewusstsein in flaschen abfüllen und verkaufen könnte, wäre ich jetzt schon ein reicher mann. aber ich habe kein ego. ich bin wie ein medium, durch das eine schöpferische energie hindurch fließen und eine bestimmte form annehmehen will. ich bin in den tiefen der sibirischen taiga aufgewachsen und deswegen ist wald und natur diese form. ich kenne nichts anderes. wenn ich diese energie nicht durchlasse, dann staut sie sich und verursacht schmerzen und probleme. es ist wie bei den schamanen, sie kriegen die "schamanenkrankheit", wenn sie das nicht machen, wofür sie bestimmt sind. so ist das bei künstlern. entweder du machst das, oder du wirst irgendwann mal krank. deswegen stellt sich für mich nicht die frage, ob es mir spaß macht unter extremem druck, den ich jetzt gerade habe, noch bilder zu malen. sie müssen sowieso raus, und wenn die leute mir das aus den händen reissen und die galeristen schlange von meinem atelier stehen, dann um so besser. das ist doch nur eine bestätigung, dass ich alles richtig gemacht habe, indem ich nie auf die ratschläge von "erwachsenen" hörte und immer nur mein ding durchzog.
Zuletzt geändert von hinterdemmond am 13. Februar 2017, 13:37, insgesamt 3-mal geändert.
auch im abseits sterben helden. (clickclickdecker)

Benutzeravatar
hinterdemmond
erfahren
erfahren
Beiträge: 414
Registriert: 14. Oktober 2015, 01:05
SPS: Vielleicht

Re: Asperger Syndrom, SPS usw. - alles Schubladendenken oder gleiche/r Nenner?

Beitragvon hinterdemmond » 13. Februar 2017, 13:27

Sanssouci hat geschrieben:Ich glaub beim malen ist es wie mit der Kommunikation, man muss zuviel von sich selbst preisgeben. Beim Zeichen hingegen sieht der Betrachter nur das was eh zu sehen ist, und der Zeichende kann sich hinter der Realität verstecken.

es ist umgekehrt. beim malen kannst du viel mehr lügen und verschleiern: dummheit, talentlosigkeit, feigheit. die zeichnung ist nackt, ehrlich und gnadenlos offen. sie kann nichts verbergen. sie ist wie sie ist, und man muss sie nehmen, wie sie ist. etweder ist sie gut, oder nicht. da gibt es nichts dazwischen.
auch im abseits sterben helden. (clickclickdecker)

Sanssouci
interessiert
interessiert
Beiträge: 38
Registriert: 21. Juni 2015, 23:26
SPS: Vielleicht

Re: Asperger Syndrom, SPS usw. - alles Schubladendenken oder gleiche/r Nenner?

Beitragvon Sanssouci » 13. Februar 2017, 13:52

Wenn eine Zeichnung nur schlecht ist, bedeutet das nur man hat nicht so viel Talent. Was sagt sowas schon über den Charakter aus. Aber Dummheit Tatenlosigkeit oder auch Feigheit sind im Gegensatz dazu alles Eigenschaften, und sagen so viel über den Erschaffer des Werkes aus.

Ich versuche ja selbst auch immer möglichst hyperrealistische Bilder zu zeichnen, und ich zucke dann auch jedesmal zusammen wenn Leute glauben meine Gefühle, egal ob sie damit richtig liegen, in meinen Zeichnungen zu sehen. Und wenn ich dann das nächste Bild vor mir habe, versuche ich dann genau diese "Hinweise" beim Nächstenmal weg zu lassen. So werden meine Bilder von mal zu mal zwar realistischer aber auch gleichzeitig bedeutungsloser.

Kalliope
erfahren
erfahren
Beiträge: 414
Registriert: 18. Dezember 2015, 21:33
SPS: Nein

Re: Asperger Syndrom, SPS usw. - alles Schubladendenken oder gleiche/r Nenner?

Beitragvon Kalliope » 13. Februar 2017, 14:23

Man kann sich auch in einer Zeichnung wunderbar zurücknehmen und "verstecken", wenn man es denn dann so bezeichnen mag. Letztlich kommt es auf die Virtuosität des Zeichnenden drauf an, wie sehr er mit seinem Medium spielen kann.

Die Blickweise "man kann sich schlecht verstecken" mag im rein künstlerischen Rahmen Gültigkeit haben, für die Zeichnung allgemein nicht. (Technische Zeichnung, Bauzeichnung, Wissenschaftliche Grafik, Dekorationsgrafik, ...)

Zum Beruf Grafker, Grafik-Designer, Designer, Dipl.-Designer: die allermeisten zeichnen (später dann im Beruf) eher wenig. Die meisten hocken vorm Rechner. Der Beruf enthält wenig Romantik. Wenn Du selbständig bist oder Dir eine Nische schaffst, kann es anders aussehen. Bist Du angestellt, kann es zur Vollprostitution werden, zur Selbstvergewaltigung und letztlich zur Flucht oder gar zum Hass auf den Beruf.

Nicht wenige KommilitonInnen beginnen solch ein Studium mit so einer hausmütterlich-altbackenen "KinderbuchillustratorInnen"-Vision. Geht meist schief. Sie heiraten dann und kriegen Kinder und machen "irgendwas anderes".
Es ist nicht selten sehr knallhartes Business. Ausbrennberuf. Burnoutkliniken wissen, dass Designer, also Anwendungs-Kreative, mit zur klassischen Klientel in solchen Kliniken gehören.

Zu unterscheiden: Kunst von Grafik. Sehr wichtig. Beides kann zur Prostitution führen, ohne Zweifel. Essen und Wohnen müssen und wollen wir alle. Grafik - noch klarer im Produktdesign - ist allerdings von sich heraus Projektarbeit. Es gibt einen Auftrag (mit einem Ziel) und dieses Projekt wird verwirklicht. Für einen KUNDEN. Der spielt in diesen Berufen IMMER eine sehr gewichtige Rolle. Um nicht zu sagen: die entscheidende. Entscheidet der sich nämlich, dass der Grafiker (m/w) nicht tauglich für die Zusammenarbeit, für das Erreichen des Ziels oder einfach, weil ihm seine Nase nicht passt, dann ist Ende mit Auftrag.
Grafik + Design (bitte inhaltlich trennen!) ist - wie bei allen Berufen mit Kunden - halbe Psychologie. Extrem Kontakt-intensiv :-(. Es sei denn, man gehört zu den Wenigen, die in ihrem stillen Kämmerlein nette Bildchen oder auch böse Cartoons zaubern und "nur noch" ein fertiges Produkt (so einfach ist es dann aber auch leider nicht, da komm noch ein Verlag, so man denn nicht selber verlegt...) vermarkten muss. Ggf. dann mit Anbiederung an den geforderten Stil.
Nein, man ärgert sich mit allen möglich und völlig unmöglichen Anspruchs- und Erwartungshaltungen herum und - sowieso - Grafik und Design, das ist für die meisten ein niedliches Hobby von mädchenhaften Weibchen, die von ihren Männern ernährt werden und weil das alles sowieso nur "Hobby" und nicht maßgeschneiderte Kundenwunschschwerstarbeit, braucht man ja auch nichts (Angemessenes) für zu bezahlen. By the way: der aktuellen EIGENTLICHE empfohlene Stundensatz für Dipl.-Designer liegt laut Vergütungstarifvertrag bei so ca. 80 - 90 Euro. Pro Stunde. Manche "Grafiker" freuen sich, wenn sie die in der Woche verdienen. So klafft die Realität zwischen so und so.
Die andere Variante in den Köpfen sind arrogante, seltsamen Fachjargon hochnäselnde Agenturfuzzis die mittelprächtige Werbekampagnen für Kaffee, Zigaretten und anderen Konsummüll wie Marktschreier überteuert an der Verblendung gerne aufsitzende Startup- oder New Economy-Firmen vertickern. Flyer? 4-Stellig. Da musste aber dann das schnöselig-schmierige Theater mitspielen.

Übrigens nennt sich nicht aus purem Zufall so ein Studium der angewandten Künste "Visuelle Kommunikation". Eben. Das hat was mit Kommunikation zu tun.

Wer es also damit nicht so hat, sollte so ein Studium und so eine Ausbildung lieber bleiben lassen. Und schon gar nicht, wer es nicht so mit dem Selfmarketing hat.
Und lieber als Hausfrau nette Bilder malen, einen (emotional) wenig anspruchsvollen Job sich suchen oder sich vom Männe das Leben mit wirklich schönem Hobby finanzieren lassen.

PS: Ich weiß, worüber ich hier schreibe.
Option: passende Nische bereits vor Beginn eines solchen Studiums haben und kennen. Eine Empfehlung oder gar "Warnung" einer Kunst-Hochschule VOR Beginn an alle Interessierten solcher Studiengänge: möglichst noch einen Brotjob lernen, vorher, hinterher. Optimalerweise was Kombinierbares.

PPS: der Ansatz von Kunst ist ein anderer. Das hat Hinterdemmond auch schön plastisch beschrieben. Es sind noch so viele Bilder in ihm und wenn seine Frau ihn heilt... kann er einen 0815-Schnullijob machen. Erlerne ich "Kreativsein auf Zuruf und unter Projektvorgaben" ist das ein anderer Ansatz. Das KANN auch in der Kunst auftauchen. Muss aber halt nicht. Im Design und der Grafik schauts anders aus. Das Projekt ist die Vorgabe. Bisschen Scribblen, sehr sehr viel Rechner.

PPPS: gut und sehr gut zeichnen: können Einige. Die Konkurrenz schläft keineswegs. Macht auch niemanden zum Genie. Der beschrieben Kindheitswerdegang scheint aber bei allen ähnlich zu sein. Dürfte sich bei allen so verhalten, die eine Passion, ein gewisse besondere Begabung für irgendetwas haben, sei es Musik, Mathematik oder eben die Kunst.

PPPPS: Vor so einer Ausbildung sich GUT beraten lassen, Gasthörer werden, Praktikum machen an avisiertem späteren Zieleinsatzgebiet. Ohne Vision eines späteren Umsetzens: Finger von dem Job lassen! --> Hobby
Zuletzt geändert von Kalliope am 13. Februar 2017, 20:40, insgesamt 1-mal geändert.
"In Wirklichkeit ist der andere Mensch Dein empfindlichstes Selbst in einem anderen Körper" Khalil Gibran
"Das Ideal einer vollkommenen Gesundheit ist bloß wissenschaftlich interessant. Krankheit gehört zur Individualisierung." Novalis


Zurück zu „Schizoide Wesenswelten“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste