Warum es keine schizoiden Wildtiere gibt

Ein Leben in (völliger) Isolation? Du bist sehr introvertiert, ängstlich-vermeidend oder gar schizoid? Wie gehst du damit um?
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orinoco
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Warum es keine schizoiden Wildtiere gibt

Beitragvon orinoco » 3. Oktober 2016, 23:25

von hier: viewtopic.php?t=1776&p=26413#p26413
schi275 hat geschrieben:
orinoco hat geschrieben:Ich halte uns ja für sowas wie die Zombies dieser Gesellschaft. Also nicht zu wörtlich, aber in der Natur wären wir schon tot und sind es psychisch auch irgendwie, aber der Geist und die Körperhülle sind noch am Leben.

Wieso sollte jemand mit SPS in der Natur nicht überleben können?


Die Mehrzahl aller Persönlichkeitsstörungen führe ich ja auch eine frühkindliche Traumatisierung zurück, einer mit Todesangst verbundenen Erschütterung der Beziehung zur Hauptbezugsperson, im Normalfall also die Mutter. Die Mutter stellt bei allen Säugetieren für das Kind die "Lebensversicherung" dar. Die Bindung zwischen Mutter und Kind ist absolut. Ohne Mutter überlebt in der Natur kein Kind. Wenn eine Mutter in der Natur ihr Kind verstößt, dann bedeutet das den unmittelbaren Tod des Kindes. Glücklicherweise kommt das selten vor, denn die Mutter stammt ja auch nur von den Müttern ab, die ein großes Interesse am Überleben des Nachwuchs hatten. Die Bindung ist also nicht nur von seiten des Kindes extrem stark, sondern auch seitens der Mutter, die quasi instinktiv weiß wie sehr das Kind sie braucht. Wenn eine Mutter in der Natur ihr Kind verlässt oder das Kind die Mutter verliert, dann bedeutet das aber auch absolute Lebensgefahr, die mit dem unmittelbaren Tod endet. In der Folge gibt es keine traumatisierten Tiere in der Natur und auch keine mit einer Persönlichkeitsstörung.

Nur der Mensch macht hier eine Ausnahme und das in zweierlei Hinsicht:
zum einen sind wir so hochsozial, dass wir das Überleben eines Kindes von der Mutter entkoppelt haben. Wenn die Mutter stirbt, dann füttern die Verwandten das Kind wortwörtlich durch. Das Gleiche bei Haustieren: eine Haustierweise wird auch mit durchgefüttert - und überlebt das Trauma, entwickelt aber auch eine Persönlichkeitsstörung.
Zum anderen kommt ein "Verlassen" des Kindes durch die Mutter viel häufiger vor. Denn mit unserem ausgeprägten Verstand und nicht zuletzt durch den Einfluß des sozialen Umfeldes, das uns auch allen möglichen Quatsch einredet, aber uns auch unter Druck setzt, ist die Gefahr, dass eine Mutter ihre mütterlichen Instinkte ignoriert und ihr Kind "verlässt" wesentlich größer als in der Natur, wo die Tiere keinen derart ausgeprägten Verstand bzw. Großhirn haben, der ihr instinktives Verhalten beeinträchtigt.

In diesem Sinne, wenn wir als Wildtiere in der Natur leben würden, dann hätte das Verlassen werden von der Mutter gleich tödliche Folgen gehabt und wir wären dann schon richtig tot. So aber haben wir das Trauma zwar überlebt, aber normal leben tun wir deswegen eben nicht, sondern sind eben etwas zwischen richtig tot und richtig lebendig.
Verständnis ist für den Traumatisierten, was die niedrige Bordsteinkante für den Rollstuhlfahrer.
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Re: Warum es keine schizoiden Wildtiere gibt

Beitragvon Kalliope » 4. Oktober 2016, 01:22

Adoption jedenfalls gibt es auch in freier Wildbahn bei unseren nahen Verwandten:
http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-11 ... 01-28.html

Mithin könnte es eben auch überlebende verwaiste Kinder geben oder solche, deren Mutter ihr Kind nicht ernähren kann oder verstößt.
Irgendwo las ich auch mal was von Tieren (k.A. mehr, welche) wo Tanten verwaiste Kinder aufzuziehen. Es dürfte auch rassespezifische Unterschiede geben, aber sicher ist es sinnvoll, bei den nahen Verwandten erstmal genauer hinzuschauen.
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Re: Warum es keine schizoiden Wildtiere gibt

Beitragvon MirrorMirror » 4. Oktober 2016, 07:46

orinoco hat geschrieben:Zum anderen kommt ein "Verlassen" des Kindes durch die Mutter viel häufiger vor. Denn mit unserem ausgeprägten Verstand und nicht zuletzt durch den Einfluß des sozialen Umfeldes, das uns auch allen möglichen Quatsch einredet, aber uns auch unter Druck setzt, ist die Gefahr, dass eine Mutter ihre mütterlichen Instinkte ignoriert und ihr Kind "verlässt" wesentlich größer als in der Natur, wo die Tiere keinen derart ausgeprägten Verstand bzw. Großhirn haben, der ihr instinktives Verhalten beeinträchtigt.

Da muss ich widersprechen. Bei den Schimpansen ist es erwiesen und bewiesen, dass sie von anderen Müttern lernen und das auch zwingend müssen. Hat eine Schimpansin ihr Erstgeborenes und keine oder eine schlechte Lernumgebung, so befindet sich ihr Kind in permanenter Gefahr. Nicht aus Boshaftigkeit, die Mutter weiss es nicht besser. Sie legt ihr Kind ab und vergisst es, sie drückt es zu fest, sie tut sonstigen Blödsinn.
Gut, es mag sein, dass ein solches Verhalten in der Natur nicht so häufig vorkommt, in Zoos ist das aber so. Dort finden sich gezwungenermaßen auch traumatisierte oder schlecht sozialisierte Tiere, die eben lernen müssen und das geht dann auf Kosten des Kindes. Das Erstgeborene hat dabei ein erhöhtes Risiko zu sterben.
Mütterlicher Instinkt ist keine fixe Einrichtung, es gibt auch Elefanten, die ihren Nachwuchs wegen dem Geburtsschmerz verstossen und auch töten.
Das menschliche Muttertier ist in der Beziehung nicht weiter in der Entwicklung. Respektive hinken diese Tiere in ihren Fähigkeiten/Unfähigkeiten nicht hinterher.

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Re: Warum es keine schizoiden Wildtiere gibt

Beitragvon bahnhof » 10. Oktober 2016, 00:03

Es gibt zwei Arten amerikanischer Wühlmäuse (Microtus ochrogaster und M. montanus). Diese ähneln sich sehr, bis auf einen kleinen Unterschied. Die einen leben sozial, die anderen einzelgängerisch. Man hat festgestellt, dass das bei letzterer Art weniger Rezeptoren für das Hormon Oxytoxin vorhanden sind. Diese Art lebt halt anders als die erste, aber aus ihrer Sicht völlig normal. Aus Sicht der ersten hätte sie jedoch bestimmt eine SPS.


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