"Secret schizoid"... "hidden schizoid"...

Ein Leben in (völliger) Isolation? Du bist sehr introvertiert, ängstlich-vermeidend oder gar schizoid? Wie gehst du damit um?
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Re: "Secret schizoid"... "hidden schizoid"...

Beitragvon moalix » 28. März 2020, 01:11

ich kann mich hier in sehr vielen Beschreibungen auch wiedererkennen. In ('untiefen') zwischenmenschlichen Beziehungen werde ich glaube ich meist zwar als introvertiert aber dennoch ziemlich nett und kompetent wahrgenommen. Je verbindlicher es zu werden droht desto mehr weiche ich innerlich zurück, jedoch kommt oft mein äußeres Verhalten nochnicht mit und ich biete zum Beispiel weiterhin meine Hilfe an. Die dann auch vollkommen ernst gemeint ist jedoch insgeheim die Angst mitschwingt, dass die andere Person dann auch auf mich zugeht. Das menschliche Bindung entstehen könnte. Das kostet viel Kraft und oft im Anschluss an ein Treffen merke ich erst dass es mich in ein Loch aus Chaos, aufgekratzt sein oder ausgelaugt sein gerissen hat.

Dabei wünsche ich mir eigentlich eine Freundschaft. Etwas authentische Verbindung..

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Re: "Secret schizoid"... "hidden schizoid"...

Beitragvon moalix » 28. März 2020, 22:56

Durch das erlernen/anwenden von sozialen Umgangsformen kann unnötiger sozialer Stress vermieden werden. sozialer Stress ist eine unangenehme Form von Nähe.
Anderweitiger Eigensinn und Auffallen empfinde ich dagegen weniger als unangenehm. Das ist dann eher "meine Sache" und bietet weniger mögliche Angriffspunkte (bzw fühlen sich andere dann weniger durch mich angegriffen).

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Re: "Secret schizoid"... "hidden schizoid"...

Beitragvon Anjuli » 29. März 2020, 17:25

ein wenig so tun als ob... ich musste mir Smalltalk regelrecht antrainieren!!
Letzhin hat ich einen recht schrägen Film gesehen, da war eine Frau, die auch anders war. Und sie traf einen Mann, der auch anders war. Und erst in dessen Spiegelbild erkannte sie, das sie immer nur versucht hat, sich dem "Normal" anzupassen. Das hat mich bewegt, da ich auch immer oft an mir gezweifelt hab - warum machen mir Parties keinen Spass?! Mich selbst so annehmen, wie ich bin. Damit geht es mir besser, als sich in was zwängen. Aber manchmal muss man das halt, so tun als ob. Und manchmal ergebt sich auch ein schöner, bereichernde Austausch. Aber, ich geh immer als erste.
"Du hast deine Kindheit vergessen, aus den Tiefen deiner Seele wirbt sie um dich. Sie wird dich so lange leiden machen, bis du sie erhörst."
Hermann Hesse

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Re: "Secret schizoid"... "hidden schizoid"...

Beitragvon Anjuli » 29. März 2020, 17:28

moalix hat geschrieben:Dabei wünsche ich mir eigentlich eine Freundschaft. Etwas authentische Verbindung..

für mich fängt es da an interessant zu werden. Wo die Untiefen aufhören.
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Re: "Secret schizoid"... "hidden schizoid"...

Beitragvon Anhedoniac » 21. Mai 2020, 17:30

Ich würde mich auch in Teilen als "hidden schizoid" bezeichnen, unterteile das aber noch mal in die Verhaltensebene und die tatsächliche Lebens - und Kontaktgestaltung.

Auf der Verhaltensebene ist meine schizoide PS ganz klar versteckt, zumindest was sämtliche oberflächliche und notwendigen Kontakte betrifft. Über einen kürzeren Zeitraum von Stunden bis hin zu mehreren Tagen kann ich durchaus eine relativ "normale" Außenperformance zustande bringen, wenn auch unter für mich spürbarer Anstrengung. Ich wurde, wenn ich mir besondere Mühe gab, sogar schon als charismatisch bezeichnet. Mein Vorteil ist vermutlich auch, dass ich intuitiv eine ganz gute Gesprächsführung habe, in Konversationen gut an Gesagtes anknüpfen und auch Gegenfragen stellen kann. Das kommt meiner Erfahrung nach oft gut an und suggeriert Interesse (wo in der Regel keines vorhanden ist). Was die Mimik und Gestik betrifft, entspreche ich nicht dem, was im Lehrbuch als "typisch schizoid" gilt, obgleich ich für gewöhnlich sehr sachlich und bisweilen etwas leidenschaftslos spreche. Das finden die meisten Leute aber anscheinend irgendwie "nett schrullig", also bereitet es mir keine Probleme.
Wirklich spürbar wird die Persönlichkeitsstörung erst in langanhaltenden und regelmäßigen Kontakten. Die gab es in meinem Leben nur sehr selten, aber von allen habe ich entsprechendes Feedback bekommen, dass man mir die Schizoidie anmerkt.

Was die Lebensführung und die konkrete Alltagsgestaltung betrifft, bin ich tatsächlich eher klassisch schizoid, habe bis auf wenige sehr oberflächliche Bekannte und die Familie keine Sozialkontakte, meide Menschen so gut es geht, leide sehr unter eingeschränkten Interessen und aufgrund dessen einer gewissen Unfähigkeit, mich auf meine Umwelt einzulassen und bin aufgrund meiner langjährigen Isolation seit Jahren arbeitslos. Ich war sogar einige Jahre erwerbsunfähig geschrieben und habe einen GdB. Wenn ich in gutachterlichen Gesprächen meine Lebensumstände, mein Erleben und Verhalten schilderte, wurde das von Fachpersonen bisher immer als ziemlich eindeutig empfunden, obgleich mir manche noch Akzentuierungen in diverse Richtungen zuschrieben, die ich so in gewissen Bereichen sogar auch sehe.

Was die Auswirkungen dieser Kombination betrifft, würde ich mich da im Thread @SchizoCookie weitestgehend anschließen. Es hat Vor - und Nachteile. Man kommt einerseits natürlich relativ "gut" durchs Leben, zumindest wenn es darauf ankommt, Menschen von irgendeiner Sache zu überzeugen, obligatorische Termine wahrnehmen zu müssen und sonstigen Sozialkrempel zu bestreiten. Andererseits sind die Probleme, die die PS mit sich bringt, nach wie vor vorhanden und behindern im Alltag. Dadurch, dass man aber nach außen hin normal, freundlich und offen wirkt, ist man allerdings oft mit Situationen konfrontiert, die eine Belastung darstellen und denen man sich in der Regel freiwillig nicht aussetzen würde. Am Ende ist es, denke ich, immer sehr individuell, inwiefern und an welcher Stelle die Vor - oder die Nachteile überwiegen, zumal es auch immer darauf ankommt, was man daraus macht.


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