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Re: Vorstellung ...

Verfasst: 17. November 2018, 11:16
von tiffi
Hallo Mino,
dann auch noch ein Willkommen hier und gutes Einleben!

Viele deiner Schilderungen kommen mir recht bekannt vor,
z. B. die Kriterien einer "normalen Partnerschaft" nicht erfüllen zu können,
und dass Erwartungen die Luft rauben, egal ob privat / Familie / Freunde (ist nicht mehr viel da) oder Arbeit.
Verstehen kann ich mein Gegenüber, so kalt, distanziert und emotionslos ... damit würde ich andersrum auch nicht klar kommen.
Ist es denn wirklich innerlich so kalt und emotionslos oder ist das nur der Selbstschutz und
das nach außen so geben?
Erschwerend kommt hinzu, dass ich mich mit Gefühlen und Emotionen schwer tue, die positiv sind. Schimpfen kann ich wie ein Rohrspatz, aber wirklich freuen kann ich mich nicht. Da habe ich keinen Zugang zu, empfinde diese Gefühle nicht.
sowas wie Dysthymie?

Ich merke, dass ich immer mehr Zeit für mich allein brauche, um wieder Kraft zu schöpfen. Begegnungen und Alltag strengen mich an. Und mit oberflächlichen Menschen und Kontakten kann ich nicht mehr viel anfangen, auch wenn ich sie wegen dem Ungezwungenen eigentlich ganz entspannt finde.
Das kenne ich auch.
Bin bei tiefgehenderen Gesprächen fokussierter und sie kosten weniger Kraft.
Der Smalltalk beunruhigt mich irgendwie.
Bei sozialen Gelegenheiten/Terminen brauche ich meist langen Ausgleich alleine danach.
Termine am Tag und "wohin müssen" sind mehr wie eine lästige Pflicht, die einen aus dem eigentlichen
Zustand rausreißen, und wo Nerven nicht immer ausreichen für.

Hab erst in letzter Zeit so Zeiten der Schlaflosigkeit und größerer Emotionalität ( z T dann auch Depression
und Schmerz), und dadurch fühle ich mich mir verbundener und die Dinge außen werden eher zu einem
Hintergrundrauschen. Dafür strengen dann die Aufs und Abs der Psyche an und die dunklen Phasen.
Ist mir aber insgesamt ein lieberer Zustand. Und die Phasen "abwärts" sind auch nicht mehr so endlos
und verhärtet.

Re: Vorstellung ...

Verfasst: 17. November 2018, 12:17
von Mino301
Hallo tiffi,

Danke für Dein Willkommen.

Es ist schwierig zu beschreiben. Wohl auch, weil ich selbst noch nicht bis zum Kern dahinter gekommen bin, was genau da los ist.
Es fängt nach spätestens einem Jahr an. Davor ist soweit alles gut und ich bin guter Dinge, dass es dieses Mal endlich klappen wird. Dann irgendwann (ich schätze, wenn der Hormoncoktail der Verliebtheitsphase langsam runterfährt, den ich aber selber gar nicht merke, ich kenne diese Schmetterlinge überhaupt gar nicht und vermisse den anderen auch nicht oder solche Dinge) fängt es an, dass mein Gegenüber mich zunehmend nervt. Es fängt an zu drücken, ich kann immer schlecher atmen. Normale Erwartungen wie Zeit miteinander verbringen, Verbindlichkeiten im Umgang miteinander, Zusammengehörigkeitsgefühl ... all das nervt mich dann zunehmend. Dann fange ich an, mir Ausreden auszudenken. Warum kein Treffen möglich ist usw. Ich möchte dem anderen nicht vor den Kopf stossen, indem ich ihm sage, dass er mir zu viel wird und mir die Luft zum Atmen nimmt. Wie fies muss sich das anhören. Eigentlich kann man daran sehen, dass mein Gegenüber mir wichtig geworden ist, bei oberflächlichen Bekanntschaften ist es kaum mal so. Aber das soll mal einer verstehen.
Warum ich genau das mit aller Macht wegtrete, das ich mir so sehr wünsche, kann ich mir schlecht erklären. Natürlich ist da die übermächtige Angst vor Liebe und Zuneigung. Weil es nie so war, dass ich der Liebe vertrauen konnte. Und jedes Mal, wenn eine Beziehung so endet, bestätigt das natürlich diese Erfahrung.
Andererseits habe ich durchaus verständnisvolle Partnerschaften gehabt, mit denen es viele Gespräche darüber gab. Lösungen wurden gesucht, mit denen beide Seiten einen Gewinn gehabt hätten. Da musste ich mich mehr anstrengen, diese Menschen zu vertreiben. Geschafft habe ich es immer. Und genau das verstehe ich nicht. Ich habe mich während des Gesprächs gut mit der Lösung gefühlt. Annehmen konnte ich es dann aber doch nicht.

Dysthymie ist eine abgeschwächte Form von einer Depression, oder? Also, einfach erklärt jetzt. Sollte es das sein, dann nein. Ich kann glücklich und zufrieden sein und im Vorfeld kann ich mich auch sehr auf etwas freuen. Kurzfristig jedenfalls. Ist dann die ersehnte Situation da, sitze ich daneben und nehme die Freude darüber nicht wahr. Später, wenn es dann vorbei und ich wieder allein daheim bin, merke ich, dass es schön war. Nur innerhalb der Situation merke ich fast gar nichts.
Ganz schlimm sind dann Fragen wie "freust du dich?". Ich stochere in meinem Inneren rum, gerate in Panik, weil ich nichts finde und dann auch nicht antworten kann. Das ist dann wie Gegen-die Wand-drücken. Später kann ich aber umgehend antworten und auch erklären, warum die Situation toll war und was mir genau daran gefallen hat. Vielleicht kann man schönen Gefühlen auch nicht trauen, ich weiss es nicht.

Smalltalk geht mit Kunden ganz gut. Mehr hat da ja auch gar keinen Platz. Normalerweise mag ich Smalltalk, der ist unverbindlich. Aber anstrengend. Eigentlich müsste es eben genau andersrum sein. Tiefere Gespräche müssten anstrengender sein, weil man ja eben nachdenkt und sich austauscht. Smalltalk ist meist eher ein Monolog, jeder leiert seine Floskeln runter, wohinter selten was steckt. Müsste ja eher entspannter sein als tiefere Gespräche. Ist es aber nicht. Warum auch immer.
Termine können manchmal Tage vorher schon stressen. Wenn man weiss, dass es die Alltagsroutinen unterbricht. Spontane Termine machen mich manchmal echt wütend. Wenn ich sofort los muss, aber meine Dinge noch nicht fertig habe. Das dauert dann auch immer seine Zeit, bis ich mich erholt habe. Sofern die Gelegenheit dazu da ist und nichts Neues anliegt. Dann werde ich über den Tag echt müde und bekomme nicht mehr viel auf die Reihe.

Wenn Du diese Zeiten hast, von denen Du schreibst und Dich Dir dann verbundener fühlst ... hast Du dann Verständnis ür Dich und lässt Dich? Nimmst Dir die Zeit dafür? Gehst Du dann liebevoll mit Dir um?

Re: Vorstellung ...

Verfasst: 17. November 2018, 13:08
von Themis
Mino301 hat geschrieben:Hört sich zumindest sehr danach an. Hat das Ganze denn eine Art Zeitlimit? Blöder Vergleich jetzt, aber mir fällt gerade nichts Besseres ein ... also, wenn man merkt, dass sich eine Erkältung anbahnt, weiss man ja ungefähr, wann sie wieder vorbei sein wird und zählt die Tage mit. Klar, eine Erkältung ist da nicht vergleichbar, ich meine auch eher, ob Du das zeitlich auch so einschätzen kannst.
Also scheint diese "Angst vor der Angst" ja schon kleiner zu werden, mit Deiner "Taktik".
Nein, kein Zeitlimit. Wobei ich das allerdings bei Erkältungen auch nicht habe, also vorab kein Gefühl dafür.
Tage mitzählen ... Nein, ich denke, gerade das darf man nicht machen. Sobald man auf ein Ende fixiert ist, ist man ja nicht "drin" (sondern eben schon am Ende), dann funktioniert es auch nicht. Dann lässt man sich wohl zuwenig auf sie ein. :rätseln:

Schwer zu beschreiben. Ist vielleicht vergleichbar mit starkem physischen Schmerz: Solange man sich gegen ihn wehrt, bleibt er übermächtig - ein Gegner am längeren Hebel. Lässt man sich auf ihn ein und nimmt ihn sozusagen in sich auf, nimmt man ihm quasi die Waffen aus der Hand. So ähnlich ist das auch da.

Kann sein, dass ich da extrem funktioniere. Nehme auch für physische Beschwerden nie Schmerzmittel.
Es gibt ja den alten Spruch "Wen man nicht besiegen kann, den soll man sich zum Freunde machen". Fällt ein wenig in dieselbe Ecke.

Re: Vorstellung ...

Verfasst: 17. November 2018, 13:19
von Mino301
@Themis ... Also lebst Du eher im Jetzt und machst Dir nicht so die Gedanken, was sein wird?

Re: Vorstellung ...

Verfasst: 17. November 2018, 13:50
von Themis
Ja. Hab jetzt z. B. auch eine größere, recht dringend anstehende Bauch-OP, und da ist es genauso. Was würden mir Sorgen und Zweifel nützen? Nichts.
Sich in der Sache zu informieren und vorzubereiten, ist natürlich wichtig. Aber nichts Irrationales. Offen bleiben, annehmen.

Re: Vorstellung ...

Verfasst: 17. November 2018, 14:21
von Mino301
Gut, das kann ich verstehen. Im Vorfeld Gedanken machen und alle möglichen Situationen im Kopf durchspielen ... nee. Ich lass das auch auf mich zukommen, mach mir da vorher kaum Gedanken drum. Bei mir steht eine Hüft-OP an. Gedanken an den Ablauf oder Ähnliches hab ich auch nicht. Mich nervt nur der Gedanke, dass ich dann schon wieder Pause habe, hatte ich erst sechs Monate, hab ich gerade noch keine Lust drauf. Der Rest wird sich zeigen, wenn es mal so weit ist.

Ich wünsch Dir alles erdenklich Gute für Deine OP.

Re: Vorstellung ...

Verfasst: 17. November 2018, 15:47
von Themis
Danke, Dir ebenfalls! :glück:

Re: Vorstellung ...

Verfasst: 17. November 2018, 20:56
von tiffi
Hallo mino,
bei deinen Beschreibungen fallen mir ein paar Sachen noch ein.
Wenns zu detailliert wird, könnte man das ja ggf. in einem Thread weiterführen.

Bgzl. Abstoßung bei Beziehung:
Der Zwiespalt scheint ja da bei der Liebe und Zuneigung zu liegen, die sich in tieferen Beziehungen
entwickelt und dann der Drang zum wegstoßen da ist.
Vielleicht zu oft verbrannt worden und jetzt selber das Feuer scheuen?
Am Anfang ist noch die Unsicherheit da, das sich finden, das kämpfen und dann so das Gefühl,
die Falle schnappt zu?

Kommt mir grad auch ziemlich bekannt vor. Lieber ein Hin und Her, ein Ja und Nein, mal Hoffnung
dann Verzweiflung und weggestoßen sein, als dass alles immer gerade aus ginge.
Find ich bei mir z Zt ziemlich bekloppt und irgendwie masochistisch.
Aber wenn alles eindeutig wäre, würde ich verrückt werden. Wenn jedoch immer die Verlustangst
und das Ende mitschwingt, ist aber irgendwann vielleicht auch mal die längste Geduld zu Ende.
Und am Ende kann man sich immer beweisen: taugt alles nichts.

Keine Ahnung, ob man so ein Muster mal am Kern überwinden kann.
Du sagst ja, du fängst jetzt Therapie an, vielleicht kommst du ja dadurch auch an deine Kernmotive.
Und der Drang, das zukünftige kaputt zu machen könnte niedriger werden und nicht mehr so ein
unbewusster Zwang.
Andererseits habe ich durchaus verständnisvolle Partnerschaften gehabt, mit denen es viele Gespräche darüber gab. Lösungen wurden gesucht, mit denen beide Seiten einen Gewinn gehabt hätten. Da musste ich mich mehr anstrengen, diese Menschen zu vertreiben. Geschafft habe ich es immer. Und genau das verstehe ich nicht. Ich habe mich während des Gesprächs gut mit der Lösung gefühlt. Annehmen konnte ich es dann aber doch nicht. 
Das reden können und wenn beide sich vertreten und was gemeinsames Aushandeln wäre ja eigentlich auch
ein guter Ansatz. Aber da scheint ja dann noch was übermächtiges, irgendein Schutzbedürfnis(?)
dich noch anzutreiben, was noch unbeantwortet ist und beim Reden nicht berücksichtigt wurde.
Dysthymie ist eine abgeschwächte Form von einer Depression, oder? Also, einfach erklärt jetzt. Sollte es das sein, dann nein. Ich kann glücklich und zufrieden sein und im Vorfeld kann ich mich auch sehr auf etwas freuen. Kurzfristig jedenfalls. Ist dann die ersehnte Situation da, sitze ich daneben und nehme die Freude darüber nicht wahr. Später, wenn es dann vorbei und ich wieder allein daheim bin, merke ich, dass es schön war. Nur innerhalb der Situation merke ich fast gar nichts. 
Ja, ich verbinde es mit dem Zustand, sich kaum freuen zu können, wenig Ausschläge emotional,
mehr so Erstarrung. Aber der Begriff mag medizinisch noch mehr bedeuten.
Das mit der Vorfreude und dem hinterher auswerten und „nachfreuen“ klingt so, als wären Gefühle in der
Gegenwart nicht so vertrauenswürdig...und zurückgedrängt.
Und später alleine wenn es sicher ist, kann man sich das alles mal angucken und die Gefühle dazu fühlen.
Kenn ich so zumindest bei mir selbst , und in der Gegenwart trotz Wunsch des Einlassens doch nicht
offen zu sein, mag ich gar nicht, als hätte mich was anderes im Griff.
Bei mir schaltet sich aber bei dem Wunsch nach ganz da sein und Genuss dann aber meist eine starke
Psychosomatik ein oder ein innerliches Entfernen. Vielleicht eine andere Form von unterbewusster
Sabotage oder Selbstschutz, wenn es zu schön werden könnte.
Vielleicht kann man schönen Gefühlen auch nicht trauen, ich weiss es nicht. 
Da könnte was dran sein. Sie machen ja irgendwie sichtbarer und verletzlicher, offener. Und wenn da alte
bremsende Erinnerungen dran hängen, kann das so eine bleibende Befürchtung sein.
Smalltalk ist meist eher ein Monolog, jeder leiert seine Floskeln runter, wohinter selten was steckt. Müsste ja eher entspannter sein als tiefere Gespräche. Ist es aber nicht. Warum auch immer. 
Weiß auch nicht warum. Ich glaube, ich versuche gleichzeitig meine Gegenübe dann „tiefer zu lesen“,
weil mich das eher interessiert. Darf dann aber nicht angesprochen werden, gleichzeitig dem Geplapper
zuhören und selbst produzieren, was nicht interessiert, das ist dann anstrengend. Zweigleisig fahren.
Termine können manchmal Tage vorher schon stressen. Wenn man weiss, dass es die Alltagsroutinen unterbricht. Spontane Termine machen mich manchmal echt wütend. Wenn ich sofort los muss, aber meine Dinge noch nicht fertig habe. Das dauert dann auch immer seine Zeit, bis ich mich erholt habe. Sofern die Gelegenheit dazu da ist und nichts Neues anliegt. Dann werde ich über den Tag echt müde und bekomme nicht mehr viel auf die Reihe.
Da muss ich etwas an Asperger/Autismus denken wegen Irritierbarkeit bei fehlender Ordnung und
Vorhersehbarkeit. Hattest du da auch schonmal dran gedacht?
Wenn Du diese Zeiten hast, von denen Du schreibst und Dich Dir dann verbundener fühlst ... hast Du dann Verständnis ür Dich und lässt Dich? Nimmst Dir die Zeit dafür? Gehst Du dann liebevoll mit Dir um?

Auf die Fragen hab ich so bewusst noch gar nicht geachtet.
Was meinst du mit Zeit nehmen, sich lassen und lieb mit sich sein? Also was würde man dann
tun oder welche Einstellungen hätte man dann / oder welche nicht?

Was mir auffällt ist, dass ich in so ner Phase des Zulassens gelassener bin und weniger zwanghaft.
Dann schlaf ich eben nur drei Stunden in der Nacht und geh trotzdem arbeiten.
Wenn ich nachmittags nochmal müde werde, schlaf ich eben dann nochmal.
Wo ich weniger gut mit mir umgehe ist, mir dann in Ruhe was zu essen zu machen und ausreichend zu
trinken.bin eher so in dem Zustand gefangen emotional und Essen und zuviel Selbstfürsorge stört irgendwie.

Verständnis für mich selbst:
In dem Sinne ja, wenn mehr Erkenntnisse kommen, die ich vorher nicht hatte, die lasse ich zu.
Fühl mich dadurch auch stärker, dass ich so sein darf und dass das seinen Grund hat.
Manchmal ist da aber auch Reue, weil ich erkenne, dass der vorige Zustand nicht so gut war oder
dass es Fehlentscheidungen gab, Fehlinterpretationen. Chancen verbaut, weil man nicht anders konnte.

Ansonsten finde ich den Vergleich, wie er bei dir und Themis aufkam von „schmerzhafte depressive Phase
durchgehen“ und Erkältung, bei mir gar nicht so unpassend .
Bei ner Erkältung komme ich auch oft an so einen hoffnungslosen eingenommenen Punkt und denke,
das geht immer so weiter und ich sterbe jetzt, das Elend hat keinen Sinn.
(ist nicht so, dass nur Männer da so empfindlich sind :breites grinsen: :breites grinsen: )
Das Eintauchen und akzeptieren, zulassen geht aber auch hier.

Diese Haltung hier finde ich gut und für mich auch nachvollziehbar:
Themis hat geschrieben:Wobei ich das allerdings bei Erkältungen auch nicht habe, also vorab kein Gefühl dafür.
Tage mitzählen ... Nein, ich denke, gerade das darf man nicht machen. Sobald man auf ein Ende fixiert ist, ist man ja nicht "drin" (sondern eben schon am Ende), dann funktioniert es auch nicht. Dann lässt man sich wohl zuwenig auf sie ein.  

Schwer zu beschreiben. Ist vielleicht vergleichbar mit starkem physischen Schmerz: Solange man sich gegen ihn wehrt, bleibt er übermächtig - ein Gegner am längeren Hebel. Lässt man sich auf ihn ein und nimmt ihn sozusagen in sich auf, nimmt man ihm quasi die Waffen aus der Hand. So ähnlich ist das auch da.
So erlebe ich das auch, man darf nicht zählen und zum Ende gucken, da man sich dann wehrt und der Kopf
das steuern will, sondern das Einlassen ist da wichtig.Und wenn diese Phasen sich irgendwann lösen, kommt
manchmal sogar sowas wie Freude auf oder auch positive Emotionen werden intensiver.

Re: Vorstellung ...

Verfasst: 17. November 2018, 22:30
von Mino301
Hallo tiffi,

Das Dumme ist, dass ich so eine große Sehnsucht nach einer Liebe habe, die mir niemand erfüllen kann. Ich brauche jemanden, dem ich bis aufs Blut vertrauen kann, einen bedingungslosen Gefährten. So jemanden gibt es aber nicht, weil dieser mir die mütterliche Liebe geben müsste, die mir halt fehlt. Und das kann niemand. Nicht mal meine leibliche Mutter, weil die Zeit nicht mehr da ist, in der sie mir Urvertrauen und -liebe vermitteln könnte. Mal davon ab, dass sie tot ist und wir auch ziemlich unterschiedliche Einstellungen hatten, mit denen wir nie zusammen gekommen wären.

Ich glaub, ich hab einen Anfangsverdacht. Was ist, wenn ich einfach viel zu viel und Unmögliches vom anderen erwarte? Wenn ich von jemandem erwarte, mir diese UrLiebe zu geben (was er natürlich nicht kann, das weiß mein Kopf ja auch klar). Und wenn ich unbewusst dann langsam merke, dass es eben nicht diese erfüllende tiefe Liebe ist, die ich mein Leben lang vermisse und suche, schieße ich denjenigen ab, weil mir das eben nicht reicht.
Ist nur so ein Anflug eines Gedanken, da muss ich mich mal mit auseinandersetzen. Klingt aber irgendwie schlüssig.

Auf der anderen Seite wird es mir aber auch dann zu eng. Mein Gegenüber kennt mich mittlerweile und setzt Dinge voraus, die in einer Beziehung sicher natürlich sind.
Ich werde nach Gefühlen gefragt, stocher in mir rum, finde nix, weiß nicht was ich sagen soll und gerate in Panik, weil ich weiß, der andere möchte was hören, was ich nicht empfinde. Das muss schlimm für den anderen sein und ich kann verstehen, dass er dann komplett alles in Frage stellt, was ich an Gefühlen oder Emotionen jemals geäußert habe. Wie soll das auch jemand verstehen, dieses Hin und Her. Und bevor derjenige mich dann wieder verlässt und ich keinen Einfluss darauf habe, nehme ich selber Einfluss und schaue, dass ich ihn los werde. Völlig verwirrend. Aber es umgeht dieses Ohnmachtsgefühl des Ausgeliefert-sein.

Das habe ich aber, wenn ich intensiv drüber nachdenke, schon immer so gemacht. Und es tut mir rückblickend sehrsehr leid, was ich manchmal angerichtet habe. Sollte die Therapie Erleuchtung bringen und ich wissen, woran genau es liegt, möchte ich mich gern bei denjenigen, mit denen ich noch Kontakt habe oder weiß, wo ich sie finden kann, entschuldigen. Denn dann kann ich mich erklären.

Das, was Du beschreibst, kann ich völlig nachvollziehen. Lieber ein Hin und Her als sich festlegen müssen. Und ja, die längste Geduld ist auch mal vorbei, wenn man nie weiß woran man ist und immer denkt, es ist eh bald vorbei. Drei meiner ExFreundinnen haben auch genau das mal zu mir gesagt. Dass sie immer die Befürchtung hatten, dass ich das Ganze beende, wenn ich das nächste Mal vor ihnen stehe.
Und ja, am Ende hat man wieder die selbsterfüllende Prophezeiung ... man wird eh verlassen, wie immer.

Das mit dem Freuen ... da könntest Du durchaus Recht haben, stimmt. Vorfreude ist im geschützten Bereich (Zuhause) vorhanden und das Freuen danach auch. Nur währenddessen bin ich ja nicht im geschützten Bereich. Oder jemand ist mit darin. Ich nehme die betreffende Situation sehr bewusst wahr und lege meinen Fokus darauf, damit ich mich hinterher an alles genau erinnern kann.
Du schreibst, bei Dir seltzt ein innerliches Entfernen ein. Also ist es bei Dir andersrum? Nicht so möglich, Deinen Fokus auf zukünftige Erinnerungen zu legen?

Versuchst Du jeden Deiner Gegenüber tiefer zu lesen? Also auch die Kassiererin oder den Tankwart, mit denen Du sonst in der Regel nicht viel zu tun hast?

An Asperger hab ich schon mal gedacht, aber da passt Einiges nicht. Gestik, Mimik und Reinfühlen in andere klappt gut. Manchmal zu gut. Ich merke in der Regel relativ schnell, wenn etwas nicht zusammen passt und bin alarmiert.

Mit Zeit nehmen und sich liebevoll lassen meine ich, ob es für Dich dann ok ist, wie Du gerade bist. Ob Du Dich in dem Moment so lassen kannst und liebevoll lächelnd Dir die Zeit gibst, die Du brauchst. Dich halt absolut annimmst wie Du gerade bist.
Oder nervst Du Dich dann, so wie Du bist? Rufst Du Dich zur Ordnung?
Aber das hast Du ja schon beantwortet. Teils teils offensichtlich ;o)
Übringens sind Erkältungen auch wirklich sehr arg schlimm und ich bin auch schon sehr oft beinah gestorben. Und ich bin auch nicht männlich ;o)
Aber ich verstehe. Nicht auf das Ende fokussieren, weil man dann in Gedanken schon da ist und das Jetzt nicht durchlebt, auch wenn es mal sehr schlimm sein kann. Ich werde es mal versuchen. Klingt nämlich auch ziemlich schlüssig ...

Re: Vorstellung ...

Verfasst: 18. November 2018, 00:42
von tiffi
Hallo Mino,
Mino301 hat geschrieben:Das Dumme ist, dass ich so eine große Sehnsucht nach einer Liebe habe, die mir niemand erfüllen kann. Ich brauche jemanden, dem ich bis aufs Blut vertrauen kann, einen bedingungslosen Gefährten. So jemanden gibt es aber nicht, weil dieser mir die mütterliche Liebe geben müsste, die mir halt fehlt. Und das kann niemand. Nicht mal meine leibliche Mutter, weil die Zeit nicht mehr da ist, in der sie mir Urvertrauen und -liebe vermitteln könnte.

Ich bin mir nicht sicher, ob man diese Liebe in einer vertrauensvollen Beziehung nicht doch erfahren kann
oder sowas wie eine große Zärtlichkeit und ein "Behüten wollen" einsetzt.

Klar, das kann nicht alle möglichen Löcher aus der Vergangenheit stopfen, aber ich denke, Liebe kann
schon sehr tief und fürsorglich sein.

Ich habe auch vor langer Zeit einen Artikel über Psychologie gelesen, wo gesagt wurde, dass
bei Liebe und Sex auch eher die frühkindlichen Gefühle (ganz früh) getriggert sind. Also wäre dieses
Bemuttert werden ja nicht so fern. (erinner mich nur vage an den Artikel und weiß nicht , wie fundiert
das war, aber für mich klang es schlüssig, nachvollziehbar).

Außerdem muss ich gerade an den Song denken. Total schön.
Queen - Mother Love
Ich glaub, ich hab einen Anfangsverdacht. Was ist, wenn ich einfach viel zu viel und Unmögliches vom anderen erwarte? Wenn ich von jemandem erwarte, mir diese UrLiebe zu geben (was er natürlich nicht kann, das weiß mein Kopf ja auch klar). Und wenn ich unbewusst dann langsam merke, dass es eben nicht diese erfüllende tiefe Liebe ist, die ich mein Leben lang vermisse und suche, schieße ich denjenigen ab, weil mir das eben nicht reicht.
Ist nur so ein Anflug eines Gedanken, da muss ich mich mal mit auseinandersetzen. Klingt aber irgendwie schlüssig.

Hmm, ich denke auch, dass es unterschiedliche Grenzen gibt, die zwischen zwei Menschen einsetzen.
Wenn die sich gar nicht mehr verschieben, fände ich das persönlich auch ziemlich frustrierend.
Also wenn ein Großteil Fremdheit, Egoismus und Schweigen bleibt.
Aber der eigene Wunsch kann auch sehr ideal sein und kaum erfüllt werden.

Auf der anderen Seite wird es mir aber auch dann zu eng. Mein Gegenüber kennt mich mittlerweile und setzt Dinge voraus, die in einer Beziehung sicher natürlich sind.
Ich werde nach Gefühlen gefragt, stocher in mir rum, finde nix, weiß nicht was ich sagen soll und gerate in Panik, weil ich weiß, der andere möchte was hören, was ich nicht empfinde. Das muss schlimm für den anderen sein und ich kann verstehen, dass er dann komplett alles in Frage stellt, was ich an Gefühlen oder Emotionen jemals geäußert habe.

Da sehe ich das Problem bei "nach Gefühlen gefragt" Gefühle sind ja nicht unbedingt immer in Worte
zu bringen und auf die Art zu bestätigen. Zeigen sich ja manchmal auch anders.
Gibt ja so "Sprachen der Liebe",denke ich.
Und das Voraussetzen in einer Beziehung find ich einerseits verständlich (Sicherheit haben wollen, normale
Fixpunkte), aber eigentlich sollte es ja auch individuell und flexibel sein, was zwischen zwei Menschen ist.
Ist meine Meinung. Aber den Wunsch, was in "trockenen Tüchern" haben zu wollen und sonst zu
zweifeln kann ich auch nachvollziehen.

Das habe ich aber, wenn ich intensiv drüber nachdenke, schon immer so gemacht. Und es tut mir rückblickend sehrsehr leid, was ich manchmal angerichtet habe. Sollte die Therapie Erleuchtung bringen und ich wissen, woran genau es liegt, möchte ich mich gern bei denjenigen, mit denen ich noch Kontakt habe oder weiß, wo ich sie finden kann, entschuldigen. Denn dann kann ich mich erklären.
Ja, das wäre sicher eine gute Möglichkeit, wenn man da keine alten Wunden aufreißt und dem anderen was
erklären kann. Der vielleicht an sich zweifelt oder sowas.

Das mit dem Freuen ... da könntest Du durchaus Recht haben, stimmt. Vorfreude ist im geschützten Bereich (Zuhause) vorhanden und das Freuen danach auch. Nur währenddessen bin ich ja nicht im geschützten Bereich. Oder jemand ist mit darin. Ich nehme die betreffende Situation sehr bewusst wahr und lege meinen Fokus darauf, damit ich mich hinterher an alles genau erinnern kann.
Du schreibst, bei Dir seltzt ein innerliches Entfernen ein. Also ist es bei Dir andersrum? Nicht so möglich, Deinen Fokus auf zukünftige Erinnerungen zu legen?
Hmm, stimmt, das mit der Vorfreude ist bei mir da, aber in der
Situation selbst denke ich eher negativ "Wieso kann ich jetzt nicht offen sein, ich Loser, wieso fühle ich nichts".
Dabei wäre das Informationen sammeln zum später freuen schon auch ein guter Fokus. Sonst entgehen
ja auch Informationen, weil man mit sich selbst / Frust beschäftigt ist.

Versuchst Du jeden Deiner Gegenüber tiefer zu lesen? Also auch die Kassiererin oder den Tankwart, mit denen Du sonst in der Regel nicht viel zu tun hast?
Eine Zeitlang ja. Z T läuft das auch einfach. Aber in letzter
Zeit eher weniger. Selbst von meinen Kollegen konnte ich jetzt mehr ablassen.
Je mehr ich mit mir verbunden bin und meinen eigenen Fokus und Gefühlsstrom hab, umso weniger wird
das auch nötig. Und es wird mehr eine Interaktion, statt nur beobachten, aufsaugen, auswerten.

Mit Zeit nehmen und sich liebevoll lassen meine ich, ob es für Dich dann ok ist, wie Du gerade bist. Ob Du Dich in dem Moment so lassen kannst und liebevoll lächelnd Dir die Zeit gibst, die Du brauchst. Dich halt absolut annimmst wie Du gerade bist.
Oder nervst Du Dich dann, so wie Du bist? Rufst Du Dich zur Ordnung?

Ja, denke teils teils. Mit Zeit geben bin ich etwas ungeduldig mit mir selbst. Ich finde mich eigentlich auch
ziemlich fehlerhaft und verrückt, kann das aber auch gelassen hinnehmen. :breites grinsen:
Übringens sind Erkältungen auch wirklich sehr arg schlimm und ich bin auch schon sehr oft beinah gestorben. Und ich bin auch nicht männlich ;o)
:lachen: Gut, dass es das dann doch öfters gibt, auch bei Frauen.
Gerade kam immer so eine Werbung, wo der Mann jammernd im Bett liegt und die Frau cool ihm was
zuwirft, als könnte ihr das NIEEE passieren. Blöde Geschlechterklischees.
Aber ich verstehe. Nicht auf das Ende fokussieren, weil man dann in Gedanken schon da ist und das Jetzt nicht durchlebt, auch wenn es mal sehr schlimm sein kann. Ich werde es mal versuchen. Klingt nämlich auch ziemlich schlüssig ..
Mit dem Ende fokussieren ist man irgendwie in der Ablehnung drin "ich will so schnell wie möglich hier raus
und was anderes". Was auf eine Art verständlich ist. Mit dem verbinden und reingehen bleibts auch nicht
dauerhaft so eklig und hürdenhaft wie es am Anfang aussieht nach meiner Erfahrung. Irgendwas switcht dann um,
und der Verstand läuft nicht mehr so Amok.