Miriam

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Re: Miriam

Beitragvon Themis » 15. Juli 2017, 06:55

bahnhof hat geschrieben:Eine SPS ist keine Eigenart wie jede andere auch und das Unbehagen in geselligen sozialen Kontaktensie ist sehr wohl ein Defekt. Darum heißt es ja auch 'Störung' und ich gäbe alles dafür, sie nicht zu haben. Dieses vermeintliche Selbstbewusstsein der Leute hier ist nichts anderes als Verleugnung und Verdrängung. In Wahrheit sind wir alle ganze kleine arme Würste, die schweinisch leiden. Aber wir lassen uns das natürlich nicht anmerken. Im Gegenteil, wir verklären unsere Lebensweise noch als Philosophie.
Das kann man natürlich so sehen.
Ich für mich persönlich möchte das aber nicht, denn was hätte ich davon? Das ist die Sache mit dem halb vollen und halb leeren Glas.

Auch vor der Diagnose hatte ich die "Störung" ja schon und habe die Nachteile immer gespürt und gesehen; das Etikett selbst hat schließlich nichts an mir geändert. Außer, dass ich jetzt doch irgendwo dazugehöre und sehe, dass es noch mehr Leute gibt wie mich. Ist doch eine ganz angenehme Erkenntnis?

Na ja, und sich auf einem "Leiden" auszuruhen ist einfach nicht meins. Wunde desinfizieren und verbinden, zack, weiter. Immer mal nachschauen, dass sich aus ihr keine zu negativen Folgen ergeben ...

"Verleugnung und Verdrängung" - hmm, nein. Ich setze mich sehr intensiv damit auseinander, sehe dadurch mittlerweile die wohl unveränderlichen Beschränkungen in meiner Person, aber auch andere Horizonte. Es ist ja nicht alles nur SPS! Ein (großer) Teil von mir, aber "ich" bin (hoffentlich) doch etwas mehr. :verlegen:

Damit leben muss man so oder so, aber Verbesserungen sind möglich und die ergeben sich m. E. nicht zuletzt durch eine "positive" Haltung. (Klingt jetzt bißchen wie so Chakka-Motivationstraining, war nicht meine Absicht. Ich hab nur immer wieder diese Erfahrung gemacht.)

Ein Beispiel:
Ich bin ja seit mittlerweile 2 Jahren nochmal in einer 3-jährigen Berufsausbildung mit etwa 60 % Praxiseinsatz (Arbeiten) und 40 % Schul-Blockunterricht. Schwierig für mich sind besonders die Schulblöcke, vor allem, da die (durchaus nette) Gruppe auszuhalten.
Da wechseln sich Phasen absoluten Rückzugs (wo ich um meine Ich-Grenzen kämpfe und das Gefühl habe, fast zu zerbrechen) mit welchen "neutraler Offenheit" ab; an sehr guten Tagen sogar welche mit fast "normalem", aufgeschlossenem Verhalten. Am Ende eines solchen 3-4-wöchigen Blocks bin ich jedes Mal - obwohl ich ihn nur gerade so überstanden habe - traurig, dass ich in den folgenden Wochen/Monaten nun erstmal nicht mehr in dieser Gruppe bin. (Bißchen merkwürdig, ist mir schon klar. :kein Plan: )

Aber jedenfalls haben die Anderen von Anfang an wahrgenommen, dass ich "komisch" und anders, aber irgendwie interessant bin. Ich habe mittlerweile auch einigen gesagt, dass ich "ein Problem mit Gruppen habe" und es nicht gegen die Klasse als solche gerichtet ist. (Von schizoid habe ich nichts gesagt, da die Leute da, wie ich an anderer Stelle erfahren musste, gleich an "fast so was wie schizophren - Vorsicht!" denken.)
Das wird verstanden, der Rückzug wird akzeptiert und ich werde dann wohlwollend in Ruhe gelassen. Ich werde aber immer beobachtet, und sobald offenbar Zeichen von "Ansprechbarkeit" da sind, werde ich vorsichtig integriert. Das finde ich eigentlich recht schön im Ganzen.

Damit sagen wollte ich: Schmerzhafte "Behinderung", ja, natürlich - aber es kommt immer darauf an, was man damit macht. Und da hat man zum Glück durchaus einige Möglichkeiten. :tanzen:
Everything is nothing, and nothing is everything. (Quelle strittig) :alien:

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Re: Miriam

Beitragvon Indigocat » 15. Juli 2017, 09:14

Themis hat geschrieben: Wunde desinfizieren und verbinden, zack, weiter. Immer mal nachschauen, dass sich aus ihr keine zu negativen Folgen ergeben ...
"Verleugnung und Verdrängung" - hmm, nein. Ich setze mich sehr intensiv damit auseinander, sehe dadurch mittlerweile die wohl unveränderlichen Beschränkungen in meiner Person, aber auch andere Horizonte. Es ist ja nicht alles nur SPS! Ein (großer) Teil von mir, aber "ich" bin (hoffentlich) doch etwas mehr.
So erlebe ich das auch. Natürlich gibt es die unangenehmen Momente im Alltag, die versuche ich dann ganz schnell zu verdrängen oder gedanklich positiv umzuwandeln. Schließlich muss das Leben weitergehen. Es gibt aber nicht nur die bösen Momente, es gibt auch ganz viele gute Momente und sogar Sequenzen, in denen ich ganz normal funktioniere, sogar im Mittelpunkt stehe. Leider sind das immer nur Zeitfenster, die sich schnell wieder schließen, weiß nicht, wie ich den Zustand dauerhaft aufrechterhalten kann. Aber ich ziehe daraus Kraft.
Damit leben muss man so oder so, aber Verbesserungen sind möglich und die ergeben sich m. E. nicht zuletzt durch eine "positive" Haltung.
:begeistert:
Schwierig für mich sind besonders die Schulblöcke, vor allem, da die (durchaus nette) Gruppe auszuhalten.
Wenn man gemocht wird, ist das einfacher. Ich werde immer von einigen angefeindet, von einigen aber auch sehr gemocht. Da kann ich gar nichts dagegen machen, die Antipathie ergibt sich immer auf den ersten Blick. Auf Dauer ist das sehr anstrengend.
Damit sagen wollte ich: Schmerzhafte "Behinderung", ja, natürlich - aber es kommt immer darauf an, was man damit macht. Und da hat man zum Glück durchaus einige Möglichkeiten.
Vielleicht nicht die ganze Palette der Möglichkeiten, die man ohne seine Eigenarten hätte, aber man muss ja nicht passiv dasitzen und auf den nächsten Tag warten, sondern kann sich durchaus aus den vorhandenen Möglichkeiten das Beste herauspicken.

Musste jetzt an die "Halbstarken" denken, 50 % aller Menschen haben einen IQ ≤ 100, 16 % ≤ 85. Einen niedrigen IQ zu haben, schließt einen ja auch in der Regel vom guten Leben und von gesellschaftlicher Anerkennung aus. Man dümpelt in schlecht bezahlten und arbeitsintensiven Jobs herum und ist meist bereits vor der Rente körperlich kaputt. Die Jungs haben es auch schwerer, eine Freundin zu finden.
Wenn sich eine Tür vor uns schließt, öffnet sich eine andere. Die Tragik ist jedoch, dass man auf die geschlossene Tür blickt und die geöffnete nicht beachtet. André Gide

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Re: Miriam

Beitragvon sdsdsdsv » 18. Juli 2017, 18:05

bahnhof hat geschrieben:In Wahrheit sind wir alle ganze kleine arme Würste, die schweinisch leiden. Aber wir lassen uns das natürlich nicht anmerken. Im Gegenteil, wir verklären unsere Lebensweise noch als Philosophie.
So ein Gschmarri.

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Re: Miriam

Beitragvon ToWCypress81 » 27. Juli 2017, 17:36

bahnhof hat geschrieben:In Wahrheit sind wir alle ganze kleine arme Würste, die schweinisch leiden. Aber wir lassen uns das natürlich nicht anmerken. Im Gegenteil, wir verklären unsere Lebensweise noch als Philosophie.

zusätzliche Anmerkung zu dem und meinem (dazu) geschriebenen:
Als Schizoider fühlt man sich nicht wie ein armes Würstchen (gegenteilig: Egomanisch, Narzisstisch) - man merkt nur im Kontakt mit Menschen meistens/oft/teils immer die eigenen Defizite, die einen von den anderen unterscheiden - und das wiederum eine für sich empfundene Abgeschottet-heit aufbaut, die man (durch das das man für sich nicht anders kann) damit auch "Leidens-druck" aufbaut.

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Re: Miriam

Beitragvon bahnhof » 8. August 2017, 00:01

ToWCypress81 hat geschrieben:
bahnhof hat geschrieben:In Wahrheit sind wir alle ganze kleine arme Würste, die schweinisch leiden. Aber wir lassen uns das natürlich nicht anmerken. Im Gegenteil, wir verklären unsere Lebensweise noch als Philosophie.

zusätzliche Anmerkung zu dem und meinem (dazu) geschriebenen:
Als Schizoider fühlt man sich nicht wie ein armes Würstchen (gegenteilig: Egomanisch, Narzisstisch) - man merkt nur im Kontakt mit Menschen meistens/oft/teils immer die eigenen Defizite, die einen von den anderen unterscheiden - und das wiederum eine für sich empfundene Abgeschottet-heit aufbaut, die man (durch das das man für sich nicht anders kann) damit auch "Leidens-druck" aufbaut.


Genau das stand ja in dem Zitat: Man 'fühlt' sich nicht wie ein armes Würstchen, man ist eins!

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Re: Miriam

Beitragvon Ambivalenz » 8. August 2017, 12:28

bahnhof hat geschrieben:Man 'fühlt' sich nicht wie ein armes Würstchen, man ist eins!

Das gilt für die gesamte Menschheit; aufrechtgehende Affen, die sich für etwas besseres halten.
Was dich (Bahnhof) angeht: Einige SPSler halten sich in der Tat für Übermenschen, für besonders intelligent, hypersensibel usw. Du erfüllst dafür das Gegenextrem: Selbstmitleid par excellence. Die "Wahrheit" liegt wie immer dazwischen und ist banal: "Wir" sind weder bessere noch schlechtere Menschenaffen als die "Normalen".
Wer leuchten will, der flieht das Licht...
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Re: Miriam

Beitragvon tagträumer » 8. August 2017, 12:33

Danke Ambivalenz, so in etwa wollte ich auch grade schreiben.
I'm not crazy about reality, but it's still the only place to get a decent meal. (Groucho Marx)

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Re: Miriam

Beitragvon Miriam » 12. August 2017, 16:29

Hallo zusammen,

nachdem ich einige Wochen hier mitgelesen und ein wenig geschrieben habe, stelle ich für mich fest, dass dieses Forum nicht der richtige Ort für mich ist. Es passt einfach nicht.

Danke für die freundliche Aufnahme und alles Gute euch.

Miriam

P.S. Der Account kann stehen bleiben.
Reisen ist besonders schön, wenn man nicht weiß, wohin es geht. Aber am allerschönsten ist es, wenn man nicht mehr weiß, woher man kommt.


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