Reality-Check

Was nicht in die anderen Foren passt, kann hier thematisiert werden.
Ebenso können hier allgemeine Umfragen gestartet werden.
tiffi

Re: Reality-Check

Beitragvon tiffi » 6. September 2018, 07:03

hinterdemmond hat geschrieben:der normalbürger akzeptiert den künstler überhaupt nur, wenn der bettelarm ist und erst nach seinem tod berühmt wird. sonst gerät sein ganzes konstrukt ins wanken: "was, da ist einer, der macht das, was ihm spaß macht, und ist auch noch erfolgreich damit?!" da kann er nicht mit umgehen. aber das trifft nicht nur künstler. es gibt bei zeit online so eine serie, wo leute erzählen, was sie verdienen und wofür sie das geld ausgeben. wenn du ein malocher bist, der für 3500€ netto im monat bei vw in der gießerei schuftet und das verdiente geld in eigentumswohnungen investiert, bist du ein held. du darfst nur nicht die falsche frau heiraten, die dich ausnimmt. aber wehe, du hast deinen langweiligen verkäuferjob bei peek&cloppenburg hingeworfen und bist jetzt selbständiger fitnesstrainer mit 1500€ netto-einkommen im monat. oder du bist ein kleiner gruftie, hast dich schon immer für den tod interessiert und bist nach dem studium selbständiger bestatter geworden, und verdienst 1700€ im monat. dann kommen die ganzen spießer aus ihren löchern gekrochen und fangen an zu stänkern: "und was machst du wenn du alt bist? ohne rente. liegst du dann dem staat auf der tasche?" und wie kommt man überhaupt mit so wenig geld über die runden?" "wie will so jemand eine familie gründen?" "und überhaupt, was passiert, wenn sich alle selbständig machen und nur das tun, was ihnen spaß macht für nen appel und ein ei, wer zahlt dann die ganzen steuern und abgaben?" du merkst, wie die leute innerlich erschüttert werden, weil sie merken, es geht auch anders.
Hmm ja, das sind so Lebensentscheidungen und Prioritäten, die man anders als die anderen trifft und die wohl
die anderen, die sich mit ihren Entscheidungen in trockenen Tüchern wähnen, verunsichern.

Ging mir ja in kleinem Ausmaß schon so, als ich auf Teilzeit reduziert hab. Nicht nur dass mein Arbeitgeber mir
massig Steine in den Weg gelegt hat, auch meine Kollegen reagierten mit Unverständnis und Befremden
"dann hat man ja kein Geld mehr für einen Kaffee trinken gehen und Urlaub";
und trotz der Jammerei über die Mühle käme der Verzicht auf Geld und in den üblichen Schienen zu bleiben
(Eigenheim, Frau, Hund mit Hundeschule, zweimal Urlaub, paar Hundert Euro für Style ausgeben im Monat,
weitere paar Hundert Euro für Spaß und Nachtleben)nicht in Frage.
Bei mir wirds bei der Rente auch knapp (aber das nötige wird schon da sein), aber vielleicht mache ich dann noch
einen Mini Job bis ich 70 bin und falle dann einfach direkt ins Grab (beim Gruftiebestatter :breites grinsen: )
hinterdemmond hat geschrieben:aber man ist ja nicht nicht nur künstler, sondern hat auch diverse andere rollen zu erfüllen. und die erfülle ich alle nur unzureichend. ich würde mir höchstens eine 4+ dafür geben. aber das macht mir so gar nichts aus. es ist wie eine 4+ in mathe. man hat die nacht durchgemacht, geht ohne was zu lernen in die klausur schreibt 4+ und freut sich riesig, dass man so billig davon gekommen ist. so ist es auch mit meiner ehe und allem anderem. null ehrgeiz im zwischenmenschlichen bereich. das ist das problem, aber, wie gesagt, eher für die anderen.
Genau das könnte aber sein, warum die anderen da so verärgert reagieren; dass du an diesen "Strippen" nicht
zu kriegen bist.
Wenn man davon ausgeht, dass jemand Mühe reinsteckt in die anderen Rollen und was erfüllen will, dann hat man
den ja in der Hand und weiß wie der tickt und weiß, woran man ziehen kann, um den zu motivieren.

Gleichzeitig denke ich, "normale Menschen" meinen es auf ihre Art gut, sie denken, dass das Leben auf
sicheren Schienen einfach besser und weniger beunruhigend läuft. Kraft der Gruppe und des Bewährten
usw.Darum wird dir vielleicht auch panisch das Scheitern und "Tod" vorausgesagt, wenn du nicht auf diesen
Schienen bist, weil diese Schienen das bessere Leben verheißen können.

"Kein Mensch", das ist aber auch ne Aussage :rätseln:
Naja, als ich meine Familienschiene verlassen hab und mehr auf mein eigenes beharrt, da war ich auch
"ganz seltsam, schon immer anders, krank und wohl in einer Sekte" (nur die Sektenschiene kann eine
Erklärung sein, dass man willenlos ist und die einzig gute richtige Schiene verlässt, ist klar :feiern: )
Es fühlt sich an, als würde man von den anderen ausgestoßen oder sowas wie "für tot erklärt", das ist
ne komische Dynamik. Verletzt auch irgendwie oder erschüttert, wenn man sich doch noch teilweise
durch die anderen spiegelt und sieht da nur das reine Grauen.

Es ist so als würden sie die ganze Zeit schreien "fasse nicht auf die heiße Herdplatte, bist du des Wahnsinns"
und geben irgendwann auf; wobei letztendlich immer noch die Hoffnung da ist, dass sie einen auf
den in ihren Augen richtigen Weg ziehen können.
Naja, und ich finde, ich bin noch gar nicht so ein krasser radikaler Fall, ich bin so halb und halb.
Aber reicht schon für gewisse Konflikte und argwöhnisch beäugt werden.
hinterdemmond hat geschrieben: weil sie mehr erwarten und enttäuschungen natürlich vorprogrammiert sind. dann ist es auch egal, was der "normalbürger" dazu sagt. das eigene schlechte gewissen kann er auch nicht entlasten.
Meinst du hier das schlechte Gewissen der anderen? Obwohl sie die Norm und den Normbürger auf ihrer Seite haben?
Mir wirken sie ja schon oft sehr sicher und selbstgefällig, vor allem in der Überzahl.
Aber auch so verunsichert und aufgeschreckt, dass sie sich doch zusammenrotten und noch größere Kommittes
bilden müssen, dass sie ja doch richtig sind und der anders denkende / handelnde / fühlende krank, abartig und besorgniserregend.

Was mir aber auch noch in den Sinn kam, von wegen der "sadistischen Wirkung" auf den Normalbürger:
ist es vielleicht die Neigung zur Wahrnehmung und Innenwelt beim abweichenden oder Künstler,
die vorhanden ist, und die ja vermutlich auch erst zu ganz eigenen Entscheidungen und Wegen führt?
(Mehr Innenwelt, weniger notwendige Schienen und Sicherheit außen; mehr unvorhersehbares und
unkontrollierbares; als würde man sich ohne Netz dem Leben ausliefern ein Stück weit auch).

Ich glaube, dass die Leute auf den Schienen auch immer ganz vieles ihrer Innenwelt bekämpfen müssen
(vielleicht hier das schlechte Gewissen?), damit der Lebensstil richtig und gerechtfertigt bleibt.
Und wenn man diese Innenwelt anrührt, was durch die Art des Seins aber auch durch die Kunst
passieren kann, könnte das sogar eher unangenehm berühren und zu diesen panisch verärgerten
Abstoßungsreaktionen führen, immer mit der Hoffnung "Der/die wird schon noch vernünftig"
(zur Not mit krasseren Aussagen)

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Re: Reality-Check

Beitragvon hinterdemmond » 6. September 2018, 10:57

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tiffi

Re: Reality-Check

Beitragvon tiffi » 6. September 2018, 11:08

hinterdemmond hat geschrieben:
tiffi hat geschrieben:Meinst du hier das schlechte Gewissen der anderen?

nein, ich meine schon mein eigenes schlechtes gewissen. meine mutter, war immer sehr gut darin, bei mir welches zu erzeugen. meine frau tut das gleiche. wie das bei den anderen ist, weiß ich gar nicht. ich glaube, da ist das gewissen mehr an die geltenden normen und regeln gekoppelt, sind die erfüllt, fühlen sich die leute wohl und haben sich nicht vorzuwerfen.
So ganz verstehe ich das noch nicht mit dem schlechten Gewissen.

Ist es mehr ein schlechtes Gewissen manchen Maßstäben gegenüber, und welchen?

(Also schlechtes Gewissen, dass du die Maßstäbe eigentlich für richtig hältst und selbst eher auf
deinem eigenen Trip bist, aber den Maßstäben was schuldig wärst?)

Oder schlechtes Gewissen gegenüber den Menschen, die die Maßstäbe einfordern?
Weil du die Menschen enttäuschst? (Die ja auch wieder die Maßstäbe verkörpern?)
:rätseln:

Gut, bei der Ehe könnte ich einen gewissen Frust nachvollziehen bei der Frau.
"Schatz, ich liebe dich nur 40 % und hänge mich nur ausreichend in die Sache rein" könnte bei
manchen Frauen nicht so gut ankommen. Andererseits, was macht so die Essenz einer Ehe
aus? Muss doch etwas mehr sein, als eine Rolle gut auszufüllen. :kein Plan:

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Re: Reality-Check

Beitragvon hinterdemmond » 6. September 2018, 15:28

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Re: Reality-Check

Beitragvon Indigocat » 6. September 2018, 16:12

hinterdemmond hat geschrieben:wenn du weniger einnimmst, zahlst du auch weniger steuern. dem bestatter wurde vorgeworfen, dass er die preise zu niedrig ansetzt, weil er mal erwähnt hat, dass er gar nicht so sehr für geld arbeitet. ihm ist es wichtig, dass die leute sich wohlfühlen und eine schöne beerdigung erleben. deswegen macht er manchmal mehr als nötig, wendet mehr zeit auf und hat höhere ausgaben. usw.
einem grafik-designer, der 15000€ im jahr verdient, wurde unterstellt, dass er extra zu wenig aufträge annimmt, um kleinunternehmer zu bleiben, weil er geschrieben hat, dass er lieber spannende und interessante jobs macht, auch wenn sie nicht so gut bezahlt werden, statt langweilige 08/15 jobs, die kohle einbringen.
Mein ehemaliger Steuerberater hat mal von einem Klienten, einem Betriebsprüfer, erzählt, der nur drei Monate im Jahr arbeitet, um nicht mehr als notwendig das Finanzamt zu füttern. Die restliche Zeit hat er Urlaub gemacht. Mit einem Betriebsprüfereinkommen geht das auch.
ich dürfte bei dieser serie gar nicht mitmachen, die würden mich in der luft zerreißen, wenn sie schon über so bodenständige leute ablästern.
Welche Serie?
es ist ein schlechtes gewissen menschen gegenüber, denen ich dieses leben zumute, und die das mittragen müssen...….

der zustand ist leicht zu ändern. ich müsste mich nur nach einer stelle als kunstlehrer umschauen. irgendwo in doberlug-kirchhain findet sich bestimmt eine. sogar auf einem gymnasium. die sind so verzweifelt, die nehmen jeden.
Keiner ist gezwungen, dieses Leben mitzuleben, ok, deine Kinder schon, für die solltest du dich am Riemen reißen, denn sie haben schließlich nicht darum gebeten, in diese Welt gesetzt zu werden. Deine Frau kann jederzeit gehen. Der Zustand wäre auch leicht zu ändern, wenn deine Frau zum Familieneinkommen beitragen würde.

Ich habe jahrelang in minderbezahlten Jobs und Praktikas rumgedümpelt, weil ich auch ohne Berufsausbildung ins Leben gestartet bin. Dabei habe ich mich wahrscheinlich selbst "gebrochen", immerhin kann ich mich jetzt stoisch abschalten und auch langweilige Jobs erledigen. Die Kreativität, die ich als Kind hatte (wollte auch mal auf die Kunstschule) ist zwar im Moment verschüttet, aber ich bin nicht traurig drum, vielleicht ergibt sich irgendwann mal Gelegenheit, da was auszubuddeln. Ansonsten haben meine Kinder niemanden auf der Welt außer mich und ich bin froh, dass ich ihnen finanziell zu dem Leben verhelfen kann, das sie sich vorstellen. Da kam die Frage nach Selbstverwirklichung gar nicht auf. Mach ich jetzt, so nebenbei.
ich kann das nicht so gut. klar, letztendlich gehe ich auch jeden tag in mein atelier, mache die tür zu und vergesse alles für ein paar stunden, und wirklich unglücklich bin ich deswegen auch nicht. trotzdem ist es immer irgendwie da, das schlechte gewissen.
Woher kommen die vielen Leute, denen du rechenschaftspflichtig bist? :rätseln: Ich weiß nicht, an mir zerrt keiner rum. Meine Kinder leben mein Leben mit oder sie leben ihr eigenes, wie sie wollen, aber keiner mischt sich in das Leben des anderen ein. Wenn ich einen Partner hätte, der dauernd an mir rumzerrt, würde ich den einfach vor die Tür setzen und meine Mutter, die lass ich wie gesagt gar nicht erst rein. Klar bin ich die undankbare Tochter, na und? Ich bin niemandem so nahe, der mir das vorwerfen könnte.
Geniale Menschen sind selten ordentlich, Ordentliche selten genial. A. Einstein

tiffi

Re: Reality-Check

Beitragvon tiffi » 7. September 2018, 09:48

hinterdemmond hat geschrieben:es ist ein schlechtes gewissen menschen gegenüber, denen ich dieses leben zumute, und die das mittragen müssen. ich habe zum beispiel selbst gar kein gefühl für armut. ich weiß nicht, was das ist.
Ist die Frage, wieviel Verantwortung du hast und wie sich das äußert.
Was muss WIRKLICH unbedingt sein? Und was muss auf GENAU die Art sein, wie sich andere Menschen
das vorstellen?
Anders als in der Schule gibt es nämlich meiner Meinung nach nicht nur eine Schablone "Wie fülle ich eine
Veranwortung aus".

Deine Mutter hat dich großgezogen und ihr bestes gegeben.
Ich denke, da hast du ein dankbares Gefühl und fühlst dich gerne verpflichtet, ihr was zurückzugeben.
Aber hast du damals versucht, an deiner Mutter rumzudrehen, WAS GENAU sie dir alles bieten soll,
wenn sie dich schon groß zieht?
Welche Klamotten sie kauft, in welchem Haus leben, wie sie sich zu deinem Vater verhält, was es zu Essen geben
soll und wieviel Zusatztaschengeld?
Ich denke, viele Sachen müssen doch auch überhaupt nicht sein und sie hat trotzdem als deine Mutter
ihre Aufgabe gemacht.

Die Grundgeste zählt vielleicht, die Ausgestaltung ist verhandelbar.

Bzgl. Frau und Kinder....ich denke, denen hast du auch gegeben, was geht. Emotional und finanziell.
Auf deine Weise eben.

Vielleicht gibt es hier und da was an der Ausgestaltung zu kritisieren.
Wünschen kann man ja, und am besten tatkräftig mitwirken und gleichzeitig akzeptieren und
wertschätzen, aber jammern und fordern?

Im Falle deiner Frau, wenn ihr das zu wenig Geld ist, denke ich wie Indigocat, die ist ja nicht behindert,
wieso geht sie nicht selbst arbeiten? Die Kinder sind doch keine 3 mehr, oder?
Ist vielleicht für sie auch nicht einfach, wenn sie so aus bürgerlichem Milieu kommt (das kann man ja
an sich schon fast als Lebensbehinderung werten), aber sie hat sich das Leben auch ausgesucht.
Und vielleicht ist sie auch mit sich selbst unzufrieden,dass sie sich nicht so ganz verwirklicht hat, wie geplant,
und der Mann als verlängerter Teil sie auch nicht ganz verwirklicht. Vielleicht müsste sie da mal etwas
erwachsener werden?

Wegen der Lehrerstelle....sollte es auch mit der grundsätzlichen Idee, wie die Mutter rüberholen,
finanziell knapp sein, vielleicht kannst du es als vorübergehenden Notnagel sehen?
Schuldienst ist auch nicht so übel, zumal in Teilzeit (wäre ja in Vollzeit schon nur 20 h oder sowas)
Vielleicht macht es mit den Jugendlichen sogar Spaß, wenn der ein oder andere ansprechbar ist und
sich da was entwickelt und die Kinder / Jugendlichen auch nochmal ein ganz anderes Rollenmodell erleben,
wie man auch leben kann.
hinterdemmond hat geschrieben:aber dafür muss ich verantwortung übernehmen. mich vor den karren spannen lassen. alles vergessen, was ich mir mal erträumt und gewünscht habe. und das schaffe ich nicht. selbst wenn ich es versuchen würde, ich lass dann alles stehen und liegen und renne davon aus meinem frisch ausgebauten bauernhof und dem bürgerlichen leben, in dem alle es gut haben und glücklich sind.
Ich denke, du siehst das hier zu schwarz weiß.
Verantwortung ja, aber nicht ganz so wie die anderen das wollen, sondern vielleicht so ein Zwischending,
was dir auch entspricht.
hinterdemmond hat geschrieben:ich liebe meine frau zu 100%, oder vielleicht habe ich das früher mal getan. das nützt aber auch nichts. ich mochte auch mathe früher total gern. trotzdem hielt es mich nicht davon ab, immer wieder sechsen in diesem fach einzufangen, wegen geschwänzter klausuren und vergessener hausaufgaben. liebe an sich macht noch keine glückliche und gelungene beziehung aus. da muss man schon seine "hausaufgaben" machen.
Aber auch die sind verhandelbar und nicht starr, diese Hausaufgaben.
Das bestimmt ja nicht nur eine Seite, was jetzt moralisch gewichtiger wäre und unbedingt da sein muss.
Im besten Fall ist es halt ein Entgegenkommen, und am besten auch in Kontakt mit der Realität.

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Re: Reality-Check

Beitragvon Ghostvoice » 13. September 2018, 23:41

Nachdem ich mich mit L. über meine schrecklich anstrengende Zeit mit meinem Kollgen austauschte, meinte sie nur: „Well, he‘s unsecure. And stupid. And an asshole!“
Und das lies mich aufhorchen...
Faktisch arbeitete er ein Jahr lang alleine, weil es niemand mit ihm aushielt. Er spielte sich anscheinend gerne zu sehr auf und machte seine Kollegen runter.

Seit Monaten arbeite ich mit ihm und auch wenn wir so gar keine Gemeinsamkeiten haben, ist der Umgang ständig respektvoll.
Meine Antennen für Arschlöcher sind sehr gut! Meist „rutscht“ jemand recht bald aus und du siehst welche weniger guten Anteile unter der Oberfläche darauf warten aufzutauchen.

Aber in den letzten Monaten hatte ich nicht einmal ein Warnsignal wahrgenommen! Abgesehen von dem dummen Faschismus und Sexismus, der dort ohnehin üblich ist, hat er sich mir gegenüber niemals auch nur im Ansatz beleidigend oder aggressiv geäussert. Somit war diese Information eine echte Überraschung!

Ich frage mich, was genau in diesem Jahr so einschneidendes passiert war, daß sein Verhalten so drastisch änderte... denn wäre er immer noch jemand, der sich gerne durch Abwertung zu profilieren sucht, so wäre gerade meine Art eine grosse Verlockung für ihn.
Aschlöcher sehen einen höflichen Umgang gerne als Schwäche an und versuchen dann schonmal die Grenzen auszutesten.

Ein alter Hund lernt keine neuen Tricks, also was ist da los?
Diese Tür war immer nur für dich bestimmt.Und nun werde ich sie schliessen.

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Re: Reality-Check

Beitragvon Maikäfer » 16. September 2018, 18:07

Am Berg im Dorf hing ein Plakat mit der Werbung einer Partei die für Islamfreie Schulklassen warb.
Dachte ich sehe nicht richtig und hab´s eine weile angestarrt.
Die Schulkinder sahen nicht typisch Deutsch aus. :rätseln:

Für eine Sprayfarbe war es zu weit oben. Dachte dran eine Anzeige zu machen!

Jetzt ist das selten blöde Plakat weg. :Sonne:
Bild
Die Weisheit jagt mich, aber ich bin schneller
Mit einer Gruppe die sich selbst beschäftigen kann - komme ich zurecht!

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Re: Reality-Check

Beitragvon Themis » 16. September 2018, 20:21

Der frustrierte Mann als Stein der Weisen?

Fuhr heute per Fahrrad in der Innenstadt von der Arbeit nach Hause. Sehr angespannt und in Gedanken; seit Langem sehr gestresst und Haut daher sehr rebellisch.

Ein Radfahrer Anfang 50 kam mir entgegen und murmelte mir halblaut zu: "Gehörst mal gef****". :kein Plan:

Schön, wenn Mann für alles DIE Patentlösung hat. Frage mich immer, für wen sich solche Leute halten. Er sah eigentlich ganz normal aus und es war mitten am Nachmittag.

Obwohl es so absurd ist, trotzdem schwer, es von sich abzuweisen und sich stattdessen über ihn zu ärgern. Wie blöd ist man eigentlich?
Heimat gibt es nicht. Nirgends.

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Re: Reality-Check

Beitragvon Indigocat » 16. September 2018, 20:41

Themis hat geschrieben: Frage mich immer, für wen sich solche Leute halten. Er sah eigentlich ganz normal aus und es war mitten am Nachmittag.
Lag vielleicht nicht an der Haut? :rätseln: Für Betamännchen auf der Verliererseite des Lebens sind selbstbewusste Frauen oft ein Dorn im Auge.

Hatte mal ein gelbes Auto, nicht weil ich so auf die Farbe stehe sondern weil ich es günstig bekommen habe. Da hat mich mal einer bekoffert wie sch… die Farbe ist und wie man überhaupt mit so was fahren kann.... Hab geantwortet, die Welt ist so schon trist genug und mit einem grauen Auto fahren nur alte Männer. Der Typ hat geschluckt und ist in sein Auto eingestiegen.
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