Fehlender Anstand oder eine überzogene Reaktion meinerseits?

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Jette
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Fehlender Anstand oder eine überzogene Reaktion meinerseits?

Beitragvon Jette » 12. August 2017, 20:03

Es ist schon einige Jahre her, aber es beschäftigt mich immer noch und lässt mich irgendwie einfach nicht los. Ich war mit einem Freund im Urlaub. Er brachte mich (zu einem mir völlig fremden Bahnhof) und ließ mich dann einfach mit meinem Koffer am Straßenrand vor dem Bahnhof stehen.

Noch heute habe ich das Gefühl, damit endlos gedemütigt worden zu sein, weil ich es umgekehrt für selbstverständlich gehalten hätte, den Freund oder die Freundin nach mehren Tagen gemeinsam verbrachter Zeit zum Bahngleis zu begleiten, zumal der Koffer nicht gerade klein und der Aufzug defekt war. Das war ihm bekannt. Er hatte mich dort am Bahnhof auch abgeholt.

Er meinte, dass er immer alle nur am Straßenrand abladen würde und das für ihn das Normalste der Welt wäre. Und nun muss ich doch mal fragen, wie seht ihr das:

Sind meine Gefühle, stehen gelassen worden zu sein, überzogen oder hättet ihr auch erwartet, dass man euch noch zum Bahngleis begleitet und mit euch gemeinsam wartet, bis der Zug einfährt?


Mir stößt das immer wieder auf, jedesmal dann, wenn ich das Gefühl habe, andere werden viel respektvoller behandelt.

Jetzt z. B. ist es so, dass wir schon seit einem Jahr verabredet hatten, nächstes Wochenende zu einer Veranstaltung zu gehen, die eben nur 1x im Jahr stattfindet. Und nun haben sich die Eltern seiner Lebenspartnerin (heute Nachmittag !!!) gemeldet, sie hätten nächste Woche einen Termin in einer, in der Nähe liegenden Stadt und würden dann eine Woche bleiben. Und deshalb kann er jetzt nicht kommen.

Ich empfinde das sehr unfair. Sie kommen und überrumpeln ihn. Sie fragen anscheinend nicht danach, ob es passt. Ist es so selbstverständlich, dass deswegen dann alles abgesagt wird, weil man vor den Eltern der Partnerin nicht sagen möchte, dass man eigentlich mit einer Freundin zu einer Veranstaltung gehen möchte und dieser Termin schon ewig lange feststeht? Mir hat es fast den Boden unter den Füßen weggerissen, aber meine Gefühle scheinen nicht für ihn zu zählen.

Er lässt mich nicht das erste Mal so auflaufen. Er lässt mich immer wieder so im Regen stehen und ich frage mich zwischenzeitlich, ob ihm überhaupt noch an mir liegt/oder jemals an mir lag oder ob er nur zu feige ist, mir zu sagen, dass er sich eigentlich gar nicht mehr/nicht wirklich mit mir befreundet sieht. (Er nannte mich immer seine beste Freundin)

Vielleicht hofft er darauf, dass ich ihm die Freundschaft aufkündige. Dann könnte er so die Verantwortung für das Ende vielleicht bei mir belassen und er steht wieder als der saubere Herr, ganz ohne Fehl und Tadel, da.

Für mich ist das ganz bitter. Ich habe so lange gebraucht, bis ich mich überhaupt auf jemanden einlassen konnte und nun hat es mich damit anscheinend total auf die Fresse gehauen.

Und nun bin ich auf der Suche, mich damit abfinden und, vor allen Dingen, wirklich auch innerlich, loslassen zu können. Und ich glaube, dass mir dabei ein Austausch sehr hilfreich sein könnte.

Ich bedanke mich für eure Antworten und hoffe, dass sie mir dabei behilflich sein werden, zu einer, für mich stimmigen Lösung zu finden.
Die Veränderung des Blickwinkels kann die Wahrnehmung von kleinen Dingen bewirken, die wir manchmal gar nicht mehr sehen. - Namasté

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Re: Fehlender Anstand oder eine überzogene Reaktion meinerseits?

Beitragvon AlleinunterMenschen » 13. August 2017, 01:24

Jette hat geschrieben:Er meinte, dass er immer alle nur am Straßenrand abladen würde und das für ihn das Normalste der Welt wäre. Und nun muss ich doch mal fragen, wie seht ihr das:

Sind meine Gefühle, stehen gelassen worden zu sein, überzogen oder hättet ihr auch erwartet, dass man euch noch zum Bahngleis begleitet und mit euch gemeinsam wartet, bis der Zug einfährt?

Ich persönlich hätte es nicht erwartet, sondern es als völlig in Ordnung empfunden, vor dem Bahnhof abgesetzt zu werden.

All die Dinge, die Du beschreibst, Deine Zweifel, ob er Dich als Freundin überhaupt noch haben will, weil er Dich nicht begleitet hat oder weil er Dir abgesagt hat, Deine Erwartungen und Hoffnungen, die Du in die Freundschaft setzt - alle diese Dinge sind für mich der Hauptgrund, warum ich keine Freunde will, denn diese Erwartungshaltungen machen für mich einfach alles kaputt. Wenn ich ständig damit rechnen muss, dass man mir die Freundschaft aufkündigt oder diese zumindest anzweifelt, nur weil ich den Erwartungen nicht perfekt entsprochen habe, wenn jede Handlung oder Nichthandlung misstrauisch dahingehend bewertet wird, ob das einer Freundschaft entsprechend wäre, dann ist das für mich kein erstrebenswerter Zustand, sondern eher wie eine Art Gefangenschaft.

Eine Freundschaft ist in meinen Augen ein freiwilliger Zusammenschluss - Druck, Verpflichtungen, Etikette, Erwartungen sind das Gegenteil von Freiwilligkeit.
Aber jeder hat eben eine andere Vorstellung von Freundschaft, vielleicht sind Eure Vorstellungen einfach nicht die gleichen.

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Re: Fehlender Anstand oder eine überzogene Reaktion meinerseits?

Beitragvon Jette » 13. August 2017, 02:12

Ich drohe ihm nicht ständig, ihm die Freundschaft aufzukündigen. Ganz im Gegenteil, ich nehme es seit Monaten in Kauf, das er mir irgendwas verspricht, verspricht und nochmal verspricht und mir dann doch wieder absagt.

Ich kann mich einfach in keinster Weise mehr auf ihn verlassen. Und es verletzt, beständig für so doof verkauft zu werden. Er kann doch auch einfach kommunizieren, wenn er etwas nicht möchte. Vielleicht könnte ich das verstehen. Aber er muss sich andauernd etwas einfallen lassen, warum es jetzt schon wieder nicht geht. Herrgott, wenn er mir sagt, dass er kein Bedürfnis nach einem Treffen hat, dann finde ich das doch akzeptabel! Aber immer so zu tun, als ob, ... das regt mich auf! Mich verletzt das und ich finde, dass ich schon wahnsinnig viel Geduld und Nachsicht aufgebracht habe und irgendwann auch das Recht dazu habe, darüber nachzudenken, ob ich diese "Beziehung" wirklich als Freundschaft empfinde.
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Re: Fehlender Anstand oder eine überzogene Reaktion meinerseits?

Beitragvon Indigocat » 13. August 2017, 08:05

Jette hat geschrieben: Er brachte mich (zu einem mir völlig fremden Bahnhof) und ließ mich dann einfach mit meinem Koffer am Straßenrand vor dem Bahnhof stehen.
Völlig ok von ihm.
Von meinem Lebensgefährten würde ich erwarten, dass er mich zum Zug begleitet, außer er ist gerade in Zeitdruck, ebenso von meinen Eltern (wenn ich normale Eltern gehabt hätte). Meine Kinder würde ich höflich bitten, wenn der Koffer wirklich schwer wäre. Von fremden Menschen so etwas vorauszusetzen finde ich egoistisch. Immerhin hat er dich bis zum Bahnhof gefahren, sehr nett von ihm. Tust du auch mal was für ihn, anstatt nur zu fordern?
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Jetzt stell dir mal vor, es wäre dein Mann, und der reist mit einer anderen Frau, seiner "besten Freundin" in der Weltgeschichte rum. Ja, er zieht diese Frau dir sogar vor, fährt lieber mit ihr zu Partys anstatt dich zu unterstützen, wenn z. B. deine Eltern zu Besuch kommen.
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Re: Fehlender Anstand oder eine überzogene Reaktion meinerseits?

Beitragvon Indigocat » 13. August 2017, 08:16

AlleinunterMenschen hat geschrieben: Deine Erwartungen und Hoffnungen, die Du in die Freundschaft setzt - alle diese Dinge sind für mich der Hauptgrund, warum ich keine Freunde will, denn diese Erwartungshaltungen machen für mich einfach alles kaputt.
Jette stellt schon extrem überzogene Forderungen, finde ich, schätze die meisten Leute sind irgendwas zwischen Jette und völlig anspruchslos. Deswegen würde ich nicht auf Freundschaften verzichten. Die Vorteile von konstruktiven Freundschaften überwiegen einfach die Nachteile. Man fühlt sich wohler und kann seinen Wirkungsradius erweitern (vier Augen sehen mehr als zwei). Ist besonders für jemanden, der nicht viel rauskommt, wichtig. Man muss eben länger nach richtigen Freundschaften suchen und konsequent aussortieren. Habe die Hoffnung noch nicht ausgegeben. :lachen:
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Re: Fehlender Anstand oder eine überzogene Reaktion meinerseits?

Beitragvon Kalliope » 13. August 2017, 10:25

Ja, lustig. So unterschiedlich können Menschen sein!
Mein letztes Erlebnis dieser Art war, dass mich ein Bekannter partout vom Bahnhof abholen wollte - und ich wollte das NICHT, weil ich nach Bahnfahrt (hin) lieber ein paar Meter gelaufen wäre - und mich da auch unbedingt wieder hinbringen wollte. Auf meinen Hinweis, er brauche nicht mit zum Bahnsteig zu kommen - ich war erschöpft von dem Eindruck des Besuchserlebnisses und wollte so schnell wie möglich Zeit haben MIT MIR ALLEIN -, ließ er sich davon auch nicht abbringen. Und hätte es mir so gerne schon in der Bahn, die da schon bereit stand, gemütlich gemacht!

Ich würde das weder von einem Bekannten, noch Freund, noch Partner erwarten. Ich würde nicht mal erwarten, dass mich einer von denen bis zum Bahnhof hinbringt - klar, nett ist das, wenn das irgendwo in der Walachei liegt und man halt da nicht weg kommt sonst. Das bespricht man aber vielleicht vorher.

Einmal habe ich zähneknirschend angenommen, besser annehmen müssen, dass mich mein Partner aus Klinik abholte - ein paar 100 km entfernt. Ich war nicht in (mehr) in der Lage, allein zu fahren. So setzte er sich in den Bus (!) und holte mich dann in meinem eigenen Auto ab. Das war echt SEHR nett, da wäre ich sonst aufgeschmissen gewesen. Die Kosten habe ich ihm selbstverständlich erstattet. Er hatte das aber freiwillig angeboten! (Alternativ wäre ich halt ohne Auto nach Hause oder aber eher: ich wäre so in 50km-Häppchen gefahren, notfalls mit im Auto schlafend.)

Alternative für schweres Gepäck: schicken oder zum Hinterherrollern oder gar nicht erst so viel Krimskrams mitschlepppen.
"In Wirklichkeit ist der andere Mensch Dein empfindlichstes Selbst in einem anderen Körper" Khalil Gibran
"Das Ideal einer vollkommenen Gesundheit ist bloß wissenschaftlich interessant. Krankheit gehört zur Individualisierung." Novalis

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Re: Fehlender Anstand oder eine überzogene Reaktion meinerseits?

Beitragvon tiffi » 13. August 2017, 10:29

zu Situation 1- damit wäre ich völlig zufrieden gewesen.
Bei nem Partner in der Verliebtheitsphase wäre es vielleicht was anderes.
Oder mit 15 mit ner besten Freundin, wo man alles zusammen machen muss
und auf Klo zusammen geht (so eine hatte ich aber nicht, würde mir auch echt
auf die Nerven gehen).

Als Fahrer hätte ich eher das Bedürfnis- endlich heimkommen, Ruhe haben, auspacken.
Es wäre noch ein Entgegenkommen, jemand noch zum Bahnhof zu bringen.
Aber ich denke auch, Vorstellungen sind da unterschiedlich.


zu Situation 2- wäre ich wohl auch etwas aufgewühlt / verärgert.
Wegen Planung und Vorfreude.
Habe einen ähnlichen Kumpel, der immer wieder unvorhergesehene Prioritäten
hat. Aber er ist nicht mein Liebespartner, ich bin nicht die Nummer 1,
und ich hab ihm da zwar mal meinen Ärger mitgeteilt, aber
wir sind weiter befreundet.

Ich plane mit ihm einfach nicht mehr verbindlich und mache groß Treffen aus,
weil ich respektiere wo er eingespannt ist, und weil ich mir den Frust,
etwas zu fixieren, was eher nicht geht, auch ersparen will. Halt eher spontan.
Man muss ja auch nicht alles vorplanen und festnageln.


Mit "Anstand" hat meiner Meinung nach beides nichts zu tun.
Wenn mich einer aus "Anstand" zu was zwingen will und nicht meine
Prioritäten respektiert und was erwartet, würde ich mich auch
gefangen fühlen.

Solche Freundschaften hatte ich mal. Das ständige zeigen und
Nein sagen ist auch end anstrengend. Man hat keine Lust / Kraft
ständig in den "Ringkampf" zu gehen und gegen übergroße
Erwartungen anzugehen.
Wenn jemand dominant ist und Forderungen stellt, dem mag das leicht
fallen, der ist da ständig in seinem Elixier. Aber mir, die eher unterwürfig
mitläuft, ist das anstrengend, sich zu positionieren. Das kann man MAL
machen, aber nicht laufend und jedes Mal.

Mag jetzt lieber Bekannte an der gaaanz langen Leine.
Und wenn ich da selbst enttäuscht war, also vorher eine Erwartung hatte,
hatte ich meist ein übergroßes kindliches Liebesbedürfnis oder einen Film laufen, wo ich von ausging,
der Film ist Gesetz, so MUSS es sein, wie ich später feststellte.
Aber dafür ist kein anderer zuständig nach meinem Verständnis....das "Kindliebesloch"
oder "Peer-Begleitungsloch" zu füllen, und wenn dann völlig freiwillig weil es das
für ihn hergibt.


@Jette
ich vermute, dass dein Bedürfnis / Vorstellung, wie die Priorität zu sein
hat, ganz anders ist als bei deinem Freund.

Es möchte sich auch nicht jeder immer wieder bis ins kleinste zusammensetzen,
definieren, abgrenzen.

Das kann glaub ich nur funktionieren, wenn du die Erwartungen loslässt,
oder jemanden findest mit ähnlichen Bedürfnissen und Vorstellungen.
Sowas wie ein ganz enger Peer, der noch kaum ein eigenes Leben hat
und alles kreist um die Freundschaft und Lebens- und Gefühlsbewältigung.

Bei erwachsenen Menschen mit anderen Beziehungen / Prioritäten ist sowas
enges glaube ich schwer zu leben. Oder halt mit dem Liebepartner, wenn
es symbioseähnlich läuft.
Zuletzt geändert von tiffi am 13. August 2017, 10:36, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Fehlender Anstand oder eine überzogene Reaktion meinerseits?

Beitragvon AlleinunterMenschen » 13. August 2017, 10:33

Jette hat geschrieben:Er kann doch auch einfach kommunizieren, wenn er etwas nicht möchte. Vielleicht könnte ich das verstehen. Aber er muss sich andauernd etwas einfallen lassen, warum es jetzt schon wieder nicht geht. Herrgott, wenn er mir sagt, dass er kein Bedürfnis nach einem Treffen hat, dann finde ich das doch akzeptabel! Aber immer so zu tun, als ob, ... das regt mich auf! Mich verletzt das und ich finde, dass ich schon wahnsinnig viel Geduld und Nachsicht aufgebracht habe und irgendwann auch das Recht dazu habe, darüber nachzudenken, ob ich diese "Beziehung" wirklich als Freundschaft empfinde.


Ich verstehe Deinen Gedankengang.
Ich kenne Deinen Freund nicht, aber nachdem wie Du die verschiedenen Situationen oben beschrieben hast, habe ich ihn spontan als jemanden empfunden, der alles eher etwas lockerer sieht, vielleicht aus dem Bauch heraus entscheidet und sich über solche Dinge einfach nicht so viele Gedanken macht, im Gegensatz zu Dir. Du möchtest, dass er mit Dir kommuniziert, wenn er etwas nicht will, weil Du glaubst, er würde Ausreden benutzen, vielleicht wäre es aber auch gut, wenn Du Deine Empfindungen darüber mit ihm kommunizierst. Besonders wenn Dich Vorkommnisse von vor 1 Jahr noch belasten, das wäre doch dann mal an der Zeit.

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Re: Fehlender Anstand oder eine überzogene Reaktion meinerseits?

Beitragvon AlleinunterMenschen » 13. August 2017, 10:38

Indigocat hat geschrieben:Die Vorteile von konstruktiven Freundschaften überwiegen einfach die Nachteile. Man fühlt sich wohler und kann seinen Wirkungsradius erweitern (vier Augen sehen mehr als zwei). Ist besonders für jemanden, der nicht viel rauskommt, wichtig. Man muss eben länger nach richtigen Freundschaften suchen und konsequent aussortieren. Habe die Hoffnung noch nicht ausgegeben. :lachen:

Ich habe sogar so jemanden. Wir sehen uns vielleicht alle paar Jahre mal, können dann aber trotzdem über wirklich alles miteinander reden, ganz nah also. Und niemand wirft dem anderen etwas vor, auch nicht insgeheim, sonst könnte es niemals so entspannt funktionieren. Wir haben eben einfach beide die gleichen Vorstellungen von Freundschaft.

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Re: Fehlender Anstand oder eine überzogene Reaktion meinerseits?

Beitragvon Jette » 13. August 2017, 11:23

Das war schon vor vier Jahren. Ohne, dass er mich dort abgeholt und wieder hingebracht hätte, wäre es gar nicht gegangen. Das war zuvor auch so abgemacht. Und natürlich war das ein großes Entgegenkommen von ihm. Das ist ja keine Frage!

Er wohnt leider nicht um die Ecke und wir können uns nicht einfach so ganz schnell und ganz spontan mal treffen. Und dieses "Wir treffen uns, wir treffen uns nicht" geht schon seit Monaten so. Und ja, er gehört zu der "unterwürfigen" Gruppe. Aber für mich ist eine Grenze erreicht, ich will nicht mehr immer nur die Nachgebende, Verstänndisvolle sein. Es ist jetzt einfach zu oft gewesen. Und genau von diesem Termin wusste er, dass er mir sehr wichtig ist, und zwar nicht mit irgend jemanden, sondern ganz alleine nur mit ihm. Wir hatten ausgemacht, dass wir diesen (es gibt ihn einmal im Jahr) jährlich gemeinsam wahrnehmen un planen jetzt schon seit Januar zusammen dafür.


Und jetzt sagt er ihn einfach ab.

Das tut einfach weh.

Irgendwie denke ich, er will es gar nichz mehr.


Und Indigocat, es ist kein Fremder. Er ist mein bester Freund und behauptet von mir, dass ich seine beste Freundin wäre. Aber es ist nun mal so, dass man in Beziehungen, auch wenn sie nur freundschaftlicher Art sind, manchmal auch etwas investieren muss. Sonst klappt das nicht! Der Andere hat nämlich Gefühle! Und zu meinen, dass der keine Erwartungen haben darf, ist meiner Ansicht nach eine sehr bequeme und rücksichtslose Fehleinschätzung. Denn ganz ohne jegliche Erwartungen geht kein Mensch eine Beziehung ein und wenn es nur die ist, darin stets an der langen Leine gehen zu können. Das ist doch,genau betrachtet, auch ein sehr egoistischer Anspruch.

Aber genau das schaffen mein Mann und ich zusammen, uns gegenseitig Freiheiten einzuräumen. Und weißt du warum? Weil wir uns unsere Bedürfnisse mitteilen, miteinander kommunizieren und uns absprechen. Und das fehlt in dieser Freundschaft. Ich habe mich stets nur nach seinen Bequemlichkeiten auszurichten, weil er zu feige ist, das zu sagwn, was er wirklich möchte. Er versucht immer der wahnsinnig tolle Mensch zu sein und muss dann doch ganz plötzlich seine Meinung wieder ändern. Aber natürlich niemals, weil er einfach nicht möchte, sondern immer nur, weil ihm ja etwas dazwischen kommt. Und für mich ist er einfach längst nicht mehr glaubwürdig.

Und frage jetzt bitte nicht, warum ich ihn nicht einfach fallen lasse. Das liegt daran, dass ich weiß, dass bei ihm Ängste dahintersteckten. Und bei meinem Mann und mir war es auch ein sehr langer Weg, bis wir da angekommen sind, wo wir heute stehen. Das erfordert halt manchmal auch Mühe und (Zusammen-)Arbeit und jemanden, der einem wirklich wichtig ist, den schmeißt man nicht einfach so mal kurz weg. Da muss es sehr weit gekommen sein, bis man das wirklich macht.

Zumindest bei mir ist das so.
Die Veränderung des Blickwinkels kann die Wahrnehmung von kleinen Dingen bewirken, die wir manchmal gar nicht mehr sehen. - Namasté


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