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Re: Was lest ihr gerade

Verfasst: 2. Juli 2020, 18:37
von Ghostvoice
Habe soeben „Dr.Ratte“ von William Kotzwinkle beendet (yepp, gerade jetzt). Ein verstörendes, grausames Buch. Eine verrückte Ratte in einem Tierversuchslabor, welches die Leiden der anderen Tiere verspottet. Allerdings gibt es eine grössere Paralellhandlung, welche ziemlich bewegend ist. Wer einen starken Magen hat, dem kann ich diesen Roman nur empfehlen. Unter anderem auch wegen dem... konsequenten Ende dieser Geschichte.
:angst:

Re: Was lest ihr gerade

Verfasst: 7. Juli 2020, 18:34
von Anhedoniac
@Ghostvoice

Das klingt echt interessant, ich glaube das setze ich mir mal auf meine Liste. Danke!

Re: Was lest ihr gerade

Verfasst: 8. Juli 2020, 01:54
von sdsdsdsv
Habe mal ein paar Textauszüge davon gesehen, das könnte ich nicht lange durchhalten. Dann schon lieber der ET Roman von Kotzwinkle.

Re: Was lest ihr gerade

Verfasst: 8. Juli 2020, 05:36
von Ghostvoice
sdsdsdsv hat geschrieben:Habe mal ein paar Textauszüge davon gesehen, das könnte ich nicht lange durchhalten. Dann schon lieber der ET Roman von Kotzwinkle.

Ging mir beim ersten Mal genauso... habe nach einigen Seiten abgebrochen und es nun nochmal versucht. Bin inzwischen der Meinung, daß das Buch wirklich lesenswert ist, da es der Grausamkeit der verrückten Ratte die persönliche Schilderung anderer Tiere gegenüberstellt. Diese sind entweder sehr schlimm oder sehr positiv. Das liegt allerdings weniger an einem Sadismus des Autors, als vielmehr an unserer (der Menschheit) Gleichgültigkeit Tieren gegenüber.
Bei uns wird gerade wieder die Debatte über die Massentierhaltung von Schweinen aufgenommen, was mich sofort wieder an die Gedankenwelt des Schlachtschweines erinnert, welche in dem Roman vorkommt.

Ich denke, das Buch sollte man unbedingt gelesen haben. :begeistert:

Re: Was lest ihr gerade

Verfasst: 8. Juli 2020, 17:18
von sdsdsdsv
Ghostvoice hat geschrieben:Ich denke, das Buch sollte man unbedingt gelesen haben. :begeistert:

Zweifellos.

Oblomow

Verfasst: 24. September 2020, 19:10
von sdsdsdsv
Oblomow in der Übersetzung von Clara Brauner.

»Das ist Oblomow, von dem ich dir oft erzählt habe.«
»Ja, ich entsinne mich dieses Namens; das ist dein Freund und Kamerad. Was ist aus ihm geworden?«
»Er ist zugrunde gegangen, und das ohne jede Ursache.«
Stolz seufzte und sann nach.
»Und war nicht dümmer als mancher andere, seine Seele war rein und klar wie Glas; er war edel, zart und ist zugrunde gegangen!«
»Warum denn? Was war die Ursache?«
»Die Oblomowerei!« sagte Stolz.

Re: Was lest ihr gerade

Verfasst: 18. Februar 2021, 21:34
von sdsdsdsv
Dick, Philip K. hat eine Menge geschrieben. Das liest sich gut und ist schnell verdaut, aber irgendwann will man nicht mehr. Ich habe eine Menge SciFi aus den 50ern und 60ern gelesen und kann gar nicht mehr sagen, wie oft der Held nach Hause kam, wo ihm seine Frau einen Drink mixte. Das scheint irgendwie ein heiliges Ritual in den USA zu dieser Zeit gewesen zu sein. Ansonsten erleben die männlichen weißen Protagonisten halt ihre Abenteuer und zeigen so die Grenzen dessen auf, was sich damals als bahnbrechende Vision einer besseren Zukunft verkaufen ließ.

Ansonsten erwähnenswert: Charles Stross' Debüt Glashaus, in dem ein gesellschaftliches Experiment beschrieben wird. Als literarisches Werk nicht überzeugend, aber voller guter Ideen und lesenswert.

Michael Szameits Im Glanz der Sonne Zaurak von 1983 ist ein Abenteuerroman mit einem guten Beginn, der in der zweiten Hälfte überraschenderweise die tiefen Gefühle der männlichen Crewmitglieder zueinander beleuchtet, ohne hier aber zu weit zu gehen. War insgesamt interessant.

Aelita wurde in den frühen Zwanzigern von dem Russen Tolstoi, Alexej (nicht der Tolstoi) in Berlin geschrieben und ist damit vielleicht der erste russische SF. Liest sich ein wenig wie Jules Verne nach dem Studium von Marx und drei Wodka zum Entflammen des revolutionären Geistes. Die unverfrorene Figur des Soldaten Gussew gibt der Geschichte ordentlich Schmackes. Technik ist hier nur Beiwerk.

Zuletzt las ich Children of Time von Adrian Tchaikovsky, welcher sehr klug und mitreißend geschrieben ist. Ein biologisches Experiment gerät hier aus den Fugen. Mit seinen interessanten Figuren, cleverem Aufbau und - im wahrsten Sinne des Wortes - ausgeklügeltem world building ist dies der beste Roman, den ich seit langem gelesen habe! Das Englisch ist allerdings anspruchsvoll.