Die Alt-Right Bewegung

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Re: Die Alt-Right Bewegung

Beitragvon Indigocat » 8. Dezember 2017, 08:12

hinterdemmond hat geschrieben: ich saß mal vor ca. 2 jahren zwischen lauter ärzten, lehrern und rechtsanwälten, alles noch recht junge leute zwischen 30 und 40 und, ich weiß gar nicht, wie wir auf das thema kamen, aber sie alle wussten nicht, wieviele thesen der gute martin luther wohin, in welcher stadt und in welchem jahr drauf geschlagen hat.
Dieses Wissen ziert natürlich den, der es sich angeeignet hat, aber vermutlich hast du einfach die Falschen gefragt. Vielleicht versuchst du das Gleiche noch mal in einer Gruppe Theologen, die mit diesem Wissen reale Brötchen verdienen können. :rätseln:
das war schließlich ihre geschichte nicht meine.
Wieso ist das jetzt nicht auch deine Geschichte? :rätseln:
ja, soviel verdient wahrscheinlich auch eine vollzeitfriseuse. aber der typ hat dafür 5 jahre lang studiert. da muss er sich ziemlich verarscht vorkommen. vor allem wenn du dann nicht mal das machst, was du studiert hast, sondern mehr oder weniger irgendwas, um über die runden zu kommen.
Na ja, wer bestimmte Geisteswissenschaften studiert, weiß von Anfang an, wie die Berufsaussichten stehen. Der Germanist hätte wahrscheinlich auch im Moment prima Chancen als Quereinsteiger als Deutschlehrer, wenn er irgendwie in der Lage ist, diesen Beruf auszuüben. Wenn nicht, liegt das dann nicht an den gegebenen, sondern an seinen persönlichen Möglichkeiten.
“Die Hummel hat 0,7 qcm Flügelfläche bei 1,2 g Gewicht. Nach den Gesetzen der Aerodynamik ist es unmöglich, bei diesem Verhältnis zu fliegen. Die Hummel weiß das aber nicht und fliegt einfach trotzdem.”

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Re: Die Alt-Right Bewegung

Beitragvon hinterdemmond » 8. Dezember 2017, 10:26

Indigocat hat geschrieben:Dieses Wissen ziert natürlich den, der es sich angeeignet hat, aber vermutlich hast du einfach die Falschen gefragt. Vielleicht versuchst du das Gleiche noch mal in einer Gruppe Theologen, die mit diesem Wissen reale Brötchen verdienen können.

das ist kein spezialwissen sondern allgemeinbildung. jeder mensch, der sich für gebildet hält, sollte das wissen. das sind schlüsselereignisse der deutschen geschichte, die bis heute nachwirken. wenn man die gegenwart verstehen will, muss man die verganenheit kennen. und damit man den ersten weltkrieg nicht irgendwo im mittelalter verortet, gehören ein paar eckdaten und fakten nun mal dazu. ich habe ja auch große bildunslücken, zb. klassische musik. die versuche ich gerade so ein bisschen zu schließen. aber die meisten in meiner generation denken scheinbar: klamotten, habitus und der richtige abschluss machen den unterschied und nicht das wissen, das dahinter steckt.
Indigocat hat geschrieben:Wieso ist das jetzt nicht auch deine Geschichte?

das ist die geschichte der einen hälfte meiner vorfahren. die habe ich mir selbständig angeeinet aus purem interesse. da, wo ich aufgewachsen bin, war es wichtiger die schlacht von borodino zu kennen. wenn du das nicht wusstest, warst du echt der letzte depp, keine straßengang hätte dich aufgenommen. :lachen:
Indigocat hat geschrieben:Der Germanist hätte wahrscheinlich auch im Moment prima Chancen als Quereinsteiger als Deutschlehrer, wenn er irgendwie in der Lage ist, diesen Beruf auszuüben.

ja DaF ist heute stark gefragt. sonst bist du natürlich als quereinsteiger oft auch nur befistet angestellt. man versucht dich natürlich so schnell wie möglich durch einen "richtigen" lehrer auszutauschen. es ist halt nicht mehr wie in westdeutschland der 70er. man studierte 20 semester lang philosophie oder so, kiffte, feierte, fickte wild durch die gegend, demonstrierte nebenbei noch ein bisschen gegen die staatsmacht und die bösen bonzen, irgendwann mal machte man irgendwie seinen abschluss und landete sicher irgendwo im staatsdienst. die fetten zeiten sind halt vorbei.
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Re: "the good one"

Beitragvon hinterdemmond » 8. Dezember 2017, 10:35

sdsdsdsv hat geschrieben:Ja, das ist "the good one". Das gilt auch für andere Minderheiten im rechten (oder konservativen) Gruppen: Ein Schwarzer/Türke/Transsexueller ist erlaubt, solange er oder sie sich anpasst, sagt, was er soll und ansonsten signalisiert, dass diese Gruppe doch gar nicht so schlimm sein kann (wobei ich bei der dörflichen Umgebung nicht von politischem Kalkül ausgehe, sondern, wie schon geschrieben, einem allg. Hass, der sich nicht notwendigerweise auf einzelne überträgt). Was mit dem passiert, sollte diese Gruppe mal ihr gestecktes Ziel erreichen, kann man sich denken.

danke, das habe ich mir also nicht nur selbst zusammengereimt.
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"useful idiot"

Beitragvon sdsdsdsv » 8. Dezember 2017, 11:20

Ja, eine andere Bezeichnung ist "useful idiot". Dazu gehören neben z. B. den schwarzen Republikanern David A. Clarke und Ben Carson auch Frauen. Die fröhlich rechtspopulistische Propaganda verbreitende Tara McCarthy stellt gerade überrascht fest, dass die Männer, an die sie sich richtet, keineswegs auf ihrer Seite sind, sondern sie anfeinden. Wer hätte gedacht, dass die Neurechten Frauenfeinde sind.

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Re: Die Alt-Right Bewegung

Beitragvon Indigocat » 8. Dezember 2017, 13:27

hinterdemmond hat geschrieben: aber die meisten in meiner generation denken scheinbar: klamotten, habitus und der richtige abschluss machen den unterschied und nicht das wissen, das dahinter steckt.
Dann gehöre ich da wahrscheinlich auch dazu als Kulturbanause... :lachen: Nicht, dass ich nicht pausenlos Wissen in mich hineinstopfe, ich beschränke mich jedoch auf das unmittelbar Gewinn versprechende....
das ist die geschichte der einen hälfte meiner vorfahren. die habe ich mir selbständig angeeinet aus purem interesse. da, wo ich aufgewachsen bin, war es wichtiger die schlacht von borodino zu kennen. wenn du das nicht wusstest, warst du echt der letzte depp, keine straßengang hätte dich aufgenommen.
Das ist auch die Geschichte der Hälfte meiner Vorfahren, wir mussten das jedoch in der Schule lernen und ich habe das alles mal gewusst, spontan hätte ich nur noch gewusst wo... aber da Luther angeheiratet praktisch zur Familie gehört - auch ein Stück Familiengeschichte, theoretisch sollte ich das wissen, :high: praktisch interessiert es mich nicht...
sdsdsdsv hat geschrieben:Wer hätte gedacht, dass die Neurechten Frauenfeinde sind.
Aber ins Gesamtkonzept passt das dann schon wieder.
hinterdemmond hat geschrieben: aber so ein einzelner, wenn er nett und lustig ist, das ist dann "unser" asiate, die anderen sind alle scheiße aber unser ist in ordnung, er ist die ausnahme.
Mmhh, nein in dem Fall bestand überhaupt keine Notwendigkeit, sich in dem Milieu anzubiedern. Ich plädiere eher für "Gleich und gleich gesellt sich gern." Mein Ex hat nach einer kurzen Aufwärmphase seine Meinung sehr aggressiv vertreten, was dann mit einem milden "Man muss ihn eben so nehmen, wie er ist..." abgetan wurde. Und er war sehr deutschenfeindlich (ein Widerspruch in sich :rätseln:), aber auch z.B. gegen Schwarze.
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Re: Die Alt-Right Bewegung

Beitragvon hinterdemmond » 8. Dezember 2017, 18:57

Indigocat hat geschrieben:Dann gehöre ich da wahrscheinlich auch dazu als Kulturbanause... :lachen: Nicht, dass ich nicht pausenlos Wissen in mich hineinstopfe, ich beschränke mich jedoch auf das unmittelbar Gewinn versprechende....

das ist ja eine sehr merkantile herangehensweise. es spricht ja nichts dagegen aus wissen kapital zu schlagen, aber das soll nicht die einzige motivation sein. ideal ist natürlich echtes interesse. dann lernst du ganz leicht, kannst nicht genug davon haben, und das wissen verbindet sich mit einem selbst und wird zum teil von dir. dann hat man auch kapazitäten frei links und rechts rein zum spaß wissen aufzunehmen, ohne jetzt gleich an eine mögliche monetäre verwertung zu denken.
wenn man aber nur wissen des geldes wegen aufnimmt (das tun wahrscheinlich sehr viele) dann ist das totes wissen. das liegt in einem drin wie ein fremdkörper und das gehirn versucht es ständig abzustoßen, man verbraucht also zusätzlich energie, um es zu behalten. kein wunder, dass mittlerweile sogar studenten über burnout-symptome klagen bei dem ganzen toten, unlebendigen wissen, dass sie in sich reinstopfen und behalten müssen. hätten sie bloß was gemacht, was sie wirklich interessiert, statt auf gut gemeinte elterliche ratschläge zu hören.
Indigocat hat geschrieben:Mmhh, nein in dem Fall bestand überhaupt keine Notwendigkeit, sich in dem Milieu anzubiedern. Ich plädiere eher für "Gleich und gleich gesellt sich gern." Mein Ex hat nach einer kurzen Aufwärmphase seine Meinung sehr aggressiv vertreten, was dann mit einem milden "Man muss ihn eben so nehmen, wie er ist..." abgetan wurde. Und er war sehr deutschenfeindlich (ein Widerspruch in sich :rätseln:), aber auch z.B. gegen Schwarze.

das widerspicht sich nicht unbedingt mit dem, was ich geschrieben habe. wenn du in eine neue gruppe rein willst, ist die eintrittssituation das wichtigste. hast du sie erfogreich gemeistert und bist positiv in der gruppe aufgenommen, musst dir erstmal einiges leisten, bis sie die einmal gebildete meinung über dich ändert. umgekehrt ist es genau so. hast du die eintrittssituation vermasselt, kostet es relativ viel mühe, um das wieder gerade zu biegen. psychopathen oder soziopathen sind in der regel außergewöhnlich gut darin solche situationen perfekt zu meistern. du erkennst diese leute schnell daran, dass sie in einer neuen, ihnen unbekannten gruppe sich sofort wie ein fisch im wasser fühlen, schon nach kürzester zeit mit allen per du sind und so tun, als wäre man alte kumpels. sie schaffen es überall, sich erstmal beliebt zu machen. ich denke, dein ex hat das sicher nicht nur bei den nazis geschafft. warum er sich ausgerechnet die ausgesucht hat, kann purer zufall sein, vielleicht war ihre stammkneipe näher dran, als der örtliche punkladen. andererseits, wenn er rassistisch drauf war und was gegen schwarze hatte, dann ist er ja da auf offene ohren gestoßen. die deutschfeindlichkeit war dann so ne art chuzpe, die er sich gelegentlich leisten konnte, so wie auch ein orang-utan die zoobesucher mit bananen bewerfen kann ohne, dass sie ihm das gleich übel nehmen.
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Re: Die Alt-Right Bewegung

Beitragvon Indigocat » 10. Dezember 2017, 12:41

hinterdemmond hat geschrieben:hätten sie bloß was gemacht, was sie wirklich interessiert, statt auf gut gemeinte elterliche ratschläge zu hören.
Da schließt sich der Kreis zum Germanisten mit seinen 800 Euros. :lachen:
Ich wollte mich aber jetzt nicht über deine Aussage lustig machen, ideal ist es natürlich, wenn man das Finanzielle und die Interessen verbinden kann.
du erkennst diese leute schnell daran, dass sie in einer neuen, ihnen unbekannten gruppe sich sofort wie ein fisch im wasser fühlen, schon nach kürzester zeit mit allen per du sind und so tun, als wäre man alte kumpels. sie schaffen es überall, sich erstmal beliebt zu machen.
Ja temporär, und eigentlich hat er viel besser zu dem Völkchen hier gepasst als ich. Aber langfristig hat er sich mit allen verstritten, er hatte zum Beispiel die Angewohnheit, an den Frauen seiner Gastgeber herumzumäkeln, sie waren nie häuslich, nie weiblich, nie leise genug und so flog er über kurz oder lang wieder raus ...
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