Entscheidung "Ehe für alle"

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andersoderwie
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Entscheidung "Ehe für alle"

Beitragvon andersoderwie » 30. Juni 2017, 08:44

Heute wird über die "Ehe für alle" oder auch "Homoehe" abgestimmt. Mich hat es sehr überrascht, dass ausgerechnet jetzt die Abstimmung kommt, aber es sind bald Wahlen... Nachdem einige Rechte schon gegeben wurden, geht es nun auch um das Adoptionsrecht. In Statistiken sei die Mehrheit dafür.

Ich persönlich finde es peinlich, dass in Deutschland alles so lange hinausgezögert wurde und man nicht sachlich oder wissenschaftlich über das Thema spricht. Wenn sogar Spanien, Irland und die USA früher dran sind. Von mir aus kann es angenommen werden, mit Adoptionsrecht!

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Re: Entscheidung "Ehe für alle"

Beitragvon Kalliope » 30. Juni 2017, 09:42

Von mir aus kann die Ehe komplett abgeschafft werden. Überholtes Modell.
Und wenn es denn nun unbedingt sein muss (wozu eigentlich?), dann muss auch drin sein, sich selbst (aktueller Hype in Japan) oder mehr als eine/n zu heiraten*. Wenn offen, dann richtig. Oder halt abschaffen.

(*damit dann auch die Polyamoren zu ihrem Recht kommen)
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Re: Entscheidung "Ehe für alle"

Beitragvon Themis » 30. Juni 2017, 10:15

Der Bundestag hat die "Ehe für alle" soeben tatsächlich beschlossen! Das freut mich sehr.
Endlich nicht mehr diese "Ehe zweiter Klasse", die sich Eingetragene Lebenspartnerschaft nannte.

Überholt finde ich das Modell "Ehe" auch, mit dem ganzen moralischen Ballast, der daran hängt.
Aber irgendein Rechtsstatus muss halt benannt und definiert sein. Immerhin jetzt einheitlich! :Ballon:
Everything is nothing, and nothing is everything. (Quelle strittig) :alien:

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Re: Entscheidung "Ehe für alle"

Beitragvon Headmatter » 30. Juni 2017, 11:51

Kalliope hat geschrieben:Und wenn es denn nun unbedingt sein muss (wozu eigentlich?), dann muss auch drin sein, sich selbst (aktueller Hype in Japan) oder mehr als eine/n zu heiraten*.
Sich selbst heiraten? Genial! Die ideale Lösung für Schizoide! :breites grinsen:
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Re: Entscheidung "Ehe für alle"

Beitragvon :UnMensch: » 30. Juni 2017, 16:32

Richtig blöd fand ich dass ausgerechnet Angela Merkel, die das Thema auf Seiten der CDU vor ein paar Tagen angestoßen hat, dann doch mit Nein stimmt. Sie hätte viele Sympathiepunkte sammeln können.

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Re: Entscheidung "Ehe für alle"

Beitragvon ebowinger » 30. Juni 2017, 16:52

Also ich persönlich halte die Ehe für einen Hort des Terrors. Kompromisse bis zur Selbstverleugnung. Sich einigen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Ständiges wegsehen und schön lügen der Umstände. Und das alles nur, um das gesellschaftliche Ideal der staatlich und religiös legitimierten Beziehung nach außen zu inszenieren. Auch die schlimmste Beziehung ist besser als keine Beziehung. Wer längere Zeit Single ist, mit der oder dem stimmt was nicht, und du gehört nicht mehr dazu zur Mehrheitsgesellschaft. Homosexualität ist jetzt endgültig angekommen im System. Das letzte große geächtete Tabu ist es, lieber alleine sein und leben zu wollen.

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Re: Entscheidung "Ehe für alle"

Beitragvon Indigocat » 30. Juni 2017, 17:30

ebowinger hat geschrieben:Das letzte große geächtete Tabu ist es, lieber alleine sein und leben zu wollen.
Na ja, wenn man dem glauben darf, ganz so schlimm ist es auch nicht. https://www.elitepartner.de/magazin/fas ... kannt.html Aber ich bin tatsächlich schon deswegen angefeindet worden, obwohl ich gar nicht so freiwillig Single bin. Derartige Übergriffe kamen immer von Männern mit ausgeprägtem Frauenhass, die sich wohl von selbstständigen Frauen bedroht fühlen....
Wenn sich eine Tür vor uns schließt, öffnet sich eine andere. Die Tragik ist jedoch, dass man auf die geschlossene Tür blickt und die geöffnete nicht beachtet. André Gide

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Re: Entscheidung "Ehe für alle"

Beitragvon ebowinger » 30. Juni 2017, 19:40

Indigocat hat geschrieben:
ebowinger hat geschrieben:Das letzte große geächtete Tabu ist es, lieber alleine sein und leben zu wollen.
Na ja, wenn man dem glauben darf, ganz so schlimm ist es auch nicht. https://www.elitepartner.de/magazin/fas ... kannt.html Aber ich bin tatsächlich schon deswegen angefeindet worden, obwohl ich gar nicht so freiwillig Single bin. Derartige Übergriffe kamen immer von Männern mit ausgeprägtem Frauenhass, die sich wohl von selbstständigen Frauen bedroht fühlen....


Das große geächtete Tabu ist es, wenn jemand absichtlich dauerhaft alleinstehend ist, und zwar als bewusstes Lebensmodell. Der "elitepartner.de" Artikel, der beschreibt überwiegend eine statistische Masse die einer starken Fluktuation unterworfen ist. Ein paar Monate darf jeder mal Single sein, ähnlich wie vorübergehende Arbeitslosigkeit. Das kann mal passieren. Aber als grundsätzliche Lebensentscheidung, da ist man sehr schnell diskreditiert und im Abseits.

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Re: Entscheidung "Ehe für alle"

Beitragvon Kalliope » 30. Juni 2017, 19:57

Ach, im Grunde wird doch - je nach Ortslage - immer noch jedes vom Mainstream abweichende Lebensmodell mindestens heimlich schief beäugt. Ob nu Überzeugungssingle, asexuell, per-eigene-Entscheidung-Frau-ohne-Kind/er oder was weiß ich.
In Sachen Single finde ich bemerkenswert, wie (insbesondere z.B. auch in Single-Hauptstadt Berlin) eklatant am Bedarf vorbei gebaut wird. Tonnenweise Großfamilien-Luxuswohnungen Marke "familienfreundlich". Überhaupt: alles in diesem Lande wird dem Diktat kinder-und familienfreundlich unterworfen qua Politik.
Singles jibbet nicht, weil will man nicht. Was nicht darf, gibt es halt auch nicht. Senioren gibts nicht.
Jede Abweichung vom bundesdeutschen "Mustermann" verunsichert und verstört offenbar doch immer noch sehr.
So gesehen darf man natürlich die "Homoehe" als längst überfälligen Fortschritt betrachten.
Ich hätt's aber echt besser gefunden, die Ehe abzuschaffen und meinetwegen nur noch "eingetragene Lebensabschnittsgemeinschaften" als temporären Ersatz anzubieten (bis man das auch dann mal seinlassen kann).
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Re: Entscheidung "Ehe für alle"

Beitragvon tiffi » 30. Juni 2017, 23:51

kann mir Ehe auch gar nicht vorstellen für mich.
staatliches und öffentliches Bekenntnis. Eine Familie, ein neuer innerer Hort wird
geschaffen, der nicht durch Blut entsteht sondern durch Wille und gesetzlichem Siegel.

Mag sein, dass es für weitere Planungen irgendwelche Vorteile hat, die Ehe, mehr Rechte.

Und dann denke ich, dass eben manche "nicht hetero geschlechtliche" auch an diesem Kuchen
/ Form / Sicherheit teilhaben wollen. Also für Ausschluss von Gruppen, die das wollen,
bin ich nicht, darum finde ich die Entscheidung gut.

Vielleicht finde ich das Modell Ehe für mich auch so abstrakt, weil ich keine Bindung mag / herstellen
kann, obwohl ich Vertrautheit und gewohnte Abläufe mag.
Bei mir könnte Ehe oder etwas ähnliches nur der Gipfelpunkt einer Karikatur sein, niemals gefüllt.

Vielleicht füllen andere Menschen das anders? sehen da andere Wichtigkeiten?


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