Zeitungsartikel

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Zeitungsartikel

Beitragvon sdsdsdsv » 5. März 2017, 09:28

Hiermit eröffne ich einmal einen Thread über Zeitungsartikel, die sich im weitesten Sinne mit isolierten und möglicherweise schizoiden Menschen beschäftigen. Wenn ihr einen Artikel ausfindig macht, könnt ihr ihn gern posten, seht aber bitte aus rechtlichen Gründen davon ab, ihn vollständig hier einzustellen.

Über das Leben eines Einsiedlers
Vom Wald in den Knast und zurück
Hans-Georg Baermann lebte 20 Jahre im Wald, klaute Essen und ging 20 Jahre ins Gefängnis. Kann man dieses Leben wirklich verurteilen?"

http://taz.de/Ueber-das-Leben-eines-Ein ... /!5385961/

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Re: Zeitungsartikel

Beitragvon Jette » 5. März 2017, 15:17

Bitter, so etwas zu lesen. Dieser Artike zeigt wirklich auf, dass das Leben einen zu dem macht, was man war/st/sein wird.

Mich berührt das richtig.
Die Veränderung des Blickwinkels kann die Wahrnehmung von kleinen Dingen bewirken, die wir manchmal gar nicht mehr sehen. - Namasté

Schon ein kurzer, flüchtiger Moment des Glücks kann einen ganzen Tag mit Freude erfüllen. - Verfasser unbekannt

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Re: Zeitungsartikel

Beitragvon Traumafrau » 11. März 2017, 11:40

Diese vielen Handlungslähmungen, die sein Leben begleiten, die TAZ begründet das immer mit Uninformiertheit und Unwissenheit. Da steckt imo eine schwere Verwundung hinter, die ihn handlungsunfähig macht. Die Jobangebote im Knast "WAT?? 200 Brüche? Meine Güte, gebt dem Mann Arbeit. Soll sich mal bei mir melden." - simple Mind, aber vielleicht sogar eine der wenigen Angebote zur Selbsthilfe, die ihm überhaupt mal jemand angedeihen ließ <-- ausgerechnet die Knackis ..

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Christopher Knight

Beitragvon sdsdsdsv » 15. März 2017, 10:34

Ja, dieser Artikel stellt den Mann als bedauernswert und gelähmt dar, was der Wahrheit sicherlich nahe kommt. Wie viel anders dagegen ist die Charakterisierung von Christopher Knight:
Guardian hat geschrieben:The long read
Into the woods: how one man survived alone in the wilderness for 27 years

At the age of 20, Christopher Knight parked his car on a remote trail in Maine and walked away with only the most basic supplies. He had no plan. His chief motivation was to avoid contact with people. This is his story
by Michael Finkel

https://www.theguardian.com/news/2017/m ... rmit-maine

Die Parallelen sind zunächst einmal verblüffend. Dennoch ist die Perspektive eine andere: Hier wird weniger unter die Oberfläche geschaut. Der Autor scheint eher darauf bedacht zu sein eine spannende Kriminalgeschichte zu schreiben. Knight wird als jemand beschrieben, der immer Herr der Lage ist, seine Fähigkeiten (einzubrechen) entdeckt und stetig weiter verbessert und womöglich in der Einsamkeit interessante spirituelle Erfahrungen macht. Dabei stören kleinere Brüche (er scheint erst einen bezahlten Job gehabt zu haben) nicht bei der Erschaffung dieses überlebensfähigen Tausendsassas. Kaum ein Wort dagegen wird über seine Familie und Vergangenheit verloren. Ein armer Kerl oder Überlebenskünstler? Zuletzt verliert man sich in philosophischen Betrachtungen über Eremiten an und für sich, sowie das Alleinsein, die wohl aber dem Autor wichtiger sind als dem Menschen Knight, der sie kaum beantworten möchte. So unterscheiden sich die Perspektiven.

e: Ausführlicherer Artikel: http://www.gq.com/story/the-last-true-hermit/amp

e2: Der obige Artikel scheint der ursprüngliche Text zu sein, der im Guardian gekürzt wiedergegeben wurde. Der Versuch des Autors Knight mit dem Konzept des "edlen Einsiedlers" zu assoziieren ist vermutlich ein Grund für die negativen Kommentare im Guardian. Im zweiten Artikel scheint es eher, als sei hier von einem Asperger-Autisten die Rede, der einerseits nicht richtig sozialisiert wurde und der andererseits von der ihm umgebenden Welt überwältigt wird, weshalb er in eine reizärmere Gegend flieht. Seine Aussage, dass sein Schweigen von den anderen Häftlingen missverstanden wird, das Getue des Journalisten, der die Fremdartigkeit Knights hervorhebt und sich zu der Aussage versteigt er sei "perversly charmed" (!?) - ich kann gut nachvollziehen, dass jemand bei dieser zu erwartenden Behandlung der Welt den Rücken kehrt.
Die Gesellschaft kann sich nicht zwischen Verteufelung und Idealisierung entscheiden.

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Re: Zeitungsartikel

Beitragvon hinterdemmond » 16. März 2017, 22:34

ich träume auch davon in den wald zu ziehen, oder in spanien oder norditalien gibt es in den bergen so höhlen, wo früher schafshirten über den sommer gelebt haben, die sind auch toll, teilweise in recht schwerzugänlichen gegenden. den ganzen tag draußen auf einem stein in der sonne sitzen und meditieren und abends es sich dann gemütlich am feuer in der höhle machen, mmh ist das geil. einbrechen kommt für mich nicht in frage. ich weiß auch nicht, wo man dort was klauen könnte, ausser vielleicht bei den wölfen die reste ihrer malzeiten. deswegen wird das überleben in der wildnis vorher generalstabsmäßig geübt und vorbereitet. aber erst wenn die kinder aus dem haus sind, und meine liebe frau mit einem alternden möchtegern-guru durchgebrannt ist, der ihr verprochen hat, alle ihre chakren zu öffnen. vorher muss ich hier noch mein dharma erfüllen. :)
auch im abseits sterben helden. (clickclickdecker)


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