Tun was andere wollen

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Helen
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Tun was andere wollen

Beitragvon Helen » 11. November 2016, 07:05

Ich bin ein Ja Sager, weil ich bei anderen nicht als unflexibel oder komisch rüberkommen möchte.
Hinterher ärgere ich mich, das ich mich wieder mal hab manipulieren lassen.
Hat das was mit meiner SPS zu tun? Was meint ihr dazu?

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Indigocat
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Re: Tun was andere wollen

Beitragvon Indigocat » 11. November 2016, 08:03

Helen hat geschrieben:Hat das was mit meiner SPS zu tun? Was meint ihr dazu?
Hallo Helen, prinzipiell: nein, das hat nichts mit der SPS zu tun. Ein schizoider Mensch wird u.a. im Durchschnitt eher als jeder andere in der Lage sein, "nein" zu sagen, weil es ihm mehr oder weniger egal ist, was andere von ihm denken. Eher hat das mit dem Selbstbewusstsein zu tun, vielleicht hat man auch in der Kindheit gelernt, dass, wenn man nicht "ja" sagt, irgendetwas Schlimmes passiert. Ich wäge das Für und Wider gegeneinander ab. Neuen Bekanntschaften, die eine gewisse Sympathieschwelle nicht unterschreiten, gebe ich einen Vertrauensvorschuss. Sind sie aber im Gegenzug nicht für mich da, hat sich die Sache erledigt. Auch Personen, die sich in der Vergangenheit als unzuverlässig erwiesen haben, bekommen stets ein Nein. Bei den direkten Nachbarn helfe ich in der Regel immer und die helfen auch. Auch wäge ich ab, ob ich manche Leute noch mal "brauchen" kann, das vor allem im beruflichen Kontext. Werde aber auch eher selten gefragt, es traut sich keiner ran beziehungsweise es weiß kaum einer, was ich kann und was nicht. Meine Freundin, die in der Nähe wohnt, hilft eigentlich immer, fast mehr als ich (weil ich nur die eine Freundin habe, die ich um Hilfe fragen kann). Dafür gebe ich ihr oft Sachen aus dem Garten oder Gutscheine, die ich nicht benötige oder Flaschen mit alkoholischen Getränken, die sich bei mir auf wundersame Weise vermehren (weiß nicht, woher die kommen, trinke keinen Alkohol).
Bedenken Sie, dass Sie nach den geistigen Gesetzen das, was Sie an sich oder an anderen ablehnen oder hassen, in Ihr Leben ziehen. Dadurch sollen Sie lernen, alles im Leben anzunehmen und zu lieben, auch die Dinge, die Sie momentan noch verabscheuen.

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Re: Tun was andere wollen

Beitragvon Insuffizienz » 11. November 2016, 17:22

Nur so btw, Manipulation ist denke ich etwas anderes, insbesondere wenn du darum weißt wie du dich zu etwas bringen lässt, das dich irgendwie schädigt. Das ist kein Vorwurf. Ich neige auch dazu mir des Öfteren Unannehmlichkeiten zu ersparen, die auftreten würden, wenn ich gegen den Strom schwimmen würde. Man braucht dafür meist sehr viel Energie.

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Re: Tun was andere wollen

Beitragvon Helen » 11. November 2016, 18:48

Ich denke ihr habt recht, man braucht Selbstbewusstsein und Energie es durchzuhalten.Daran fehlt es mir.
Aber ich war immer ein angepasstes Kind, anders hätte ich nicht" überleben können".das hat sich bis ins Erwachsenenalter
fortgesetzt. Ist natürlich auch der bequemere Weg.

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Re: Tun was andere wollen

Beitragvon Kalliope » 11. November 2016, 21:07

Hmm. Ich bin da sozusagen das Komplement zu. Ich sage grundsätzlich eher erstmal nein, bzw. verhalte mich zurückhaltend, vorsichtig oder sogar ablehnend (ich "fremdle"). Ob das ein grundsätzliches Nein ist oder aber eines, welches sich aufweichen lässt, kann ich aber durchaus benennen.
Blöderweise bin ich sehr schnell bereit mit dem Aufweichen. Aber eben: weil die Abgrenzung so viel Kraft kostet, bemüht man sich um so mehr "bei sich zu bleiben".
Was die Anpassung angeht. Ja, es kostet Kraft, nicht mit dem Strom zu schwimmen. Aber man lernt irgendwann, sich nicht mehr in Erklärungen zu verlieren (die die meisten eh nicht interessieren und wenn, dann sollen sie halt nachfragen). ABER: ist der Ruf erst einmal ruiniert, lebt sichs gänzlich ungeniert. Heißt: wenn erst einmal das Umfeld gecheckt hat, dass Du anders tickst, bist Du entweder einfach ganz raus (ok, muss man auch aushalten können) oder aber: es finden sich solche mit Toleranz, die Dein Anderssein irgendwie wegstecken oder aufgrund anderer, eigener Besonderheiten sich halt sagen "jede/r nach seiner Façon". Nun wohne ich eh in einem großen Freilichtirrenhaus, wo kaum auffällt, wer irgendwie bisserl eigen ist. Aber andersrum: hier fällt auf, wer keine offensichtliche Macke hat ;-). Ich kann mir vorstellen, dass so aufm Dorf und in kleineren Gemeinschaften das Aushalten von Ausschluss, bzw. das Ausleben von erhöhtem Individualismus sich bisschen schwieriger gestaltet.
"In Wirklichkeit ist der andere Mensch Dein empfindlichstes Selbst in einem anderen Körper" Khalil Gibran
"Das Ideal einer vollkommenen Gesundheit ist bloß wissenschaftlich interessant. Krankheit gehört zur Individualisierung." Novalis

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Re: Tun was andere wollen

Beitragvon Helen » 12. November 2016, 06:50

Das habe ich auch festgestellt, die meisten sind eh nur an sich selber interessiert, wollen auch nur von sich erzählen.
Wenn man nicht gerade zu sehr auffällt, könnte man da eigentlich gut leben. Nur ich lebe auf dem Dorf, da fällt es auf, wenn du für
dich hinlebst.Single werden versucht zu verkuppeln.....
Mein Glück, ich war verheiratet, bin Witwe, so werde ich noch in Ruhe gelassen.

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Re: Tun was andere wollen

Beitragvon MirrorMirror » 12. November 2016, 15:08

Helen hat geschrieben:Ich denke ihr habt recht, man braucht Selbstbewusstsein und Energie es durchzuhalten.Daran fehlt es mir.
Aber ich war immer ein angepasstes Kind, anders hätte ich nicht" überleben können".das hat sich bis ins Erwachsenenalter fortgesetzt. Ist natürlich auch der bequemere Weg.

Energie braucht man, das ja. Selbstbewusstsein nicht unbedingt. Ich reagiere aus Selbstverteidung mit nein. Das ist ein rein defensiver Impuls.
Ich trete immer wieder gegen meinen Chef an. Es darf da regelmäßig gerne wieder ein bisschen mehr sein. Bis zu einer Grenze mach ich mit und verkünde dann ein "nein". Geht üblicherweise gerne schief. Hier aber nicht. Meine Leistung ist nicht zu ersetzen, das weiss er.
Im privaten Bereich hab ich die Probs nicht. Da gehts um nix. Beruflich hängt meine Existenz dran. Das macht es schwieriger.

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Re: Tun was andere wollen

Beitragvon knallschnute » 12. November 2016, 21:02

Hallo Helen,

"tun was andere wollen" hat sicherlich wenig mit einer schizoiden Persönlichkeitsstörung zu tun.
Wie schon von einigen Usern gesagt wurde, ist bei Leuten mit SPS eher das Gegenteil zu erwarten. Sie wollen nicht vereinnahmt und schon gar nicht manipuliert werden. Der Horror eines Schizoiden ist es doch die Kontrolle über sein eigenes Leben zu verlieren. Eher sind sie weg, als dass sie alles mit sich machen lassen!
Es gibt da auch noch die sogenannte "ängstlich vermeidende" Persönlichkeit, bei der ich mir ein solches Verhalten vorstellen kann. Eine solche Persönlichkeit würde aus Angst nicht widersprechen und einen Konflikt vermeiden wollen, also erstmal "ja" sagen.

Kleiner Tipp: Wäre es möglich, dass du nicht immer gleich zusagst, sondern dir erst einmal Bedenkzeit erbittest? Wenn du Zeit hast und den nötigen Abstand, dann kannst du vielleicht unbefangener und weniger überrumpelt auf das Hören, was du wirklich willst und dann auch eine entsprechende Antwort geben: "Ja." oder "Nein." (Weil du es willst...)

Liebe Grüße
Knallschnute
Die Hölle, das sind die anderen
(Jean-Paul Sartre)

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Re: Tun was andere wollen

Beitragvon Helen » 13. November 2016, 06:43

Hallo,Knallschnute, ist natürlich auch ein Weg. Habe ich bei größeren Dingen schon versucht.Hat aber im Endeffekt nichts gebracht, denn wenn ich drüber nachdenke, komme ich doch wieder zum gleichen Ergebnis. Bei Kleinigkeiten ist es auch blöd, erst um Bedenkzeit zu bitten.Es liegt wohl daran, das ich durch die SPS anders bin, und dieses Anderssein macht mir Probleme. So möchte ich wenigstens als hilfsbereit rüberkommen.

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Re: Tun was andere wollen

Beitragvon knallschnute » 13. November 2016, 07:11

Hallo Helen,

wenn du aufgrund deiner SPS als Hilfsbereit rüber kommen möchtest und somit ein von dir empfundenes Defizit auszugleichen versuchst, dann verstehe ich nicht so richtig, warum du von Manipulation der anderen sprichst.
Im Berufsleben ist es oft wichtig flexibel zu sein und in bestimmten Situationen "ja" zu sagen, weil man sich so dem Arbeitgeber gegenüber engagierter zeigt. Aber in meinem Privatleben sag ich nicht zu allem "ja und Amen..." nur, um nicht zu stark anzuecken. Ich denke, da hat man durchaus das Recht - gleich welche Persönlichkeitsmerkmale man sich nachsagen lassen muss - ehrlich zu sein und "nein" zu sagen, wenn man keine Lust oder Zeit hat.
Falls dir das so schwer fällt, dann übe das doch mal bei Dingen die nicht ganz so dramatisch sind, wenn du sie absagst. Vielleicht hast du durch das Erlebnis des Nein-sagen und der (hoffentlich) geringen Enttäuschung des Gegenüber die Möglichkeit dich in diesem Bereich weiter vor zu trauen.

Alles Gute!
Knallschnute
Die Hölle, das sind die anderen
(Jean-Paul Sartre)


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