Kranke Gesellschaft?

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Indigocat
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Re: Kranke Gesellschaft?

Beitragvon Indigocat » 5. Mai 2016, 11:21

3. Mai 2016, 17:31 » knallschnute hat geschrieben:Kommt dann so ein komischer Kauz daher und versucht den Einheitsbrei ein wenig neu zu würzen mit den seltenen Kräutern, die er in seinem "verstörendem Leben" gefunden hat, schmeckt der Masse das womöglich gar nicht mehr. Denjenigen, denen es zwar schmecken würde, die aber ungern auffallen wollen, geben das gar nicht erst zu.


Wobei ich aus meiner persönlichen Erfahrung schließe, es sind nicht die "Normalen", die andere Menschen aufgrund irgendwelcher Auffälligkeiten ausgrenzen. Wobei, was ist schon normal. Die psychisch "Normalen" sind in einer modernen Industriegesellschaft sowieso in der Minderheit. Die Leute sind sich selbst und der Natur entfremdet. Gerade auch hier in Deutschland sind wir die Nachkommen einer hochtraumatisierten Kriegsgeneration und viele beginnen erst jetzt zu begreifen, was eigentlich mit ihnen passiert ist. Wohlgemerkt die Intelligenteren und zur Selbstreflexion Fähigen... die anderen ... wie sonst kann man sich ein so ein Wiederaufleben nationalistischer Tendenzen wie jetzt erklären? Obwohl so eine Entwicklung schon einmal fast zum Untergang der Nation geführt hat und wieder führen wird und so viel Leid entstanden ist, sind die meisten Leute nicht lernfähig.

Was ich sagen wollte, die, die anderen gerne vorschreiben, wie sie zu leben haben (1) , sind jene, die eben Menschen zum Auffüllen ihrer eigenen inneren Leere und zur Bestätigung ihres Selbstbewusstseins brauchen. Diese sind selber emotional nicht verfügbar, nehmen aber an, alle anderen sollten emotional verfügbar sein. Wenn sich nun ein Mensch wie zum Beispiel der (rein) Schizoide als Quelle für emotionale Zufuhr entzieht, weil er sich selbst genügt, wird er sofort als Bedrohung der Integrität derjenigen erlebt, die auf diese emotionale Zufuhr angewiesen sind und es wird versucht, eben diese emotionale Zufuhr zu erzwingen durch Stalking z. B. oder wenn das nicht möglich ist, wird er bekämpft und ausgegrenzt.

Ich war mal mit einem Kind zu einer Reha-Maßnahme, da waren wir eine Einheit von mehreren Frauen mit ihren Kindern in einem Bungalow. Ich habe auch zu der Zeit schon über das Internet gearbeitet und mich abends zurückgezogen in unser Zimmer, um am Lap zu arbeiten. Nicht schlecht gestaunt habe ich, als plötzlich eine der Frauen an meine Tür geklopft hat und ich im Kommandoton vor ein versammeltes Tribunal gestellt wurde: Was ich mir eigentlich erlauben würde, alle säßen abends zusammen und würden Spiele spielen und ich grenze mich aus und schließe mich in mein Zimmer ein... ! Damals wusste ich noch nichts von schizoid oder so... Ich war nur echt wütend, wie so dämliche Tussis sich erlauben konnten, mir vorschreiben zu wollen, was ich mit meiner Freizeit mache, zumal ich die Arbeiten am PC ja machen musste. Das habe ich auch ziemlich militant vertreten. Es waren nur zwei der Frauen, die sich so verhalten haben, die anderen haben hinter vorgehaltender Hand auch gesagt, ich hätte ja recht, schließlich kann man sich ja auch mal zurückziehen, wenn man das Bedürfnis danach hat. Diese zwei Frauen waren aber auf keinen Fall normal, sie hatten wohl selber erhebliche Selbstwertprobleme, waren während der Reha auch in psychologischer Behandlung und haben pausenlos ihre Kinder angeschrien. Die Ärmsten konnten nie was recht machen, alles bis auf das Halten des Bestecks wurde abwertet und negativ kommentiert.


Oft sind Kinder und Jugendliche (samt ihrer konservativen Familien) bereits in der Lage schlimme Schicksale durch Ausgrenzen hervorzurufen. ....

Er sollte aber durchaus ein Recht haben der "Übereinkunft" entsagen zu können oder nur insoweit zu entsprechen, wie er dies vermag. Das Ausschließen aufgrund seiner "kranken" Verhaltensweise verdeutlicht, wie unfähig die Gesellschaft ist spielerisch miteinander umzugehen.


^^

(1) Sei es im Kleinen (Nachbar grüßt nicht) oder im Großen (die Ausländer passen sich nicht an, Frauen gehören an den Herd...) ...
Bedenken Sie, dass Sie nach den geistigen Gesetzen das, was Sie an sich oder an anderen ablehnen oder hassen, in Ihr Leben ziehen. Dadurch sollen Sie lernen, alles im Leben anzunehmen und zu lieben, auch die Dinge, die Sie momentan noch verabscheuen.

Lightness

Re: Kranke Gesellschaft?

Beitragvon Lightness » 10. Mai 2016, 15:18

Hey,

ihr schreibt sehr interessante Sachen zum Thema 'Kranke Gesellschaft'.
Ich bin der gleichen Meinung wie Wolfgang Schäuble. Ich denke auch, dass die gesamte Gesellschaft im Grunde behindert ist. Leider ist es bei mir so, dass ich psychisch und körperlich verkrüppelt und im gesellschaftlichen Sinne zu einer offiziell und amtlich registrierten Behinderten gemacht worden bin.
Ich kenne die Täter nicht mehr, ich war zu klein damals, aber ich glaube, dass auch die Täter behinderte oder verkrüppelte gewesen sein müssen.
Wahrscheinlich war es so, wie ein anderer User es hier bereits erwähnt hat: Meine Verkrüppelung war die Folge von einem oder mehreren Mitgliedern einer durch Kriegserfahrung traumatisierten Gesellschaft.
Tja, Pech gehabt, könnte man da sagen. Oder es ist mein Schicksal, dass ich so leben muss, wie ich nun lebe.
Mit sämtlichen gesellschaftlichen Einschränkungen, sowohl partnerschaftlich, beruflich als auch finanziell, muss ich nun leben, weil ich das Opfer dieser 'Kranken Gesellschaft' geworden bin.
Ich leide darunter. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es die nachfolgenden Generationen mal besser haben werden und besser machen werden. Und ich hoffe auch, dass ich dann nicht vergessen werde. :Blümelein:


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